Wenn Festhalten als ABArtig empfunden wird

Ich möchte nachfolgend exemplarisch auf zwei Therapieformen eingehen, die gerne bei Autismus empfohlen werden. Beide sind jedoch unter Autisten sehr umstritten und werden teilweise als massiv einschränkend empfunden. Das ist, ob der vermeintlich sichtbaren Erfolge der Therapien, oftmals für Außenstehende nicht nachvollziehbar. Ich versuche, ganz nach meinem Motto: Lernen durch Erklären, dass für alle nichtautistischen Menschen mal aufzuschlüsseln.

ABArtig

Man kann es vielleicht schon am Titel erkennen: Nachfolgend geht es um die sogenannte Applied Behavior Analysis oder kurz ABA. Was muss man sich darunter vorstellen? Es geht, im Prinzip darum erwünschtes Verhalten zu verstärken und unerwünschtes Verhalten zu vermeiden. Auf den ersten Blick sicher kein schlechter Ansatz wenn man bedenkt, dass Autisten fast immer Probleme mit dem von der Umwelt als angemessenen empfundenen Umgang mit der Gesellschaft haben. ABA ist sogar so effektiv, dass man erste, in den Augen der Eltern sogar undenkbare, Erfolge teilweise innerhalb weniger Wochen erzielen kann. Was den ersten Eindruck jedoch trübt, ist die Art und Weise wie dieses erwünschte Verhalten erzeugt wird. Haben Sie Haustiere oder schon einmal etwas vom „Klickern“ gehört? ABA kommt dem recht nahe, nur dass es sich hierbei um Menschen handelt und diese auch nicht dem Training ausweichen können. Sie werden streng diszipliniert zum Training angehalten. Jedes Haustier mit dem man klickert wird einem ausweichen und sich verweigern wenn es keinen Spaß mehr an den Übungen hat. Etwas das ein autistisches Kind so nicht kann. Weder körperlich, Kinder sind zu schwach, noch verbal – wenn sie nicht sprechen – oder gar emotional. Ausweichendes Verhalten ist nämlich unerwünscht und wird sofort wieder in erwünschte Bahnen gelenkt. Recht seltsam mutet dann auch die positive Verstärkung von erwünschtem verhalten an: Mal wird diese Verstärkung durch ein Leckerli erreicht, mal auch durch sehr übertriebene positive Reaktion seitens der trainierenden Eltern.

ABA beruht übrigens im Kern auf der, in meinen Augen mehr als falschen, Ansicht, dass Kinder mit Autismus nicht von sich aus lernen können. Man muss, folgt man dieser Ansicht, also dem Kind alles vorgeben und das dann so verstärken, dass sich –  ganz nach Pawlow – ein automatisiertes Verhalten einstellt das von der Umgebung erwünscht ist. Wieso spricht man autistischen Menschen die Fähigkeit zu lernen ab? Weiß man dies? Es ist wohl viel mehr die Annahme dass es so sein muss, weil man sich das Verhalten von Autisten ansonsten nicht anders zu erklären vermag. Das alleine ist schon traurig, unerträglich für mich wird es jedoch, wenn man diesen abgesprochenen Lerneffekt durch schon roboterhaftes oder programmiertes Verhalten ersetzt. „Schau mich an!“ ist einer der noch am häufigsten Befehle die während eines ABA Trainings ausgesprochen wird. Das passiert solange, bis das Kind diesen Befehl auch ausführt. Gerade durch das Umlenken der Aufmerksamkeit und das gezielte fixieren auf die Anweisung wird hier ein Automatismus erzeugt. Das Kind wird nicht zum Elternteil schauen weil es das möchte, sondern weil es sich entweder eine Belohnung erwartet oder einfach nur weiß: Ich werde solange damit konfrontiert bis ich es tue. Also macht man es eben. Warum ein autistisches Kind unter Umständen Probleme hat anderen Menschen in die Augen zu schauen wird bei dieser Therapieform gänzlich außer Acht gelassen. Was zählt ist einzig, dass das Kind funktioniert. Je schneller und deutlicher umso besser. Natürlich ist das eine sehr effektive Methode um ein gesellschaftskonformes Verhalten zu erreichen. Eltern sehen schnell vermeintliche Erfolge und damit auch einen Ausweg aus der für sie unerträglichen Situation Autismus. Wenn man jedoch die Bedürfnisse von autistischen Menschen übergeht und nicht versteht warum sie sich so verhalten wie sie es eben tun wird man nur eines erhalten: Einen Menschen der in der Gesellschaft zwar funktioniert, aber ansonsten innerlich wahrscheinlich schon längst ge- und zerbrochen ist. Die eigenen Bedürfnisse werden durch solche Therapien in den Hintergrund gerückt, der Autist verbiegt sich um den Ansprüchen gerecht zu werden und mit viel Glück endet das Ganze dann nur ein einem Burnout weil der Autist an seinem Leben und dem antrainierten verzweifelt und letztendlich nicht einmal weiß wieso das so ist.

Um nochmal auf die Funktionsweise dieser Therapie zurück zu kommen: Sie entspricht direkt ausgedrückt dem Klickern bei Tieren! Möchte man es noch direkter Ausdrücken: Hier werden Menschen dazu erzogen auf Befehle von außen mit einem vorgegebenen verhalten zu reagieren. Wieso sie das tun wird ihnen wohl in den wenigsten Fällen selbst klar sein.

ABA ist eine Konditionierung die die Bedürfnisse der therapierten Autisten hinten anstellt und die vermeintlichen Erfolge in den Vordergrund rückt. Das ganze wird förmlich erzwungen, da der Autist der Therapie nicht ausweichen kann und auch nicht soll. Nicht umsonst wird diese Form der Therapie für den frühestmöglichen Einsatz bei Autismus empfohlen. Eben bei den autistischen Menschen die sich am wenigsten wehren können.

Aber nicht nur autistische Kinder wären mit ABA überfordert. Schulkinder in der Grundschule haben selten mehr als 6 Schulstunden. Dazwischen Pausen die sie auch dringend brauchen. Dazu kommt: Selbst in der Schule kann ein Kind mal kurz abschalten, es ist nicht immer direkt gefordert. Betrachtet man nun ABA findet man folgendes Bild: Das Training findet meistens über mehrere Stunden statt. Ein Ausweichen ist nicht möglich, da die Kinder sofort zurückgeholt werden. Sie sind also über Stunden hinweg, fast Pausenlos, direkt angesprochen und gefordert! Bedenkt man noch, dass die Förderung durch ABA möglichst früh einsetzen soll und es sich oftmals um Kinder weit vor dem Einschulungsalter handelt, muss man sich schon fragen was den autistischen Kindern da abverlangt wird. Etwas das man jedem anderen Kind nicht zumuten würde!

Trauriges Tüpfelchen auf dieser Therapie ist der Umstand, dass Eltern für Seminare die ihnen die Vorgehensweise von ABA beibringen sollen nicht selten 5-stellige Summen bezahlen müssen. Verständlich wenn man bedenkt was Eltern sich für ihre Kinder wünschen und welche Hoffnung sie in die möglichen Fortschritte legen. Aber ist es das wert? Schnelle Erfolge auf Kosten der Psyche der Autisten?

Ich halte Dich fest!

Ähnlich umstritten ist die sogenannte Festhaltetherapie. Sie soll, optimaler weise, durch intensives und aggressionsfreies Festhalten Bindungsstörungen auflösen. Unter anderem für Menschen mit Autismus entwickelt, wird diese Art der Therapie heute bei allen Menschen und auch bei erwachsenen praktiziert.

Befasst man sich etwas genauer mit dieser Therapieform, wird man folgenden idealen Anlauf vorfinden:

Zwei Menschen umarmen sich gegenseitig und schauen sich dabei in die Augen. Mit Hilfe dieser Konfrontation mit dem anderen Menschen sollen negative Gefühle, Ängste und Aggressionen nach außen gebracht werden. Und das solange bis sich diese negativen Gefühle auflösen und die Umarmung zu einer liebevollen und positiven Umarmung wird.

Soweit die Theorie die, ähnlich zu anderen Therapiemethoden, sicher auch auf den ersten Blick in der Praxis sicher gut funktioniert. Aber was passiert da wirklich?

Man wird solange festgehalten und damit eigentlich beengt und fixiert, bis eben diese negativen Gefühle die man hierbei empfindet offen ausbrechen. Das kann durch Weinen, Schreien oder Schimpfen passieren. Die Umarmung wird aber optimaler weise nicht gelöst egal was der umarmte macht. Man hat also einen Menschen der, ich würde sagen in den meisten Fällen, gegen seinen Willen von einer bekannten (Familie) oder fremden Person (dem Therapeuten) in eine ungewollte Nähe gedrängt wird. Betrachtet man nun das Modell der unterschiedlichen persönlichen Zonen (Öffentliche, persönliche und intime Zone) die jeder Mensch hat, ist dies ein massiver Eingriff in die intime Zone eines Menschen. Es sollte jedem Menschen klar sein, dass dies ein einschneidender Eingriff in das Leben des anderen Menschen ist. Wenn man bedenkt, dass es sich hierbei oftmals um Kinder handelt die sich gegenüber Erwachsenen Menschen erwehren müssen ist das schon eine heftige Form der Therapie. Aber weiter im Ablauf: Man wird also fixiert und soll dem Gegenüber in die Augen schauen. Das dabei negative Gefühle entstehen sollte eigentlich jedem klar sein. Man wird sich wehren, verbal und körperlich. Die Fixierung jedoch soll dabei nicht gelöst werden. Was passiert wenn man gegen seinen Willen festgehalten wird und jeglicher Widerstand keinen Erfolg hat? Richtig: Man weint. Und später irgendwann gibt man den Widerstand auf. Das Ziel der Therapie, aus einer erzwungenen Umarmung wird eine als liebevoll beschriebene. In meinen Augen jedoch, gerade wenn man betrachtet was in dem Menschen vorgeht, ist das weniger ein liebevolles umarmen sondern mehr ein gebrochenes zusammensacken. Man ergibt sich der Situation und leistet keinen Widerstand mehr. Zutiefst menschlich. Was passiert also bei dieser Therapie? Menschen werden gebrochen damit sie Nähe zu anderen Menschen dulden und fühlen können.

Soweit nur das was ein nichtautistischer Mensch dabei empfinden kann. Wie sieht es jedoch mit Autisten aus? Zum einen ist ein Eingriff in die intime Distanzzone von Autisten ein äußerst unangenehmer Vorgang. Gerade wenn Autisten Probleme mit Berührungen haben wird dies zu einem beengenden und verletzenden Ereignis. Einem Menschen der einen derart einschränkt noch in die Augen schauen zu müssen ist dann ein weiterer Punkt der Autisten über die Maßen hinweg belastet. Autisten werden mit dieser Therapie also ganz besonders bedrängt und eingeschränkt. Und das ohne für sie erkennbaren Grund und vielmehr aus dem Wunsch der Angehörigen heraus, dass das Kind sie in die Arme nimmt. Eine unbeschreibliche Qual zugunsten einer weit verbreiteten Kopplung von Umarmung und Liebe.

An dieser Stelle muss ich aber, gerade in Bezug auf Autismus, noch etwas Wichtiges erwähnen: Eine Umarmung bzw. ein Festhalten kann für einen Autisten auch beruhigend sein. Dieses Festhalten ist dann aber nur in passenden Situationen wie z.B. einer Stresssituation angesagt und eben auch nur wenn der betreffende Autist das als beruhigend empfindet. Hier wird kein Zwang angewandt, auch ein Augenkontakt muss nicht erfolgen. Es dient einzig dem runterkommen für die betreffende Person und ist dann in diesem Fall eine notwendige und sehr sinnvolle Hilfestellung.

Wozu das Ganze?

Die Frage die sich mir bei allem stellt: Wozu wird Autisten das Ganze zugemutet? Offenbar aus einem falsch verstandenen Weltbild heraus. Mit ABA sollen Autisten auf das wirkliche Leben vorbereitet werden damit sie selbiges möglichst unbeschadet überstehen. Auf Kosten der Bedürfnisse und der Psyche der Autisten. Ist damit etwas gewonnen? Braucht die Welt wirklich dressierte und roboterartig handelnde Autisten? Auf der anderen Seite ist der Wunsch nach Liebe vom autistischen Kind wohl so groß, dass Umarmungen erzwungen werden. Als wäre eine Umarmung das einzige Zeichen das ein Mensch einen anderen liebt. Autisten können lernen sich in der Gesellschaft zu bewegen und, je nach Ausprägung des Autismus, ein möglichst normales Leben zu führen. Zumindest ein bestmögliches Leben. Und Angehörige können ebenso lernen, dass Liebe etwas ist das sich auf vielfältige Art und Weise ausdrücken lässt und das eine Umarmung oder körperliche Nähe nicht der einzige Weg sind. Grundlage für all diese Erfolge wäre nur eines: Das Verständnis für Autismus und die andere Wahrnehmung. Es könnte so leicht sein.

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83 Antworten zu Wenn Festhalten als ABArtig empfunden wird

  1. nvcwolff schreibt:

    Am Ende geht es wohl oft tatsächlich darum, Konformität zu schaffen. Das ist bitter und gleichzeitig kann ich auch verzweifelte Eltern verstehen.

    • quergedachtes schreibt:

      Ich verstehe die Verzweilfung der Eltern auch. Vielleicht schreibe ich gerade deshalb über dieses Thema. Um zu informieren und den Eltern eine Möglichkeit an die Hand zu geben wenn es darum geht eine Entscheidung zu treffen. Leider wird die Verzweiflung vieler Eltern von Therapeuten ausgenutzt die „Ihre“ Therapie teuer verkaufen wollen😦

  2. Für beide Therapien habe ich nur 1 Wort: VerGEWALTigung.
    Ich kenne Eltern, die ABA durchziehen. Ich verstehe ihre Ängste , die Zukunft ihrer Kinder betreffend. Sie wollen das für ihr Kind, was sie für das Beste halten: eine bürgerliche Existenz mit Job, Eigenheim, Familie, Sparbuch. Etwas anderes ist jenseits ihrer Vorstellungswelt, auch für sich selbst. Diesen Eltern müsste geholfen werden, ihre Werte zu überprüfen- damit wäre ihren Kindern um so vieles mehr geholfen als mit ( zum Glück) teuren menschenverachtenden Therapien.

    • quergedachtes schreibt:

      Das Geld wäre in anderen Therapien oder Methoden sicher besser angelegt. Und gerade die Kosten für Seminare sollten doch zeigen um was es geht: Geld zu machen! Traurig aber wahr…

  3. Amy schreibt:

    Konformität ist heutzutage viel zu wichtig, leider. Nicht nur autistischen Kindern werden Dinge aufgezwungen, die sie nicht möchten – wie viele Kids quälen sich durch das Gymnasiunm, weil doch was aus ihnen werden soll? In den Ballettunterricht, zu Klavierstunden, jeden Tag zu einem anderen bildungstauglichen „Freizeitvergnügen“ nach Wahl der Eltern? Das ist natürlich nicht mit der Dressug autistischer Kinder gleichzusetzen, aber doch für mich vor allem eine weitere Ausprägung des selben Problems: Der Mensch soll, muss bitteschön funktionieren, vollständig angepasst an ein System, das von der Elterngeneration aufrecht erhalten wird. Individualität wird gefeiert, aber nur so lange, wie sie innerhalb der festgesteckten Grenzen stattfindet. Was darüber hinaus geht gilt als unwürdig, wertlos, wird ausgeschlossen von der Teilhabe an der Gesellschaft.
    Wer allerdings dann erst mal am Rand der Gesellschaft steht, hat bekanntlich oft große Probleme. Grundsicherung, die nicht zum Leben reicht; Arbeitgeber, die die Eierlegendewollmilchsau suchen und keine anderen Bewerber akzeptieren; Niedriglohnjobs; immer neue schreckliche Berichte aus Pflegeheimen und Einrichtungen für Behinderte; Kämpfe um Hilfen, die dringend benötigt werden; eine Gesellschaft die einfach lange nicht so inklusiv ist, wie sie gerne von sich selbst behauptet.

    Das Grundproblem liegt für mich darum weniger bei den einzelnen Eltern, die hoffen ihrem Kind irgendwie das mitgeben zu können, was es braucht um in der Welt zu bestehen. Natürlich heiße ich ABA, Festhaltetherapie und ähnlich brutale Ansätze nicht gut, würde mir wünschen, dass sie aus dem Therapiegeschäft verschwinden. Trotzdem glaube ich, dass dem Problem besser begegnet wäre durch eine öffnung der Gesellschaft zu einem pluralistischen, inklusiven, respektvollen Miteinander als durch eine Verurteilung der Eltern, die nach diesen Strohhalmen greifen. Natürlich kann auch ein behinderter Mensch sich aus eigener Kraft ein tolles Leben aufbauen, natürlich gibt es viele Lebensentwürfe, die vom Standard des bürgerlichen Lebens abweichen und trotzdem aus Sicht derjenigen, die sie leben, absolut gelungen sind. Aber dieser Weg ist viel, viel schwerer zu gehen als der eines angepassten, „konditionierten“ Menschen. Den grundsätzlichen Ansatz, gerade bei hochgradig im Spektrum befindlichen Kindern alles tun zu wollen um ihnen möglichst viele Handwerkszeuge an die Hand zu geben um sich selbst durchsetzen zu können statt auf andere angewiesen zu sein, kann ich nicht verurteilen.

    • quergedachtes schreibt:

      Du hast Recht. Es ist in der Tat der Trend der Gesellschaft, dass man funktionieren muss der solche Therapien erst nach oben spült. Ich hoffe mein Ansatz den ich mit meinem Text aufzeigen wollte war zu erkennen:
      Ich möchte Eltern die etwas für ihre Kinder tun möchten ( was vollkommen verständlich und erwünscht ist) nur aufzeigen, dass der Zweck nicht die Mittel heiligt. Und das so manch schneller Erfolg eben auch teuer erkauft sein kann. Sie sollen einfach auch die andere Seite kennen bevor sie sich für eine Therapie entscheiden.

      • Amy schreibt:

        Habe ich verstanden, keine Sorge! Wie gesagt, ich halte auch absolut nichts von Konditonierung per ABA und co, und erst Recht nichts davon wie mit Andersartigkeit in unserer Gesellschaft umgegangen wird. Das waren mehr so allgemeine Gedanken dazu, was ich in letzter Zeit über ABA und als Reaktionen darauf gelesen habe. Meist (nicht bei dir hier!) bleibt es nämlich überspitzt gesagt doch bei den beiden gegensätzlichen Standpunkten, dass entweder die gesteigerte Funktionalität der Kinder jeden Preis wert ist oder den bösen Eltern das Sorgerecht entzogen werden sollte. Da fehlte mir oft einfach die Perspektive darauf, dass das Problem meiner Meinung nach größer ist und da beginnt, wo Menschen überhaupt die Notwendigkeit zur Entwicklung solcher Ansätze sehen, nicht erst bei den „bösen“ Eltern, die ihren Kindern so etwas antun. Und ja, trotzdem gibt es weitaus bessere, hilfreichere, sanftere, schönere Wege als den einem Kind irgendetwas aufzuzwingen, wenn es eigentlich in besonderem Maße dem Schutz und der Unterstützung der Eltern bedarf um einen Weg finden zu können.

        Ich dachte, ich füge diese Gedanken deinen Überlegungen mal als Kommentar hinzu, vornehmlich ehrlich gesagt weil ich gerade nicht die Muße habe, selbst ausführlich dazu zu bloggen…

        • quergedachtes schreibt:

          Mich freut das sehr und finde solche Kommentare auch sehr gut. Es ist doch wichtig das man versteht warum manche Dinge so laufen wie sie laufen. Über diese sehr polarisierenden Texte ärgere ich mich auch immer. Es gibt mehr als „100% gut“ und „100000% schlecht“.

    • Amy schreibt:

      Grundsätzlich gebe ich dir absolut recht – Konformität heißt das Stichwort, auch hier.
      Aber zu glauben, das sei ein neues Phänomen, das es erst „heutzutage“ gibt, halte ich für gefährlich geschichtsrevisionistisch. Früher kamen Autisten dann halt in die Irrenanstalt, die wurden Kinder geprügelt, bis sie sich konform verhielten, und wer es nicht tat, konnte sich gleich einen Strick nehmen.
      Also bitte bei solchen Themen auch bedenken – früher war nicht alles besser, nur früher. Die Menschen waren genauso doof wie heute auch.

  4. Dario schreibt:

    Ich halte es auch für wünschenswert, wenn autistsiche Kinder einige grundlegenden Fertigkeiten lernne, die zum Überreben in dieser Gesellschaft wichtig sind. Dazu gehört auch eine ausreichende Schuldbildung (Lesen, Schreiben, Rechnen usw.) und die Fährigkeit, seinen Alltag halbwegs selbstständig zu bewältigen. Das geht aber nur soweit, wie der einzelne Autist das auch bewältigen kann.

    Autistische Menschen können vieles erreichen, sie brauchen dazu nur mehr Zeit als andere Menschen. Wer einem Autisten bestimte Lernerfolge mit Gewalt aufzuzwingen versucht, der erreicht am Ende genau das Gegenteil. Für mich selbst kann ich sagen, dass die erzwungene Anpassung an die „Normalität“ immer dann gescheitert ist, wenn man mir bestimmte Schritte außen aufgezwungen hat, ohne mein inneres Entwicklungstempo zu berücksichtigen.

    So glaubte man, ich müsste als kleines Kind unbedingt einen Kindergarten besuchen – aus dem einzigen Grund, dass eben alle Kinder in dem Alter in den Kindergarten gehen. Dass mich das Zusammensein mit anderen Kinder in einer völlig fremden Umgebung massiv überfordert, hat niemand berücksichtigt. Hier wäre allenfalls ein Kindergarten mit spezieller sonderpädagogischer Förderung angezeigt gewesen, aber so etwas gab es zu meiner Zeit noch nicht. Später musste ich auf eine „normale“ Grundschule gehen. Auch dort bin ich auf ganzer Linie gescheitert, weil man dort ebenfalls nicht auf die Problematik autistischer Kinder eingestellt war. Noch im Erwachsenenalter habe ich diesen brutalen Anpassungsdruck zu spüren bekommen. Im Alter von 18 Jahren sollte ich unbedingt eine Berufsausbildung machen, weil das alle jungen Menschen in dem Alter so machen. Auch hier hat niemand erkannt, das ich von meiner inneren Entwicklung her noch gar nicht so weit war. Stattdessen wäre eine beschützte Werkstatt sinnvoll gewesen, in der ich meine Belastbarkeit in ganz kleinen Schritten hätte steigern können.

    Die größten Fortschritte habe ich überall dort gemacht, wo ich über anstehenden Schritte selbst entscheiden oder zumindest zumindest mitentscheiden konnte. Und so kam es, das mit Ende zwanzig dann doch noch so weit war, dass ich eine Berufsausbildung (wenn auch in einem geschützen Rahmen) duchhalten und erfolgreich abschließen konnte. Heute arbeite ich als Technischer Zeichner auf dem ersten Arbeitsmarkt, so das sich mein Leben äußerlich kaum noch von dem eines Nicht-Autisten unterscheidet. Ich hab dazu nur mehr Zeit gebraucht als andere Menschen.

    Deshalb meine eindringliche Bitte vor allem an die Eltern: Gebt autistischen Kinder und Jugendlichen die Zeit, die sie brauchen, um sich in ihrem ganz eigenen Tempo zu entwickeln. Zwingt sie nicht in die üblichen Konzepte von „Normalität“, denn damit überfordert ihr sie. Gebt uns Autisten die Zeit, die wir brauchen ‒ und messt uns nicht ständig an der vermeintlichen Norm, denn wir haben in vielen Dingen unseren eigenen Maßstäbe, nach denen wir funktionieren. Ist es wirklich so schlimm, wenn ein autistischer Mensch erst mit Mitte dreißig einer Arbeit nachgehen und alleine für sich sorgen kann? Warum immer dieser gnadenlose Anpassungsdruck, an dem so viele von uns schon zerbrochen sind?

    Bei mir hätte bis vor 10 Jahren auch noch niemand geglaubt, dass ich jemals eine Berufsausbildung durchhalte, mich auf dem ersten Arbeitsmarkt behaupten und meinen eigenen Haushalt führen kann. Und dennoch habe ich all diese Schritte geschafft, obwohl man mich auch in der Fachwelt schon mehrfach als „hoffnungslosen Fall“ abgetan hatte. Dabei war und bin ich alles andere als ein „hoffnungsloser Fall“, sondern ein Mensch mit Asperger-Autismus, der Zeit seines Lebens mit besonderen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte und für viele Entwicklungsschritte mehr Zeit brauchte als andere Menschen seines Alters. Immer nur an dem gemessen, was Andere in meinem Alter erreicht habe, tat weh und tut bis heute weh.

    Es mag gerade für Eltern sehr schmerzlich sein, wenn sie akzeptieren müssen, dass ihr Kind für viele Entwicklungsschritte mehr Zeit brauchen wird als andere Kinder. Man sieht aber an meiner Geschichte sehr gut, wohin es führen kann, wenn man autistischen Kindern die „Normalität“ schon im Grundschulalter aufzwingt, denn damit erreicht im schlimmsten das Gegenteil, nämlich die völlige Überforderung bis zum hin psychischen Zusammenbruch.

    Liebe Eltern, Therapeuten und Lehrer: Bitte zwingt autistischen Kinder nicht in gnadenlose Konzepte von „Normalität“, in denen sie an den Maßstäben nicht-autistischer Menschen gemessen werden. Gebt ihnen die Zeit, die sie brauchen, um sich in ihrem eigenen Tempo zu entwickeln. Nehmt eure Kinder so an, wie sie sind und setzt sie nicht unnötig unter Druck. Dann werden sie später als Erwachsene ganz von selbst ihren Weg in die nicht-autistische Welt finden, davon bin ich fest überzeugt. Es mag länger dauern als bei nicht-autistischen Kindern, aber bitte hört niemals auf, an eure Kinder zu glauben und sie so zu lieben, wie sie sind – dann braucht man auch kein ABA und andere menschenverachtende Pseudo-Therapien!

  5. Pivo schreibt:

    Es ist doch nicht euer ernst, dass alle Menschen, die in unserer Gesellschaft aufwachsen, selbstbestimmt und frei entfaltet existieren. Jeder von uns wurde und wird jeden Tag mit den Mechanismen, nach denen ABA funktioniert, geformt und in seinem Verhalten entweder bestärkt oder eben auch nicht. Aus meiner Sicht widerspricht es doch auch nicht dem Tenor, sein Kind so wie es ist anzunehmen, wenn man es förder und unterstützt, sich zu entwickeln. Und aus Sicht eines Praktikers ist es absolut falsch zu behaupten, ABA wäre die Abrichtung und Dressur von Kindern. Völlig falsch. Wer mit dieser Intention Kinder und Familien begleitet, hat nicht verstanden, worum es bei ABA geht. Geht man dieses Thema seriös an, wird man kein Kind dressieren, vergewaltigen oder ähnliches. Geht man mit dieser Haltung an eine Therapieform, so „vergewaltigt“ man doch immer die Kinder. Kinder, die nicht richtig sprechen, werden zum Logopäden geschickt etc. In unserer Gesellschaft ist es nunmal zwingend erforderlich, bestimmte Dinge zu lernen, damit man später möglichst selbstständig über die Runden kommt. Und dafür braucht man nun mal so kleinbürgerliche Dinge wie Job und auch Freunde.
    ABA richtig angewendet versucht in keinem Falle, zu dressieren, sondern Fähigkeiten und fertigkeiten zu vermitteln, die eben dabei helfen, Freunde und Job und andere wichtige Dinge zu bekommen. Korrekt ist natürlich auch, dass man immer davon ausgehen muss, was ein Mensch zu leisten im Stande ist.
    Wenn hier gefordert wird, offen für alle Möglichkeiten zu sein, dann sollte man auch den Möglichkeiten, die Verhaltenstherapie bietet (nichts anderes ist ABA), offen gegenüber stehen und auch diese nicht verteufeln.
    Ich will hier festhalten, dass ich nur zu ABA hier Stellung beziehe. Festhaltetherapie ist nachgewiesener Maßen ein brechen von Menschen und aus diesem Grunde Gewalt gegen Menschen und aus diesem Grunde abzulehnen.

    • quergedachtes schreibt:

      Hallo,

      was ich hier im Blog schreibe ist normalerweise schon mein Ernst (alles andere sollte erkennbar oder gekennzeichnet sein). Ich spreche für mich und nicht für andere oder gar alle Autisten.
      Das problem bei ABA ist schlichtweg folgendes:
      In der Theorie mag ABA noch akzeptabel und sinnvoll sein. Die Praxisumsetzung, und um diese geht es hier, ist in vielen Fällen jedoch grob anders.
      Einige Beispiele:
      Wenn autistische Kinder, bevorzugt im Kleinkindalter, zu Augenkontakt gezwungen werden ist das nicht in Ordnung. Was für andere Kinder durchaus etwas sein kann was sie lernen sollen und auch können ist für autistische Kinder ein extremer Streß. Es gibt Gründe warum der Augen/Blickkontakt gemieden wird!
      Ein erzwungener Körperkontakt ist für alle Kinder schon unangenehm. Man schaue sich nur mal die Gesichter vieler Kinder an die von Verwandten zwangumarmt werden. Wenn ein Autist Körperkontakt, und auch hier gibt es eine Vielzahl an Gründen, nicht ertragen kann ist das etwas zu dem er gezwungen wird!

      Kinder lernen normalerweise spielerisch und nicht gezwungen. Warum wird das hier im Falle von Autismus anders gehandhabt? Wie ich schon schrieb: Kernaussage von ABA ist die These das autistische Kinder nicht lernen können. Und das ist schlichtweg falsch! Sie brauchen länger. Gebt ihnen doch diese Zeit!

      Wenn ABA so seriös angewandt wird: Warum reden dann viele davon, dass mit ABA Autismus quasi geheilt werden kann? Es werden durchweg „schnelle Erfolge“ versprochen! Und warum kosten dann Seminare für Eltern mehrere Tausend Euro?

      Aleksander

      • Pivo schreibt:

        Hallo,
        ich kann die Einwände alle gut verstehen und gebe dir auch recht in der Hinsicht, dass Zwang etwas ist, was nicht stattfinden sollte. Falsch allerdings ist, dass die Kernthese von ABA ist, dass Kinder mit ASS nicht lernen könnten. Kernaussage von ABA (und übrigens auch vielen anderen Methoden der autismisspezifischen Therapie) ist, dass Kinder mit ASS eine andere Lernumgebung und -situation brauchen als Kinder ohne ASS. Aus diesem Grunde ist die Schullaufbahn für viele Kinder mit ASS so eine Qual und so schwierig.
        Aber ich will hier gar nicht ABA vergöttern oder als einzig wahre Therapieform hinstellen. Natürlich hat sie NAchteile- nur hat sie auch gewaltige Vorteile.
        Es tut mir sehr leid, wenn du selber oder andere Personen, die du kennst, negative Erfahrungen mit ABA gemacht haben. Ich habe allerdings noch nie mit einem Fachmann gesprochen, der sagt, ABA würde Autismus heilen. Dafür müsste man erstmal feststellen, dass es was zu heilen gibt. Meine Kenntnisse über ABA (durch Studium, praktische Tätigkeit und Kontakt zu Familien erworben) sind da ganz anders. Und ich finde, es sollte auch zur Sprache kommen, wenn man sich über eine bestimmte Methode äußert.
        Wenn du schreibt, dass „Durchweg schnelle Erfolge“ durch ABA erzielt werden, würde mich interessieren, wer dies so behauptet. Denn dies ist grober Unfug. Wie du richtig sagst, brauchen Kinder mit ASS ZEit zum lernen (wie übrigens alle anderen Kinder auch). Und ABA kann man auch sehr spielerisch mit den Kindern zusammen durchführen, da muss kein Zwang sein. Denn Verstärkung von Verhalten kann auch anders gelingen, als durch „Klickern“. Kitzeln, Loben, Zusammen Zeit verbringen…, all dass kann als Verstärkung funktionieren (und da unterscheiden sich Kinder mit ASS nicht groß von Kindern ohne ASS).
        Und zu den Kosten: An sich wird Therapie für Kinder mit ASS über Jugendamt oder Sozialhilfe oder auch von der Krankenkasse finanziert. Und es gibt auch Angebote, die aus eigenen Mitteln finanziert werden. Ich denke aber, dass hier eher ein systemischer Fehler zu Grunde liegt. Denn beispielsweise ist es in Schweden so, dass Unterstützung und Förderung von Kindern mit ASS über die Schule laufen. Da fallen demnach keine Extrakosten und Extratermine an. Wäre für Deutschland sicher auch wünschenswert, ist aber hier leider nicht so. Was die Unterstützung von Menschen mit ASS angeht, ist Deutschland leider Entwicklungsland.
        Aber dafür ABA (übrigens eine wissenschaftlich fundiert untersuchte und für wirksam befundene Methode) zu verteufeln, halte ich für den falschen Weg.

        Liebe Grüß
        Pivo

      • Hesting schreibt:

        Ein Kind, das sich absondert, wird eben nicht spielerisch die Mechanismen der menschlichen Kommunikation lernen, sondern später in der Schule gemobbt oder gleich in der G-Schule untergebracht. Ich halte beides für ungleich traumatisierender.

  6. Stiller schreibt:

    Ich bin Autist.
    Ich habe lange Jahre Psychotherapie gemacht. Konventionelle Psychotherapie aber auch ziemlich unkonventionelle. Auch ich spreche hier nur für mich und keinesfalls für andere.

    Vielleicht habe ich etwas missverstanden, aber in meinem Leben setze ich die Akzente bei der Bewertung von Therapie anders. Ich habe viele Therapeuten kennen gelernt (allesamt Nichtautisten). Niemand konnte sich in meinen Autismus hineinversetzen. Aber die meisten waren der glasklaren und felsenfesten (aber unhinterfragten) Überzeugung:
    (1) So wie ich bin, ist es richtig.
    (2) So wie du bist, ist es falsch.
    Und sie sind mir dann mit der gleichen gewalttätigen Ignoranz gegenüber getreten, mit denen in Australien die Aboriginees christianisiert oder in den USA die Ureinwohner „entindianisiert“ wurden. Alles zu meinem besten – versteht sich.
    Denn – nicht vergessen:
    (1) So wie sie waren, war es richtig. Und
    (2) so wie ich war, war es falsch.

    Es gab Zeiten, in denen man mit der gleichen gewalttätigen Ignoranz Homosexuelle mit Elektroschocks, Verhaltenstherapie oder Medikamenten „heilen“ wollte. Alles zum Besten der Homosexuellen – versteht sich.

    Natürlich passieren in solchen Therapien „Wunderdinge“, die gerne über die Medien verbreitet werden:
    Aus manchen australischen Aboriginees wurden tatsächlich „vollwertige Menschen“, viele amerikanische Ureinwohner schworen ihren Wurzeln ab und zahlreiche Homosexuelle entschlossen sich, heterosexuell zu leben. Die nichtautistischen Propheten dieser Gewalt feierten sich selbst und zerflossen in Gutmenschentum. Heute weiß man, welchen Preis ihre Opfer zahlten, schämt sich der Gewalt, die man ihnen angetan hat und schwört, sowas nie wieder zu tun.

    Mit welcher Berechtigung und Begründung will man heute den Autisten ans Leder?

    Gezwungenermaßen lebe ich schon mein ganzes Leben unter Nichtautisten und hatte reichlich Gelegenheit, sie zu studieren. Ich selber will nie, nie, niemals so leben müssen wie die Nichtautisten. Niemals! Um keinen Preis! Ich erlebe das Leben fast aller Nichtautisten als schal, oberflächlich, nichtssagend, bis zur tödlichen Langeweile banal, sinnlos, leer, maschinenhaft, gewalttätig und zerfasert. Mein Standardspruch für Nichtautisten, die mir ungefragt ihre Hilfe anbieten, um so zu werden wie sie ist mittlerweile: „So zu leben, wie Sie – so stelle ich mir die Hölle vor!“

    Die Nichtautisten, die den Autisten ungefragt Hilfe anbieten, sollten hinterfragen:
    (1) Ist so zu leben wie ihr tatsächlich „richtig“?
    (2) Ist so zu leben wie die Autisten tatsächlich „falsch“?
    (3) Leiden die Autisten unter ihrem Autismus oder nicht eher unter euch?

    • nvcwolff schreibt:

      Hi,

      es schmerzt mich immer unheimlich zu lesen / hören / sehen, mit welcher Grundeinstellung wohl einige Therapeuten an ihren Beruf herangehen.
      Ich bin kein Therapeut, ich bin „nur“ psychologischer Berater und Kommunikations-Berater, aber ich habe mir im Rahmen der Ausbildung grundsätzlich mit so einigen Therapie-Ansätzen schwer getan, da diese von einem Menschenbild ausgingen, mit denen ich nicht übereinstimme: Der Ansatz, dass zu betreuende Menschen „anders“ gemacht werden müssen, falsch sind, kaputt sind etc.
      Das stimmt einfach nicht mit meinem wertschätzenden Ansatz überein, mit dem „du bist wie du bist und es ist gut, solange du keine Probleme damit hast“ (und niemandem anders schadest). Vielleicht habe ich es als Berater da auch leichter – zu mir kommen nur Menschen, die selber Schwierigkeiten mit sich oder bestimmten Situationen haben und daher daran arbeiten möchten, während Therapeuten oft Menschen „behandeln“ müssen, die jemand als „krank“ definiert hat.

      Ich wünsche dir, dass du auch weiterhin mit dir selber zufrieden bist und auch „Frieden“ mit „unserer“ Welt schließen kannst.

      LG
      André Wolff

    • anonymous2 schreibt:

      Ich stimme absolut mit dir überein. Das könnten auch meine Worte sein (außer, dass ich nicht Aborigines als Beispiel gewählt hätte, da mir andere Beispiele vertrauter sind😉 ).

  7. Kay schreibt:

    Was mir nicht einleuchtet, ist auch, warum Verhaltensweisen, die keinem Menschen schaden, Gegenstand von Therapien sein sollen. Ein Beispiel ist die beliebte „Blickkontaktschwäche“, die auch zu meinen Spezialdisziplinen gehört. Ich erkenne an, dass es Menschen irritieren kann, wenn ich nicht in der Lage bin, im direkten Gespräch mit ihnen den Blickkontakt zu halten. Aber ich schade ihnen dadurch nicht. Wo ist also das Problem?
    Solange es umgekehrt zum Beispiel als offenbar sozial adäquat zu gelten hat, seine Umwelt unaufgefordert mit allerlei Arten überflüssigen und nutzlosen Lärms zu traktieren – der bekanntlich tatsächlich schädlich ist, sollte eigentlich auffassen, dass da die verhältnismäßigkeut nicht stimmt.
    Das Problem ist die fehlende Bereitschaft der Nichtautist_innen, Autist_innen zu verstehen und von ihnen zu lernen.

    • nvcwolff schreibt:

      Moin Kay,

      das Problem ist, dass jeder meint „das Problem“ erkannt zu haben und zu wissen, dass es überall liegt, nur nicht im Spiegel. Was ich damit sagen möchte: Bitte mach du doch nicht das Gleiche und lege einfach mal fest, wer hier was falsch macht und sich gefälligst anzupassen hat.
      Ich weiß nicht, ob es ein Problem mit „Blickkontaktschwäche“ gibt, aber ich bin hier auch eher deiner Ansicht, dass, solange dir damit keine Schwierigkeiten entstehen, es da nichts zu ändern gibt. Schwierigkeiten können dir damit natürlich entstehen, weil deine Umwelt darauf irritiert reagiert und das vielleicht ändern möchtest. Dann, und nur dann, kann ich mir vorstellen, dass man die Schwäche angeht. Auf Wunsch desjenigen, der damit gefühlte Schwierigkeiten hat.
      Was du mit dem Lärm meinst, kann ich im Moment leider nicht verstehen, dazu war mir das zu allgemein🙂

      Wenn ich eine Ursache der Missverständnisse benennen müsste, so würde ich die fehlende tatsächliche Kommunikation nennen, in Verbindung mit dem Unwillen, die jeweils andere Seite zu verstehen im empathischen Sinn.

      LG
      André Wolff

      • the_one schreibt:

        Zitat:
        „Wenn ich eine Ursache der Missverständnisse benennen müsste, so würde ich die fehlende tatsächliche Kommunikation nennen, in Verbindung mit dem Unwillen, die jeweils andere Seite zu verstehen im empathischen Sinn.“

        Das Problem ist nicht die fehlende Kommunikation – ich sage schon sehr deutlich, was ich denke – und rede gegen eine Wand. Das Problem ist, dass die Gesellschaft so viele implizite Filter gegen „Querulanten“ besitzt und darauf gedrillt ist, solche Menschen „alternativlos“ in die „gesellschafstreuen“ Schemata einzuordnen. Und in dieses Schema passen Aspies/Auties im Allgemeinen nicht hinein – „wrong planet“ quasi.

        Aber wenn ihr meine Meinung, die ich im Allgemeinen auch sehr deutlich kommuniziere, hören wollt – bitte (wer einen impliziten Treueeid auf unsere gesellschaftlichen Normen geschworen hat, möge hier nicht weiterlesen):

        ich bin der Meinung, dass
        – … die Schul*pflicht* (gegen freiwilliges Lernen habe ich selbstverständlich nichts!) ein Verbrechen gegen die Menschheit darstellt und jeder der für Schulfpflicht ist sich einer Beihilfe zur Freiheitsberaubung (gibt es diese Straftat – ich habe nicht weiter recherchiert?) strafbar macht
        – … es keinen freien Willen gibt und damit jegliche Schuld absurd ist und ein derartiger Grundsatz aus unseren Gesetzen komplett getilgt gehört. Stattdessen sollte eine Optimierung in die Richtung stattfinden, wie Konflikte (zu deren Verhinderung die Gesetze da sind) minimiert werden können.
        Beispiel: Haftung bei KFZ-Unfällen (oder Motorrad- oder whatever), wenn man ihn verursacht hat (basiert auf Schuld – damit absurd). Alternative: wie modellieren es so, dass „Shit Happens“ gilt, wenn einem jemand drauffährt (da ohne freien Willen keine Schuld) – so eine Situation ist analog zu der, dass ich eine Treppe runterfalle und mir ein Bein breche. Wenn ich mich vor einer solchen Situation „sichern“ will, sollte ich eine Versicherung für mein Auto abschließen (analog zu Kasko-Versicherung – nur halt auch inklusive der Fälle, dass mir jemand drauffährt. Die Notwendigkeit von Haftpflicht-Versicherungen ist damit natürlich absurd, da es ohne Schuld keine Haftung gibt.
        Dies hat auch den Vorteil, dass das Gesetz auch auf selbstfahrende Autos (die von Google aktuell entwickelt werden) hochskaliert (wahrscheinlich wird es in der Zukunft „in der Praxis“ darauf hinauslaufen, dass man Haftpflichtversicherung für ein selbstfahrendes Auto abschließen muss; irgendwie absurd, finde ich, wo man doch selber gar nichts tut, sondern nur die Steuersoftware des selbstfahrenden Autos die Steuerung übernimmt).
        – … Unternehmen, welche in ihren Stellenanzeigen Dinge schreiben, die nicht zutreffen (Anforderungen Job, Tätigkeiten), gewerbsmäßige Betrüger sind
        – … unsere Gesetze und Verordnungen radikal derart vereinfacht und reduziert gehören, dass sämtliche aktuell in Deutschland gültigen Gesetze und Verordnungen auf 500 Seiten (Größenordnung!) in Normalschrift- und Seitengröße passen (analog dessen, woran Alan Kay in seinem STEPS-Projekt zur radikalen Vereinfachung von Software arbeitet: http://www.vpri.org/html/writings.php). Um gleich eine Frage, die, wenn ich dies vorschlage, regelmäßig kommt, zu beantworten: ja, ich bin der Meinung, dass Menschen, die beruflich davon profitieren, dass die Gesetzes- und Verordnungssituation so kompliziert ist, schlicht und einfach Schmarotzer sind – daher trauere ich nicht, dass sie hierdurch temporär berufliche Probleme haben werden – wenn man Schmarotzer ist, wird der Fall früher oder später kommen.
        – … dass wir die Probleme mit Steuerhinterziehung dadurch lösen sollten, dass wir eine mathematische Verifikation (analog zu Model Checking und Hoare-Kalkül in der Informatik) der Steuergesetze durchführen sollten, so dass formal sauber beweisbar wird, dass es gar keine Möglichkeit mehr gibt, Steuern zu hinterziehen (natürlich unter sauberster Dokumentation unserer Modellformulierung und -annahmen)

        • quergedachtes schreibt:

          Hier gehts aber nun doch stark vom Kernthema Autismus und vor allem dem Thema des Blogposts (Therapie) weg. Kommt bitte zurück zum Thema.

  8. Diaphanoskopie schreibt:

    Die Festhaltetherapie nach Prekop und ABA miteinander zu vergleichen halte ich zumindest für gewagt. Prekop begründet ihre Therapie mit kaum belegten Annahmen zur Entstehung von Autismus, die größtenteils heute widerlegt sind. Da geht es um Bindungsschwäche und mangelnde Mutterliebe. Bei der Festhaltetherapie gibt es keinen belegten Nutzen, dafür jedoch die Gefahr von Traumatisierung.
    ABA bedient Methoden aus der Verhaltenstherapie und seine Wirksamkeit wurde in diversen Studien gezeigt. Wunder darf man davon nicht erwarten und natürlich auch nicht versprechen. In meinem letzten Kommentar hatte ich bereits geschrieben, dass auch Kinder ohne Autismus Dinge tun müssen zu denen sie keine Lust haben. Ich denke, das ist keine „Binsenweisheit“ sondern ein zentraler Punkt. Kindern mit Autismus fällt es schwerer Dinge zu lernen, die den meisten anderen Menschen leicht fallen, also benötigt es ein systematisches Vorgehen, ihnen diese Dinge beizubringen. Ich finde es auch wenig skandalös, dabei Methoden zu nutzen, die denen von Dressuren ähnlich erscheinen, solange das Ziel ist, sich langfristig von diesen Methoden zu lösen.
    Das Ziel der Therapie ist auch nicht angepasste, sondern möglichst selbständig handelnde Menschen zu erziehen. Wenn jemand erwachsen ist, oder in der Lage eigene Entscheidungen zu treffen, besteht immer noch die Möglichkeit teile des erlernten Verhaltens abzulegen und sein „anders“ sein, auszuleben. Niemand hindert einen daran.
    Jemandem anders in die Augen zu schauen sollte nicht als Selbstzweck geübt werden, sondern als erster Schritt zu einer effizienteren Kommunikation. Und wie gesagt, wenn man alt genug ist und merkt, man kann sich schlecht konzentrieren, wenn man anderen in die Augen sieht, hört man einfach wieder auf damit.
    Kindern nicht die nötigen Therapie zu ermöglichen halte ich für fahrlässig. Das bedeutet nicht (!), dass ich dafür plädiere jedes Kind mit einer Autismusspektrumstörung sollte ABA bekommen und jedes Kind, dass ABA macht sollte 40 Stunden/Woche bekommen.
    Wenn die Entwicklungsfenster bei den Kindern verpasst sind, kommen sie nicht wieder, alles was man in späteren Jahren lernt, dauert länger und ist mit deutlich mehr Anstrengung verbunden.
    Um jeden der oder die ernsthaft Festhaltetherapie anbietet würde ich einen weiten Bogen machen.

    Mehr zum Thema Festhalte“therapie“ findet man hier (pdf-Datei).

    • Dario schreibt:

      Ich verstehe deine Argumentation zu ABA immer noch nicht, denn ich bleibe dabei, dass sie größtenteils aus Binsenweisheiten besteht. Natürlich sollte jeder Mensch ein möglichst selbtständiges und eigentlichverantwortliches Leben zu führen, soweit er dazu in der Lage ist. Das ist absolut nichts Neues und hat überhaupt nichts mit ABA zu tun.Ich führe heute auch ein weitesgehend selbststängiges Leben, führe meinen eigenen Haushalt, verdiene mein Geld auf dem ersten Arbeitsmarkt und bin im Schachverein intregiert. Das alles habe ich aber auch ganz ohne ABA geschafft. Aus eigener Willenskraft, aber auch mithilfe von Menschen (auch Therapeuten), die an mich geglaubt, die mich gefördert und begleitet haben.

      Wirklich: Ich sehe kein einziges Argument für ABA, denn geht sehr wohl auch ohne, sofern man autistischen Kindern mit Liebe, mit Respekt und Geduld begegnet – und solange man sie niemals aufgibt.

      • Diaphanoskopie schreibt:

        Leider kann ein Einzelfall nicht dazu genutzt werden, einer Therapie die Wirkung ab- oder zuzusprechen. Es ist toll, dass Du Deinen Weg gefunden hast, aber etwas anmaßend zu behaupten, die sei der Weg für alle anderen. Jemand der ein Wundinfektion ohne Antibiotika überlebt dient ja auch nicht als Beleg für die Wirkungslosigkeit von Antibiotika. Es geht auch nicht darum, jedem Kind ABA im Autismusspektrum zukommen zu lassen, das wäre Unsinn. Natürlich gibt es Kinder, gerade Kinder mit guten kognitiven Fähigkeiten, die von anderen Hilfeformen profitieren. Und es gibt einige die kommen ohne Hilfe ganz gut durchs Leben.
        ABA hat nicht bei jedem etwas damit zu tun, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, kann aber für einige Kinder der erste Schritt in dieses sein.
        Oben wird ABA aber der Sinn von vornherein abgesprochen und es wird mit Festhaltetherapie verglichen, das halte ich für unredlich. Man muss sich nur die Studienlage ansehen und die Grundannahmen vergleichen.

        „sofern man autistischen Kindern mit Liebe, mit Respekt und Geduld begegnet – und solange man sie niemals aufgibt.“

        Habe ich Dich mit meinen Binsenweisheiten angesteckt😉
        Im Ernst: Was spricht dagegen, dass jemand der ABA nutzt, seinem Kind mit Liebe, Respekt und Geduld (ohne Geduld geht ABA schon mal gar nicht) begegnet? Auch dürften Eltern die mit ihren Kinder ABA machen sich dagegen verwahren, sie würden ihr Kind aufgeben. Im Gegenteil.

        • Dario schreibt:

          Ich will nicht abstreiten, dass man die Grundideen von ABA auch auf menschenfreundliche Weise umsetzen kann. Was man in jüngster Zeit in der Presse lesen musste, macht aber einen ganz anderen Eindruck. Ich weiß nicht, ob du den Artikel kennst, der kürzlich in der „Zeit-online“ erschienen ist mit der Überschrift: „Bloß nicht zu nett sein!“.

          Wenn ich solche Aussagen lese, dann packt mich die eiskalte Wut, denn aus solchen solchen Überschriften spricht die pure Menschenverachtung gegenüber autistischen Kindern. Was spricht bitteschön dagegen, Kinder (auch autistische) nett und freundlich zu behandeln? Ich wüsste nichts, was man Kindern nicht auch auf liebevolle Weise erklären kann, selbst wenn man ihnen mal etwas abverlangen muss, was sie nicht mögen.

          In dem Artikel ist außerdem die Rede von „klaren Befehlen“ und „knallhartem Training.“ Tut mir leid, aber ich solchen Formulierungen kann ich beim besten Willen nichts Liebevolles erkennen. So eine Wortwahl erirnnert mich eher an ein Militärläger als an eine Familie, wo der Umgang von Liebe und Respekt geprägt sein sollte.

          Wirklich, wenn ich solche Artikel lese, dann habe ich den Eindruck, die schwarze Pädagogik ist zurück – ganz subtil und leise durch die Hintertür. (RW) Sie benutzt keinen Rohrstock mehr, aber die dort beschriebenen Methoden verfolgen den gleichen Zeck; nämlich Menschen in ihrer Persönlichkeit zu brechen, nur subtiler. Natürlich kann man einwenden, derartige Artikel sind bewusst reißerisch formuliert und wolllen polarisieren, aber trotzdem: Ein Körnchen Wahrheit wird schon dran sein an dem, was dort über ABA geschrieben wird, da hilt auch alles Schönreden nichts.

        • Diaphanoskopie schreibt:

          Hat etwas gedauert, aber jetzt doch noch eine Antwort.

          Eine Therapie aufgrund eines Zeitungsartikels und der darin benutzten Rhetorik zu beurteilen ist schwierig. Journalisten wollen eine Geschichte erzählen und haben eine andere Aufgabe als Wissenschaftler oder Therapeuten. Dass dort reißerisch Formuliert wird, ist im Grunde klar, sonst liest es auch keiner. Mittlerweile habe ich so schlecht recherchiert Artikel gelesen, zu Themen wo ich mich auskenne, dass ich auf solche Artikel nicht viel gebe.

          Wenn ich mich richtig erinnere, hat Frau Freitag in dem Artikel erwähnt, dass es nicht sinnvoll ist, bei der Therapie alleine auf ABA (oder ähnliche Methoden zu setzen).
          Ich weiß auch nicht, ob man einer Therapiemethode anlasten kann, dass jemand sie nicht richtig anwenden kann. Mittlerweile sollte eigentlich jeder Therapeut fast ausschließlich darauf setzen, erwünschtest (ja, genau) Verhalten zu verstärken und anderes Verhalten zu ignorieren und eventuell zu begrenzen (wenn es das Kind oder andere gefährdet zum Beispiel). In der Ursprungsform nach Lovaas war das noch anders, heute ist man zum Glück weiter.

          Wenn man der Ansicht ist, Autismus sei keine Erkrankung, ist jede Therapie sinnlos, schädlich und unberechtigt, dann braucht man aber nicht explizit über ABA zu streiten. Ich möchte zu diesem Punkt jedoch anmerken, dass sich auch nur diejenigen Betroffenen äußern, die grundlegende Fähigkeiten dazu erworben haben. Alle anderen sind zum Schweigen gezwungen. Es ist die Frage, ob sie mit der Ansicht, es handele sich um einen Charakterzug (o.ä.) einverstanden wären.
          Nur um das auch noch klar zu stellen: Niemand der sich bewusst gegen eine Therapie entscheiden kann, sollte meiner Ansicht nach zu dieser gezwungen werden.

    • Krissell schreibt:

      Anmaßend finde ich, dass Befürworter behaupten, ABA schade nicht und ein vermeintlicher Einzelfall sage im Grunde nichts aus. ABA – so wie dies an Autisten umgesetzt wird, ist seelische Gewalt. Seelische Gewalt hat Folgen.
      Im Grunde zu behaupten, ein Traumatisierter – und das ist ein Autist nach erfolgreicher Anwendung von ABA an ihm – könne, wenn er alt genug wäre (?!) ganz einfach wieder so sein, wie er mal war – ist absurd.

      Autisten brauchen Zeit und Autisten brauchen Verständnis von ihrer Umwelt und keinen Zwang, sich nach dem Bilde anderer Menschen formen lassen zu müssen.

      In dem Entwicklungsverlauf von ABA geht es sehr wohl darum, dass ABA Standard werden soll für die „Behandlung“ von Autisten. Das ist eine Entwicklung, die ich nur noch mit absolutem Entsetzen über mich hinwegfegen lassen kann.

      Weil es Befürworter scheinbar nicht verstehen wollen, was sie anrichten.
      Das ist sehr traurig.

      Da ABA Gewalt darstellt, ist es sehr gut, dies mit Festhaltetherapie zu vergleichen, die ebenfalls Gewalt darstellt – nur dass es hinsichtlich Festhaltetherapie und Autismus bei den meisten Fachleuten inzwischen angekommen ist, dass es sich um zu vermeidende Gewalt an Autisten handelt.

      • Hesting schreibt:

        Klar, und das Mobbing später, wenn andere merken, dass Du nicht klarkommst, ist keine Gewalt. Schon klar.

        • Krissell schreibt:

          Zu bemerken, dass jemand nicht klarkommt, ist ein Grund für Mobbing?
          Warum Sie persönlich werden, verstehe ich nicht.

  9. Yo schreibt:

    Ich würde meinem Kind so etwas wie ABA nie antun!

    Ich bin eine dieser Aspies, die in der Kindheit extrem konditioniert wurden. Du MUSST die Menschen ansehen. Du MUSST grüßen. Du MUSST den Verwandten Küsschen geben. Du MUSST, du MUSST, du MUSST. Und ich habe mich gefügt, habe all diese quälenden Dinge gemacht! Warum? Weil man mich dann in Ruhe ließ! Alles Zwang … unter Strafe! Nur um einem gewollten Außenbild zu entsprechen!

    Hat mir das irgendetwas genützt für mein Leben? Von Außen gesehen anfangs vielleicht schon. Innen blieb nur Angst! Angst den Erwartungen nicht entsprechen zu können. Und der Zwang zur Selbstquälerei um dies doch zu tun! Ich habe es geglaubt, habe vertraut, habe gedacht dass es so sein müsste! Habe mich zu Dingen gezwungen, die sich für mich wie Vergewaltigung anfühlten. Immer so wie es erwartet wurde! Egal in welche Zustände mich das gebracht hat, dass hat ja niemand gesehen! Und ich bin davon ausgegangen, dass es sich für alle so anfühlt und man da einfach „durch“ muss!

    Das alles um mit 30 zu erkennen, dass alles nur ein Kartenhaus ist, welches beim kleinsten Windhauch in sich zusammenstürzt! Und nicht zu wissen, wer man selbst eigentlich ist! Das Gefühl nicht mehr als eine funktionierende Maschine zu sein welche an der eigenen Existenz scheitert.

    Soviel dazu wie einfach es ist, später, wenn man möchte, antrainierte Dinge wieder abzulegen! Meiner Meinung nach macht diese Konditionierung in der Kindheit einen Menschen kaputt! Stürzt ihn in ein Loch aus Zweifeln und Selbstmissfallen! Besser ist es Eigenheiten von vorn herein zu akzeptieren und zu tolerieren und sich eher auf die Förderung von Stärken und Talenten zu konzentrieren!

    Würde so etwas wie ABA zur Standardtherapie für autistische Kinder werden, müsste ich mit meiner Tochter wohl auswandern! Nie im Leben würde ich wollen, dass sie sich so fühlt wie ich in dieser „Konditionierungszeit“!

  10. Pingback: Es geht immer noch schlimmer | Gedankenkarrussel

  11. Damian schreibt:

    Angeblich subjektive Erfahrungen und Sichtweisen dargelegt in absolut formulierten Behauptungen. Ein Beispiel aus dem ersten Beitrag dieses Blog-Themas Zitat: „ABA ist eine Konditionierung die die Bedürfnisse der therapierten Autisten hinten anstellt und die vermeintlichen Erfolge in den Vordergrund rückt.“ –
    Wer so krass die Gesellschaft, die Medien etc. kritisiert, wie man es in diesem Blog immer wieder in versch. Themenbereichen liest, sollte meines Erachtens auch seine eigene Schreibweise und Verbreitung von Ideen und Gedanken überprüfen, die sich hier oftmals in keinster Weise unterscheidet von den undifferenzierten, pauschalen und absoluten Aussagen in anderen Medien. –
    Über andere zu urteilen ist leicht gemacht, alles zu hinterfragen und doch keine praktisch möglichen Lösungen anzubieten, ist offenbar auch weit verbreitet unter Autisten.

  12. Nora schreibt:

    ich bin Mutter eines fast sechsjährigen Jungen mit frühkindlichem Autismus. Wer ich diesen bornierten Schwachsinn hier lese, werde ich wirklich wütend. Wenn Sie ohne Therapie soweit gekommen sind, dass Sie hier schreiben können, herzlichen Glückwunsch. Das gilt aber definitiv nicht für alle Autisten. In unserer Familie gibt es eine Zeitrechnung vor und nach ABA.

    Einkaufen vor ABA:
    Ich führe meinen Sohn an der Hand => er läßt sich dauernd auf den Boden fallen
    Ich lasse ihn neben mir laufen => er rennt permanent weg
    Ich setze ihn in den Einkaufswagen => er wirft alle Einkäufe raus
    Ich trage ihn auf den Schultern => er spuckt mir non-stop auf den Kopf und rupft mir die Haare aus
    Meist habe ich mich für die letzte Variante entschieden. War noch das kleinste Übel.

    Einkaufen nach ABA:
    Er läuft ruhig an meiner Hand, oder sitzt im Einkaufswagen, wenn ich ihn zu einem Regal führe und sage, er soll sich was aussuchen, strahlt er mich an und kauft sich etwas ein.

    Spielen vor ABA:
    Er läuft den ganzen Tag ziellos in der Gegend rum. Oder versenkt alle elektrischen Zahnbürsten, Handys, Telefone und Fernbedienungen im Klo.

    Spielen nach ABA:
    Er puzzelt, spielt viel mit mir, beschäfigt sich variantenreich und lacht sehr viel mehr.

    Wünsche äußern vor ABA:
    Mein Sohn wirft sich auf den Boden und schreit. Wenn ich dann nicht innerhalb von ca. 20 min errate, was er will (Durst, Langeweile, er will ein bestimmtes Müsli, Hodentorsion, er will Hoppe-Hoppe-Reiter spielen, er will raus, es gibt ja viele Möglichkeiten), fängt er an, sich und mich zu beissen, zu treten, zu schlagen zu zwicken. Er hat uns oft genug blutig gebissen. Und ich habe oft genug nicht erraten können, was er will.

    Wünsche äußern nach ABA:
    Gestern sagte er „steig aufs Trampolin!“ und „Hüpf mit mir!“

    Modernes ABA/ VB hat NICHTS aber auch GAR NICHTS mit Vergewaltigen oder Seele brechen oder sonst einem pathetischen Schwachsinn zu tun. Damit bekommt das autistische Kind und die Familien Fertigkeiten an die Hand, den Alltag machbar und sehr viel stressfreier und befriedigender für BEIDE Seiten zu gestalten. Und auch (bzw. gerade) während der Therapie lacht und freut sich mein Sohn sehr viel mehr, als er vorher getan hat. Es nimmt die Panik, was wird, wenn das Kind mal stärker und schwerer ist als man selbst. ABA ist ein Segen.

    Viele Grüße,
    Nora

    • Dario schreibt:

      Hallo Nora,

      wenn ABA für Ihren Sohn eine so große Hilfe war und ist, dann freut mich das für Sie. Trotzdem muss ich mich fragen, woher kommen die ganzen Schreckensmeldungen, die man über ABA immer wieder lesen muss? Wenn ich in dem besagten Zeitungsartikel lesen muss, man dürfe zu autistsichen Kindern „Bloß nicht zu nett sein!“, dann trägt das nicht gerade dazu bei, dass man solchen Methoden postiv und aufgeschlossen gegenüber steht.

      E ist meine feste Überzeugung, das jedes Kind ein Recht darauf hat, mit Liebe, mit Freundlichkeit und Respekt behandelt zu werden, egal wie autistisch es auch immer ist. Wenn jemand das Unfreundlichsein zur therapeutischen Philosophie erhebt (davon muss ich ausgehen, wenn ich solche Artikel lese), dann werde ich das anprangern, weil ich als Kind selbst sehr unter der Unfreundlichkeit und Lieblosigkeit meiner Erzieher gelitten habe. Ich weiß, was es für ein Kind bedeutet, in einer kalten und lieblosen Atmosphäre aufwachsen zu müssen – und ich wünsche es niemandem!

      • Nora schreibt:

        Hallo Dario,
        ABA hat nichts mit Unfreundlichkeit zu tun. Es ist einfach nur eine Methode, wie man irgendjemanden etwas beibringen und sein Verhalten verändern kann. Bei meinem autistischen Kind war es die einzige Methode (von denen, die uns empfohlen wurden und die wie ausprobiert haben), mit der man ihm etwas beibringen und sein Verhalten verändern kann. Der Effekt ist gigantisch. Und DANN kann man auch viel freundicher zu seinem Kind sein. Der Autismus kann eine gewaltige Belastung für das Familienklima sein. Einen Winter lang hat mein Sohn immer geschrieen, wenn wir abends Licht angemacht haben. Wir saßen wochenlang im Dunkeln. Dann ist es manchmal schwer, zwischen dem Autismus und seinem Kind zu trennen.
        Die ABA-Methode, die ich gerade lerne, lebt davon, dass man schaut, was das Kind gerade möchte und ihm dann sagt, wie er adäquat danach fragt. Daher bedeutet Therapie für meinen Sohn, dass er stundenlang genau das machen darf, was er will. Nebenbei lernt er, wie man die Sprache benutzt und dass es schöner ist, wenn andere mitmachen und das Spiel bereichern.
        Eine Methode, jemanden effektiv zu erziehen, die noch weniger Zwang ausübt, kenne ich eigentlich nicht. Die meisten, die hier über ABA schimpfen, kennen offensichtlich die modernen Konzepte nicht. Die stärkste „Strafe“ in der aktuellen ABA ist, dass jemand für kurze Zeit keine Belohnung bekommt.
        Ich finde diese Desinformation nur insofern gefährlich und destruktiv, weil ich u.a.genau wegen solchen Fehlinformationen so spät mit ABA angefangen habe. Vielleicht schreckt das noch andere Eltern ab, die verzweifelt nach der Suche nach einer wirksamen Therapie für ihr Kind sind.
        Viele Grüße und danke für die freundliche Antwort!
        Nora

        • Dario schreibt:

          Hallo Nora,

          wenn ABA wirklich so eine Art „Wundertherapie“ ist, dann würde es mich sehr interessieren, was dort im Einzelnen gemacht wird – und was ABA on anderen Therapien unterscheidet, die nicht so erfolgreich sind.

          Nach allem, was ich höre und lese, basiert ABA – ganz vereinfacht gesagt – darauf, dass dem Kind alles, was es gerne hat (z. B. sein Lieblingsspielzeug) weggenommen wird. Das Kind darf erst wieder damit spielen, wenn es genau das tut, was seine Eltern und Therapeuten von ihm verlangen. Auch Liebe, Zuwendung und Aufmerksamkeit gibt es nur noch dann, wenn das Kind immer genau das tut, was von verlangt wird, und zwar oihne jede Hinterfragung und ohne die Möglichkeit, eigene Wünsche und Bedürfnisse einzubringen.

          Das ist wie gesagt das Bild, das nach außen hin vermittelt wird. Wenn das stimmen sollte, dann wäre ABA tatsächlich keine Therapie, sondern nur eine Mischung aus stumpfsinniger Dressur, emotionaler Erpresssung und subtiler psychischer Gewalt. Du hast selbst Erfahrung mit ABA und stellt es anders dar, deshalb meine Fragen an dich: Stimmen die Vorwürfe, die in Autistenkreisen gegen ABA erhoben werden? Wenn die Vorwürfe nicht stimmen sollten was ist es deiner Meinung nach dann, was ABA so erforgleich macht, was unterscheidet ABA von anderen Therapien?

      • Hesting schreibt:

        Ein Kind im Trotzalter lässt man auch nicht schreiend im Supermarkt liegen, damit es sich selbst findet.

  13. Nora schreibt:

    Hallo Dario,
    was ABA so erfolgreich macht, ist, dass in dem Kind der Wunsch geweckt wird, zu interagieren, zu reden und zu lernen. Dann macht das Kind das freiwillig, mit Freude und Engagement, und dann geht es voran. Dazu nimmt man Dinge, die das Kind sehr gerne mag, und kombiniert es mit Dingen, die es voran bringen, es aber noch nicht so gerne mag. Z.B. Reden, funktional spielen, lernen etc. Dadurch überträgt sich der Wert der tollen Dinge auf die anderen.
    Z.B. fand mein Sohn am Anfang nur Süßigkeiten toll und Dinge, wie sich stundenlang Wasser über die Hand laufen lassen oder kleine Schnipsel schneiden. Das habe ich am Anfang für die Therapie eingesetzt. Das habe ich dann mit Lob, kuscheln, spielen und Spielzeug kombiniert und das findet mein Sohn jetzt auch toll. Als er noch nicht sprechen konnte, fand er es auch nicht toll. War ja schwierig und anstrengend. Seit er die Grundlagen gemeistert hat, babbelt er wie ein Wasserfall und freut sich, was er damit alles erreichen kann.
    So weitet man den Horizont und die Motivation.
    Die stärksten Motivatoren sind der Therapie vorbehalten, damit das Kind einen Grund hat, sich dafür anzustrengen, das ist richtig. Außerhalb der Therapie bekommt es aber auch Verstärker, nur nicht die allermächtigsten.
    Dass es alles nur noch für Aufgaben gibt, ist so nicht richtig. Klar versucht man, soviel wie möglich zu erreichen, v.a. bei einem Kind, das noch sehr viel lernen muss, um in der Gesellschaft eine Chance auf eine erfüllte Teilhabe zu bekommen. Aber die Daumenregel ist, 75 % Pairing (d.h. alles, was das Kind toll findet, damit die Therapie, die Therapeuten und der Therapieort positiv besetzt werden) und 25 % Arbeit.
    Dabei wird IMMER nach den Wünschen und den Bedürfnissen des Kindes geschaut. Das ist ja genau der Unterschied zwischen den ersten ABA-Versionen nach Lovaas und dem modernen VB. Kind will was, es bekommt es, aber um dahin zu kommen muss es halt richtig fragen statt rumzuwüten.
    Für meinen Sohn ist es eine unglaubliche Erfahrung, da er mit seinen Wutanfällen sehr limitiert war. Er konnte ja nicht steuern, was er damit bekommt und musste auf vieles verzichten und sich mit Näherungen zufrieden geben. Seit er mit Sprache äußern kann, was er will, geht auch das Spektrum an Dingen und Tätigkeiten, die er will, nach oben. Zum Beispiel hat er heute zu mir gesagt wie „stell Dich da hin!“ Dann hat er Anlauf genommen, ist in meine Arme geflogen und hat sich hochwerfen lassen. Vor einem halben Jahr war sowas noch völlig undenkbar. Das ist Therapie und wir beide haben einen unglaublichen Spaß dabei.
    Viele Grüße,
    Nora

    • Dario schreibt:

      Hallo Nora,

      ich bedanke mich für deine ausführlichen Erklärungen. Es ist erstaunlich und kaum zu verstehen, wie gegensätzlich die Meinungen zu ABA sind. Deine persönliche Schilderungen wirken authentisch und glaubhaft, aber die Einwände ABA-Kritiker wirken genauso glaubhaft und bergündet.

      Was soll amn also tun oder denken? Wer hat Recht und wer hat Unrecht? Ich weiß es schlussendlich nicht, denn ich kann keinen der vielen Berichte aus eigener Erfahrung nachprüfen, da ich nie mit ABA behandelt wurde und auch niemanden kenne, der danach behandelt wurde. Ich kann nur danach gehen, was sich höre und mich fragen, wie plausibel diese Berichte sind.

      Es fällt aber schon auf, dass man über ABA mehr kritische Einwände und mehr Negativbeispiele zu hörne bekommt als über andere Therapiemethoden. Meine Vermutung: In verantwotungsvollen Händen, von gut geschulten Therapeuten, können auf ABA-basierende Techniken in Einzelfällen vielleicht etwas Postives bewirken und für bestimmte Kinder genau das Richtige sein.

      Auf der anderen Seite scheint aber das Missbrauchspotential bei ABA emorm hoch zu sein. ABA-Techniken in den Händen von verantwortungslosen oder unzureichend ausgebildeten Therapeuten können extrem destruktiv sein und ein Kind tatsächlich psychisch kapputt machen, davon bin ich nach wie vor überzeugt. ABA scheint mir deshalb ein höchst zweischneidiges Schwert (RW) zu sein: Unter verantwortungsvollen Bedingungen und in richiger „Dosierung“ kann ABA möglicherweise hilfreich sein. Falsch angewendet bzw. falsch verstanden können die „Nebenwirkungen“ jedoch beträchlich und sehr risikoreich sein -vielleicht sogar risikoreicher als bei anderen Therapiemethoden.

      Das ist mein ganz persönlicher Eindruck nach allem, was ich über ABA gehört und gelesen habe. Ein endgültiges Urteil kann ich mir derzeit noch nicht erlauben.

  14. Nora schreibt:

    ABA funktioniert bei allen, auch bei neurotypischen Menschen. Mit jeder Interaktion beeinflusst man das Verhalten des Gegenübers. Wenn man die Methoden von ABA kennt, dann wendet man sie automatisch an. Funktioniert übrigens auch hervorragend in der Arbeit bei mir, mit schwierigen Kollegen oder Patienten.
    Klar nervt es irgendwann, wenn man viele Stunden in der Woche Therapie bekommt und Dinge tun muss, die einem schwer fallen. Spastisch gelähmte Kinder haben sicher auch nicht immer Spaß an der Krankengymnastik. Aber es funktioniert, für ABA (als einzige Therapie) ist gut belegt, dass die autistischen Verhaltensweisen weniger werden und die Betroffenen dadurch eine viel größere Chance auf eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben haben. Wenn sich hier einige Autisten, die offensichtlich ein sehr hohes Funktionsniveau haben, beschweren, sie hätten ja keine Therapie gebraucht und diese als Ärgernis empfunden, also soll man gar keine Therapie für Autisten anbieten, habe ich damit ein großes Problem.
    Das ist so, als würde man allgemein Sprachkurse für Ausländer diskreditieren. Wenn jemand Niederländisch als Muttersprache hat, aus einem hoch gebildeten Haushalt stammt und sprachtalentiert ist, kann er vielleicht auch so genug Deutsch aufschnappen, um damit beruflich und privat zu bestehen. Wenn man dann zwangsweise in einen Sprachkurs geschickt wird, ist das sicherlich doof, v.a. wenn man seinen Akzent und seine Grammatikfehler als liebenswerten Spleen ansieht und diese gar nicht verbessern will.
    Aber was ist mit denen, die Koreanisch Muttersprache haben, weder die Schrift lesen können noch sonst irgendeinen eigenen Zugang zur Deutschen Sprache haben? Was ist mit denen, die zwar auch Niederländisch als Muttersprache haben, aber akzentfrei Deutsch sprechen wollen? Haben die dann einfach Pech gehabt, weil eine kleine Minderheit Sprachkurse verhindert?
    Was passiert denn mit nicht-sprechenden Autisten, die vor lauter Frustration, ihre basalsten Bedürfnisse nicht äußern zu können, aggressive Ausbrüche bekommen und die nur über Problemverhalten kommunizieren? Welche Zukunft erwartet die denn? Für die ist ABA in der Regel die EINZIGE Chance auf eine halbwegs akzeptable Lebensqualität.
    Autismus ist in der Regel eine Behinderung, die die gesellschaftliche Teilhabe etwas bis erheblich einschränkt. Autismus kann eine Folter für den Betroffenen und sein gesamtes Umfeld sein. Eine wirksame Therapie für so eine schwere Behinderung nicht anzuwenden, nur weil einige wenige ihre Einschränkungen als nicht so schlimm empfinden, finde ich unethisch.
    Mit der gleichen Argumentation muss man ja auch die Schulen abschaffen. Wer sagt denn, dass mein neurotypischer Sohn mir dann mit 18 Vorwürfe macht, er hätte gar nicht lesen lernen wollen? Vielleicht wollte er ungebildet frei durch die Wälder streifen? Lesen lernen kann man nie mehr rückgängig machen. Andererseits zeigt die Erfahrung, dass Analphabeten es in unserer Gesellschaft echt schwer haben. Daher entscheide ich einfach selbstherrlich als seine Mutter, dass er doch Bildung bekommt und ich nicht mit der Einschulung abwarte, bis er mit 16 oder 18 selbst entscheiden kann. Genauso entscheide ich für meinen autistischen Sohn, dass ich alles daran setze, dass er lernt, funktional zu kommunizieren. Mit Blickkontakt und allem drum und dran. Und nachdem ABA am besten funktioniert, wenn das Kind aktiv nach Therapie fragt, sorge ich auch dafür, dass er in der Therapie viel Spaß hat.
    Viele Grüße,
    Nora

    • Dario schreibt:

      Nora, du hast da bestimmte Dinge falsch verstanden. Es geht nicht um die Frage, ob autistsiche Kinder eine Therapie bekommen sollen oder nicht. Es geht um die Frage, welche Art von Therapie und wieviel Druck bzw. Zwang dabei legitim ist. Ich bin auch der Meinung, dass jedes Kind (auch ein autistisches) Sprechen lernen sollte und auch Dinge wie Lesen, Schreiben Rechnen usw. sofern es intellektuell dazu in der Lage ist.

      Was ich aber zutiefst ablehne, sind Therapien, die ein Kind in seiner Persönlichkeit vegewaltigen und ihm das Gefühl geben, dass es so, wie es ist, nicht liebenswert ist. Ich will dazu ein Beispiel aus meiner eigenen Kindheiterzählen. Als Kind hat man mich wegen meiner autistsichen Schwierigkeiten (die damals niemand als solche erkannt hat) in ein „psychotherapeutisches Kinderheim“ gesteckt. Dort hat man mich unter Strafandrohung gezwungen, an Partys und Karnevalsfeiern teilzunehmen, obwohl, obwohl mir solche Veransstaltungen zutiefst zuwieder waren. Ich musste mich als Clown verkleiden, obwohl mir eine olsche Maskerade zutiefst widersprach, denn ich war ein sensibler, verträumter, und nachdenklicher Junge, der mit aufgesetzter Fröhlichkeit überhaupt nichts anfangen konnte. Ein solches Kind kann man nicht in ein Clownskostüm zwingen, ohne es in seinem Charakter zu brechen. Gerade für autistische Kinder sind solche aufgezwungenen Verbiegungen mit das Schlimmste, was man ihnen antun kann.

      Zum allem Überdruss musste ich noch vor der Gruppe herumtanzen, sollte Späßen machen und Witze reißen, weil ein „echter Clown“ das nun einmal tut. Mir war zum Heulen zumute, aber ein Clown darf ja nicht heulen, ein Clown muss fröhlich und witzig sein. Selten habe ich mich als Kind so erniedrigt gefühlt, selten bin ich so benutzt und vorgeführt worden. Unter diesen Verbiegungen, die man mir als Kind angetan hat, leide ich bis heute sehr. Das sind für mich keine Therapien, das sind Perversionen von Therapien, die ich den Erwachsenen bis heute sehr, sehr übel nehme. Kommunikativer oder kontaktfreudiger geworden bin dadurch in keiner Weise, im Gegenteil: In der Pubertät bin ich unter den jahrelangen Verbiegungen derart zusammengebrochen, dass ich psychiatrisch behandelt werden musste. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Eltern sich solche „Erfolge“ für ihre Kinder wünschen.

      Eine ähnliche Perversion scheint es mir zu sein, wenn man autistsiche Kinder zum Blickkontakt zwingt. Wer so etwas tut, hat nicht verstanden, was Autismus bedeutet, wo autistische Kinder ihre Grenzen haben, was man ihnen abverlangen darf und was nicht. Ein autistisches Kind wird nicht kontaktfreudiger oder kommunkativer, wenn du ihm den Augenkontakt aufzwingst, im Gegenteil: Erwzungenner Blickkontakt ist für solche Kinder eine enorme Belastung, die viel Kraft und Energie kostet, die dann an anderen Stellen wieder fehlt. Warum tut man Kindern so etwas an?

      Das Problem ist nicht unbedingt ABA an sich, sondern das Problem sind Eltern und Therapueten, die sich der Illusion hingeben, man könnte autistsichen Kindern ihren damit Autismus abtrainieren und „aberziehen“. Das ist ein Trugschluss, denn ein autistsiches Kind wird immer autistisch bleiben. Die Symtomatik kann zwar reduziert werden, aber das Grundproblem – nämlich der Autismus – wird immer bestehen blieben. Du wirst aus einem autistischen Kind niemals einen „Partylöwen“ machen, der gerne auf Karnevalsfeiern und geht und sich in einem Clownskostüm wohlfühlt.

      Ebenso wenig wirst du ein autistisches Kind zu einem „kommunikativen Genie“ machen, das fließig Augenkontakt hält sich und in jeder Situation fröhlich-locker mit anderen Menschen unterhält. Es ist dieser Machbarkeitswahn der heutigen Gesellschaft (auch der heutigen Therapeuten) mit ihrem Irrglauben, man könnte jeden Menschen (auch einen schwerstbehinderten) mit der „richtigen Methode“ in eine vorgegebene Norm pressen, nur damit er den äußerlichen Erwartungen entspricht. Dadurch entstehen jene Exzesse und Perversionen von Therapie, die unter Autisten zu Recht angeprangert und kritisiert werden.

      • Dario schreibt:

        Nora, bevor du antwortet, gestatte mir noch einen kleinen Nachtrag. Ich möchte nur noch einmal feststellen, dass du dich hier im Forum natürlich vor niemandem zu rechtfertigen brauchst – außer vor deinem Sohn, wenn er später einmal erwachsen ist. Du musst damit rechnen, dass dir dein Sohn später als Erwachsener sehr kritische Fragen stellen wird. Wirst du dann die passenden Antworten für ihn haben?

        Ich nehme es meiner Mutter bis heute sehr übel, dass sie mich damals in dieses lieblose und grausame Kinderheim gegeben hat. Bis heute tue ich mich sehr schwer, überhaupt so etwas wie Liebe für meine Mutter zu empfinden, weil das Vertrauensverhältnis zu nachhaltig gestört ist. Nicht nur meine Mutter leidet unter diesem Zustand, sondern auch ich selbst, denn ich hätte mir nichts sehnlicher gewüsncht als eine Mutter, die ich lieben und der ich vertrauen kann.

        Ich will dir keine Angst machen. Natürlich muss es in deinem Fall nicht so kommen. Vielleicht wird dir dein Sohn später ja auchg dankbar sein, dass du ihm ABA hast zukommen lassen. Du kannst es aber vorher nie wissen, wie deine Kinder später im Erwachsenenalter über dich urteilen. In jedem Fall musst du musst darauf eingestellt sein, das dein Sohn später als im Rückblick nicht mit allem einverstanden ist, was du für ihn als kleines Kind entscheiedene hast. Das kann – im Extremfall – dazu führen, dass das Eltern-Kind-Verhältnis unwiderruflich zerstört ist. Deshalb sollte man sich sehr genu überlegen, was man als Mutter oder Vater für seine Kinder entscheidet und was für Auswirkungen das später auf das Leben der Kinder haben kann.

  15. melli schreibt:

    @ nora „Was passiert denn mit nicht-sprechenden Autisten, die vor lauter Frustration, ihre basalsten Bedürfnisse nicht äußern zu können, aggressive Ausbrüche bekommen und die nur über Problemverhalten kommunizieren? Welche Zukunft erwartet die denn? Für die ist ABA in der Regel die EINZIGE Chance auf eine halbwegs akzeptable Lebensqualität.“

    äh nö, für diese kinder wären die autisten die kommunizieren und übersetzten können, eine wesentlich menschliche form der therapie! auch nonverbale autisten wie zb diese http://www.youtube.com/watch?v=pAgpyfn7kkQ kommunizieren, ich hatte tränen in den augen als ich dieses video sah, weil für mich kommuniziert sie durchaus deutlich.

    ich habe „nur“ austische züge, aber eine ausbildung als psychoatherapeutin (nach hpg) , ich weiß also ungefähr, was die therapeuten in den aba videos tun, und warum, und ich sehe in SÄNTLICHEN videos, das die kinder nur gebrochen werden, da ist keine gegenseitige! einsicht, kein therapeut den ich bisher in den videos gesehen habe, spricht auch nur ansatzweise „autistisch“!

    ich kenne selbst nur 1 kind, das von aba profitiert hat, und dessen vater ist psychiater und hatte daher das fachwissen, die methode dem kind anzupassen, und nicht umgekehrt!

  16. Nora schreibt:

    Das Video mit Carly Fleischmann kenne ich. Das ist besser als keine Kommunikation aber trotzdem nicht effizient und praktikabel. Sie wird trotzdem recht viele Frustrationsphasen haben, wenn ihr Gegenüber nicht die Geduld hat, lange genug zu warten, bis der Satz getippt ist oder eben mal kein Computer zur Hand ist. Was das Dolmetschen betrifft, ich halte es für ebenso unwahrscheinlich, dass sich jemand freiwillig sieben Tage die Woche für sagen wir mal 16 h am Tag die Zeit nimmt, für meinen Sohn zu dolmetschen. Dass er nur einmal pro Woche für 45 Min Bedürfnisse hat, ist eher unwahrscheinlich. Daher ist es wohl doch effizienter für ihn, zu lernen, wie er Sprache funktional benutzt.
    Das alle hier ablehnen, dass Kinder gebrochen werden, kann ich nachvollziehen und dem schließe ich mich voll an. Es werden hier aber auch mantraartig Dinge miteinander vermischt, die nichts miteinander zu tun haben und Behauptungen aufgestellt, die einfach nicht wahr sind.
    Beispiele:

    Dogma 1: Blickkontakt ist für Autisten nicht erlernbar und das machen die Neurotypischen nur, weil sie Autisten quälen wollen.
    – Blickkontakt ist kein Selbstzweck. In der Mimik und im Blick stecken unheimlich viele Informationen, z.B. ob eine Aussage ironisch gemeint ist. Die entgehen einem, wenn man nicht hinsieht. Den Blickkontakt kann man erlernen, so dass er nicht mehr mühsam ist. Wenn es oft geübt wird, ist es selbstverständlich und leicht, so wie fast alles, was man lernt, übt und irgendwann meistert.

    Dogma 2: An ABA zerbrechen die Kinder.
    – Alle Beispiele, die hier genannt werden, die als quälend empfunden wurden (wie die Clowns-Episode), haben mit modernen ABA/VB wenig bis nichts zu tun. Modernes ABA/VB kommt komplett ohne Strafen und aversive Reize aus. Es arbeitet nur mit Belohnung und der natürlichen Motivation des Kindes. Dass ein Kind, das sich nicht permanent stereotyp selbst stimuliert, zerbrochen ist, ist genaus falsch wie das alte Dogma, dass eine Wunde nicht heilen kann, wenn sie nicht vorher geeitert hat. Das war sehr lange „Common sense“ in der Medizin und es gab extra Mittel, damit Wunden mehr eitern. Ist wiederlegt. Auch autische Kinder können lernen, an „normalen“ Aktivitäten Spaß zu haben. Das ist dann auch echter, tief empfundener Spaß, an dem man nicht zerbricht.

    Dogma 3: Die Therapeuten wollen autistische Kinder nur quälen.
    – Das ist etwas ehrenrührig. Ist genauso wie die Aussage, dass Onkologen Chemotherapien nur verabreichen, weil sie gerne Krebspatienten kotzen sehen. Zum einen gibt es sehr gut verträgliche Therapien, zum anderen ist manchmal die Krankheit schlimmer als die Therapie. Die fähigen ABA-Therapeuten, die ich kenne, machen das aus einer tief empfundenen Verbundenheit zu autistischen Kindern und weil sie diesen ein besseres Leben ermöglichen wollen.

    Dogma 4: Autistische Kinder werden nur therapiert, weil sie in eine Konformität gezwungen werden sollen. Neurotypische können das Anderssein einfach nicht akzeptieren.
    – Ebenfalls ehrenrührig. Das Ziel der Therapie ist nicht, aus einem Autisten einen Party-Hengst zu machen. Das Ziel ist, dem Kind Fertigkeiten an die Hand zu geben, dass es später so selbständig und selbstbestimmt wie möglich leben kann. Damit es – wenn es das will – einen Beruf ergreifen kann. Damit es – wenn es das will – eine eigene Wohnung halten kann. Damit es – wenn es das will – selbst eine Familie gründen kann. Dazu gibt es nun mal ein paar unabdingbare Voraussetzungen wie funktional kommunizieren können und die Abwesenheit von gewalttätigen Wutausbrüchen und ein Mindestmaß an alltagspraktischen Fertigkeiten wie Toilettentraining, sich selbst anziehen können etc.

    Dogma 5: Eine Therapie zerstört der Verhältnis zwischen dem autistischen Kind und seiner Familie/ seinen Therapeuten.
    – Das machen Therapien, die als aversive Reize empfunden werden. Modernes ABA/ VB arbeitet NICHT mit aversiven Reizen. Seit wir ABA machen, hat sich das Verhältnis zwischen meinem Sohn und mir wieder normalisiert. Einige Aspekte seines Autismus haben unsere Familie nämlich vorher ganz schön tyrannisiert. Die Datenlage ist, dass wir da kein Einzelfall sind.

    Dogma 6: Alle Therapien sind gleich wirksam und man muss die raussuchen, die am besten für das Kind passt.
    – ist ebenso wiederlegt. Es gibt Studien, die ABA mit einer passgenauen „eklektischen“ Therapie (also Heilpädagogok hier, Ergotherapie dort, da noch etwas Logopädie und Psychotherapie, je nach aktuellen Erfordernissen) vergleichen. Das Ergebnis ist: man kann sich alles andere sparen, ABA ist das einzige, was belegbar wirkt. Damit kann man Autismus nicht heilen, aber man kann wirksam Verhalten beibringen, das effizienter zum Ziel führt. Wie z.B. Reden statt Wutanfälle bekommen. Bei ca. 97 % der Kinder nach den Daten die ich kenne.

    Unzulässige Vermischungen: Z.B. ABA mit Festhalte-Therapie in einem Satz zu nennen.
    – Festhalte-Therapie ist ein widerlegter Blödsinn, der noch auf Gedanken von Bruno Bettelheim und Konsorten beruhen. Stichwort Kühlschrankmutter, Bindungsschwäche. Das ist die Theorie dahinter widerlegt und die Wirksamkeit in Studien auch.
    Bei ABA ist die Theorie dahinter und die Wirksamkeit belegt.

    Der Skandal ist doch nicht, dass wenige Kinder mit ABA behandlt werden, sondern dass so vielen Kindern ABA vorenthalten wird? Und statt dessen unwirksamer Blödsinn wie sowas wie die Clowns-Episode gemacht wird?

    Viele Grüße,
    Nora

    • Dario schreibt:

      Nora, ich für meinen Teil habe nie Dogmen oder mantrartige Behauptungen aufgestellt. Ich habe nur von meinen persönlichen Eindrücken und Erfahrungen berichtet. Das ist genauso legitim, als wenn du über die Fortschritte deines Sohnes berichtest. Dogmen erkenne ich viel eher bei dir; nämlich das Dogma von der (angeblich) einzig wirksamen und einzig wissenschaftlich belegten ABA-Methode.

      Es ist eine Anmaßung, wenn du uns glaubhaft machen wilst, ABA sei für alle autistsichen Kinder die wirksamste und einzig sinnvolle Methode. Das ist grob faktenwidrig. Daszu wieder ein Beispiel aus meiner persönlichen Geschichte: Mein kleiner Neffe ist auch Asperger-Autist und er kommt sehr gut ohne ABA aus. Er geht einmal in der Woche zum Sozialtraining ins örtliche Autismuszentrum, bekommt seine Ergotherapie und hat in der Schule seine Schulbegleiterin, die ihm zur Seite steht. Und ob du es dir vorstlelen kannst oder nicht: Mein Neffe hat sich mit den zur Verfügung stehenden Hilfen positiv entwickelt und viele Fortschritte gemacht. Zwar nur in kleinen Schritte, denn meine Familie achtet darauf, dass wir ihn ncht überfordern. Trotzdem: ABA hat er nie gebraucht und wird er nie brauchen.

      Ebenso anmaßend finde ich es, wenn du uns als Nicht-Betroffene erzählen willst, was Autisten angeblich können und was nicht. Das gilt besonders für das Thema Blickkontakt. Es stimmt eben nicht, dass der Blickkontakt für einen Autisten duch jahrelanges Training erlernbar ist und dann ebenso mühelos und ungezwungen funktioniert wie bei einem Nicht-Autisten. Der Blick in die Augen wird für einen Autisten auch niemals dne Informationswert haben wie für einen Nicht-Autisten. Ich glaube, du geht hier von viel eigenem Wunschdenken aus. Das ist zwar verständerlich ist, aber ein solches Nicht-Wahrhaben wollen der Wirklichkeit hilft niemandem weiter, am wenigsten den Autisten.

      Fakt ist: Ein Autist wird sich immer unter großer Anstrengung zum Blickkontakt zwingen müssen. Wie anstrengend und wie mühevoll das ist, kannst du als Nicht-Autistin gar nicht ermessen. Dass der Blickkontakt irgendwann wie „selbstverständlich“ funktioniert, wenn man ihn nur lange genug trainiert, davon kann auch keine Rede sein. Solche Behauptungen lassen bei mir Zweifel aufkommen, ob die dich jemals ernsthaft mit Autismus auseinander gesetzt hat – und damit, was er für die betroffenen Menschen bedeutet. Ich will nicht abstreiten, dass du dir eine eine ganze Reihe an Fakten angelesen hat. Diese Fakten scheinen mir aber aus einseiten Quellen zu stammen; nämlich nämlich aus den Quellen der ABA-Befürworter, die oft tendenziös sind und mit Sicherheit nicht das Maß aller Dinge darstellen.

      Nora, Du als Nicht-Betroffene kannst schlussendlich nicht beurteilen, was Autisten (lernen) können und was nicht; was man ihnen abverlangen darf und was sie aus ihrer eigenen Innenansicht denken und empfinden. Das solltest du den Autisten selbst überlassen. Du trittst hier nämlich mit einem Absolutheitsanspruch und einem Überzeugungseifer auf, der mit unheimlich ist. Ich wünsche mir von dir mehr Respekt für die Gedanken und Empfindungen autistischer Menschen, denn was für Autisten gut ist und was nicht, das wissen in letzter Konseqquenz nur Autisten. Niemand sonst.

    • Powerwaffel schreibt:

      „Blickkontakt ist kein Selbstzweck. In der Mimik und im Blick stecken unheimlich viele Informationen, z.B. ob eine Aussage ironisch gemeint ist.“
      Autisten können diese Informationen größtenteils nicht lesen und auch nicht aussenden, sie profitieren also überhaupt nicht von einem Blick in die Augen.
      Anstatt sie dazu zu zwingen, sollte man ihnen stattdessen Alternativen anbieten. Wenn man z.B. den Mund anschaut, kann man zum einen an den Gesichtsmuskeln einfacher die Gedanken ablesen, als an den Augen, dann ist der Blick für den Autisten einfacher und mehr Kapazitäten stehen für die Informationsverarbeitung zur Verfügung und zudem gibt man dem anderen das Gefühl angeguckt zu werden.
      Solche Alternativen bringen deutlich mehr, als die Kinder zu zwingen, andere anzuschauen.

    • Nerdy schreibt:

      Nun gut, die Grundsätze von ABA lassen sich in Maßen auch kontruktiv nutzen. Gewissermaßen ist es das Prinzip jeder Erziehung: „Ich belohne Dich für gutes Benehmen und strafe Schlechtes mit Ignoranz.“

      Was ich nach ausführlicher Lektüre mehrer Quellen absolut nicht verstehe ist, weshalb ABA als alleiniges Allheilmttel angepriesen wird. Es gibt viele Therapien die einem verhaltensauffälligen Kind das akzeptable Verhalten beibringen. ABA ist davon die Pauschalste: Sie wirkt bei Hunden, Papageien, konformen Kindern, gestörten Kindern und Erwachsenen gleich gut.

      Insbesondere für Autisten gibt es jedoch spezielle Therapien, z.B. den TEACCH-Ansatz, die auf die Bsonderheiten von Autismus eingehen. Ich finde, um ein Therapiekonzept für einen Autisten (oder jemandem mit einer anderen Störung) zu konstruieren, muss man zu allererst lernen, den Patienten zu verstehen. Warum verhält er sich falsch statt rihtig, warum konnte er das richitge Verhalten nicht intuitiv lernen? Dann kann man die ursächlichen Probleme gezielt angehen.

      Bei ABA fehlt dieser Schritt. Oft verstehen nicht einmal die Eltern, warum ihr Kind sich heulend auf den Boden wirft, warum es nicht in Gesichter schaut, warum es nicht sprechen lernt. Doch statt die Ursachen zu erarbeiten, wird das Kind bloß dressiert. Das muss anfangs nicht schlecht sein, denn dem Kind geht es ja besser, wenn es seine Bedürfnisse adäquat äußern kann. Aber es reicht eben nicht fürs ganze Leben. Wenn man sich immer nur verbiegt und die ursächlichen Probleme in Vergessenheit geraten, dann baut sich ein Stresspegel auf, der im Erwachsenenalter zum ultimativen Zusammenbruch führen muss. Schließlich hat der Autist immer nur Arbeit investiert, um seine Schäwchen zu VERTUSCHEN, sie aber niemals ERKANNT oder auch nur in Worte gefasst.

      Eine nachhaltige Autismus-Therapie muss deshalb immer die Ursachenforschung beinhalten. Ist eine Ursache für ein Einzelsymptom erkannt, muss das ABA-Training in diesem einen Punt enden und stattdessen ein Workaround für das Problem gesucht werden.
      Ein Beispiel: Das Kind kann nicht in Gesichter schauen. Als das Kind gut genug sprechen kann, stellt sich heraus, dass ihm der Blickkontakt weh tut. Wie eine heiße Nadel, die hinter die eigenen Augen sticht. Von nun an darf nicht mehr Blickkontakt trainiert werdne, sondern der unauffällige Blick über die Schulter oder auf den Haaransatz des Gegenübers.
      Noch ein Beispiel: Das Kind will nicht essen. Also muss es auf Schonkost gesetzt werden, um per Ausschlussverfahren alle Nahrungsmittel zu finden, von dem es das üble Unwohlsein (ein unbeabsichtige Strafe) bekommen hat, mit dem ihm das Essen versehentlich ausgetrieben (Aversion!) wurde.

      ABA kann nur die „Erste Hilfe“ sein. Wenn das Kind dann angemessen sprechen kann, muss man seine wahren Probleme ermitteln und lösen bzw. Workarounds einüben. Alles andere geht am Therapiegedanken vorbei.

    • Jürgen schreibt:

      Das Folgende ist ungeachtet dessen, was andere hier schon geantwortet haben, geschrieben.

      Ich bin Autist. Ich lehne ABA nicht ab, aber ich halte sie, für sich allein genommen, nicht für eine vernünftige Therapie. Der Grund dafür ist, dass ABA nur das Verhalten lehrt, aber nicht erklärt, welchen Sinn dieses Verhalten hat. Die Sinn-Erfahrung kann bei reinem ABA nur über einen Umweg erfolgen. Solche Umwege sind bei Autisten aber in der Regel überhaupt nicht sinnvoll.

      Und oft wird das Problem von Autisten bei der Anwendung von ABA auch einfach nicht verstanden. Du schreibst:
      „- Blickkontakt ist kein Selbstzweck. In der Mimik und im Blick stecken unheimlich viele Informationen, z.B. ob eine Aussage ironisch gemeint ist. Die entgehen einem, wenn man nicht hinsieht.“

      Das Problem der meisten Autisten ist nicht, dass sie nicht hinsehen, sondern dass ein Gesicht für einen Autisten keine sinnvolle Informationsquelle ist. Die Ironie mag dort abzulesen sein, doch wenn man, wie ich, die Mimik in einem Gesicht als rasend schnelle Abfolge von Relationsveränderungen der prägnanten Punkte wahrnimmt, dann ist die Aufgabe, die Ironie in diesem „Film“ zu erkennen, vergleichbar damit, die Anzahl aller Kommas in einem Roman zu zählen. Es ist eine durchaus machbare Aufgabe, aber sie braucht Zeit. Wenn ich (und ich möchte der Vollständigkeit halber anmerken, dass ich durchaus geübt darin bin) die Gesichtsausdrücke meines Gegenübers verstehen will, dann entstehen zwangsweise Pausen in einem Gespräch, die von meinem Gesprächspartner als unnatürlich lang empfunden werden.


      „Modernes ABA/VB kommt komplett ohne Strafen und aversive Reize aus. Es arbeitet nur mit Belohnung und der natürlichen Motivation des Kindes.“

      Nur weil keine direkte Strafe angewendet wird, bedeutet das nicht, dass keine Strafe vorhanden ist. Wenn eine Belohnung ausgelassen wird, dann ist das, solange man den Sinn der Belohnung nicht begriffen hat, eine Strafe. Je nach Wichtigkeit der Belohnung kann das sogar sehr schwerwiegend sein, insbesondere, wenn mit den Dingen belohnt wird, die das Kind als essentiell wahrnimmt. Das zu erkennen ist aber nicht immer direkt möglich.


      „Dass ein Kind, das sich nicht permanent stereotyp selbst stimuliert, zerbrochen ist, ist genaus falsch wie das alte Dogma, dass eine Wunde nicht heilen kann, wenn sie nicht vorher geeitert hat.“

      Das Gegenteil davon ist aber ebenso falsch. Eine Wunde, die ohne zu eitern verheilt, obwohl ein Fremdkörper darin ist, ist eine Gefahr. Genauso ist es, wenn ein Kind aufgrund von Konditionierung eine Stimulation unterdrückt, obwohl der Grund für die Stimulation nicht beseitigt wurde. Wenn die Stimulation ursprünglich einen Stressfaktor ausblenden sollte, dann steht das Kind nun plötzlich unter doppelter Belastung.

      Darüber hinaus stellt sich mir immer wieder die Frage, was zur Hölle eigentlich so schlimm an einer Selbststimulation ist, solange sie niemanden gesundheitlich gefärdet?


      „Die Therapeuten wollen autistische Kinder nur quälen.“

      Wer behauptet das? Aus der Aussage, dass eine Form der Therapie eine Qual ist, geht nicht hervor, dass der Therapeut den Patienten quälen will. Die Aussage ist, dass viele Therapeuten nicht in der Lage sind einzuschätzen was den Patienten quält, das ist etwas völlig anderes.


      „Das Ziel der Therapie ist nicht, aus einem Autisten einen Party-Hengst zu machen. Das Ziel ist, dem Kind Fertigkeiten an die Hand zu geben, dass es später so selbständig und selbstbestimmt wie möglich leben kann.“

      Die Menschen gehen bei Abweichungen von dem, was sie als „richtig“ empfinden automatisch von „falsch“ aus. Daran ist übrigens nichts verkehrt, das ist nicht zu verurteilen. Das Problem liegt jedoch darin, diese Position unreflektiert auf andere Personen zu übertragen. Gelingt es einem Therapeuten wirklich zu erkennen, welche Fähigkeiten für den Patienten notwendig sind oder schlussfolgert er einfach nur aus dem, was für ihn selbst richtig erscheint?

      Für mich sind viele der „Fähigkeiten“, die durch ABA vermittelt werden sollen, unnötiger Ballast, der nicht eigentlich notwendig für das Leben ist sondern nur die Anpassung an die Norm fördert. (z.B. Blickkontakt, wie oben beschrieben)


      „Eine Therapie zerstört der Verhältnis zwischen dem autistischen Kind und seiner Familie/ seinen Therapeuten.
      – Das machen Therapien, die als aversive Reize empfunden werden. Modernes ABA/ VB arbeitet NICHT mit aversiven Reizen. Seit wir ABA machen, hat sich das Verhältnis zwischen meinem Sohn und mir wieder normalisiert.“

      Was sagt dein Sohn dazu? Das du mit deinem Kind besser zurecht kommst, heißt nicht, dass das umgekehrte Verhältnis nicht gelitten haben kann. Ich unterstelle dir nicht, dass dein Sohn einen Schaden erlitten hat, aber die Aussage der Eltern ist nun einmal nie die Aussage desjenigen, der durch die Therapie einen möglichen Schaden erlitten haben kann.

      Richtig wäre: „Eine _falsche_ Therapie …“.


      „Einige Aspekte seines Autismus haben unsere Familie nämlich vorher ganz schön tyrannisiert.“

      Aspekte seines Autismus? Ein wesentlicher Irrtum ist oft, das Verhalten mit dem Autismus gleich zu setzen. ABA heilt keinen noch so kleinen Aspekt des Autismus. Im allerbesten Fall lehrt es mit den Aspekten des Autismus anders umzugehen. Es kann durchaus sein, dass euch das gelungen ist, es ist aber auch möglich, wie es leider oft berichtet wird, dass lediglich das vordergründige Verhalten modifiziert wurde.


      „Alle Therapien sind gleich wirksam und man muss die raussuchen, die am besten für das Kind passt.“

      Das hat niemand behauptet, es wäre absurd.


      „Es gibt Studien, die ABA mit einer passgenauen “eklektischen” Therapie (also Heilpädagogok hier, Ergotherapie dort, da noch etwas Logopädie und Psychotherapie, je nach aktuellen Erfordernissen) vergleichen. Das Ergebnis ist: man kann sich alles andere sparen, ABA ist das einzige, was belegbar wirkt.“

      Das ist der Berühmte Vergleich von Äpfeln und Birnen. Ein sinnvoller Vergleich kann nur mit Therapieformen erfolgen, die auf dem gleichen Schwerpunktgebiet arbeiten, z.B. TEACCH. Gerade im Vergleich mit letzterem schneidet ABA nämlich nicht mehr so herausragend ab.


      „Das ist besser als keine Kommunikation aber trotzdem nicht effizient und praktikabel. Sie wird trotzdem recht viele Frustrationsphasen haben, wenn ihr Gegenüber nicht die Geduld hat, lange genug zu warten, bis der Satz getippt ist oder eben mal kein Computer zur Hand ist.“

      Was „effizient und praktikabel“ ist muss von Autist zu Autist entschieden werden. Es gibt solche, wie Carly, die auch mit dem härtesten Training wohl nie über eine Lautsprache verfügen werden. Na und? Tausenden Gehörlosen geht es ähnlich, sie können nur mit einer begrenzten Anzahl Menschen richtig kommunizieren. Man umgibt sich dann eben nur mit solchen Leuten, die damit zurecht kommen, und solche Leute gibt es genug.

      • Nora schreibt:

        „Das Problem der meisten Autisten ist nicht, dass sie nicht hinsehen, sondern dass ein Gesicht für einen Autisten keine sinnvolle Informationsquelle ist. Die Ironie mag dort abzulesen sein, doch wenn man, wie ich, die Mimik in einem Gesicht als rasend schnelle Abfolge von Relationsveränderungen der prägnanten Punkte wahrnimmt, dann ist die Aufgabe, die Ironie in diesem “Film” zu erkennen, vergleichbar damit, die Anzahl aller Kommas in einem Roman zu zählen. Es ist eine durchaus machbare Aufgabe, aber sie braucht Zeit. Wenn ich (und ich möchte der Vollständigkeit halber anmerken, dass ich durchaus geübt darin bin) die Gesichtsausdrücke meines Gegenübers verstehen will, dann entstehen zwangsweise Pausen in einem Gespräch, die von meinem Gesprächspartner als unnatürlich lang empfunden werden.“

        Deswegen gibt es Lehrfilme für autistische Kinder http://www.thetransporters.com/de/, die nachweislich das Erkennen von Emotionen verbessern. Die Filme sind aber wahrscheinlich nur für Kinder im Vorschulalter spannend. Wurden von Prof. Simon Baron-Cohen entwickelt, einem der großen Autismusforscher. Je früher man das lernt und je mehr man das übt, desto weniger mühsam ist es. Klar funktioniert die Theory of Mind bei Autisten nicht so gut, aber etwas funktioniert sie eigentlich immer und kann auch trainiert werden.

        „Nur weil keine direkte Strafe angewendet wird, bedeutet das nicht, dass keine Strafe vorhanden ist. Wenn eine Belohnung ausgelassen wird, dann ist das, solange man den Sinn der Belohnung nicht begriffen hat, eine Strafe. Je nach Wichtigkeit der Belohnung kann das sogar sehr schwerwiegend sein, insbesondere, wenn mit den Dingen belohnt wird, die das Kind als essentiell wahrnimmt. Das zu erkennen ist aber nicht immer direkt möglich.“

        Mein Kind ist autistisch, nicht geistig behindert. Er versteht sehr schnell, dass wenn ein Verhalten belohnt wird, das andere aber nicht, das mit der Belohnung vorzuziehen ist. Zudem ist die Belohnung im modernen VB meist an die „Aufgabe“ geknüpft. Das Kind will Wasser, sagt „Wasser“ und bekommt Wasser. Mit VB bekommt er sehr viel mehr Belohnungen als ohne Therapie und sehr viel spektakulärere (wie z.B. in einer Decke geschaukelt werden etc.). Die Therapie ist deswegen wirksam, weil das Kind Spaß hat und deswegen hoch motiviert, da mitzumachen.

        „Das Gegenteil davon ist aber ebenso falsch. Eine Wunde, die ohne zu eitern verheilt, obwohl ein Fremdkörper darin ist, ist eine Gefahr“

        Naja, das gilt ja nicht für Schrittmacher, Hüftprothesen, Cochlea-Implantate, Dialysekatheter…..

        . Genauso ist es, wenn ein Kind aufgrund von Konditionierung eine Stimulation unterdrückt, obwohl der Grund für die Stimulation nicht beseitigt wurde. Wenn die Stimulation ursprünglich einen Stressfaktor ausblenden sollte, dann steht das Kind nun plötzlich unter doppelter Belastung.“

        Die Selbststimulation wird umgeleitet, in praktikablere und sozial besser aktzeptierte Handlungen. Statt Fäkalien schmieren Fingerfarbe, statt auf die Wände auf ein Blatt Papier. Statt stundenlang Hände zu beobachten, durch ein
        Kaleidoskop schauen. Es ist nicht Ziel der Therapie, das Kind zu brechen. Es soll Fertigkeiten bekommen, um – wenn es das will – selbst über seinen Beruf, seine Lebensweise und sein soziales Umfeld entscheiden zu können.

        „Darüber hinaus stellt sich mir immer wieder die Frage, was zur Hölle eigentlich so schlimm an einer Selbststimulation ist, solange sie niemanden gesundheitlich gefärdet?“

        Die nicht störenden und nicht gefährdenden Selbststimulationen geht man ja auch nicht an. Es geht um sozial nicht akzeptierte (z.B.Fäkalien schmieren, spucken, Aggression) oder welche, die so einen großen Raum einnehmen, dass sie nur noch wenig Zeit für anderes lassen.

        „Die Aussage ist, dass viele Therapeuten nicht in der Lage sind einzuschätzen was den Patienten quält“

        Naja, wenn etwas unangenehm ist, sieht man das den allermeisten Menschen an. Mein Sohn beginnt dann mit Problemverhalten. Das ist recht eindeutig. Bei ABA sind die Therapeuten in der Regel die Eltern, die kennen ihre Kinder recht gut.

        „Die Menschen gehen bei Abweichungen von dem, was sie als “richtig” empfinden automatisch von “falsch” aus. Daran ist übrigens nichts verkehrt, das ist nicht zu verurteilen. Das Problem liegt jedoch darin, diese Position unreflektiert auf andere Personen zu übertragen. Gelingt es einem Therapeuten wirklich zu erkennen, welche Fähigkeiten für den Patienten notwendig sind oder schlussfolgert er einfach nur aus dem, was für ihn selbst richtig erscheint?“

        Es werden die Fähigkeiten vermittelt, die wahrscheinlich essentiell sind, um das Ziel, selbstbestimmt leben zu können, zu erreichen. Dazu gehört nun mal Selbstpflege und funktionale Kommunikation, egal über welchen Kanal.

        „Für mich sind viele der “Fähigkeiten”, die durch ABA vermittelt werden sollen, unnötiger Ballast, der nicht eigentlich notwendig für das Leben ist sondern nur die Anpassung an die Norm fördert. (z.B. Blickkontakt, wie oben beschrieben)“

        http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22964276
        Das ist ein schöner Review zum Thema Blickkontakt bei Asperger-Syndrom. Die Informationen durch den Blickkontakt werden durchaus korrekt verarbeitet, der Blickkontakt wird nur nicht aufgenommen, wahrscheinlich weil er als mühsam und unangenehm empfunden wird. Deswegen Training in der frühen Kindheit. Mein Kind hat den Blockkontakt in vier Wochen gemeistert und er lächelt dabei.
        Das ist aber nur ein Nebenziel von ABA. Die wichtigsten sind weiterhin funktionelle Kommunikation und lebenspraktische Fertigkeiten.

        „Was sagt dein Sohn dazu? Das du mit deinem Kind besser zurecht kommst, heißt nicht, dass das umgekehrte Verhältnis nicht gelitten haben kann. Ich unterstelle dir nicht, dass dein Sohn einen Schaden erlitten hat, aber die Aussage der Eltern ist nun einmal nie die Aussage desjenigen, der durch die Therapie einen möglichen Schaden erlitten haben kann.“

        Mein Sohn kann noch nicht gut genug kommunizieren, um mir seine Gedanken mitzuteilen. Ich kann nur aus seinem Verhalten schließen. Er kommt viel mehr zu mir, lacht mehr, lacht mit mir, fordert mich zum gemeinsamen Spiel auf. Das sind eigentlich recht eindeutige Indikatoren, dass er die Interaktion mit mir genießt. Und ich kann immer den Triumph in seinen Augen sehen, wenn er einen schwierigen neuen Mand gemeistert hat. Dann freuen wir uns gemeinsam.

        „Aspekte seines Autismus? Ein wesentlicher Irrtum ist oft, das Verhalten mit dem Autismus gleich zu setzen. ABA heilt keinen noch so kleinen Aspekt des Autismus. Im allerbesten Fall lehrt es mit den Aspekten des Autismus anders umzugehen. Es kann durchaus sein, dass euch das gelungen ist, es ist aber auch möglich, wie es leider oft berichtet wird, dass lediglich das vordergründige Verhalten modifiziert wurde.“

        Die Studienlage ist konsistent, dass die Lebensqualität für das autistische Kind und die Familie durch ABA steigt. Bisher war die Scheidungsquote von Eltern autistischer Kinder bei 80 %, einige sozialpädiatrische Zentren v.a in den USA empfehlen daher als erste Maßnahme nach Diagnosestellung eine Eheberatung. Das geht auch an dem autistischen Kind nicht spurlos vorbei.
        Die Effekte durch ABA sind eben nicht nur vordergründig. Die Studien von Lovaas haben belegt, dass die Kinder, die auf ein alterstypisches Funktionsniveau gekommen sind, das auch Jahre später noch halten konnten, obwohl die Therapie schon lange beendet war. Und das war noch mit dem „alten“ ABA, das noch sehr viel mehr Drill beinhaltet hat. Das moderne VB beinhaltet ja sehr viel weniger Drill als z.B. ein Instrument zu lernen, Schule oder ein Sportverein.

        „“Alle Therapien sind gleich wirksam und man muss die raussuchen, die am besten für das Kind passt.”
        Das hat niemand behauptet, es wäre absurd.“

        Das kommt mir hier manchmal so vor. Wie gesagt, statistisch gesehen, haben nur 15 % der Autisten einen Job am ersten Arbeitsmarkt und 5 % eine eigene Familie. Mit ABA kann man nachweislich einen erheblichen Teil der restlichen 85-95 % auch auf dieses Niveau heben. Das ist für keine andere Therapie belegt, oder haben Sie da einen Beleg für mich? Mein Kind gehört nun mal zu der großen Mehrheit, die es nicht als Autodidakt schaffen. Aber hier wird ABA z.T. derart vehement abgelehnt, mit Argumenten, die an Verleumdung grenzen. Nur, weil jemand etwas nicht kann, heißt das doch nicht, dass er es auch nicht können will.

        „Das ist der Berühmte Vergleich von Äpfeln und Birnen. Ein sinnvoller Vergleich kann nur mit Therapieformen erfolgen, die auf dem gleichen Schwerpunktgebiet arbeiten, z.B. TEACCH. Gerade im Vergleich mit letzterem schneidet ABA nämlich nicht mehr so herausragend ab.“

        Ja. Trotzdem ist die Datenlage für TEACCH etwas schlechter. Bei meinem Sohn hat TEACCH gar nicht funktioniert. Das gilt aber auch in die andere Richtung. Einige hier argumentieren damit, dass sie ihre Therapien als nutzlos oder schädlich erlebt haben, das war aber kein ABA. Deswegen lehnen sie ABA ab. Das ist wie zu sagen, der letzten Apfel war mehlig, deswegen lehne ich Erdbeeren ab.

        „Was “effizient und praktikabel” ist muss von Autist zu Autist entschieden werden. Es gibt solche, wie Carly, die auch mit dem härtesten Training wohl nie über eine Lautsprache verfügen werden. Na und?“

        Da bin ich völlig d’accord. Lautsprache ist objektiv gesehen das effizienteste, da es von den meisten Leuten verstanden wird. Danach kommt wohl die Gebärdensprache. Wenn die beiden Optionen nicht gehen, dann ist wohl ein Mix am besten PECS, Computer, Talker… Damit ist es aber schon schwer, allen kommunikativen Bedürfnissen eines Menschen in jeden Lebenslagen gerecht zu werden. Bei VB möchte man einfach schnellstmöglichst eine effektive Kommunikationsmöglichkeit für den Autisten schaffen, das ist je nach Fertigkeiten, Stärken und Schwächen eine andere. Bei meinem Sohn habe ich PECS ausprobiert, aber er hat so schnell Echoics gelernt, dass ich mit dem gleichen Aufwand die Lautsprache aufbauen kann. Und dann muss er nicht immer ein Kommunikationsbuch rumschleppen.

        Viele Grüße,
        Nora

  17. Dario schreibt:

    Nora, ich hab mir deinen letzten Beitrag noch einmal genau durchgelesen. Dabei bin auch über den Vergleich mit der Krebserkankrankung und der Chemotherapie gestolpert. Ich finde diesen Vergleich verletzend. Wenn du Autismus (in welcher Ausprägung auch immer) tatsächlich als eine Art „Krebsgeschwür“ ansiehst, dann sagt das viel darüber aus, wie du über autistische Menschen denkst und mit was für einer Mentalität du ihnen gegenüber trittst.

    Du kannst über ABA gerne anderer Meinung sein, aber ich bitte dich, zumindest auf solche Vergleiche in Zukunft zu verzichten. Sie gehen nicht nur an der Sache vorbei, sie sind – aus meiner Sicht – auch ein Verstoß gegen die Würde autistischer Menschen.

    Ich danke für dein Verständnis!

  18. Zarinka schreibt:

    Ich persönlich finde es unverschämt was sich diese bornierte Mutter hier an Frechheiten erlaubt.

    Schwachsinn soll das sein, was hier auf dieser Seite geschrieben wird?

    Das sagt mir jetzt genug…..und es zeigt mir um so deutlicher wie gefährlich ABA ist…..es gehört daher schnellstmöglich abgeschafft!

    Zarinka

  19. melli schreibt:

    „Bei ABA ist die Theorie dahinter und die Wirksamkeit belegt.“ @ Nora, dann hätte ich bitte gerne die Links zu den validierten Studien.
    Effizienter finde ich es allerdings, jemand zu Wort kommen zu lassen, der ABA selbst erleitten hat:http://autisten.enthinderung.de/aba_erinnerungen_1a

  20. infoaut schreibt:

    Und wieder einmal frage ich mich, wo hier die viel gerühmt Empathie der NA bleibt… haben sich Eltern, die ABA wirklich exzessiv betreiben, schon einmal gefragt, wie ihre Kinder sich dabei fühlen, so dressiert zu werden? Wo bleibt denn der eigene Wille des Kindes? Die Persönlichkeitsentwicklung? Wie soll ein Kind auf solche Art und Weise lernen, später mal ein selbst denkender Mensch zu werden?
    Mein Sohn lernt auch, aber nach seinem Tempo, nach seinen Interessen und Bedürfnissen…und das alles ohne ein drastisches Förderprogramm. Wie das funktioniert? Ich verstehe mein Kind, ich fühle mich ein, ich beobachte, stärke ihm den Rücken, damit er so sein kann wie er ist. Nicht jeder muss in die sogenannte Norm passen, um für diese Welt gut genug zu sein.

  21. selbstbewusst schreibt:

    Kurz zu mir, um eine Einordnung zu erleichtern.
    Meine Mutter ist Autistin, ich bin es und meine Kinder auch.
    Ich betreute ein nicht autistisches Kind mehrere Wochen zur Pflege.
    Es war für mich eine „harte“ Zeit, da alle Verhaltensweisen dieses Kindes nicht in unsere Familie passten.
    Lieben wir die Ruhe, tiefgründige Gespräche, Beschäftigungen, so zeichnete sich dieses Kind durch Unstetigkeit aus.
    Dieses Kind hätte ich nicht dazu zwingen können, egal mit welcher Therapie, dass es tiefgründiger wird. Ich hätte es unglücklich gemacht, auch wenn es sich eventuell angestrengt hätte, sich mal intensiv mit einem Thema tiefgründig zu beschäftigen und dafür von mir eine Belohnung erhalten hätte.
    Was ich damit sagen möchte ist, dass Autisten und Nichtautisten von Grund auf verschieden sind und keiner das Recht hat, den anderen „umzupolen“.
    Autisten und Nichtautisten unterscheiden sich in extrem vielen Bereichen. Um nur einige anzusprechen möchte ich die Kommunikation, das Denken, die Wertvorstellung und die Empfindungen auflisten.
    Wenn man mit der jeweils anderen „Art“ zu tun hat, muss man sich die Mühe machen, diese Sache erstmal zur Kenntnis zu nehmen. Verstehen wird man sie höchstwahrscheinlich nie ganz, da man immer wieder nur sich selbst als Bezug hat.
    Ich lasse mir seit Jahren das Verhalten der Nichtautisten erklären und bin zum Teil entsetzt, da ich von einem anderen Wertesystem ausgehe.
    Ich muss aber akzeptieren, dass die meisten Menschen so sind.
    Diese Akzeptanz sollte eigentlich auch gegenüber Autisten selbstverständlich sein.
    Ich selbst habe keine Therapieerfahrung, da meine Mutter mich als „normal“ ansah, so wie ich meine Kinder auch.
    Da ich ideale Entwicklungsbedingungen hatte, man mich nicht zwang, in keine Norm „presste“ besitze ich einen Hochschulabschluss und arbeite seit 26 Jahren erfolgreich im Beruf.
    Wenn man ein autistisches Kind therapieren lassen möchte sollte man bedenken, dass ein Autist schon von sich aus das Dreifache leistet. (Aussage meiner Diagnoseärztin) Das ist auch leicht zu verstehen, denn wir müssen in einem Umfeld leben, das nicht für uns gemacht ist. Ein Autist macht nichts anderes als sich ständig, seinem fremden Umfeld anzupassen, ansonsten hätte er gar keine Chance.
    Diese Leistung sollte erstmal verinnerlicht werden, bevor man noch mehr fordert.

    „Unsere Art, Beziehungen herzustellen, ist anders.
    Versuche, Dinge zu erreichen, von denen Deine Erwartungen Dir sagen, dass sie normal sind, und Du wirst Frustration, Enttäuschung und Groll, womöglich sogar Wut und Hass erleben.
    Nähere Dich mit Respekt und ohne vorgefasste Einstellungen an, sei offen, etwas Neues zu lernen, und Du wirst eine Welt entdecken, wie Du sie Dir niemals hättest vorstellen können.
    Ja, es erfordert mehr Anstrengung als eine Beziehung zu einem nicht-autistischen Menschen. Aber es ist möglich – vorausgesetzt, dass nicht-autistische Menschen nicht viel stärker beschränkt sind in ihrer Fähigkeit, Beziehungen herzustellen als wir. Wir verbringen unser ganzes Leben damit, das zu tun. Jeder von uns, der lernt, mit euch zu sprechen, jede von uns, die lernt, in eurer Gesellschaft zu funktionieren, jeder von uns, der die Hand ausstreckt, um eine Verbindung zu euch herzustellen, bewegt sich auf außerirdischem Territorium und nimmt Kontakt zu außerirdischen Wesen auf. Wir verbringen unser ganzes Leben damit, das zu tun. Und dann erzählt ihr uns, wir seien nicht fähig, Beziehungen aufzubauen!“ Trauert nicht um uns Jim Sinclair

    Ein Beispiel aus meiner Kindheit:
    Ich habe über Wochen mich täglich damit beschäftigt, den Türdrücker immer wieder herunter zu drücken.
    Eine nichtautistische Mutter hätte mich eventuell als bescheuert erklärt. Ich aber wollte wissen, wohin der Riegel verschwindet. Die Erkenntnis kam erst, als mein Vater das Schloss ausbaute.
    Als Autist ist wohl das wichtigste Wort WARUM.

    Es ist für mich verständlich, dass es sehr schwer ist, sich eine andere Welt zu erschließen. Es ist aber der einzige gangbare Weg und deshalb sollten sich Eltern bei erwachsenen Autisten informieren, lernen und nicht von ihren Kindern mehr als das Dreifache verlangen, das kann mit der Zeit nur zum Zusammenbruch führen.

    Meine Welt endet an der Gartentür, danach befinde ich mich auf unsicherem Gebiet (Gespräche, Lärm, Schnelligkeit….), das „frisst“ meine Energiereserven auf.

    @ Nora

    „ Den Blickkontakt kann man erlernen, so dass er nicht mehr mühsam ist. „

    Bei kurzen Standardantworten ist das für mich kein Problem, ansonsten ist es nicht möglich. Wenn ich denke, müssen meine Gedanken fließen können und jede Ablenkung verhindert bei mir das Denken.

    „Auch autische Kinder können lernen, an “normalen” Aktivitäten Spaß zu haben.“

    Der Umgang mit Menschen kostet Energie. Ich hatte am Wochenende Besuch (zwei Autisten). Es war angenehm, ich hatte Spaß an den Gesprächen, an der Wanderung im Wald und trotzdem benötige ich zwei Tage, um mich zu erholen.
    Wenn ich von Nichtautisten Besuch erhalte, kann es bis zu 1,5 Wochen dauern, bis ich wieder „einsatzfähig“ bin.
    Die größte Befriedigung habe ich, wenn ich mich mit meinen Thematiken beschäftigen kann.
    Was würde mit dir passieren, wenn ich mit dir übe, dich 11 Jahre mit einer Thematik zu beschäftigen? (rhetorische Frage)

    „Die fähigen ABA-Therapeuten, „

    Hier kann ich nur warnen.
    erstens kannst du Fähigkeiten nicht einschätzen, sondern nur vermuten.
    Zweitens existieren extrem wenige Ärzte, die Autismus verstehen. Ich vermute bei den Therapeuten sieht es nicht anders aus.

    • Nora schreibt:

      „Da ich ideale Entwicklungsbedingungen hatte, man mich nicht zwang, in keine Norm „presste“ besitze ich einen Hochschulabschluss und arbeite seit 26 Jahren erfolgreich im Beruf.“

      Das ist leider selten (statistich gesehen 5 % der Autisten), das wünsche ich mir für meinen Sohn auch.

      „Wenn man ein autistisches Kind therapieren lassen möchte sollte man bedenken, dass ein Autist schon von sich aus das Dreifache leistet.“

      Das ist wahr. Deswegen möchte ich mein Kind unterstützen, wo ich es kann.

      „Es ist für mich verständlich, dass es sehr schwer ist, sich eine andere Welt zu erschließen. Es ist aber der einzige gangbare Weg und deshalb sollten sich Eltern bei erwachsenen Autisten informieren, lernen und nicht von ihren Kindern mehr als das Dreifache verlangen, das kann mit der Zeit nur zum Zusammenbruch führen.“

      Ich verlange von meinen Sohn nicht mehr als er leisten kann. Ich zeige ihm Wege, wie er effizienter seine Ziele erreichen kann. Wenn er früher eine Breze wollte, hat er eine Hand voll Speichel genommen und auf den Boden verteilt. Mit der Zeit habe ich herausbekommen, was das bedeutet (konnte aber auch für Langeweile oder Durst oder etwas anderes stehen). Jetzt sagt er „Breze“, und das funktioniert nicht nur bei mir, sondern auch beim Papa, bei der Oma, bei der Kindergärtnerin und der Nachbarin. Ist für mein Kind sehr viel weniger aufwendig, als jedem einzeln beizubringen, was er mit seinem Problemverhalten erreichen wollte.

      „„Auch autische Kinder können lernen, an “normalen” Aktivitäten Spaß zu haben.“

      Der Umgang mit Menschen kostet Energie. Ich hatte am Wochenende Besuch (zwei Autisten). Es war angenehm….“

      Damit meinte ich eher altersgemäße Spiele wie Lego bauen und Puzzeln. Das muss man bei meinem Sohn mühsam aufbauen, da er sowas nicht von alleine macht. Aber wenn man ihm zeigt wie es geht, hat er Spaß daran. Mit ABA bringe ich ihm gerade Spielen bei.

      „Die größte Befriedigung habe ich, wenn ich mich mit meinen Thematiken beschäftigen kann.
      Was würde mit dir passieren, wenn ich mit dir übe, dich 11 Jahre mit einer Thematik zu beschäftigen? (rhetorische Frage)“

      Das geht wohl allen so. Ich beschäftige mich seit 29 Jahren mit einer Thematik.

      „„Die fähigen ABA-Therapeuten, „

      Hier kann ich nur warnen.
      erstens kannst du Fähigkeiten nicht einschätzen, sondern nur vermuten.
      Zweitens existieren extrem wenige Ärzte, die Autismus verstehen. Ich vermute bei den Therapeuten sieht es nicht anders aus.“

      Naja, einige Dinge kann ich auch als (wahrscheinlich) Nicht-Autist beurteilen. Ob mein Kind Spaß hat und sich wohlfühlt. Ob es schnell Dinge dazulernt. Wenn eine Therapeutin gleichzeitig beides erreicht, ist sie gut. Aus der Ferne zu unterstellen, dass jemand seinen Job nicht beherrscht, finde ich etwas gewagt. Zudem ist die Pathophysiologie bei Autismus recht gut erforscht und es gibt brauchbare Darstellungen wie das Buch von Uta Frith.

      • Jürgen schreibt:

        „Ich verlange von meinen Sohn nicht mehr als er leisten kann. Ich zeige ihm Wege, wie er effizienter seine Ziele erreichen kann. Wenn er früher eine Breze wollte, hat er eine Hand voll Speichel genommen und auf den Boden verteilt. Mit der Zeit habe ich herausbekommen, was das bedeutet (konnte aber auch für Langeweile oder Durst oder etwas anderes stehen). Jetzt sagt er “Breze”, und das funktioniert nicht nur bei mir, sondern auch beim Papa, bei der Oma, bei der Kindergärtnerin und der Nachbarin. Ist für mein Kind sehr viel weniger aufwendig, als jedem einzeln beizubringen, was er mit seinem Problemverhalten erreichen wollte.“

        Aber was ist der Erfolg? Kann er das nur mit Brezen oder hat er das abstrakte Konzepte begriffen und kann es mit jedem beliebigen Objekt? Falls ja, kann er dieses enge Konzept „Objekt nennen = ich erhalte Objekt“ auch auf eine höhere Ebene abstrahieren und allgemeine Kommandos geben?

        Gerade im Hinblick auf die Vermittlung echter Kompetenzen, die über ein rein antrainiertes Verhalten hinaus gehen, ist ABA aus autistischer Sicht unglaublich umständlich.


        „Damit meinte ich eher altersgemäße Spiele wie Lego bauen und Puzzeln. Das muss man bei meinem Sohn mühsam aufbauen, da er sowas nicht von alleine macht. Aber wenn man ihm zeigt wie es geht, hat er Spaß daran. Mit ABA bringe ich ihm gerade Spielen bei.“

        Warum? Was ist so wertvoll an „altersgerechten Spielen“? Oder besser: Was ist für einen Autisten so wertvoll an altersgerechten Spielen für NTen? Spiele bei NT Kindern schulen bestimmte Fähigkeiten, aber werden diese Fähigkeiten noch geschult, wenn man das gleiche Spiel mit autistischer Wahrnehmung spielt?

        Und ich habe mir diesen „The Top 10 Reasons Children With Autism Deserve ABA“ Beitrag durchgelesen. Dort findet man „Reason 5 Children with autism deserve ABA because it can teach them the skills necessary to make friends“ und dann im letzten Absatz “ my son and a new friend for the day, playing together quite typically.“
        Es ist also kein Freund sondern nur ein „Freund für den Tag“. Was ist damit gewonnen? Ich finde mich in dieser Beschreibung absolut wieder. Oberflächliche Interaktionen mit anderen Kindern, die nur dazu dienen das „Spiel“ spielen zu können.


        „Naja, einige Dinge kann ich auch als (wahrscheinlich) Nicht-Autist beurteilen. Ob mein Kind Spaß hat und sich wohlfühlt. Ob es schnell Dinge dazulernt. Wenn eine Therapeutin gleichzeitig beides erreicht, ist sie gut.“

        Kannst du das wirklich? Meine Eltern können das bei mir nicht. Es kann sein, dass ich sehr viel Spaß habe und für einen NT aussehe als ob ich traurig bin oder angespannt.

        Nur weil jemand viel lernt heißt das nicht, dass das Erlernte auch wertvoll ist. Ich kenne die Grammatiken von über 80 Sprachen, sprechen kann ich trotzdem nur 5, und noch schlimmer, die Grammatik nützt mir nichts, wenn ich eine neue Sprache lernen will, weil meine Lernmethodik ganz ohne explizite Grammatik auskommen muss.
        Wichtig bei der Beurteilung ist allein die Lernqualität. In den weitaus meisten Fällen ist nicht entscheidend ob ein Kind eine bestimmte Sache gelernt hat, sondern ob daraus ein allgemeiner Fertigkeitsgewinn entstanden ist, der auch auf andere Gebiete übertragen werden kann. Gerade da ist für einen Autisten ein strukturierter abstrakter Unterricht hilfreich, den ich bei ABA nicht entdecken kann.

      • selbstbewusst schreibt:

        „Das ist wahr. Deswegen möchte ich mein Kind unterstützen, wo ich es kann.“
        Dann mute ihm keine Verhaltenstherapie zu, in der dein Kind umgepolt wird, die enorme Energiereserven „kostet“, von denen dein Kind schon von Natur aus weniger hat, da sehr viel durch die Umwelt verbraucht wird und schaffe ihm ein geeignetes Umfeld, damit es optimal lernen kann, biete Rückzugräume und störe diese nicht, überprüfe ALLE Reizquellen (Licht, Schall, Gerüche, Materialien….)

        „Ich verlange von meinen Sohn nicht mehr als er leisten kann.“
        Das ist interessant, ich war vor einigen Monaten wieder zu einem Gutachtertermin geladen, man behauptete, dass ich die Testreihen, die sich über Stunden erstreckten, problemlos und hochkonzentriert bis zum Abschluss bewältigte. Keiner dieser Ärzte hatte eine Vorstellung, welch ein Kraftaufwand das für mich war. Man sieht es mir nämlich nicht an. Ich war kurz vor einem Meltdown, das „spielte“ sich aber in meinem Inneren ab. Ich habe danach noch 1,5 Wochen benötigt, um mich von der Gutachtertortur zu erholen.

        „ Ich zeige ihm Wege, wie er effizienter seine Ziele erreichen kann.“
        Autisten zeichnen sich oftmals dadurch aus, dass sie Ziele auf ihrem eigenen Weg erreichen. Was für dich effizient ist, muss nicht unbedingt effizient für dein Kind sein, im Gegenteil es kann für dein Kind total unlogisch sein.

        „ Wenn er früher eine Breze wollte, hat er eine Hand voll Speichel genommen und auf den Boden verteilt. Mit der Zeit habe ich herausbekommen, was das bedeutet (konnte aber auch für Langeweile oder Durst oder etwas anderes stehen). Jetzt sagt er “Breze”

        Kein Kind kommt sprechend auf die Welt. Bei Autisten kann es länger dauern, man kann Karten als Hilfsmittel einsetzen, so lange es noch nicht spricht, das bedarf nicht ABA.

        „Damit meinte ich eher altersgemäße Spiele wie Lego bauen und Puzzeln. Das muss man bei meinem Sohn mühsam aufbauen, da er sowas nicht von alleine macht. Aber wenn man ihm zeigt wie es geht, hat er Spaß daran. Mit ABA bringe ich ihm gerade Spielen bei.“
        Warum muss ein Kind spielen und darf z.B. nicht untersuchen, wenn das für das Kind interessanter ist?
        Ich bin vielleicht etwas altmodisch, aber mein Grundsatz war immer, dass ich die Persönlichkeit meines Kindes fördere und nicht forme.

        „Das geht wohl allen so. Ich beschäftige mich seit 29 Jahren mit einer Thematik.“
        Das finde ich toll, dann wird dir der Umgang mit deinem Kind nicht schwer fallen und du kannst es leicht nachvollziehen, dass man eine Thematik erst dann „fallen“ lässt, wenn man alles hinterfragt hat,immer weiter recherchiert hat, alle Fragen, die immer neu auftauchen, beantwortet hat und erst dann mit dem Thema aufhört, wenn der eigene Wissensdurst befriedigt ist.
        Verwunderlich ist für mich nur, dass du hier nicht nachfragst, sondern konsequent auf deiner Meinung beharrst, das passt nicht so recht. Die Beiträge der Autisten sind hier so klar geschrieben, dass es ungewöhnlich ist, diese fast vollständig zu ignorieren.

        „Wenn eine Therapeutin gleichzeitig beides erreicht, ist sie gut. Aus der Ferne zu unterstellen, dass jemand seinen Job nicht beherrscht, finde ich etwas gewagt.“
        Du interpretierst in Worte, das sind keine guten Voraussetzungen für die Kommunikation mit Autisten. Du solltest die Kommunikation von Autisten für dein Kind erlernen.
        Ich sprach nur von Ärzten und vermutete dieses bei Therapeuten.
        Ich kenne nur zwei Ärzte, die gute Kenntnisse über Autismus besitzen, wovon ich einen auch im Spektrum sehe, obwohl ich inzwischen mehrere Gutachter kennen lernen „durfte“, die angeblich Ahnung haben sollten.

        „ Zudem ist die Pathophysiologie bei Autismus recht gut erforscht“
        Kannst du mal die neuesten wissenschaftlichen Studien verlinken? Ich kenne nur diese mit „könnte“, „möglich“….also alle ohne Beweis.

  22. Nora schreibt:

    Wenn ich mit meinen bisherigen Posts jemand
    en beleidigt habe, möchte ich mich entschuldigen. Es war keinesfalls meine Intention, Autismus mit Krebs zu vergleichen. Es geht mir auch nicht darum, den Autismus zu heilen, sondern die für meinen Sohn und seine Umwelt erheblich störenden Auswirkungen abzumildern.
    Dass für ABA belegt ist, dass es wirksamer ist als andere Therapien habe ich mir nicht ausgedacht sondern ist die aktuelle Studienlage. Hier exemplatisch einige Reviews.
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23076956
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20192785.
    Autismus ist ein mehrdimensionales Spektrum. Zwischen autistisch ja – nein zu unterscheiden, ist etwas kurz gegriffen. Viele, die hier posten, haben wahrscheinlich einen geringern Abstand zu neurotypischen Menschen als zu meinem Sohn. Bevor wir mit ABA angefangen haben, hat mein Sohn nicht imitiert, Sprache, Gestik und Mimik weder benutzt noch verstanden, er konnte nicht spielen und er war völlig unkooperativ.
    Videos wie die mit Carly oder das mit Pascal
    http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/gott-und-die-welt/sendung/hr/pascals-welt-ein-autist-sucht-ein-zuhause-100.html
    oder das http://www.youtube.com/watch?v=fUrseEzCjgg
    finde ich sehr gruslig, da das die Liga ist, in der mein Sohn ohne effektive Therapie mitspielen würde.
    Falls Sie sich das Video mit Carly genau angesehen haben, da wird auch berichtet, dass sie mit 13 Jahren noch mit Fäkalien schmiert. Es ist sehr schwer für eine Familie, das einfach zu akzeptieren, so ein Verhalten beschädigt einfach mal das Verhältnis zwischen dem autistischen Kind und seiner Familie.

    Dass hier viele ihre Therapien als traumatisierend und nutzlos erlebt haben, tut mir leid. Deswegen aber alle Horrovorstellungen auf ABA zu projizieren ist jedoch unfair und unzutreffend. Die Episoden, die hier in diesem Blog als traumatisierend geschildert wurden, verstoßen erheblich gegen Grundprinzipien von ABA. Auch der Vorwurf, das Kind müsse sich an die Therapie anpassen stimmt einfach nicht.
    Bei ABA wird zunächst sehr gründlich (mittels der VB-MAPP oder A-BLLS) geschaut, wo die Stärken und Probleme des Kindes liegen. Dann werden individuelle Lernziele definiert. Dann schaut der Therapeut in einer 1:1-Situation, dass das Kind exakt soviel Hilfestellung erhält, um die Aufgaben zu lösen, wie es braucht um fehler- und frustfreies Lernen zu ermöglichen. Dabei wird das Kind mit Dingen oder Aktivitäten belohnt, die dem Kind Freude machen. Wie soll denn eine Therapie aussehen, die ideal auf das Kind eingeht?

    Mein Kind macht sehr schnell Fortschritte, seit er ABA macht. Die hat er nicht mit TEACCH, nicht mit Heilpädagogik, nicht mit Logopädie gemacht. Er lacht sehr viel mehr, unser Familienklima ist erheblich besser geworden, wovon auch vor allem mein Sohn profitiert. Seine häufigsten spontanen Mands sind „Nimm mich hoch!“ und „Drück mich!“.
    Dass mich später wegen der Therapie Vorwürfe und kritische Fragen seitens meines Sohnes erwarten, schreckt mich nicht. Dass mein Sohn Kommunikation jemals auf diesem Level erlernt, ist für mich ein noch unrealistischer Traum.

    Diesen Blog lesen sicher auch andere verzweifelte Eltern, die eine effektive Therapie für ihre Kinder suchen. Jeder Mensch hat das Recht auf die effektivste und nebenwirkungsärmste Therapie, wenn ein Leidensdruck gegeben ist. Bei Autismus ist das gegenwärtig ABA/ VB. Daten zu erhöhten Depressionsraten nach ABA habe ich hingegen nicht gefunden.

    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3196209/

    Viele Grüße,
    Nora

  23. Zarinka schreibt:

    ABAs „wissenschaftliche“ Studien beweisen hier nur eins: es werden eindeutig die Interessen der Wissenschaft und die der Gesellschaft, stets über die Interessen des („Patienten“) Autisten gestellt.

    ABA muss schnellstmöglich weg…..ABA ist Menschrechtsverletzung, so meine persönliche Meinung dazu.

    • Nora schreibt:

      Statistisch gesehen haben 15 % der Autisten einen Job im ersten Arbeitsmarkt und 5 % können eine Beziehung (wie einen Ehe) aufrechterhalten (Quelle: http://www.uptodate.com/contents/autism-spectrum-disorders-in-children-and-adolescents-overview-of-management?source=see_link) Wenn Sie da da zugehören sind Sie priviligiert. Mit ABA kann man diese Quote nachweislich erheblich steigern. Warum bitte ist das nicht im Sinne der Autisten? Niemand muss, wenn er nicht will, aber er sollte können, wenn er will.

      • Dario schreibt:

        Nora, wie soll man jemanden mithilfe von ABA ehe-oder beziehungsfähig machen? Das würde mich jetzt mal wirklich interessieren. Ich weiß z. B. von mir (siehe weiter unten), dass ich diese Bedürfnisse nach Ehe und Beziehung bis vor wenigen Jahren noch gar nicht hatte. Auch mit ABA (oder mit welcher Methode auch immer) kann man keine Gefühle (z. B. die Liebe zu einer Frau) herbeiforcieren, wenn sie gar nicht erst da sind. Wie soll das gehen?

      • Jürgen schreibt:

        Ist das denn der Fall? Die Studien zu ABA, die ich bisher gelesen habe, messen den Erfolg anhand von Tests für NT. Wo kann man einen Langzeiterfolg im Berufs- und Sozialleben finden?

  24. mellissandra schreibt:

    ich habe hier keine veröffentlichungen über ABA gefunden: http://researchautism.net/latestpublicationlist.ikml?startat=0&set=1

  25. Dario schreibt:

    Nora, ich kann es durchaus verstehen, wenn Eltern verzweifelt sind, wenn sie zu Hause ein Kind mit schwersten Einschränkungen haben, dass sie als Eltern an den Rand ihrer Belastbarkeit bringt. Ich möchte auch über niemanden urteilen, der zu Hause ein Kind hat, dass sich nicht sinnvoll mitteilen kann, das pflegebedürftig ist, dass womöglich aggressives oder selbstverletzendes Verhalten zeigt. Natürlich brauchen solche Kinder andere Hilfen als z. B. ein hochintelligentes Asperger-Kind, das vergleichweise selbstständig leben kann. Ich bin auch der Meinung, dass jedes Kind (sofern es möglich ist), die grundlegenden Fähigkeiten erlernen sollte, die für ein halbwegs selbstständiges Leben notwendig sind, also z. B. zur Toilette gehen, sich waschen und anziehen, sich etwas zu Essen machen usw. Auch das sind für mich keine Argumente für ABA, aber menschlich kann ich es bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen, wenn sich Eltern in ihrer Verzweiflung an jeden Strohhalm klammern (RW) und als letztes Mittel auch fragwürdige oder umstrittene Methoden in Erwägung ziehen.

    Speziell bei dir fällt aber auf, dass du ABA ungewöhnlich stark idealisiert und so tust, als sei ABA die einzig wirkungsvolle Methode, wie man mit autistsichen Kindern umzugehen hätte – ganz so, als wolltest du allen anderen Ansätzen ihre Legimimation absprechen. Das hast du zwar nicht wörtlich gesagt, aber diesen Eindruck macht es. Deine Worte vermittlen den Eindruck, als wolltest du eine großangelegte Werbeveranstaltung für ABA abhalten. Das ist nach den subjektiven Erfahrungen mit deinem Sohn verständlich, aber wie schon gesagt: Andere von uns haben auch autistische Kinder (bwz. ich einen autistsichen Neffen), die sich auch mit anderen Hilfen (ganz ohne ABA) positiv entwickelt haben.

    Ich habe volles Verständnis, wenn du für deinen Sohn nach der besten Therapie suchst, aber dieser euphorische Abolutheitsanspruch, mit dem hier auftrittst ist es, hinterlässt einen unangenehmen Beigeschmack – und ist im Übrigen alles andere als wissenschaftlich. Ich kenne keinen seriös arbeitenden Therapeuten, der seine eigene Methode als das Maß aller Dinge hinstellt. So etwas ist immer ein Alarmzeichen, das einen misstrausch machen sollte. Übrigens ist dein letzter Link ganz am Schluss gar keine Studie, sondern der persönliche Bericht eines Vaters – nicht mehr oder weniger subjektiv als das, was du hier schreibst.

    Ich habe viele Begriffe, die du in deinen Beiträgen benutzt (z. B. funktionale Kommunikation, fehlerfreies Lernen) usw.) in genau dieser Formulierung schon bei anderen ABA-Befürwortern gelesen. Ich bin mir sehr sicher, das dies nicht deine persönliche Argumentation ist, sondern dass vieles davon angelesen und auswendig gelernt ist. Und ich bleibe dabei, dass es einseitige und wenig kritische Information sind, mit denen du dich befasst hast und die du hier verlinkst. Deine Wortwahl und deine durchdachte Rhetorik hören sich nach einer geschickten Marketingstrategie an – fast so, als wäre es auswendig gelernt im Auftrag einer Organisation oder eine Gruppierung, die dich hier vorgeschickt hast. Kann sein, dass ich die damit Unrecht tue, aber dieser Eindruck verdichtet sich bei mir immer mehr.

    • Nora schreibt:

      ich bin Ärztin und kein Marketing-Stratege. Meinen Patienten biete ich die Therapien an, die mit wissenchaftlichen Methoden nachgewiesen – für ihre Erkrankungen die besten sind. Ich habe nichts auswendig gelernt, sondern mich intentensiv mit dem Thema, den verschiedenen Therapien und der Evidenz dahinter beschäftigt.
      Meinen Patienten biete ich nicht Therapie B an, wenn Therapie A nebenwirkungsärmer und effektiver ist. Und für meinen Sohn fordere ich das auch.

  26. Dario schreibt:

    Nora, zu deiner Frage:

    „Wie soll denn eine Therapie aussehen, die ideal auf das Kind eingeht?“

    Autistsiche Kinder müssne das Recht haben, autistisch zu sein und ihrem Autismus respektiert zu werden. Mann muss es akzeptieren, dass sich solche Kinder lieber mit sich allein beschäftigen, anstatt draußen mit anderen Kindern Fußball zu spielen. Mann muss es akzeptieren, dass solche Kinder kein Clownskostüm anziehen und nicht auf Karnevalfeiern gehen, sondern sich lieber mit ernsthaften und nachdenklichen Dinge beschäftigen. Mann muss es auch akzpetieren, dass autistsiche Kinder in den Schulpausen sich lieber allein zurückziehen, um neue Kraft zu schöpfen, anstatt in einer großen Gruppe mit anderne Kindern fröhlich zu lachen und zu quatschen.

    Man muss es auch akzeptieren, dass autistsiche Kinder mehr Rituale, mehr gleichbleibende Abläuf und andere Sicherheiten brauchen. Mann muss es aktueptieren, dass solche Kinder weniger flexibel, weniger spontan und weniger belastbar sind als andere Kinder. Mann muss es akzpetieren, wenn ein autitisches Kind seine Spielzeugaustos auf dem Regal in einer streng symmetrischen Reihe angeordnet haben möchte, anstatt im klassischen Sinn damit zu spielen. Man muss es auch akzeptieren, wenn autistsichen Kinder sehr klaree Regeln in Bezug auf Kleidung und andere Alltagsabläufe brauchen. Ein Beispiel: Zeigt das Thermeometer draußen weniger als 20°C an, ziehe ich eine lange Hose an, zeigt es mehr als 20°C an, ziehe ich eine kurze Hose an. Von diesem Ritual war ich als Kidn nicht abzubringen, heute als Erwahsener brauche ich das nicht mehr.

    Man muss es auch akzpetieren, dass autistsiche Kinder imme rein gewisses Maß an Selbststimulation brauchen. Natürlich nicht in gefaährlicher Form (Kopf gegen die Wand schlagen), das kann auch in dezenter und eher unauffälliger Form geschehen, z. B. duch Wippen mit den Füßen, Finger kneten, sich selbst massieren usw. Ich habe heute noch oft meine Massageröllchen oder kleine Bälle dabei, um mich selbst zu beruhigen, wenn mir der Stress oder die Reizbelastung zu viel wird. Was ist das daran so schlimm, dass man es austischen Menschen u bedingt abtrainieren muss?

    Trotzt aller Akzeptanz müssen natürlich auch autistsiche Kinder die Dinge lernen, die ich schon aufgezählt habe, damit sie irgendwann ein halbwegs selbstständiges Leben führen können. Auch ein autistisches Kind muss lernen, sich selbstständig anzuziehen, alleine zur Toilette zu gehen, sich zu waschen, sich etwas zu essen zu machen usw. Auch ein autistsiche Kind sollte ein Mindesmaß an Schulbildung erhalten, das wird keiner hier in Frage stellen. Und natürlich braucht ein autistisches Kind ein Mindestmaß an Sozialverhalten, muss Regeln und Grenzen akzeptieren. Selbstverstädnlich müssen autistsichen Kinder auch lernen (das Bespiel hattest du ja gennant) sich mit anderen Menschen auseinander zu setzen, anstatt ihren Willen mit Wutausbrüchen duchzusetzen. Gute Eziehung und Toerlanz gegenüber Autismus sind kein Widerspruch, auch wenn viele sich das nicht vorsellen können.

    Ganz wichtig finde ich auch, dass autistsiche Kinder genügend Zeit bekommen, um sich in ihrem ganz eigenen Tempo zu entwicklen, ohne dass man sie überfordert. Ich war z. B. erst gegen Ende der Pubertät soweit, dass ich mich für soziale Kontakte zu anderen Jugendlichen interessiert habe. Die sozialen „Zwangskontakte“, die man mir als Kind aufgezwungen hat (z. B. auf der Karnevalsfeier) haben letztendlich nichts bewirkt, sondern mich nur unglücklich gemacht. Gibt euren Kindern einfach genügend Zeit, dann kommt das Interesse an sozialen Kontaken und anderen „normalen“ Interessen später oft von ganz allein.

    Ich war auch erst mit Ende 20 soweit, dass ich eine Berufsausbildung durchhalten konnte. Erst mit Mitte 30 konnte ich alleine wohnen und erst seit ganz wenigen Jahren bin ich soweit, dass ich mir vielleicht mal eine Beziehung zu einer Frau vorstellen könnte. Sicher, andere Menschen durchlaufen diese Schritte schon viel früher, aber dafür habe ich sie mir aus eigener Kraft erarbeitet – umso mehr kann ich heute auch stolz darauf sein. Es hätte nichts gebracht, wenn man mir diese Schritte schon früher von außen aufgezungen hätte, solange ich von meienem inneren Entwicklunsgtempo nicht nicht so weit war. Warum akzeptiert man es nicht, dass autistische Menschen ihr ganz eigenes Tempo haben, indem sie sich entwicklen? Warum gibt man ihnen nicht die notwendige Zeit und Geduld?

    Zum Schluss möchte ich dir noch die Links zu drei Vedeos nennen. Dort geht dort um drei autistische Kinder (Lars, Frederic und Victoria) von denen ich den Eindruck habe, dass sie auch ohne ABA ein zufriedenes und für alle Seiten akzeptables Leben führen:

    http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/stolperstein/autismus-autisten100.html

    Originalton Victoria: „I feel like Autimus is like a bodypart.“ Auch autistsiche Kinder können also duchaus glücklich sein, wenn man sie so nimmt und respektiert, wie sie sind. Bringt dich das nicht ins Nachdenken?

    • Nora schreibt:

      Hallo Dario, bin in allen Punkten völlig einverstanden. Genau das will man mit ABA ja auch. Genau das will ich für meinen Sohn. Ich will nur eine Gegendarstellung zu den verschiedenen Gerüchten und Vorstellungen, die über ABA im Umlauf sind, geben. Wenn man eine Therapie falsch attribuiert, kann das das erhebliche Folgen haben.
      Ein Beispiel aus der Onkologie (sorry, bin Ärztin, damit will ich nicht Autismus mit Leukämie gleichsetzen, sondern illustrieren, was Vorurteile gegen Therapien anrichten können): Vor einigen Jahren habe ich einen 37-jährigen Vater zweier Kinder an einer chronisch myeloischen Leukämie elendig auf der Intensivstation sterben sehen. Seit einigen Jahren gibt es zur Behandlung der CML Imatimib, ein sehr nebenwirkungsarmes und effektives Medikament, mit der man die CML wahrscheinlich über Jahrzehnte gut kontrollieren kann. Niemand, auch nicht die Kollegen der anthroposophischen Klinik, von der er sich vorher behandeln ließ, konnte ihn überzeugen, dass das keine schlimme Chemotherapie ist. Das war so fest drin in seinem Kopf, Leukämie, Chemotherapie, dass er lieber an der Leukämie gestorben und seine Kinder und Frau zurückgelassen hat, als Imatimib zu schlucken. Ich finde das schwer zu ertragen. Es ist schon grausam, wenn man gegen eine Krankheit/ Behinderung nichts tun kann. Noch schlimmer ist es aber, wenn es eine effektive und nebenwirkungsarme Therapie gibt und derjenige keinen Zugang dazu hat oder aufgrund von falschen Vorstellungen ablehnt.
      Autismus muss nicht, aber kann sehr viel Leid verursachen. Schaut Euch das moderne, professionell durchgeführte ABA doch erstmal an bevor ihr darüber urteilt. Für den Autismus ist ABA ein ähnlich gewaltiger therapeutischer Durchbruch wie Imatimib für die CML.
      Gruß, Nora

  27. soor schreibt:

    @nora wirst du eigentlich für die texte bezahlt ? „Jeder Mensch hat das Recht auf die effektivste und nebenwirkungsärmste Therapie, wenn ein Leidensdruck gegeben ist. Bei Autismus ist das gegenwärtig ABA/ VB.“ oder wo hast du das den her ? Was ist mit dem Leidensdruck für den Rest des Lebens ? Ich habe bisher noch keinen einzigen Beitrag eines Autisten gesehen der mit ABA behandelt wurde und es positiv empfand und zwar nirgendwo. Sicher lässt sich dieser Beitag aber igendwo finden, genauso wie es Menschen gibt die Fahrräder essen.
    Wenn dein Kind agressiv auf dich reagiert dann reagiert es auf Reize aus der Umgebung, oder auf Reizüberflutung, die geht nicht weg indem man dem Kind Ankonditioniert auf seine Qualen nicht zu reagieren. Das komplette Konzept von ABA läuft der Menschenwürde zuwieder.

    • Jürgen schreibt:

      „Das komplette Konzept von ABA läuft der Menschenwürde zuwieder.“
      Das ist nicht der Fall. Das Grundkonzept von ABA ist nicht die blinde Konditionierung. Konzeptionell soll ABA einem Kind beibringen, wie es aus der Welt lernen kann. Es ist also eigentlich als Erziehung zum selbstständigen Lernen konzeptioniert.

      Das daraus abgeleitete Autismus-Therapiekonzept weist jedoch erhebliche Schwächen auf.

    • Nora schreibt:

      „Wenn dein Kind agressiv auf dich reagiert dann reagiert es auf Reize aus der Umgebung, oder auf Reizüberflutung, die geht nicht weg indem man dem Kind Ankonditioniert auf seine Qualen nicht zu reagieren. Das komplette Konzept von ABA läuft der Menschenwürde zuwieder.“

      Also diese Aussage ist etwas undifferenziert. Wer behauptet denn, dass den Kindern antrainiert wird, nicht auf Qualen zu reagieren? Mit VB wird funktionelle Kommunikation unterrichtet, also auch, dass es das Kind äußern kann, wenn es etwas stört und was es stört und dann kann man die Quelle der Störung beseitigen. Das Kind leidet doch eher, wenn es das nicht äußern kann und die Bezugspersonen nicht verstehen, was gerade nicht passt.

      Zeigen Sie mir mal Daten zu der Behauptung mit den Langzeitfolgen.

  28. Nora schreibt:

    Habe keinen Beitrag von einem Autisten gesehen, der mit modernem VB behandelt wurde. Oder habe ich das übersehen? Es gab viele Beiträge, wie man sich ABA und deren Wirkung vorstellt. Meine Informationen habe ich aus Lehrbüchern, Studien und Gesprächen/ Beobachten von ABA-Therapeuten, die das mit großem Geschick und viel Herzblut machen. Und aus der unglaublichen Erfahrung, wieder ein hervorragendes Verhältnis zu meinem Sohn aufbauen zu können.

  29. Zarinka schreibt:

    http://www.ich-kenne-meine-rechte.de/index.php?menuid=32

    Deutsches Institut für Menschenrechte!

    „Freiheit und Schutz
    (Artikel 14, Artikel 17)
    Menschen mit Behinderungen dürfen nicht körperlich verletzt werden.
    Menschen mit Behinderungen
    dürfen auch nicht an der Seele verletzt werden.“

    ABA verletzt Autisten an der Seele! Denn ABA zwingt Autisten schon im frühen Kindesalter zu Therapien, die es freiwillig so niemals mitmachen würde. ABA fragt diese Kinder mit Sicherheit
    nicht vor Therapiebeginn, ob sie das auch wirklich wollen.

    Diese besagte Quelle (die Nora hier eingefügt hat) erklärt Autismus zu einer chronischen Erkrankung, die einen umfassenden Behandlungsansatz erforderlich macht.

    Darüber kann ich wirklich nur noch den Kopf schütteln.

  30. selbstbewusst schreibt:

    @ Nora

    „ Viele, die hier posten, haben wahrscheinlich einen geringern Abstand zu neurotypischen Menschen als zu meinem Sohn.“
    Interessant finde ich immer, dass man dieses „Totschlagargument“ anbringt, wenn man scheinbar nicht weiter kommt.
    Beim eigenen Kind ist natürlich alles viel schlimmer.
    Ich finde es schon immer witzig, wenn ich gefragt werde, zu wie viel % ich denn Autist sei?
    Ich bin Autist. Der Autismus bestimmt mein Handeln, mein Denken, meine Gefühle, alles.
    Einem meiner Kinder hat man bescheinigt, es wäre am Rand der Bildungsfähigkeit und könne keine „normale“ Schule besuchen (vielleicht so wie Ihres?)
    Heute ist mein Kind erwachsen und hat studiert. Das Wichtigste was ich erreichen konnte, ist die Stärkung seines Selbstbewusstseins.
    Im Übrigen war ich ,außer meiner Mutter, die einzige, die nie an den Fähigkeiten gezweifelt hat.

    Auch mag ich nicht die strenge Unterteilung zwischen Kanner- und Aspergerautisten, weil sie eine unterschiedliche Leistungsfähigkeit suggeriert, obwohl der Unterschied allein auf den Beginn der Sprache festgelegt werden kann und bin froh, dass man inzwischen vom Spektrum spricht. (nur meine Sicht)
    Ich kenne Kanner Autisten, die studiert haben und einen, der erst mit 20 Jahren anfing zu sprechen, da er vorher keine Notwendigkeit dafür sah. Heute schreibt er Bücher und nachdem ich einen Abend mit ihm verbringen durfte, schätze ich ihn als sehr intelligent ein.

    „Videos wie die mit Carly oder das mit Pascal
    finde ich sehr gruslig, da das die Liga ist, in der mein Sohn ohne effektive Therapie mitspielen würde.“
    Schade, dass Sie so über Ihren Sohn denken.
    Ich habe mir die Videos angetan, dass zweite allerdings nur angespielt.
    Wenn Pascal wirklich geistig behindert sein sollte, finde ich Ihren Link nicht passend.
    Ansonsten hat mich das Video traurig gestimmt.
    Die Situation als er seine Mutter besuchte, musste unwillkürlich zur Aggression führen. (Aggressionen sind kein autistisches Verhalten, sondern immer Folgen von Unerträglichkeiten.)
    Schauen Sie sich dieses noch einmal an. Warum bedrängt die Mutter ihn permanent?
    Er möchte in den Garten.
    Sie möchte, dass er ins Haus kommt, warum?
    Nachdem er total enttäuscht ist, dass immer noch kein Raumschiff im Garten steht, wird kein Rückzug gestattet, im Gegenteil, er wird bedrängt. Das ist so ziemlich das Schlimmste, was man falsch machen kann.
    Selbst der Betreuer, der ansonsten einen ziemlich lockeren Eindruck macht, fasst ihn von hinten an. Diese „Herzinfaktsituation“ kann sich wohl kein Nichtautist nur annähernd vorstellen.
    Der erste Teil mit Charly hat mir schon gereicht, Reize über Reize und komplettes Bedrängen.
    Wenn man wissen möchte, was Therapien bei Autisten bewirken können, empfehle ich den Film „Ihr Name ist Sabine“ von Sandrine Bonnaire.
    Total fassungslos war ich bei der Szene, als die Ärztin schilderte, um wie viel ruhiger sie geworden war und ich nur sah, wie aus einem lebenslustigen Mädchen, das Klavier spielte, Moped fuhr ein willenloses Etwas geschaffen wurde.
    Wollen Nichtautisten das?
    Im Augenblick lese ich das Buch „Ego Das Spiel des Lebens“ von Frank Schirrmacher und hier denke ich, dass es gut ist, dass es auch Autisten gibt.

    „Falls Sie sich das Video mit Carly genau angesehen haben, da wird auch berichtet, dass sie mit 13 Jahren noch mit Fäkalien schmiert. Es ist sehr schwer für eine Familie, das einfach zu akzeptieren, so ein Verhalten beschädigt einfach mal das Verhältnis zwischen dem autistischen Kind und seiner Familie. „
    Aus psychologischer Sicht hat das Kotschmieren oftmals damit zu tun, dass sich das Kind auflehnt und keine andere Handlungsweise findet. Ich gehe jetzt von Menschen ohne geistige Behinderung aus, weil ich in diesem speziellen Fall nicht recherchiert habe. Kotschmieren ist somit u.U.ein Hinweis darauf, dass sich das Kind nicht verstanden fühlt bzw. die Gesamtumgebung unerträglich ist.
    Kotschmieren wird auch berichtet von Menschen, die zu Folteropfern geworden sind.

    „Statistisch gesehen haben 15 % der Autisten einen Job im ersten Arbeitsmarkt und 5 % können eine Beziehung (wie einen Ehe) aufrechterhalten Mit ABA kann man diese Quote nachweislich erheblich steigern. Warum bitte ist das nicht im Sinne der Autisten? Niemand muss, wenn er nicht will, aber er sollte können, wenn er will.“
    Nicht mit ABA kämen Autisten in mehr Arbeit, sondern mit adäquaten Arbeitsplätzen und Arbeitszeiten.
    Viele Autisten sind nachtaktiv, es gibt aber kaum Arbeitsplätze mit komplett freier Zeiteinteilung, selbst Auticon nicht.
    Viele Autisten haben enorme Probleme mit der Reizüberflutung am Arbeitsplatz. Es gibt aber kaum home office Arbeitsplätze, obwohl sie möglich wären.
    Inklusion ist zum Glück inzwischen auch ein Menschenrecht in Deutschland. Es wird nur allzu oft mit Integration verwechselt. Es kann sein, dass man den elementaren Unterschied nicht begreifen kann oder möchte.

  31. Dario schreibt:

    Nora, für mich ist diese Diskussion hier bald beendet, wenn du nicht endlich deine widerlichen (und an der Sache völlig vorbeigehenden) Krebsvergleiche unterlässt. Ich hatte dich bereits darauf angesprochen. Du behauptest zwar, du willst Autismus und Krebs nicht miteinander vergleichen, aber du du tust es doch (siehe deinen Beitrag vom 7. Juli, 21:50) und ich behaupte, du tust es bewusst und berechnend.

    Wenn du das Leid, dass eine Krebserkrankung verursacht, mit den Folgen von Autismus vergleichst, dann finde ich das in höchstem Maße pietätlos. Vor allem den Krebspatienten und ihren Familien gegenüber, aber auch gegenüber den Autisten, deren Persönlichkeit du mit einer hochbösartigen Krankheit vergleichst. Wenn du wirklich Ärztin bist, dann verbieten sich solche Vergleiche schon aus Gründen der ärztlichen Ethik. Aber wenn es um Werbung für ABA geht, dann ist dir offenbar kein noch so kruder Vergleich zu schade.

  32. Nora schreibt:

    Keine Sorge, die Diskussion ist für mich beendet. Ich habe niemals Autismus mit Krebs verglichen und lasse mir das auch nicht unterstellen. Einerseits darf man einem Autisten keine effektive Kommunikation beibringen, damit der einem sagen kann, was ihn stört und man darauf Rücksicht nehmen kann, andererseits wird hier behauptet, eine Mutter sei doch selbst Schuld, wenn ihr autistischer Sohn ihre Wohnung und ihren Ex-Mann zu Kleinholz schlägt, weil sie kein Ufo in ihrem Garten landen lassen können. Das ist doch indiskutabel.

  33. tageshauscaos schreibt:

    Eins möchte ich auch nochmal los werden, was mir bei allen ABA Leuten aufgefallen ist, sie gehen nie auf das ein was die Autisten ihnen sagen. Warum eigentlich nicht ? Wenn ganz viele Autisten die so eine Therapie schon hinter sich haben, sagen das das der falsche weg ist, warum glaubt uns dann keiner von den ABA Leuten?
    Wollen sie es nicht sehen oder nicht wahrhaben ? Oder sind sie einfach nur in ihrem Wunsch das endlich eine Therapie hilft gefangen ?
    Ich für meinen Teil kann diese Naive Einstellung nicht ganz nach vollziehen.
    In jedem anderen Bereich würden die Leute nach solchen Erklärungen ihre Meinung nochmals überdenken und sich fragen ob sie wirklich das richtige tun. Das passiert bei den ABA Leuten nicht. Warum nicht ?
    Weil sie uns falsch sehen ? Sind ihre Kinder dann unmündig ? Das sie so über ihren willen entscheiden ?
    Spätestens wenn ich als Mutter hören würde, hey das was du da tust quält dein Kind, würde ich doch damit aufhören, weil ich auch nur den leisesten verdacht, es könnte so sein, nicht ertragen könnte.
    Doch die ABA Leute sind gegen so eine Argumentation völlig Blind , das lässt mich schon fast Vorsatz vermuten. Ohne jemanden angreifen zu wollen ließt sich das dann eher so, als wollten sie diese Folter gerne weiter ausüben.
    Für mich stellt sich das dann so da, wir sollen lernen wie ihr seit , ihr wollt aber nicht lernen wie wir sind. Warum stellt ihr euch über uns ? Seit ihr etwas besseres wie wir es sind? das ihr so mit uns umgehen dürft ? Ich glaube nicht.
    Ich lerne daraus nur , ABA Leute sind nicht lernfähig und nicht gewillt uns zu zu hören. Klingt ein wenig nach Ignoranz.

    das nur als Gedankenstrich für mich

  34. britta schreibt:

    Ich möchte hier mal aus verschiedenen Sichtweisen einen Kommentar hinterlassen, alle werden wahrscheinlich auf dasselbe hinaus laufen und die Meinung der meisten hier teilen. 1. aus „professioneller“ Sicht: ich bin ausgebildete staatlich annerkannte Erzieherin und arbeite seit 10 Jahren vor allem im Elementarbereich. Ich finde es schon schlimm genug, was für ein Programm an Therapien häufig noch relativ „normale“ Kinder durch laufen, weil sie die eine oder andere Auffälligkeit zeigen. Es sind Kinder! und als solche sollte man ihnen Zeit und muße zur Entfaltung lassen. Ich arbeite größtenteils Teilzeit, was manchmal schon anstengend ist. Die Vortellung, dass die mit ABA therapierten – man sollte eher sagen dressierten – Kinder einen viefach längeren Arbeitstag als ich haben geht allem meinen ansichten entgegen.
    1a) aus semiproffesioneller Sicht: vor nicht allzu langer Zeit habe ich angefangen mich mit der naturgerechten Ausbildung von Hunden zu beschäftigen. Eins meiner gelieten Hobbeis. umso schockierter war ich, als ich mein erstes Video zum Thema ABA sah. ja es grenzt definitiv an dressur, doch würde ich selbt so einen Hund nicht ausbilden, denn auch die brauchen Auszeiten, pausen in denen sie sie selbst sein Können…
    2. Aus meiner persönlichen Sicht heraus: Ich selbst bin HS ( hochsensibel) ein Phänomen der Wahrnehmung, das bis jetzt noch nicht diagnostisch behandelt wird, worum ich auch ganz froh bin! Auch Hsp nehmen ihre Umwelt anders, intensiver, war und leiden oftmals an Reizüberflutung. ich glaub wir haben autisten gegenüber einen Vorteil, wir sind sprchfähig genug uns aus unangenehmen situationen herau zu ziehen. nichtsdestotrotz stoßen wir oft auf Missverständnis – weil wir uns „anstellen“. Uns in einer Situation festzuhalten oder uns über stunden mit reizen zu bombadieren führt auch zu sehr unangenehmen folgen für die Person.
    Ich bin ein sehr konatkfreudiger Mensch durch auch ich würde eine festhalte therapie als äussersten Angriff meines privaten Bereichs interpretieren.

    Zu guter Letzt 3. Aus Sicht einer Schwester heraus: Mein Bruder hat eine ASS. auf dem Papier wird er als a-typischer Autist bezeichnet. Er ist jetzt 30 Jahre alt. Als er seine Diagnose bekam war Autismus noch nicht so bekannt, demzufolge gab es weniger „Heilsversprechen“. Er ging in ein autismuszentrum wo ihm di eLeute auch sehr geholfen haben denn er konnte dort der sein der er war und gleichzeitig lernen sich in dieser Welt zurecht zu finden. Jedem, der mir vorschlagen würde ihn mit einer derartig absurden Tehrapieform zu handeln, würde ich eine Klage wegen Freiheitsberuabung und Körperverletzung androhen.

    so das war jetzt ein sehr langer sermon. Bitte überlest die rechtschreibfehler….

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