Es gibt noch viel zu tun!

Special zum Welt-Autismustag 2013

Was bedeutet der Welt-Autismustag für mich? Es ist die Chance das Autismus medial neutral wahrgenommen wird. Ein Tag voller Informationen, Hinweise auf Angebote und Veranstaltungen. Ein Tag an dem Autisten die Chance bekommen sollten diesen mit Inhalten zu füllen. Kurzum: ein positiver Tag für die Thematik Autismus!

Dieses Jahr möchte ich den Welt-Autismustag ein wenig dafür nutzen auf das vergangene Jahr zurück und auf das kommende Jahr voraus zu blicken.

Rückblickend waren die letzten 12 Monate für mich persönlich sehr wichtig und auch wegweisend. Ich habe mich dazu entschlossen mich in voller Konsequenz als Autist zu outen und mit meinem vollen Namen zur Thematik Autismus zu stehen.  Die Reihe „Autismus quergedacht“ erscheint nun in meinem eigenen Blog und mein Projekt „quergedachtes live“ hat auch seine Anfänge gefunden. Kurz gesagt: Die letzten Monate standen bei mir im Zeichen der aktiven Aufklärung und Information über Autismus.

Für mich selbst war 2012 eher ein ruhiges Jahr was die Thematik Autismus betrifft. Zumindest bis zum Dezember. Mit einem Mal überschlugen sich dort die Ereignisse. Der Amoklauf in Newtown und die Berichterstattung darüber beendete meine Weihnachtsstimmung mit einem Schlag. Deutsche Medien verstanden es mal wieder hervorragend so eine schreckliche Tat unverhohlen aufgrund eines Gerüchtes mit Autismus in Verbindung zu bringen. Wieder einmal war ein Massenmörder oder Amokläufer zum vermeintlichen Autisten erklärt. Autismus ist für einige Medien anscheinend auch schnell erklärt. Recherche war Fehlanzeige und das was da an Fehlinformationen über Autismus innerhalb kürzester Zeit verbreitet wurde war ein Schlag ins Gesicht aller die sich aktiv darum bemühen über Autismus aufzuklären. Viele Autisten und auch deren Angehörige haben es als mediale Hetzjagd empfunden. Autismus und Autisten wurden von einigen Medien teilweise wie die sprichwörtliche Sau durchs Dorf getrieben. Was bleibt ist der Schaden. Noch gefestigtere Vorurteile, noch mehr Stereotypen über Autismus und noch mehr Menschen die beim Wort Autismus erst einmal an Amoklauf und Mörder denken. Aber alles hat auch seine gute Seite, so auch diese mediale Katastrophe. Mit einem Schlag erhoben vor allem bloggende Autisten ihre Stimme und protestierten massiv mit zahlreichen Blogbeiträgen gegen diese Berichte. Wenige einzelne Stimmen wurden zu einer sehr lauten. Und wir wurden erhört! Es gab, das ist meine persönliche Empfindung, sehr viel Unterstützung. Von anderen Autisten, Angehörigen, Fachleuten und vielen einfach betroffen gemachten Menschen. Ich habe gerade bei der Thematik Autismus noch nie eine solche Sympathie- und Protestwelle erlebt. Etwas das mir sehr viel Hoffnung macht das wir Autisten doch mehr gelesen und verstanden werden als ich vorher dachte. Positiv dabei: Journalisten griffen den Protest auf und in einigen Medien wurde über den Protest berichtet. Er wurde also durchaus wahrgenommen! Was mich angesichts dieser sehr anstrengenden Zeit  nochmal besonders motiviert hat war die Nominierung und letztendlich auch die gewonnene Wahl zum Blogger des Jahres in der Kategorie Newcomer. Wer hätte je gedacht das ein Blog zum Thema Autismus das schaffen kann? Immerhin ist Autismus doch eher ein Randthema in der Bloggerszene und geht bei den vielen populären Themen eher unter. Ich hoffe das Autismus mit dieser Auszeichnung nochmal mehr in den Fokus der Medien und damit auch der Gesellschaft rücken kann!

Ich nehme allerdings nicht nur positives aus den letzten 12 Monaten mit. Im Zuge meiner Entscheidung mehr und aktiver über Autismus aufzuklären habe ich im November sehr viele Emails an Menschen und Organisationen verschickt die im Bereich Autismus tätig sind. Ich habe angeboten die Sichtweise und Seite der Autisten einzubringen und Erfahrungen auszutauschen. Man darf nie vergessen: Das Wissen über Autismus ist das eine, Autist zu sein das andere.  Und eigentlich, so zumindest meine Ansicht, sind die Erfahrungen und das Wissen über Autismus von Autisten Gold wert. Leider sieht das wohl kaum jemand so. Ich bekam genau eine Antwort auf meine Anfragen. Der Rest der Empfänger schwieg sich aus. Warum? Weil man die Erfahrungen eines Autisten nicht gebrauchen kann? Weil Autisten sowieso nicht kommunizieren können (Achtung: Stereotyp!)? Oder einfach weil es bequem ist, so weiter zu machen wie bisher? Vielleicht hat man mich unbekannten Autisten auch einfach nicht ernst oder für voll genommen. Ich weiß es nicht. Aber ich weiß dass ich es sehr schade finde. Weitblick und der Blick über den Tellerrand kann eigentlich niemandem schaden.

Was mich zu meinen Wünschen für die kommenden 12 Monate bringt:

Ich wünsche mir, dass gerade Fachleute und Menschen die mit Autisten zu tun haben mehr auf diese hören. Das sie versuchen Autisten und Autismus zu verstehen. Und das sie Hilfen von außen dankbar annehmen und nicht in ihrem Trott verweilen.

Ich wünsche mir, dass immer mehr Autisten den Mut finden über ihren Autismus zu schreiben. Jede Einsicht in das Leben eines Autisten ist ein Schatz und etwas ganz besonderes.

Ich wünsche mir, dass dieser Zusammenhalt von bloggenden und kommunizierenden Autisten wie er sich im Dezember zeigte sich weiter festigt und bestehen bleibt. Und das wir wieder Protestieren wenn uns Unrecht getan wird! Aber eben auch nur dann!

Ich wünsche mir, dass Autisten in dieser Gesellschaft mehr zugetraut wird. Das wir mehr Chancen bekommen zu beweisen was wir können. Und das man unsere Leistung auch wertschätzt. Das Autisten nicht mehr automatisch im Berufsleben in die IT sortiert werden, wir nach unseren Talenten beurteilt und gefördert werden und auch das Arbeitgeber verstehen wenn wir um unsere Leistung zu bringen besondere Arbeitsbedingungen benötigen.

Ich wünsche mir, dass Inklusion in Zukunft nicht nur ein Modewort und ein Gesetz ist. Inklusion muss in der Gesellschaft ankommen und gelebt werden! Gerade im Bildungsbereich gibt es noch viel Angst und Unsicherheit wenn es um Inklusion geht. Es gibt Menschen die Euch helfen können diese Angst abzubauen!

Ich wünsche mir, dass wir alle zusammen das Bild von Autismus in der Gesellschaft korrigieren und bewegen!

Es gibt noch viel zu tun!

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4 Antworten zu Es gibt noch viel zu tun!

  1. maedel schreibt:

    Das habe ich heute in FB gepostet. Das ist meine Einstellung und ich stehe dazu. Ich finde es passt zu deinem Thema, daher kopiere ich das hier rein:

    „Mä Del auf Facebook: Ich denke ähnlich. Nicht alle sind schlecht. Ich denke wirklich, das vieles aus Mangel an Information passiert. Daher finde ich Aufklärung so wichtig. Kampf ist die falsche Einstellung und führt zu nichts. Damit begeben wir uns lediglich auf ein Niveau, auf dem wir als Autisten nicht mehr glaubwürdig sind und ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, das wir damit dem „Klischee“ wir wären aggressiv zuarbeiten würden. Sachlich über Autismus aufklären. Unsere Sicht der Dinge präsentieren. Den Menschen die Chance geben uns kennen zu lernen. Ihnen zeigen, das wir auch nur Menschen sind. Das man keine Angst vor uns zu haben braucht. Das ist das, was ich wünsche, wofür für mich auch dieser heutige Tag steht.“

  2. Bernhard schreibt:

    „Dass Autisten nicht mehr automatisch im Berufsleben in die IT sortiert werden…“
    Es wäre schon schön, wenn es für Autisten Jobs in der IT gäbe. Ich hatte letztes Jahr meine Hoffnung auf „auticon“ gesetzt. Nach (unverbindlichen) Vorgesprächen gabs dann eine Eignungsprüfung, die ziemlich schwer war. Die hat mich aber nicht so geschlaucht wie das „Gespräch“ mit einer „Psychologin“ hinterher. Du bemühst dich, die Fragen so genau wie möglich zu beantworten und kriegst im Verlauf immer mehr das Gefühl, dass du dich mit deiner Ehrlichkeit ins Abseits redest. Weil du nicht passt. Und sie arbeitet nur ihren Fragenkatalog ab. Enttäuschend. Auch Firmen „speziell für Autisten“ gehen nicht auf die Bedürfnisse von Autisten ein, hatte ich das Gefühl, sondern bedienen sich nur am weniger „genutzten“ Autisten-Arbeitskräftepool.

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