Ein Autist in der Regelschule: Weggesperrt und ausgegrenzt

Es gibt Situationen da gehen mir, oftmals nach einem Gespräch, Erlebnisse und Erfahrungen aus meiner Kindheit, nicht mehr aus dem Kopf. Das kennt wohl jeder: Man schleppt so einige Felsbrocken mit sich herum und hadert dann doch das eine oder andere Mal mit Dingen, die einem im Leben passiert sind. Wie man am Titel dieses Blogposts erkennen kann: Mir ist die (Regel)schule passiert! Rückblickend gesehen kam es mir wohl zu Gute, dass ich damals noch keine Autismusdiagnose hatte. Wer weiß, wie grausam meine Schulzeit dann ausgefallen wäre. Aber auch ohne Diagnose spielte mir der Schulalltag doch so manches Mal böse mit. Und eben weil es mir aktuell nicht aus dem Kopf gehen möchte, werde ich nun darüber schreiben. In der Hoffnung, dass ich zum einen endlich mal mit dem Mist abschließen kann, zum anderen, dass vielleicht der ein oder andere Lehrer sich das Erlebte zu Herzen nimmt und versucht, es bei seinen Schülern und Autisten besser zu machen. Eine Warnung vorweg: Es sind meine ganz persönlichen und natürlich auch subjektiven Eindrücke, die ich hier niederschreibe. Und es sind jene, die mich besonders negativ geprägt haben. Ein größerer Themenblock über Schule ist geplant und dort wird es natürlich auch wieder konstruktiv und positiv zugehen.

Die Zeichen der doppelten Naturwissenschaften

Ich weiß nicht woran es liegt, aber irgendwie hatte ich in meiner Schulzeit häufiger mal Probleme mit Lehrerinnen, die kleiner waren als ich. Und ich bin eigentlich schon ein Schrumpfgermane. So auch in meinen, mehr oder weniger freiwillig gewählten, doppelten Naturwissenschaften. Da ich meine Mittelstufe auf einer integrierten Gesamtschule absolviert habe, durften so einige Fächer gewählt werden. Französisch, das werdet Ihr gleich lesen, war nicht so mein Ding und so kam es mir nur zu gelegen, dass ich dieses unleidliche Fach für die Klasse 9 und 10 abwählen konnte. Als Gegenleistung dafür wurden mir Chemie, Biologie und Physik quasi doppelt aufgebrummt. Ich hatte zwei Jahre lang die Naturwissenschaften also zweifach, und natürlich, wie sollte es anders sein, immer bei zwei unterschiedlichen Lehrern. Oder eben Lehrerinnen. Wenn ich an diese Zeit zurückdenke, hat sich ein Bild wohl am stärksten eingebrannt: Eine wirklich kleine Lehrerin, die sich hinter einem, für naturwissenschaftlichen Unterricht typischen, „Lehrer-Experiment-Tisch“ aufbaut, die Fäuste aufstampft, mich von unten anschaut und danach anscheißt. Ich weiß gar nicht mehr, was damals der Auslöser dafür war, aber dieses Bild geht mir nicht aus dem Kopf. Mittlerweile kann ich darüber nur schmunzeln, damals war es für mich sehr verwirrend. Dieses Aufbäumen, der Anschiss der folgte, einfach diese ganze Situation. Und irgendwie war genau diese Situation wohl bezeichnend für die zwei Jahre, die ich da durchleben musste. War ich in den „normalen“ Naturwissenschaften bei anderen Lehrern immer im oberen Notenbereich, so war ich bei dem Ersatzunterricht unter den zwei schlechtesten Schülern. Am Wissen kann es nicht gelegen haben. Und eigentlich hätten mir diese Ersatzstunden gut tun müssen, wir waren nur 9 Schüler! Chancen hatte ich keine. Egal was ich machte, es wurde von der Lehrerin verlacht, in den Dreck gezogen oder gar ignoriert. Beispiel gefällig? Wir bekamen zu einer Stunde ein Pflanzenbestimmungsbuch in die Hand gedrückt und gingen damit auf den Schulhof. Wir sollten eine Pflanze bestimmen. Alle blätterten lustlos herum. So gab uns die Lehrerin einen Tipp: diese Pflanze/die Beeren sind sehr Vitamin C reich. Da wusste ich sofort was es war: Sanddorn. Es war wirklich Sanddorn…nur hatte ich es eben gewusst und nicht nachgeschlagen. Setzen 6!

Faul rumsitzen und andere Komplimente

Vielleicht fragen sich nun einige, warum ich mir diesen doppelten Naturwissenschaftlichen Stress angetan habe. Die Antwort ist sehr einfach: Französisch war für mich ein einziger Horror! Dummerweise war ich im ersten Halbjahr Französisch sehr lange krank. An einen Anschluss an die Klasse war nicht wirklich zu denken. Und so kam es wie es kommen musste: Ich verstand nicht, was Frau Lehrerin da von mir wollte und so war der Lerneffekt auch gleich 0. Was mich aber nachhaltig wirklich getroffen und verletzt hat, war der Umgang der Lehrerin mit dieser Situation. An Unterstützung war nicht zu denken, nein. Sie ließ ihren Frust an mir aus. So flogen mir dann im Unterricht schon mal solche Sätze wie „Sitz nicht so faul herum!“ und wesentlich Schlimmeres um die Ohren. Kurz gefasst: Sie griff mich vor der Klasse an, stempelte mich ab und gab mir das Gefühl ein Sprachversager zu sein. Mir ging das so zu Herzen, dass ich irgendwann, ich wusste die Lösungen ja sowieso nicht, bei einer Klassenarbeit jeden einzelnen Satz, den sie mir an den Kopf geworfen hat, auf das Lösungsblatt geschrieben habe. Insgeheim in der Hoffnung, dass sie mal merkt wie verletzend sowas sein kann. Ergebnis? Schlechte Note und ein „netter“ knallroter Kommentar: Schön! Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung! Hätte die gute Frau F. nur selbst mal diesen ersten Schritt getan und etwas Einsicht gezeigt!

Statistisch gesehen unmöglich!

Aber nicht nur die Sprachen waren schwer für mich. Auch wenn man wohl vielen Autisten nachsagt sie haben eine besondere mathematische Begabung, bei mir war das wohl eher nicht so. Oder waren es doch die Lehrer? Für alle, die das System einer Integrierten Gesamtschule nicht kennen: Es gibt dort ab Klasse 7 ein dreistufiges Lehrsystem. A Kurse ( Gymnasialniveau), B Kurse ( Realschulniveau) und C Kurse (Hauptschulniveau). Anfangs war ich in jedem Fach im A Kurs Bereich. Mathe fiel mir leicht, viele Lösungen wusste ich einfach ohne groß zu rechnen. Und das war leider mein „Fehler“. Ohne Lösungsweg sind Prüfungsaufgaben nämlich nicht gelöst. Und wenn der Lösungsweg von dem abweicht, den man gelernt hat, ist das auch mehr als kriminell. Schließlich kann es ja nicht sein, dass ein Schüler einen Lösungsweg entwickelt, den der Lehrer entweder nicht versteht oder nicht gelehrt hat. Ich wiederum hatte einfach keine Lust etwas mühsam niederzuschreiben, was für mich klar und einfach war. Warum muss ich einen Lösungsweg mühsam konstruieren, wenn ich die Lösung doch wusste? Mir leuchtete das nicht ein. Und wenn ich mir dann einen Lösungsweg gebastelt habe, konnte der Lehrer ihn, betrachtet man die roten Kommentare unter den Klassenarbeiten, nicht nachvollziehen. Mathe wurde zum massiven Stress für mich. Meine Mathekarriere an dieser Schule war besiegelt: Ich musste in einen sogenannten Stützkurs. In diesen Kursen wurde von einem anderen Lehrer ermittelt ob man nun im oberen Kurs bleiben durfte oder einen Kurs absteigen musste. Für mich war der erste Stützkurs ein Weltuntergang! Ich verstand die Welt nicht mehr. Da sich der Mathelehrer weigerte mich im A Kurs zu behalten ging ich also irgendwann in den B Kurs. Und was passierte? Ich stieg umgehend von einer 5 auf eine 1. Und das lag sicher nicht an einem vermeintlich leichteren Stoff. Parallel dazu bescheinigte der A Kurs Lehrer meiner Mutter: Ihr Sohn wird den Hauptschulabschluss nicht schaffen! Meine Mutter nahm es gelassen, ich war tief getroffen! Das Ende dieser Geschichte: Ich weigerte mich wieder in den A Kurs zu gehen, obwohl ich den Noten nach wieder dahin gemusst hätte. Und Jahre später machte ich mein Abitur. Dumm gelaufen Herr A.!

Abitur? Haha!

Irgendwann in der Klasse 10 sollten und mussten sich die Schüler ja entscheiden wie es im schulischen Leben weitergehen sollte. Die einen gingen ab, die anderen auf ein weiterführendes Gymnasium. Ein solches war im Nachbarort und da viele dahin gehen wollten, wurde ein geschlossener Klassenbesuch zu diesem Gymnasium gemacht. Man konnte einem Lehrer dort Fragen stellen und sich die Schule anschauen. Ich hatte mich mittlerweile eigentlich dazu entschlossen Abitur zu machen. Keine Ahnung, was mich damals geritten hat, aber ich nahm meinen Mut zusammen und stellte eine für mich wichtige Frage:

Darf ich bei Ihnen Abitur machen, auch wenn ich nur 2 Jahre lang eine zweite Fremdsprache gemacht habe? Habe ja Ersatzkurse dafür belegt.

Die Antwort war, man kann es anhand der Überschrift erahnen: Ein lautes Lachen. Nein, das ginge nicht, man müsste in Hessen schon mindestens 4 Jahre eine zweite Fremdsprache erlernt haben, um Abitur machen zu dürfen. Um ehrlich zu sein: Ich verstand die Welt nicht mehr. War das, was ich durchlitten hatte wirklich so lachhaft? War es peinlich eine Frage zu stellen, die einem derart wichtig war? Anscheinend. Meine Motivation, Abitur zu machen sank unter den Nullpunkt und mein Selbstwertgefühl, das noch spärlich vorhanden war, schwamm gerade den kleinen Bach hinunter, der unsere kleine Ortschaft durchquert. Alleine dass mich ein Lehrer für mein Bestreben Abitur zu machen auslachte, war kränkend ohne Ende. Es kann nicht schlimmer kommen? Leider kann es das doch:

Die Kunst der Pädagogik

Wenn mich jemand nach meinen schlimmsten und demütigensten Schulerlebnissen fragt, wird er welche aus dem Kunstunterricht zu hören bekommen. Ich könnte wahrscheinlich ein halbes Buch über Kunst, den Unterricht und Frau O. schreiben. Viele mögen es vielleicht als übertrieben ansehen, aber damals habe ich es als extrem demütigend und erniedrigend empfunden, was mir passiert ist. Heute würde ich sagen: Pädagogik? Setzen 6 Frau O.!

Wie soll ich nur beschreiben, wie so eine Unterrichtsstunde bei uns ablief? Am Anfang wurde erklärt, was wir zu malen haben und mit welcher Technik. Und wers nicht verstanden hat hatte Pech gehabt. Dann durften wir einige Wochen lang brav und still dort sitzen und eben das Meisterwerk erschaffen, das von uns verlangt wurde. Erklärungen? Gabs keine! Hilfen? „Habe es doch erklärt!“ Gute Noten für mich? Niemals. Einer der Gründe: Irgendwann durften die Mitschüler, besonders die Mitschülerinnen und noch präziser die in der Klasse, die mich nicht leiden konnten, meine Note bestimmen. Es wurden die Bilder hochgehalten und gesagt, von wem sie sind. Beliebter Schüler : 1, schlimmsten Falles eine 2. Ich und andere unbeliebte Außenseiter : Höchstens eine 4. Demokratie deluxe!

Ich glaube, ich brauche nicht zu erwähnen, dass ein solcher Unterricht und eine derartige Notenvergabe einem jeden Mut raubt, sich wirklich anzustrengen. So kam es dann, dass ich, wie alle anderen Schüler auch, beim „arbeiten“ plauderte. Das passte der Frau Lehrerin nicht, Schwupps wurde ich isoliert und Abseits von anderen gesetzt. Aber auch das konnte man noch steigern, zumindest Frau O. konnte das. Ich verbrachte so einige Stunden in einem, an den Kunstraum angeschlossenen, Materialraum. Ganz alleine. Und eingeschlossen. Ich hatte es zeitweise nämlich mal gewagt aus meiner Haft rauszukommen und eine Frage zu stellen. Damals war es noch seltsam für mich. Immerhin konnte ich durch eine Glasscheibe einer anderen Klasse beim Werkunterricht zuschauen. Heute ist es mir ein Graus. Was wäre gewesen, wenn es gebrannt hätte? Angenehm waren die Gerüche in dem Materialraum auch nicht. Bilder, die trockneten, Werkstücke, die ausdampften und noch viel mehr. Hab ich schon erwähnt, dass besagte Frau O. mir das Abgangszeugnis vermasseln wollte? Täuschungsversuch. Ich gebe zu: Es war einer. Ich bezeichne es heute noch als Notwehr. Die einzige Kunstklausur die ich in meinem Leben geschrieben habe bekam übrigens die Note 1. So schlecht kann mein Farbverständnis also eigentlich nicht gewesen sein.

Was aus mir wurde

So war also der größte Teil meiner Schulzeit. Ich wurde von Lehrern beschimpft, ausgegrenzt, eingesperrt und ausgelacht. Heute möchte ich ihnen am liebsten ins Gesicht sagen:

Ich bin Autist und DAS habt Ihr mir angetan! Die Verletzungen sitzen tief! Und das bis zum heutigen Tage! Aber was würde es bringen? Wahrscheinlich nichts.

So greife ich genau zum Gegenteil und sage:

Trotz der ganzen Quälerei und Demütigungen habe ich es geschafft mein Abitur zu machen, eine Ausbildung mit 1,8 beendet und mein Studium mit der Note „sehr gut“ abgeschlossen. Ihr habt mich gezeichnet aber Ihr habt es nicht geschafft mich zu zerbrechen! ÄTSCH!

Wer sich, trotz sehr sorgfältiger Anonymisierung oder Nichtnennung wieder erkennt: Nehmt es Euch mal zu Herzen! Ich werde es wohl nie vergessen was Ihr mit mir gemacht habt! Mich hingegen habt Ihr wohl schon vergessen da hatte ich mein Abgangszeugnis noch nicht in den Händen!

Update 08.01.2013

Es waren übrigens die ganz wenigen guten Lehrer die mich durch diese bescheidene Zeit gebracht haben. Die Lehrer die mich gefördert haben, mir den Weg gezeigt haben wie ich doch Abitur machen kann und nicht mit mir überfordert waren. Diese Menschen haben mich auch nicht vergessen und freuen sich immer wieder wenn ich mich mal melde! Von ganzem Herzen: Danke!

Weil es in einem Punkt wohl zu Missverständnissen gekommen ist: Ich wollte mit meinem Blogpost nicht ausdrücken das die beschriebenen Situationen nur auf Autismus zurückzuführen oder für Autismus typisch sind. Es sind meine persönlichen Erlebnisse aus meiner Schulzeit.

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18 Antworten zu Ein Autist in der Regelschule: Weggesperrt und ausgegrenzt

  1. Nina schreibt:

    Ganz ehrlich? So werden jeden Tag Tausende von Schülern behandelt. Der überwiegende Teil ist definitiv nicht autistisch. Das ist eigentlich ein Skandal, dass Lehrer teilweise auf Schüler (egal ob Autist oder nicht) herabblicken und ihren Aufgaben (nämlich Wissensvermittlung) nicht nachkommen. „Habe ich schon erklärt“ bekamen wir in der Schule SEHR oft zu hören.
    Und es gab Lehrer, die gaben einigen Schülern grundsätzlich schlechte Noten, sagten diesen teilweise knallhart ins Gesicht: „Du bist eh zu dumm, dich nehme ich nicht dran.“
    Und die Sache mit dem Einschließen… Hätten Sie das dem Rektor oder sogar dem Schulamt (das ist weitaus effektiver!) gemeldet, hätte sich Frau O. ganz schön umgeschaut. Schade, dass Sie das nicht gemacht haben. Vielleicht würden sie dann heute nicht mehr an damals denken müssen.

    Was das Lachen über Ihre Frage betrifft (falls Sie nichts wichtiges in der Passage weggelassen haben und ich Ihre Passage „per Ferndiagnose“ nicht missverstanden habe). Ich glaube nicht, dass Sie ausgelacht wurden, weil sie eine Frage gestellt haben, Abitur machen wollten oder gar weil Sie irgendetwas „durchlitten“ haben. (Ehrlich gesagt interessiert fremdes Leid andere Leute weit weniger als man selbst glaubt.) Vielmehr denke ich, dass es sich so verhält: In Deutschland gibt es Gesetze. Ständig kommen irgendwelche Leute und versuchen diese zu umgehen. „Können Sie nicht für mich eine Ausnahme machen?“
    Irgendwann kann man nur noch lachen oder ausrasten. Das ist natürlich nicht schön für den 100., der ohne böse Absicht ebenfalls eine Ausnahme erfragen will.
    Ich schreibe Ihnen das nur, weil ich hoffe, dass ich Ihnen damit eine etwas andere Sicht auf die Dinge zeigen kann. Es geht mir nicht darum, Ihr Empfinden in Frage zu stellen.

    Eines verstehe ich leider nicht ganz an Ihrem Artikel:
    „Ich bin Autist und DAS habt Ihr mir angetan!“
    Denken Sie, dass Ihre Erlebnisse in der Schule, wären Sie kein Autist und genauso behandelt worden, etwa harmlos gewesen sei? Was hat Autistsein damit zu tun, dass Sie an einen Haufen inkompetenter Lehrer geraten sind? (Leider sind die auf „normalen“ Schulen sehr oft vertreten.) Haben Sie rückblickend erwartet, anders behandelt zu werden?

    Mich würde außerdem interessieren, auf welche Schulform Sie lieber gegangen wären, wäre Ihnen schon als Kind die Autismus-Diagnose gestellt worden.

    • quergedachtes schreibt:

      Hallo,

      ich wollte mit diesem Blogpost meine persönlichen Erlebnisse der Schulzeit beschreiben. Das sollte nicht implizieren, dass es anderen Schülern nicht evtl. auch so gehen könnte.

      Mal ehrlich: Welcher Schüler kommt auf die Idee das Einschliessen beim Rektor oder Schulamt zu melden? Ich damals nicht. Alleine schon weil ich es nicht verstanden habe.

      Meine Frage wegen dem Abitur war keine Bitte um eine Ausnahme, es war eine ernstgemeinte Frage damals. Ich wusste nicht das man 4 Jahre eine zweite Fremdsprache braucht. Und von einem Pädagogen verlange ich einfach das er, und wenn die Frage zum 1000000 Mal kommt und anscheinend noch so dumm ist, er eine sachliche und klare Antwort geben kann. Eine Frage mit einem Lachanfall zu beantworten ist keine Lösung und demütigend. Von meinem Leid habe ich damals übrigens nichts gesagt. Nur das ich, und das war für mich logisch, ja Schulstunden abgeleistet habe anstelle des Französisch. Wie gesagt: Man versteht die Zusammenhänge als Kind nicht immer.

      “Ich bin Autist und DAS habt Ihr mir angetan!”

      Letztendlich ist das wohl zum einen ein innerlicher Hilfeschrei und zum anderen, und da kommen wir in die Praxis, sicher der Vorwurf das die Lehrer damals nicht erkannt haben das es auch Schüler außerhalb der Norm gibt. Und das man diese nicht ausgrenzen und wegsperren sondern integrieren sollte.

      Ich sage übrigens immer: Ich bin froh nicht als Kind diagnostiziert worden zu sein. Ich wäre wohl ansonsten auf der Sonderschule gewesen. Rückblickend ist eine integrierte Gesamtschule für Autisten sicher nichts Schlechtes, es waren die Lehrer die mir zugesetzt haben nicht die Schulform!

      Aleksander

    • melli schreibt:

      Was er wollte, war keine „Ausahme“, es war sein RECHT, verankert im Schulgesetz!

      http://www.schulministerium.nrw.de/BP/Schulrecht/Gesetze/Schulgesetz.pdf
      § 2Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule
      (9) Schülerinnen und Schüler mit Entwicklungsverzögerungen oder Behinderungen werden besonders gefördert, um ihnen durch individuelle Hilfen ein möglichst hohes Maß an schulischer und beruflicher Eingliederung, gesellschaftlicher Teilhabe und selbstständiger Lebensgestaltung zu ermöglichen.

      Ich habe für meine Tochter deren ADHS genauso wie Austismus unter diesen Pragagraphen fällt, die nachgewiesenerweise (per Diagnosegutachten) ziemlich intelligent (nicht hochbegabt) ist, Jahre um den ihr zustehenden Nachteilsausgleich und gegen das offene Mobbing der Klassenlehrerin gekämpft, und exakt nichts erreicht, weil sowohl die Rektorin ihrer Schule, sowie auch der schulpsychologische Dienst, den ich eingeschaltet habe, sowie die ADHS Beauftragte meiner Stadt (die hat meiner Tochter eiskalt ins Gesicht gesagt, das sie sie lieber auf eine Sonderschule schickt, als die, auf ADHS und AS spezialisierte, Privatschule zu befürworten, die in unserem Einzugsgebiet liegt) als auch das Schulamt, das Vorgehen der Lehrer an ihrer Schule gedeckt haben.

      Auch meine Tochter hatte eine junge engagierte Lehrerin, die ihr wohl mehr oder weniger das Leben gerettet hat, indem sie meine Tochter so nahm wie sie ist, sich über ADHS informiert hat und damit umging, auf ihre Talente geschaut hat und ihr respektvoll da, wo sie durch ihr ADHS behindert wird, half.

      Nina, Ihr Kommentar macht mich als Mutter stinkwütend, weil diese lapidare „na und, das passiert anderen Kindern doch auch!“ Haltung, diese mobbenden Lehrer, die Menschen die dann nicht einschreiten und aktiv wegsehen und damit Recht nicht nur umgehen, sondern regelrecht brechen, für Kinder mit Autismus und ADHS eben um einiges schlimmer ist, als für normneurotypische Kinder.

      Das solche Vorgehnsweisen aufgrund der pädagogischen Inkompetenz, des Desinteresses mal weiter zu schauen, als bis zur eigenen Brieftasche, der deutschen Lehrer, mitllerweile Normalität sind, macht es nicht besser, es macht diese ganze Inklusionslüge nämlich erst zu dem was sie ist:

      Einem perfiden Instrument, das, meiner Meinung nach, nur zu einem dient, noch mehr Kinder mit Behinderungen als bisher, auf Förderschulen abzuschieben, wo ihre berufliche Zukunft ruiniert wird, weil billiger ist, weil noch mehr Klagen, auf Besuch der wenigen spezialisierten Schulen privater Träger abgeschmettert werden können.

      Auf jede Erfolgsstory wie von quergedacht, kommen hunderte von Kindern aus beiden Syndromen, die am Druck zerbrechen, die nicht mal dann wenn das schon passiert ist, auf kompetente Hilfe und Respekt hoffen können.

      • dieandereperspektive schreibt:

        Danke für diese klaren Worte, die ich nur bestätigen kann. Sowohl bei bei meinem nicht als auch bei meinem autistischen Sohn wurden die Gemeinheiten dieser Art von der Schulleitung gedeckt und vom Schulamt abgesegnet.
        In der Zeit des massiven Mobbings bei meinem autistischen Sohn bekam ich auf die Verdachtsfrage: „Wird er gemobbt? Ein klares NEIN! zur Antwort, wusste ich doch noch nicht, dass er auch gebosst wurde und die 6. Klasse mit einer Hauptschulempfehlung beenden durfte. Hätte er damals eine Diagnose bekommen, würde er wohl Schlagzeilen gemacht haben. Deshalb würde ich auch den betroffenen Eltern empfehlen zu warten, bis es wirklich notwendig wird, eine Dieagnose zu stellen. Mein Sohn durfte dies freiwillig entscheiden, darauf legte ich sehr viel Wert.
        Bei meinem NT-Sohn wurde gebosst und zwar vom Feinsten. Offensicht war wohl die Idee es mal mit einem Schulbetreuer zu probieren zu kostenintensiv. Seine Klassenlehrerin war bekannt dafür, mehrer Existenzen auf dem „Gewissen“ zu haben.
        Doch genau diese Schüler bringen es dann plötzlich doch zu etwas und beweisen immer wieder, wie erbämlich schlecht unsere Schulen geworden sind.
        Ausserdem halte ich es derzeit auch für sehr problematisch, dass die Schulsysteme die unterschiedliche Entwicklungsstufen zwischen Jungs und Mädchen komplett ignorieren und deshalb gerade die pubertierenden Jungs zu Problemfällen werden.
        Je mehr man gegen diese Missstände vorgeht, desto schlimmer wird es, denn die halten zusammen wie Pech und Schwefel und decken selbst die übelsten Pfeifen, die sich da noch Lehrer schimpfen. Eigentlich halte ich genau das für das grösste Problem derzeit, weil durch dieses Kontrollversagen die Situationen eigentlich erst eskalieren.

  2. Anja schreibt:

    Hallo Aleksander,

    ich bin da nicht so kritisch wie Nina, ich finde Sie haben alles Recht der Welt sich in Ihrem eigenen Blog auch mal ueber Ihre Erfahrungen auszukotzen. Ich muss sagen, dass ich Ihre Erfahrungen zum Teil auch in aehnlicher Form gemacht habe, gerade bei den Beschreibungen vom Kunstunterricht und den Naturwissenschaften in der 9 und 10ten Klasse musste ich schmunzeln… Aber ich glaube, dass durch den Autismus doch auch immer die Faehigkeit sich in andere Menschen hineinzuversetzen nicht so einfach ist und dass macht dann natuerlich diese Kindheitserfahrungen umso schlimmer. Ich finde Ihren Ansatz aber richtig, Sie haben Ihren Weg gemacht trotz dieser Lehrer und Sie haben sich nicht unterkriegen lassen. Das ist doch am Ende des Tages das was zaehlt. Seien Sie stolz darauf und dazu gehoert auch der Mut, diesen total unfaehigen Padagogen im Nachhinein mal den Spiegel vorzuhalten. Die meisten Lehrer werden halt Lehrer, damit sie ein gutes Einkommen und viel Freizeit haben und nicht um sich tatsaechlich fuer Schueler einzusetzen. Und um nochmal auf Nina einzugehen < ja, rueckblickend darf man erwarten von jedem Menschen mit Respekt behandelt zu werden, das gilt auch fuer Lehrer!

  3. Angie schreibt:

    Das was Dir in Deiner Schulzeit wiederfahren ist ist mit Sicherheit prägend und auch sehr unschön gewesen. Allerdings hast Du Deinen Weg geschafft.. Mir erging es in der Schule ähnlich. Hatte ein Lehrer mich erstmal auf seiner Liste, hatte ich keine Chance mehr. Aber es gab auch gute Lehrer und ähnlich wie bei Dir bin ich dank ihnen meinen Weg über Umwege gut gegangen.
    Ganz anders wird doch gerade noch aktuell Autisten der Weg in die Inklusion und damit Regelschule verwehrt. Ich kenne eine Familie mit einem autistischen Jungen in der Schule. An welchen Schulen wird denn ein Kind mit Autismus beschult? Erstmal wird der Stempel „geistig behindert“ großzügig verteilt, und wenn das Kind großes Glück hat darf es doch eventuell noch an eine Schule mit dem Förderschwerpunkt „Lernbehinderung“. Darüber hinaus kommen doch die wenigsten. Und warum ? Weil die Vorurteile gegenüber den Kindern so groß sind und „die ja sowieso nix können“. Eine Beschulung findet deshalb auch meist gar nicht statt. Es sei denn, Du hast das große Glück und unter den Sonderpädagogen findet sich ein engagierter Lehrer, dem das Kind nicht egal ist und der nicht behauptet, dass dieses Kind keine Stärken hätte. Dann wird er an den üblichen Unterricht überhaupt „rangelassen“. Manche Kinder malen in der Schule über Wochen nur Mandela-Bildchen. Ihre Chancen später ein eigenständiges unabhängiges Leben zu führen wird in zehn oder zwölf Schuljahren „zerstört“ und der Ausblick heißt „Werkstatt für behinderte Menschen“. Einmal in diesem Sumpf gibt es nur noch wenig Chancen aus der Nummer wieder rauszukommen.
    So gesehen empfinde ich es als großes Glück, dass Du die Chance hattest eine Regelschule besuchen zu dürfen. Sicher es war eine schwierige Zeit für Dich, aber Du kannst heute voller Stolz darauf zurücksehen, denn Du hast das alles dafür gut gemeistert. Und es zeigt, dass die Vorurteile der Menschen da draußen falsch sind, wenn sie behaupten, dass ein Mensch mit Autismus nichts kann.
    Im Großen und Ganzen steht und fällt unser Schulsystem einfach mit den Menschen, die dort unterrichten.

    Viele Grüße Angie

  4. Nur um das Gesagte etwas zu konterkarieren: es geht auch anders. Ich bin Lehrerin an einer Regelschule, die sich seit einiger Zeit mehr und mehr mit dem Gedanken der Inklusion befasst. Im Moment gibt es bei uns zwei Schüler (Klasse 2 und Klasse 5) mit diagnostiziertem Autismus neben „normalen“ Kindern und Kindern mit diversen anderen „Besonderheiten“, die beide mit einer Lernbegleiterin den Regelunterricht besuchen. D.h. in der Klasse ist eine weitere erwachsene Person anwesend, die extra für die autistischen Kinder und ihre besonderen lern- und sozialen Probleme abgestellt ist – aber (entgegen ihrem Auftrag) auch anderen Kindern der Klasse mal „weiterhilft“, wenn es Probleme gibt. Das ist sowohl für den Lehrer als auch für ALLE Schüler der Klasse hilfreich und entlastend und erlaubt, auf auftretende Probleme (sei es beim Lernverhalten, beim Begreifen von Aufgabenstellungen oder beim Sozialverhalten) SOFORT einzugehen, ohne dass der „Unterrichtsfluss“ gestört wird. Unser ungeschultes Auge (als „normal“ ausgebildete Lehrer ohne sonderpädagogisches Wissen) wird dabei auch geschärft für Lernprobleme ganz „normaler“ Kinder ohne offizielle Diagnose…
    Ja, der Gedanke (und die Möglichkeit der praktischen Durchführung dieser Hilfestellung) ist relativ neu –
    ja, es gibt in der Tat (viele??? – das bezweifle ich – aber vielleicht in jedem Kollegium einige wenige) unfähige Lehrer, die sich in der Berufswahl vergriffen haben, WIE IN JEDEM BERUF –
    und: ja, die oben beschriebene Möglichkeit wird nur dann Früchte tragen, wenn genug Geld in das erforderliche Personal investiert wird und die Normalbeschulung von „besonderen“ Kindern nicht als Kosteneinsparungsmöglichkeit per Schließung der Sonderschulen verstanden wird.

    Aber vielleicht kann mein Hinweis ja als „Lichtstreif am Horizont“ verstanden werden: es tut sich schon was zum wohl der Kinder…

    • Und somit könnte man sich fragen warum man, wie es in anderen Ländern bereits erfolgreich funktioniert, nicht den Lehrern einen „Hilfslehrer“ zur Seite stellen, der eben wie beschrieben sofort eingreifen kann bei Schwierigkeiten.

      Inklusion sollte und muß einfach dazu genutzt werden um Schule zu verändern, sodass kein Kind mehr zurück gelassen wird oder durch ein Raster fällt.

    • quergedachtes schreibt:

      Hallo,

      er ist ein Lichtstreif🙂 Mir ist klar das mittlerweile so einiges anders in der Schulwelt ist. Nicht umsonst möchte ich auch in Schulen und gerade Lehrer über Autismus aufklären! Auch damit Inklusion nicht mehr ein Schreckgespenst ist sondern aktiv gestaltet und gelebt werden kann.
      Vielleicht trägt mein Blogpost auch ein wenig dazu bei, dass man etwas sensibler mit „besonderen“ Schülern umgeht.

      Aleksander

  5. Dennis schreibt:

    Ich halte mal ein paar Dinge fest, als nicht Autist – Schule ist scheisse. Die Leute, die Schule als angenehm empfanden waren zu meiner Schulzeit die Minderheit, Leute die dort gerne hingegangen sind ebenso.
    Und ja, es sind in der Hölle oder schlimmen Orten immer die wenigen wirklich guten, die einen beim überleben unterstützen. Oder wenns ganz dicke kommt Familie und Freunde.

    Bei Nina kann ich nur den Kopf schütteln. Das hört sich fast danach an, als hätte Nina sehr schlimme Erfahrungen in der Schule gemacht, sie musste aber alleine damit zurecht kommen, ihr wurde unrecht getan und nun muss sie damit leben. Damit müssen alle anderen auch mit ihrem individuellen Unrecht zurecht kommen. Fühl Dich gedrückt Nina.

    Ja und an dieser Stelle nochmal ein dreifaches „Schule ist scheisse“, Schule ist scheisse, Schule ist scheisse.

    P.s.: Hätte nach Abitur und Studium nicht gedacht, dass selbst mit über 30 Jahren die Abneigung noch so stark ist.

  6. Vi schreibt:

    Kinder sind die Zukunft einer Gesellschaft. Wie Beitrag und Kommentare zeigen, ist die Kindheit der Ort, wo es viel zu oft zu „Übergriffen“ aller Formen an den Schwächsten und Schutzbefohlenen kommt. Ein Kind ist von dem ihm betreuenden Erwachsenen über Jahre abhängig. Es ist absolut notwendig, dass wir die Kinder wieder in ihren Bedürfnissen wahrnehmen lernen und sie hören. Dieser Beitrag ist eine Stimme, die Eltern wie Lehrern – jedem Erwachsenen – hilft, achtsam zu bleiben für das, was unser Handeln für andere bedeuten kann. Denn alles was wir tun, hat immer auch für einen anderen Menschen Konsequenzen, vorallem wenn er von uns abhängig ist. Es gilt ebenso hinzusehen bei dem was wir um uns herum wahrnehmen, was auch diejenigen stärkt, die wie hier auch beschrieben wird, die Rettungsanker waren, die Kimder stärken, um in diesen Situationen über sich selbst hinaus zu wachsen. Wer könnte uns besser als die Sensibelsten in den Wahrnehmung den Spiegel vorhalten, wie unachtsam wir in den verschiedenen Lebensbereichen sind? Danke das du deine fürs Leben prägenden Erfahrungen mit uns teilst und anderen damit die Möglichkeit gibst zu erfahren, dass sie mit ihren Erlebnissen nicht alleine sind. Und all die anderen wachrüttelst genauer hinzusehen und zu helfen, wenn ein Kind Hilfe braucht.

  7. Ixodida schreibt:

    Wenn ich mir ihre Geschichte durchlese (eher überfliege, um ehrlich zu sein; zu mehr sehe ich mich momentan nicht in der Lage) kommt mir zugegebenermaßen der Gedanke: „Schön“. Und weiter denke ich: Wo ist das Problem? Sie haben alles erfolgreich absolviert und damit die besten Voraussetzungen für ein Leben in diesem System. Sie haben gute Noten, konnten Studieren, scheinen einem Beruf nachgehen zu können und sogar angesehen und respektiert zu sein. Wenn der Weg für sie auch beschwerlich gewesen sein mag, so scheint er doch ein gutes Ziel genommen zu haben, so denke ich?
    Ich würde jetzt gern mit einem „Ich hingegen…“ beginnen, mir bleibt es jedoch im Halse stecken, wenn ich daran denke, dass sich all meine Aussagen ohnehin wieder relativieren lassen (größtenteils von mir selbst) und ich an meine handvoll Freunde denke, denen es ausnahmslos schlechter gehen muss, als mir.
    „Diskriminierung“ wird wohl jeder kennen. Schon in der Grundschule wurde mir eine Schere an den Kopf geworfen, mein Praktikumsbericht auf dem Gymnasium gar nicht erst gelesen, da die exakt vorgegebene Form nicht eingehalten wurde, in der Realschule durfte ich mich in den Pausen nicht zurückziehen und mit Musik abschalten (ich musste im Bereich der Pausenaufsicht verbleiben, Elektronik war generell verboten).
    Nun stellt sich mir allerdings die Frage: Na und? Kleinigkeiten, die sich in den Weg stellen, lassen sich nicht vermeiden. Schon gar nicht in einer Gesellschaft, die nur Optimierung und Geld im Kopf hat. Wenn man diese Kleinigkeiten nicht bewältigen kann, taugt man für die große, weite und vor allem laute Welt ohnehin nicht. Die Schule soll auf das Leben vorbereiten, damit erfüllt sie ihren Zweck bestens.
    Ich wage also zu behaupten, dass ich (und wohl jede andere Person ebenfalls) auf einen ähnlichen Weg geschickt worden bin. Sie konnten ihn beschreiten, ich nicht. Glückwunsch. Sie haben studiert, halten Vorträge, scheinen ein Leben zu haben. Ich bin stolz auf mich gewesen, als ich gemerkt habe, dass es mich nicht sofort ausknockt, wenn ich im Rewe 2 Stunden lang Regale einräume (allerdings mit einem freien Tag als „Pufferzone“ dazwischen).
    Ich könnte jetzt also ganz direkt fragen: „Worüber regen sie sich auf?“. Stattdessen jedoch frage ich: „Worüber rege ich mich auf?“. Mir geht es trotz drohendem finanziellen Ruin und Obdachlosigkeit prinzipiell sehr gut. Ich kann viele Dinge genießen, die andere nicht einmal bewusst wahrnehmen (der für mich einzig gute Aspekt am Autismus), ich leide keine Schmerzen (lediglich mein Kopf fühlt sich an, als würde er unentwegt gegen eine Wand geschlagen werden) und auch der Todeswunsch ist keine drückende Qual mehr, sondern nur noch ein angenehmer Wunsch nach Ruhe.
    Worauf ich hinauswollte? Ich weiß es nicht. Vielleicht mich einfach nur über all die lächerlichen Beschwerden in der Welt aufregen, darunter meine eigenen.

    • quergedachtes schreibt:

      Hallo,

      es ging mir nicht darum mich zu beschweren was mir damals passiert ist. Ich bin mir sehr darüber bewusst das ähnliche und auch schlimmere Dinge auch anderen Autisten und auch nichtautistischen Kindern passiert sind und passieren.
      Zu diesem Blogpost haben mich zwei Dinge gebracht:

      1) Ich wollte und musste mir das mal von der Seele schreiben.
      2) Mein Text sollte eine Mahnung sein. Eine Mahnung daran dass solches Verhalten, auch wenn es nicht böse gemeint sein sollte, sehr tiefe Wunden hinterlässt die sehr lange bleiben. Wenn andere es schon vergessen haben brennt sowas noch in den Köpfen derjenigen die gelitten haben. Und auch ein Hinweis darauf, dass es wichtig ist sich auf alle Schüler einzustellen. Auch wenn es unbequem ist und Arbeit bedeutet. Jeder Schüler hat das Recht gefördert zu werden. Inklusion geht nur wenn sich alle darüber im Klaren sind und das auch umsetzen.

      Das ich mein Studium und die Ausbildung mit guten Noten abgeschlossen habe ist das eine. Wie es mir damit geht ist die andere Seite der Medaille. Aber darum soll es hier nicht gehen.

      Aleksander

  8. oliver schreibt:

    was soll ich sagen, der neue sportlehrer in der 8ten klasse (1994) hat den jungs gezeigt, nachdem er fünf türken erwischt hatte wie sie mich verprügeln, wie man richtig und effektiv zuschägt. um die beispioele zu untermauern nahm er mich in verschiedene, sehr schmerzhafte, griffe. als ich anfing zu weinen betitelte er mich als weichei der es nicht anders verdient hätte. das war der höhepunkt in dieser schule.

  9. Vi schreibt:

    es tut mir leid, dass du so etwas schreckliches erlebt hast. Du warst und bist der Starke der einer Gruppe von Losern gegenüberstand. Sie haben dir weh getan, um sich besser zu fühlen, indem sie versuchten sich über dich zu stellen. Das der Lehrer noch mitgemacht hat, sagt alles über sein krankes Wesen aus. Sie haben dir unendlich weh getan, ja. Gebrochen haben sie dich nicht. Du hast gelernt, in dieser kranken Welt zu bestehen, deinen Weg zu gehen. Diese Loser müssen ein Leben mit sich selbst verbringen. Deine Geschichte macht sprachlos. Es ist wichtig für dich und all die anderen, dass du sie erzählst. Weil wir hinsehen müssen, was um uns geschieht. Gewalt beginnt sehr viel früher als sie im Aussen sichtbar wird. Ich hoffe, du hattest damals jemand, dem du dich anvertrauen konntest. Niemand darf sich mit so einer Situation allein gelassen fühlen. Es ist gut, das hier ein Ort ist, darüber zu reden und zu lesen. Das ist ein Anfang, um diese Missstände anzugehen.

    • dieandereperspektive schreibt:

      Das würde mich nicht trösten, denn was bleibt sind die Narben dieser Zeit und solche Worte steigern nur noch die Wut darauf.

  10. oliver schreibt:

    äh, nein, ich hatte niemanden. meine familie war immer gegen mich, ich wusste aber nicht warum. ich habe dann mit 18 erfahren das ich nen anderen vater habe als meine geschwister. ich habe noch andere dinge erlebt die sehr viel schlimmer sind, diese angriffe wie oben genannt habe ich immer über mich ergehen lassen weil ich es nicht anders kannte. mein schulpsychologe hat mir beigebracht mich wegzuzählen (21… 22… 23…), da war ich in der grundschule. das hat ihm, mehreren nachbarn und meiner mutter (die kassierte) geholfen über meinen körper zu verfügen. da ich lange keine vergleichsmöglichkeit mit den emotionen anderer hatte wusste ich nicht ob das nun gut oder schlecht ist. man sagte mir das sei gut, also war es für mich gut, gut genug das ich dinge irgendwann freiwillig tat. ich bin nicht hier um mich darüber auszulassen, denn ich habe gelernt mit den dingen umzugehen. es scheint mir nur wichtig diese dinge auch anderen mitzuteilen. die welt ist nicht rosig und es kann immer schlimmer kommen als man selbst wahrnimmt, selbst in meiner damaligen sitaution.
    selbst wenn ich jetzt die leute darauf anspreche spreche ich gegen mauern, viele wollen das nicht hören, oder können es nicht, und die, die unmittelbar in meiner nähe waren, also meine familie mütterlicherseits, verschliessen die augen mehr als es aussenstehende machen und dichten mir weiterhin an das ich lüge, mir das alles nur vorstelle. ich weiss natürlich daß das gedächtnis dynamisch ist, aber ich kann mich in der regel an details erinnern die in meinem leben passierten, da habe ich wie viele andere aspis auch ein gewisses talent für.

    ich wuchs in einem sozialen brennpunkt auf und war im kunstunterricht in der regel auch im materialraum. demokratisch wurde immer abgestimmt was für musik läuft und es lief immer türkisches gedudel, also kein pop, richtiges gedudel. nun, in einer demokratie muss ich mich unterordnern meinte die lehrerin, ich sprach dann aber eine minderheiten-regelung an. sie verstand nicht das ich als einer von zwei deutschen in der klasse die minderheit war, also benutzte sie den ausdruck der minderheitenregelung auch noch als begründung türkische musik zu hören, denn sie seien ja quasi die minderheit.

    ich habe tausend solcher geschichten die, wenn ich sie selbst lese, als aussenstehender wirklich wie ausgedacht wirken. aber da ich die dinge immer noch fühlen kann bin ich mir sicher das sie passiert sind. ich stimme dagegen das dinge nicht passiert sind nur weil keiner sie mitbekommt oder mitbekommen will. der kippende baum macht auch dann im wald ein geräusch wenn keiner da ist der es hört (oder es hören will).

    in der schule sind noch ganz andere dinge passiert, aber ohne hilfe der lehrer. manche mitschüler sind richtige sadisten.

  11. Reiner schreibt:

    Wenn man sie nach Jahren fragt warum? …das war halt so.
    Leider wurde vor kurzem eine Gesetzesinitiative abgewehrt, in der gefordert wurde die Verjährungsfristen für Straftaten an Kindern gänzlich aufzuheben. Viele sogenannte Erziehungsberechtigte würden verschwinden wo sie nicht hingehören.
    Über Jahrzehnte mehrmals und Weltweit wiederholte Forschungen haben ergeben, das Zehn bis Fünfzehn Prozent der Weltbevölkerung Psychopaten sind. Ein Teil von ihnen ist Gemeingefährlich. Das gilt auch für die deutsche Bevölkerung. Über den Daumen sind das Zehn Millionen Menschen in der BRD. Eine schier unglaubliche Zahl! Psychopaten erkennt man nicht am Äußeren, sie sind nur an ihrem Verhalten zu erkennen. Sie sind mitten unter uns und in allen Gesellschaftsgruppen zu finden. Sie sind überwiegende hervorragende angepasste, funktionierende Zeitgenossen. Die Skrupellosigkeit mit der sie agieren wird von vielen Menschen mit Durchsetzungsvermögen gleichgesetzt. Wenn mal einer auffällt, dann Immer wieder dieselbe Leier, ..das hätten wir nie gedacht… Wir sind heute in der Lage diese Verhaltensweisen von anderen zu Unterscheiden. Auch Bildgebende Verfahren wurden entwickelt. (Gerhard Roth googeln) Ein Großteil der sogenannten seelischen Erkrankungen ist auf das unerkannte Wirken dieser Gruppe zurückzuführen. Sie sind wie ein Tropfen Öl im Wasser, vergiften ihr gesamtes Umfeld durch ihr sadistisches, irrationales (letztendlich Selbstvernichtendes) Verhalten.

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