So ein bisschen Autismus….

… kann niemandem schaden! Natürlich wohldosiert und in ganz engem Rahmen. Für die Freunde der Naturheilkunde: am besten in homöopathischen Dosen! Wir wollen es ja schließlich nicht übertreiben!

Was auf den ersten Blick, gerade als Text in meinem Blog, jedem Menschen mit einem gesunden Menschenverstand schon als wahnwitzig auffallen muss ist dieses Mal von mir absolut ernst gemeint.

Ich möchte Autismus weder verherrlichen noch glorifizieren, aber so manches Mal, gerade beim Lesen der deutschen Medien, kommt mir der Gedanke:

Was ist so schwer daran genau das zu schreiben was man auch ausdrücken möchte?

Oder anders gesagt: Verflixt nochmal! Redet nicht um den heißen und evtl. intellektuell klingenden rhetorischen Brei sondern kommt zum Punkt!

Was das mit Autismus zu tun hat? Nun Autisten sind dafür bekannt, dass sie direkt sind, dass sagen was sie denken und mit Floskeln und Small-Talk in der Regel nicht viel anfangen können. Etwas das, wenn ich mir die letzten Monate und Jahre anschaue, Politik und Journalismus manchmal ganz gut täte.

Ein paar Beispiele:

„autistische Politik/Politiker“  Gemeint ist damit oftmals aber eher fehlende Weitsicht, auf einen Standpunkt beharrend oder einfach nur scheuklappentragend.

„autistische Wirtschaft/Ökonomie“ Alternativen? Siehe Politik

„autistische Architektur“ Für mich als Autist ein großes Rätsel was mir ein Mensch damit sagen möchte. Selbst wenn man nun die medizinische Definition hernimmt ergibt diese Wortkombination nun wirklich keinerlei Sinn!

„autistische Sexualität“ Wie bitte? Also nur für den Fall das Masturbation gemeint sein sollte: schreibt das auch. Ansonsten ist mir definitiv unklar was an Sexualität autistisch sein kann!

Die Liste könnte ich wohl nun noch unendlich weiterführen, es gibt kaum etwas dem noch nicht das Attribut autistisch medial beigedichtet worden ist. Dabei wäre es so leicht das einzelne Wort „Autismus“ in der sehr wortvielfältigen Sprache Deutsch zu ersetzen. Schlagt den Duden auf, Ihr werdet sicher einen passenden, wohlklingenden und sicher auch intellektuell bewährten Begriff für das finden was ich ausdrücken wollt. Wenn nicht: Pech gehabt!

Aktuell findet man bei  Zeit-Online wieder einen Fall von: Nicht sorgfältig mit Sprache umgegangen.

Harlem Shake. Ich gebe zu: dieses komische Gezappel macht für mich keinerlei Sinn. Aber das geht mir mit vielem so.

Ingeborg Harms titelt zu diesem Thema wie folgt:

„Harlem Shake“, der Internet-Schütteltanz, ist die Antwort auf den sexuellen Autismus unserer Gegenwart.

Ein Schütteltanz als Antwort auf Autisten die Sex haben? Ist die Vorstellung selbiges so gruselig das man sich schütteln muss? Oder wird Autismus mittlerweile als Sexy empfunden? Wäre ja mal was Neues! Kurzum: Für mich macht die Kombination „sexueller Autismus“ keinen Sinn.  Die Behinderung Autismus hat mit Sex so viel am Hut wie der Teufel mit dem Weihwasser! Man könnte auch sagen: Autisten sind Menschen, Menschen haben Sex. Na und?

Im Laufe des Textes folgt dann:

Auch der Harlem Shake ist keine haltlose Autistenparty, sondern eine kollektive Antwort auf den sexuellen Autismus, den die mediale Pornodienstleistung bierernst provoziert.

Erklärt sich hier nun was mit sexuellem Autismus gemeint ist? Er wird von einer medialen Pornodienstleistung bierernst provoziert. Autismus kann man provozieren? Was haben Pornos damit zu tun? Früher dachte man, dass man Rückenmarkschwund vom auf sich selbst bezogenen und mit sich selbst vollführten Sex bekommen würde. Zumindest wurde damit gedroht. Aber Autismus? Das wäre mir neu. Und mal ehrlich: Welche Babies im Alter bis 3 Jahre, und spätestens dann macht sich Autismus bemerkbar, konsumieren überhaupt mediale Pornodienstleistungen? Wer nun glaubt ich habe ein Rad ab, dem sei gesagt: Anders als mit derartigen Überspitzungen und einer ordentlichen Prise Galgenhumor kann ich solche journalistischen „Leistungen“ einfach nicht mehr ertragen. Und man muss schon selbst zu wahnwitzigen Theorien und Aussagen greifen, damit den Autoren endlich mal eines klar wird: Ihre Wortverwendungen sind nicht besser!

Zur Autistenparty fällt mir einfach leider nichts Sarkastisches ein.  Kurzum: Fail!

Und bevor jemand hier kommentiert: „der Artikel war doch nicht ernst gemeint und eher eine Persiflage über Harlem Shake und die Gesellschaft!“ meine kurze Antwort dazu:

Nichts dagegen, aber bitte ohne Autismus! Danke!

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6 Antworten zu So ein bisschen Autismus….

  1. Bernhard schreibt:

    Zu dem „Zeit-Online“-Artikel fällt mir nur ein: Feuilleton! Auf Feuilletonseiten und in -kolumnen können sich die austoben, die pseudointelektuelle Ambitionen mit Graphomanie verbinden. (Ich kann auch auf Feuilletonesisch schreiben!) Soll heißen: es muss nichts bedeuten, Hauptsache es ist neu und klingt gut. („…wo grade, wenn man nichts versteht, der Schnabel um so leichter geht“, dichtete Wilhelm Busch). Ich glaube nicht, dass Autismus eine Modediagnose geworden ist. Dass „autistisch“ aber ein inflationär gebrauchtes Wort für alles, was „außerhalb der Norm“, „in der eigenen Welt“, „selbstgenügsam“ oder ganz einfach fremdartig ist, erscheint mir als sicher.

  2. Alex schreibt:

    Sowas gibt es nicht nur mit „autistisch“. Ähnlich ist es mit dem Wort „schizophren“. Das wird auch sehr gerne in beliebigen Kontexten völlig sinnentfälschend verwendet. Gemeint ist wohl meistens „widersprüchlich“. Was das mit Schizophrenie zu tun hat, die als psychische Störung ähnlich vielfältig und komplex ist wie Autismus, konnte mir auch noch niemand erklären. Manchmal, wenn es im Sinne von Persönlichkeitsspaltung verwendet wird, liegt aber auch schlicht eine Verwechslung mit einem anderen Phänomen vor, das man Dissoziation nennt. Leider hat sich der sinnentleerte Gebrauch von „schizophren“ genauso im allgemeinen Sprachgebrauch eingebürgert wie der sinnentleerte Gebrauch von „autistisch“. Die Frage ist: Wie kriegen wir das da wieder raus?

    • quergedachtes schreibt:

      Mir fällt da nur ein: Immer wieder drauf hinweisen. Auch wenn wir uns dabei wohl aufreiben werden. Immer noch besser als resignieren.

      • Jürgen schreibt:

        Wir sollten uns von solchen Autoren einmal erklären lassen, warum es falsch ist „Neger“ als Schimpfwort zu benutzen, aber „Autist“ offenbar kein Problem darstellt.

        • dawit schreibt:

          Ganz einfach: Autisten gibt es tatsächlich, „Neger“ aber nicht…waren Sie sehr stolz auf ihren Beitrag? Macht er überhaupt Sinn?

  3. autzeit schreibt:

    „Auch der Harlem Shake ist keine haltlose Autistenparty, sondern eine kollektive Antwort auf den sexuellen Autismus, den die mediale Pornodienstleistung bierernst provoziert.“ – Mal ganz davon abgesehen, dass dieser Satz selbst MIT einer korrekten Definition von „Autismus“ keinen Sinn ergibt. Weder ernst gemeint noch als Persiflage…

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