Open Transfer Camp Inklusion

Ich bin am kommenden Samstag auf dem Open Transfer Camp zum Thema Inklusion in Dortmund. Es ist mein erstes Bar Camp und ich gebe zu: Mir geht die Muffe :)

Ich freue mich sehr dort einige treue und tolle Follower von Twitter zu treffen. Und natürlich auch auf das Programm.

Ich habe lange überlegt ob ich den Mut habe eine eigene Session vorzuschlagen. Was soll ich sagen? Gerade ging die Email mit meinem Sessionvorschlag raus. Natürlich möchte ich Euch daran teilhaben lassen und verspreche auch von den anderen Sessions zu berichten (so gut es geht!).

Hier mein Vorschlag:

Titel: Autismus Quergedacht. Wie die Innensicht von Autismus zur
Inklusion beitragen kann

Unter dem Titel “Autismus quergedacht” schreibe ich seit einigen
Jahren über meine Innensicht auf meine Behinderung Autismus. Mit der
Zeit entwickelte sich aus einem Blog der über Autismus informieren
sollte ein ganzes Informationskonzept das seit 2013 auch seinen Weg in
das “echte” Leben gefunden hat. Ich biete Gesprächsrunden an in denen
ich anfangs über die autistische Wahrnehmung informiere und danach
allen Teilnehmern die Chance biete Fragen zu stellen und mit mir ins
Gespräch zu kommen. Aufklärung durch Information aus erster Hand ist
mein beitrag zur Inklusion. Auch zu meiner persönlichen: Ich arbeite
mittlerweile als Referent in der Erwachsenenbildung, etwas das in
Zusammenhang mit Autismus für viele erstmal ein Widerspruch ist.
Ich freue mich auf den Informationsaustausch in der Session.

Was sagt Ihr dazu? Gibt es etwas was ich in der Session unbedingt ansprechen soll? Vielleicht treffe ich ja den einen oder die andere von Euch beim Bar Camp.

Aleksander

 

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Botschaft zum Thema ABA

Ich stehe als Person schon länger klar zu meiner Meinung. Von mir wird es auch zu schwierigen, weil brisanten, Themen eine klare Positionierung geben. Wer mich auf ABA angesprochen hat bekam auch eine klare Stellungnahme dazu was ich von dieser „Therapie“ halte. Bisher übte ich die Kritik allerdings eher aus Sicht eines Autisten und was ich als Mensch davon halte. Seitdem ich Inklusionsbotschafter bin finde ich es jedoch auch notwendig mal die Seite Menschenrechte und UN-BRK genauer zu beleuchten. Nicht das mir das vorher egal gewesen wäre. Nein ich legte meinen Schwerpunkt nur auf die Erklärung aus der Innensicht und versuchte so ein Bewusstsein dafür zu schaffen wie problematisch ABA ist. Mit diesem Blogpost und der damit verbundenen Botschaft möchte ich meine Meinung nun um eine Facette erweitern. Ich bedanke mich ganz herzlich beim Vorstand von Autismus Mittelfranken auf deren sehr ausführliche und eindrücklich geschriebene Stellungnahme zum Thema ABA ich gerne verweise.

Als Inklusionsbotschafter ist es meine Aufgabe die Umsetzung der UN-BRK zu fördern und mich dafür einzusetzen. Zum Einstieg möchte ich gerne Artikel 1 der UN-BRK zitieren:

Zweck

Zweck dieses Übereinkommens ist es, den vollen und gleichberechtigten Genuss aller Menschenrechte und Grundfreiheiten durch alle Menschen mit Behinderungen zu fördern, zu schützen und zu gewährleisten und die Achtung der ihnen innewohnenden Würde zu fördern.

Zu den Menschen mit Behinderungen zählen Menschen, die langfristige körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, welche sie in Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können.

 

 

Bei Menschenrechten und Grundfreiheiten fallen mir zum Beispiel Artikel 1 und 2 des Grundgesetzes ein.  Wenn ich mir die zahlreichen Videobeispiele von ABA Sitzungen anschaue frage ich mich schon ob hier

  1. die Würde der autistischen Kinder gewahrt bleibt wenn man bis zu 40 Stunden mit Ihnen im Befehlston immer wiederkehrend „erwünschte“ Handlungen konditioniert. Stellen Sie sich vor, dass sie von nahen Bezugspersonen ständig z.B. mit „Zeig Boden!“ traktiert werden. Finden sie das würdevoll und angemessen?
  2. Ob sich autistische Kinder die mit ABA konditioniert werden wirklich ihre Persönlichkeit frei entfalten können. Immerhin werden ihnen, von außen als unangemessen angesehene, Verhaltensweisen wie Stimming abtrainiert. Ungeachtet dessen, dass genau dieses Stimming –als Beispiel- eine natürliche und selbstgewählte Methode des Autisten ist sich zu regulieren. Eine Persönlichkeit kann sich nicht frei entfalten, wenn mittels Konditionierung Verhaltensweisen und Persönlichkeitsmerkmale fremdbestimmt antrainiert werden. Gleiches gilt für die „therapeutische“ Löschung von unangemessen empfundenen Persönlichkeitsteilen.
  3. Ob innerhalb einer ABA „Therapie“ die körperliche Unversehrtheit garantiert werden kann. Zum einen birgt das „Löschen“ von Stimming oder anderen regulierenden Verhaltensweisen die große Gefahr, dass es verstärkt zu Meltdowns und Shutdowns beim Autisten kommt. Diese können durchaus, bedingt durch Panik- und Fluchtreaktionen, auch selbstgefährdend sein. Aber nicht nur die körperliche Unversehrtheit steht auf dem Spiel, das gilt auch für die psychische Unversehrtheit. Ob der äußerlichen „Erfolge“ von ABA wird konsequent übersehen, dass die Autisten bedingt durch die Fremdprägung und Konditionierung verstärkt psychische Krankheitsbilder wie Depressionen entwickeln können. Dies liegt an dem Widerspruch zwischen an- bzw abtrainiertem Verhalten und den Bedürfnissen denen Autisten durch diese Konditionierung nicht mehr nachgehen können. Sie werden quasi dazu gezwungen sich ständig zu verbiegen und nicht so leben zu können wie sie es bräuchten.

 

Artikel 3 der UN-BRK greift obige Punkte teilweise auch noch einmal auf:

 

Allgemeine Grundsätze

Die Grundsätze dieses Übereinkommens sind:

a) die Achtung der dem Menschen innewohnenden Würde, seiner individuellen Autonomie, einschließlich der Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen, sowie seiner Unabhängigkeit;

b) die Nichtdiskriminierung;

c) die volle und wirksame Teilhabe an der Gesellschaft und Einbeziehung in die Gesellschaft;

d) die Achtung vor der Unterschiedlichkeit von Menschen mit Behinderungen und die Akzeptanz dieser Menschen als Teil der menschlichen Vielfalt und der Menschheit;

e) die Chancengleichheit;

f) die Zugänglichkeit;

g) die Gleichberechtigung von Mann und Frau;

h) die Achtung vor den sich entwickelnden Fähigkeiten von Kindern mit Behinderungen und die Achtung ihres Rechts auf Wahrung ihrer Identität.

 

Wer mittels ABA in das Leben eines Autisten eingreift, verstößt meiner Meinung nach massiv gegen die Punkte a, d und h. Autistische Kinder und Erwachsene können aufgrund der fremdbestimmten Konditionierung weder die Unterschiedlichkeit ausleben noch die sich ihnen bietenden Fähigkeiten oder ihre eigentliche Identität bewahren. Auch ist die Freiheit eigene Entscheidungen zu treffen nachhaltig eingeschränkt da gewisse Entscheidungen von außen entweder hinzukonditioniert oder gelöscht werden.

Artikel 17 greift nochmal die Unversehrtheit auf und schließt ausdrücklich die seelische Unversehrtheit mit ein:

 

Schutz der Unversehrtheit der Person Jeder Mensch mit Behinderungen hat gleichberechtigt mit anderen das Recht auf Achtung seiner körperlichen und seelischen Unversehrtheit.

 

Wie man sehen kann: ABA ist im Lichte der UN-BRK betrachtet durchaus relevant und zu diskutieren. Außerhalb der UN-BRK kommen meiner Meinung nach noch folgende Kritikpunkte hinzu:

  1. Therapien gehören in die Hände von ausgebildeten Fachpersonen. ABA wird vorwiegend aber durch die Eltern oder vorwiegend studentische Co-Therapeuten praktiziert.
  2. Gerade bei einer derart eingreifenden Therapieform wie ABA ist es zu beanstanden, dass nahestehende und weitestgehend ungeschulte Personen diese durchführen. Eine Trennung von Wünschen der Therapieausführenden und den Bedürfnissen des therapierten ist nicht sicher gewährleistet.
  3. Gerade im heimischen Umfeld und bei nahestehenden Vertrauenspersonen wie den Eltern oder Geschwistern sollte Therapiefreiheit herrschen. Ein autistischer Mensch hat bei einer Therapie in seinem Zuhause keine Chance sich dieser zu entziehen oder auszuweichen. Das Vertrauensverhältnis zu eben diesen Personen kann durch eine Durchführung einer Therapie nach ABA nachhaltig gestört werden.
  4. Beim Vorgang der “Löschung” werden Eltern dazu aufgefordert “unerwünschtes Verhalten” durch konsequentes Ignorieren des Kindes zu korrigieren. Man könnte hier -bösartig gesagt- davon ausgehen, dass Autismus bzw durch ihn ausgelöstes “unerwünschtes Verhalten” durch eine Kühlschrankmutter die ihr Kind ignoriert und schreien und weinen lässt korrigiert werden könnte. Früher sagte man noch, dass genau solches Kühlschrankmutterverhalten Autismus verursacht. Der durch die ABA Methode erzwungene Entzug von Nähe, Liebe und Zuneigung als Mittel innerhalb einer “Therapie” ist keine Lösung und treibt letztendlich einen weiteren Keil in die vertrauensvolle Verbindung zwischen Mutter und Kind und nimmt einem autisitschen Kind einen weiteren Sicherheitsfaktor im Alltag.

Schaut man sich Artikel 4 der UN-BRK an findet man folgendes:

 

Allgemeine Verpflichtungen

 

(1) Die Vertragsstaaten verpflichten sich, die volle Verwirklichung aller Menschenrechte und Grundfreiheiten für alle Menschen mit Behinderungen ohne jede Diskriminierung aufgrund von Behinderung zu gewährleisten und zu fördern. Zu diesem Zweck verpflichten sich die Vertragsstaaten,

a) alle geeigneten Gesetzgebungs-, Verwaltungs- und sonstigen Maßnahmen zur Umsetzung der in diesem Übereinkommen anerkannten Rechte zu treffen;

b) alle geeigneten Maßnahmen einschließlich gesetzgeberischer Maßnahmen zur Änderung oder Aufhebung bestehender Gesetze, Verordnungen, Gepflogenheiten und Praktiken zu treffen, die eine Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen darstellen;

c) den Schutz und die Förderung der Menschenrechte von Menschen mit Behinderungen in allen politischen Konzepten und allen Programmen zu berücksichtigen;

d) Handlungen oder Praktiken, die mit diesem Übereinkommen unvereinbar sind, zu unterlassen und dafür zu sorgen, dass die staatlichen Behörden und öffentlichen Einrichtungen im Einklang mit diesem Übereinkommen handeln;

 

Ich persönlich sehe hier die Deutsche Bundesregierung in der Verpflichtung für folgendes zu sorgen:

  1. Nach Artikel 4, Absatz 1, Punkt b) dringend zu prüfen, ob ABA in Zukunft nicht mehr durch öffentliche Organe und Stellen finanziert und damit unterstützt wird.
  2. Nach Punkt d) ebenfalls zu prüfen, ob ABA als Therapieform sowohl mit den Grundrechten wie auch mit der UN-BRK als unvereinbar anzusehen ist und daraufhin möglicherweise nicht mehr in Deutschland durchgeführt werden darf.

Ich wünsche mir, dass noch viele Verbände, Organisationen und Autisten aufstehen und klar Stellung zu ABA beziehen. Ich möchte dazu beitragen ein Zeichen zu setzen, dass ABA die Würde von autistischen Menschen verletzt und nicht dem Wohle der therapierten Autisten dient. Eine Therapie kann nicht dazu gemacht sein Menschen fremdbestimmt auf Norm zu biegen. Sie muss Menschen in ihrem Alltag unterstützen und Hilfestellungen anbieten.

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Termine für Gesprächsrunden

Die Gesprächsrunden 2015 haben letzte Woche begonnen. Ich war vom AK Autismus in die Eugen-Neter Schule in Mannheim zu einer Gesprächsrunde eingeladen. 26 Teilnehmer/-Innen fanden sich zusammen und stellten nach meinem Vortrag über die autistische Wahrnehmung viele Fragen. Wie auch schon in Berlin waren die Fragen vielfältig und gingen durch das gesamte Themenspektrum Autismus. Ich habe mich sehr über die rege Beteiligung gefreut und bin sehr gerne in Zukunft wieder Gast beim AK Autismus. Was ich wieder gemerkt habe: Es gibt Fragestellungen oder Probleme die auch mich nicht so schnell loslassen und noch länger beschäftigen. Umso mehr wenn man merkt, dass die Teilnehmer mit Herz dabei sind und Tipps und Ideen aufsaugen und interessiert notieren. Was ich damit sagen möchte: Ich gebe nicht nur, ich nehme bei solchen Gesprächskreisen auch unheimlich viel mit. Für alle kommenden Gesprächsrunden. Und 3 Stunden klingen viel, sind aber bei dem Umfang des Themas Autismus oft noch viel zu wenig.

Die Gesprächsrunden sind ja nun auch zu einem Projekt für meine Arbeit als Inklusionsbotschafter geworden.  In diesem Rahmen, und auch damit ich noch viele Tipps, Feedback und Erfahrungen geben und mitnehmen kann, an dieser Stelle ein Aufruf von mir:

Ihr möchtet eine Gesprächsrunde mit mir organisieren und anbieten? Meldet Euch bei mir, für das Jahr 2015 sind noch Termine möglich! Es sind sowohl offene Gesprächsrunden für alle die kommen möchten wie auch geschlossene für einen bestimmten Personenkreis möglich. Die Kosten sind wirklich überschaubar und meistens schon durch die Teilnahmegebühr für die Teilnehmer gedeckt. Einen Teil finanziere ich auch aus meinem Stipendium für Inklusionsbotschafter.

Nachfolgend auch noch eine Liste mit den bereits fest geplanten Gesprächsrunden 2015:

10.05. Berlin in den Räumlichkeiten der Traumdisco. Kosten pro Teilnehmer 10 Euro. Dauer mindestens 3 Stunden. Es sind noch Plätze frei!

30.05. Olten (CH) Geschlossene Gesprächsrunde. Keine Anmeldung mehr möglich

25.09. Heusenstamm Geschlossene Gesprächsrunde. Keine Anmeldung möglich

03.10. Berlin in den Räumlichkeiten der Traumdisco. Kosten pro Teilnehmer 10 Euro. Dauer mindestens 3 Stunden. Es sind noch Plätze frei!

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2 Stunden Autismus im Radio

Morgen (Freitag 27.02)  ist es soweit: Ich werde das erste Mal in einem richtigen Sendestudio sitzen und mich zwei Stunden lang mit einer Moderatorin über Autismus und meine Arbeit unterhalten. Ich weiß im Moment noch so gar nicht was da auf mich zukommt…und ja: Ich bin sowas von nervös.

Wenn Ihr zuhören möchtet, könnt Ihr dies auf verschiedenen Wegen:

Wiesbadener haben es einfach: UKW 92,5 bzw. im  Kabel 99,85 MHz.

Wer auf der anderen Rheinseite (Mainz) wohnt empfängt Radio Rheinwelle über 102,7 im Kabel.

Der Rest der Welt kann den Stream unter Radio Rheinwelle finden und zuhören.

Die Sendung wird am Freitag den 27.02. von 17 bis 19 Uhr ausgestrahlt.

Ich werde in der Sendung dann sicher auch etwas zu meiner zukünftigen Arbeit als Inklusionsbotschafter des Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. und über mein Projekt dafür berichten. Ihr dürft gespannt sein.

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Inklusion ist: Wenn Behinderung keine Rolle mehr spielt

Ich habe schon vor einem Jahr etwas über Inklusion, Schauspieler und Rollen mit Behinderung geschrieben.

Gestern hatte ich von Julia Probst zwei Tweets direkt nacheinander in meiner Timeline:

„Jedesmal, wenn ein nichtbehinderter Schauspieler einen Behinderten spielt, ist die Darstellung fast immer falsch und schadet der #Inklusion.“

„Und jeder, der nicht begreift, dass #Schauspieler keine Rollen mit Behinderung spielen können, hat das mit der #Inklusion nicht begriffen.“

Meiner Meinung nach vermischt Julia hier zwei voneinander unabhängige Argumentationen und schadet – in meinen Augen- mit der Schlussfolgerung selbst dem Bild der Inklusion.

Qualität

Es liegt in der Natur der Sache, dass Schauspieler die nicht behindert sind sich schwer damit tun eine Rolle mit Behinderung realistisch auszufüllen. Wer nicht seit langem Blind ist weiß eben nicht wie es ist blind zu sein. Wer nur mal für eine Proberunde im Rollstuhl gesessen hat kann natürlich einen Rollstuhlfahrer, mit all seiner Erfahrung im Alltag, nicht realistisch verkörpern. Und wer sich nicht intensiv mit Autismus befasst hat –die Wahrnehmung kann man leider nicht simulieren und mal ausprobieren- wird es schwer haben sich in eine autistische rolle realistisch rein zu versetzen. Insoweit ist es gut, wenn man versucht und anstrebt Rollen über behinderte Menschen auch mit solchen zu besetzen. Aber auch das garantiert nicht immer eine realistische Darstellung. Es macht sie nur realistischer. Eines darf man hier nämlich nie vergessen: Kennst Du einen Menschen mit Behinderung kennst du genau diesen einen. Nicht jeder Rollifahrer, blinde Mensch oder autistischer Mensch ist gleich. Wir sind alle unterschiedlich und so wird immer jemand sagen: Das war aber nicht realistisch gespielt. Weiterlesen

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Autismus, indonesische Darmwürmer und zerstörte Familien

Gestern lief im Nachmittagsprogramm des ZDF eine Folge der Sendung Planet e. Thema gestern war „Schutz durch Schmutz“ .

Im Kern bezieht sich diese Sendung auf die Annahme, dass je hygienischer Kinder aufwachsen sie ein umso größeres Risiko haben chronisch krank zu werden. Als Beispiele werden hier Diabetes Typ 1 (Autoimunerkrankung) und Asthma bzw. Allergien erwähnt. So weit so gut, wenn da nicht noch eine dritte „Krankheit“ ständig in der Sendung auftauchen würde: Autismus.

Aber lassen wir doch einfach die Sendung für sich sprechen.

Nachdem auch Autismus erwähnt wurde:

„Was läuft hier schief? Versagt die Medizin? Oder wachsen die Kinder in einer Umwelt auf die sie immer kränker macht?“

Wieder in Bezug auf Autismus und das es sich um eine genetische Komponente handelt:

„Doch was bringt die Krankheit konkret zum Ausbruch?“

„In den entlegensten Regionen Indonesiens sind Autismus, Diabetes und Asthma  unbekannt. Hygiene gibt es keine…aber viel Bewegung.“

Und Darmparasiten wie Würmer. Bewegung mag ja bei vielem helfen (auch bei Diabetes Typ II um den es im Beitrag aber nicht geht), aber weder verhindert sie Diabetes Typ I als Autoimunerkrankung noch Autismus als angeborene und genetische bedingte tiefgreifende Entwicklungsstörung.

Im Beitrag werden immer wieder Diabetes, Asthma und Autismus vermischt. Übersehen wird dabei, dass Autismus eben angeboren ist.  Das man Autismus strikt aus diesem Beitrag hätte raushalten können und müssen zeigt die Aussage einer forschenden Medizinierin:

„Manche Leute spekulieren auch, dass das vielleicht etwas mit Autismus zu tun hat.“

Beim Thema wird zuviel spekuliert. Ist es der Darm, sind es Autismuswürmer die mit Chlorbleiche ausgetrieben werden müssen, ist es ein Parasitenbefall, das Leben an einer Schnellstraße, Glutenunverträglichkeit, zuviel Zucker, die Beschneidung von Jungen und was nicht noch alles schon als möglicher Grund für Autismus gesehen wurde. Das ZDF setzt noch einen drauf und bringt auch den Geburtsvorgang mit Autismus in Zusammenhang:

„Auch Kinder mit Autismus werden überdurchschnittlich per Kaiserschnitt entbunden.“

Erwähnt wurde kurz vorher, dass die Zahl der Kaiserschnitte in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten massiv zugenommen hat. Darüber nachgedacht, dass hier zwischen steigenden Kaiserschnitt- und Autismuszahlen KEIN kausaler Zusammenhang besteht wurde anscheinend nicht. Ich frage mich ob der Autor der Sendung auch behauptet hätte, dass überdurchschnittlich viele Kinder mit Autismus mit Bio Obst und Gemüse ernährt werden. Denn auch der BIO Trend hat in den letzten 15  bis 20 Jahren massiv zugelegt.

Mit Spekulationen welcher Umstand oder Stoff Autismus auslöst hilft Autisten und deren Familien nicht im Geringsten. Es bringt nur regelmäßig neue „Wunderheiler“ und Spinner auf den Plan die der Meinung sind sie hätten DIE Lösung für Autismus gefunden.

Soweit so schlimm. Was aber noch erschreckender war, war der Unterton der während der gesamten Sendung beim Thema Autismus mitschwang. Es hörte sich schon stark nach einer Werbesendung für Autism Speaks an. Was die mit „I am Autism“  angerichtet haben und welche Meinung sie verbreiten habe ich in diesem Blog schon mehrfach beschrieben.

In der Sendung kommt genau eine Familie mit einem autistischen Kind zu Wort. Hier ein paar der Aussagen vom Offsprecher und der Mutter:

„So sollte sie aussehen: eine glückliche Kindheit. Doch immer mehr Kindern bleibt sie verwehrt. […] Autismus wird immer häufiger[…]“

„Das Familienleben war schwer belastet. Als David 4 war nahm sich sein Vater, der an Depressionen litt, das Leben.“

„Mutter: Zwischen 80 und 90% aller Paare mit einem autistischen Kind sind getrennt weil die Beziehung das halt nicht aushält.“

Ich möchte mir kein Urteil über diese Familie und deren Erlebnisse erlauben. Was aber heraussticht ist der Unterton, dass Autismus Familien zerstört (woher kommen die 80 bis 90%?), Autismus das Familienleben so schwer belastet, dass sich ein Elternteil umbringt (Depression ist auch eine Krankheit)  und das den Kindern eine glückliche Kindheit verwehrt bleibt.

Es entsteht ein Bild, dass Autismus dringend geheilt werden muss. Und von da ist es nicht weit zur Forderung von Autism Speaks Autismus genetisch noch vor der Geburt verhindern zu können.

Autismus ist nicht das absolute Leid! Autismus ist sicher kein Kinderspiel und bringt für den Autisten und die Angehörigen sicher viele Probleme mit sich. Aber Autismus hat – wie alles andere auch- zwei Seiten. Und die zweite Seite habe ich massiv vermisst.

Oder um wieder mit der Mutter bzw. der Diagnostikerin die den Autismus beim Sohn festgestellt hat zu sprechen:

„Autismus, angeboren, unheilbar“

Hätte man sich diese harte Aussage zu Herzen genommen wäre vielleicht eine gute Sendung bei rausgekommen. Eine die akzeptiert, dass Autismus angeboren ist und das man auch weder mit Darmwürmern, Darmkeimen noch Stuhltransplantationen daran etwas ändern kann. Autismus ist eine unheilbare Behinderung. Und dennoch ist sie kein Weltuntergang.

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Im Ziel und der Endspurt geht weiter

Liebe Fans und Unterstützer,

mit Eurer Hilfe haben wir es gemeinsam geschafft: Das Buch kann veröffentlicht werden. Damit geht ein Traum für mich in Erfüllung.

Wie geht es nun weiter?

Das Lektorat bekommt nun viel Arbeit, ich schließe den Autoren- und Buchvertrag mit Book on Demand und noch viele andere Dinge kommen endlich in Gang. Ich muss noch Ideen für ein Cover sammeln und dann eines aussuchen, mich für den finalen Titel des Buchs entscheiden (obwohl ich ihn bzw. den Arbeitstitel eigentlich schon verraten habe).  Ich halte Euch hier und bei Startnext natürlich auf dem Laufenden und werde immer wieder mal von Fortschritten bei der Buchproduktion berichten. Der nächste Meilenstein ist für mich erreicht, wenn ich das gedruckte Buch bzw. dessen  Ansichtsexemplar das erste Mal in Händen halte. Und dann geht die Arbeit weiter:  Schließlich wollt Ihr Eure Exemplare ja auch im Briefkasten oder der Paketstation wiederfinden. Und wenn dann alles erledigt ist geht es weiter mit:  Werbung machen, Pressearbeit, hoffentlich einige Lesungen bzw. Gesprächsrunden veranstalten.

Und wer weiß: Vielleicht kommt ja noch mehr von mir in Papierform?

Aber auch hier geht es in den kommenden sechs Tagen noch weiter:

Ihr könnt weiterhin das Buch vorbestellen, ein Buch für andere spenden, Euch das „Wiesbadener Autoren“ Paket mit den Themen Autismus und Mobbing sichern und derzeit noch eines von sechs verfügbaren limitierte Hardcoverexemplare erwerben.

Für den 02.04, also dem Welt Autismus Tag, kann man mich ebenfalls noch für einen Vortrag oder eine Gesprächsrunde buchen.

Das Buch ist ja nun finanziert, Ihr fragt Euch vielleicht: Was macht Aleksander denn mit dem Geld was jetzt noch über das Crowdfunding reinkommt?

Es kommt alles der Aufklärungsarbeit über Autismus zu Gute. Von dem Geld was nach der Buchproduktion übrig bleibt werde ich die Anzahl der verfügbaren Buchspenden aufstocken.  Exemplare aus diesem Pool können dann bei mir angefragt werden.  Vielleicht ergibt sich auch die Chance, dass ich die Kosten für eine oder zwei Gesprächsrunden damit abdecken kann. Das wären dann zusätzliche Informationsveranstaltungen die sich in diesem Jahr realisieren lassen.

Ihr seht: Solange das Crowdfunding läuft könnt Ihr Euch nicht nur ein Exemplar von meinem Buch zum Verkaufsstart sichern, Ihr bewegt damit auch etwas in der Aufklärungs- und Informationsarbeit rund um Autismus.

Viele Grüße

 

Aleksander

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