Wenn Masken fallen

Autisten reden oft davon, dass sie Masken tragen. Was meinen Sie damit? Tragen Sie Masken wie Schauspieler und spielen sie der Gesellschaft etwas vor? Oder ist die Maske doch eher ein Versteck? Auf jeden Fall ist das Verhalten von Autisten in der Öffentlichkeit für viele Menschen ein Rätsel und Mysterium. Ein Mysterium das viele sicher auch verstehen möchten und sich deshalb wünschten dass die Masken der Autisten, wenn auch nur für einen kurzen Augenblick, fallen würden.

Masken tragen

Um das alles besser verstehen zu können muss man sich die Frage stellen: Warum tragen Autisten überhaupt eine Maske? Und was steckt hinter dem Bildnis der Maske?

Autisten reden, in der Regel, vom maskentragen, wenn sie sich unter andere Menschen begeben.  Das Ganze sollte man allerdings nur sprichwörtlich sehen, es ist nämlich weniger eine Maske die man trägt sondern eine Rolle die man einnimmt. Eine Rolle die man entweder sich selbst hart erarbeitet hat oder die über eine Therapie geübt wurde. In jedem Fall ist es ein Zustand des sich selbst Verbiegens. Würde man, so wie man eigentlich ist, unter andere Menschen gehen würde man wohl zum einen an vielen Ecken anecken und zum anderen sehr schnell wieder in eine schützende Ruhezone flüchten. Streng genommen spielt man in so einem Moment keine Rolle so wie es ein Schauspieler tun würde, man biegt sich aber so zu Recht, dass man in der Öffentlichkeit möglichst wenig auffällt. Man könnte auch sagen: Autisten fangen an das normale Leben zu imitieren und zu kopieren. Wir spiegeln damit eigentlich genau das Verhalten das wir oftmals nicht verstehen. Kurzum: Wir versuchen so zu sein wie man es von uns erwartet.  Zum einen ist das sicher ein Mechanismus den jeder Mensch, egal ob er Autist ist oder nicht,  anwendet und erlernen muss. Es fällt nur Nichtautisten wesentlich leichter. Vielleicht auch weil das erwartete Verhalten ihnen nicht fremd und unlogisch erscheint und sie quasi ganz normal darin aufwachsen und erwachsen werden. Zum anderen ist das Masken tragen aber auch ein extremer Selbstschutz. Wenn Autisten diese Masken nicht tragen würden, sähen sie sich wohl sehr schnell mit Kommentaren wie „Stell Dich nicht so an!“ und „Was ist eigentlich mit Dir los?“ konfrontiert. Und das ist etwas was ein Autist der sich nach besten Wissen und Gewissen versucht anzupassen nun als letztes gebrauchen kann. Was man nach außen hin nämlich nicht erkennt: Das Tragen der Maske und die Anpassung an die oftmals auch nicht klaren Erwartungen anderer Menschen an einen kostet sehr viel Energie. Was Nichtautisten unter Umständen schon schwer fallen könnte ist für einen Autisten harte Arbeit. Eine Belastung die man wiederum, so möchte es die Gesellschaft ja, nicht nach außen hin zeigen darf. Man würde ja Schwäche zeigen. Und überhaupt: Wie kann denn ein, für andere alltägliches, Geschehen auch anstrengend sein?

Masken lügen nicht

Ist dann alles was Autisten nach außen hin verkörpern und machen eine einzige große Lüge? Definitiv nicht. Die Rolle die wir spielen sind wir selbst. Nur verbunden mit einer, unter großer Anstrengung aufrechterhaltener, verbogenen oder verzerrten Position. Man könnte auch sagen: Wir versuchen die Gesellschaft und ihre Erwartungen zu spiegeln. Und zwar so, dass das eigene Bild soweit verzerrt wird das es in das Bild der Gesellschaft passt. Klingt erst einmal gruselig, oder? Ich merke gerade selbst, dass es nicht leicht zu vermitteln ist was das Maskentragen wirklich bedeutet und wie viel von mir selbst da noch drin steckt bzw. wie groß der Anteil an Verzerrung in diesem Bild ist. Ich denke man kann dies aber auch nicht pauschal sagen. Wenn es mir gut geht, fällt es mir verhältnismäßig leicht mich in dem Alltag und der Gesellschaft zu bewegen. Der Kraftaufwand den ich benötige um mich in die Norm zu verbiegen ist noch gering. Es gibt aber auch Situationen, und hier darf ein Außenstehender nicht seine eigenen Maßstäbe ansetzen, in denen dieser Kraftaufwand gewaltig ist. Das können Extremsituationen wie ein Vortrag oder Seminar sein, es kann sich aber auch um so etwas vermeintlich Einfaches wie einen Arztbesuch oder der notwendige Besuch beim Friseur handeln. Was in meinen Augen auf jeden Fall wichtig für Außenstehende ist um die Situation eines Autisten zu verstehen: Es ist immer ein verbiegen der eigenen Bedürfnisse und Ansprüche. Und je mehr dieses verbiegen von außen erzwungen wird umso mehr Energie kostet es den Autisten. Das kann so weit gehen, und ich denke das ist nicht mal ein seltenes Ereignis, dass ein Autist sich nach außen hin verbiegt weil er weiß dass er es muss und gleichzeitig innerlich daran zerbricht. Am besten kann man das wohl mit einem Metalldraht vergleichen: Er lässt sich biegen. Das geht auch eine ganze Weile gut. Wenn man jedoch zu viel und möglichst noch an derselben Stelle an ihm herumbiegt wird er irgendwann brechen. Und das sind Momente die nicht nötig sein müssten wenn man so manches Mal einen Autisten einfach so akzeptiert wie er ist. Es sind auch Momente an denen Autisten sich entweder zurückziehen oder sich selbst gar aufgeben. Und dann wird aus einem verbogenen Spiegelbild das die bildliche Maske trägt ein Geist.

Der Mythos Lüge

Ich möchte diesen Text über das Tragen von Masken bzw. verbiegen zu eine Rolle mit einem anderen Thema verknüpfen. Wobei ich ausdrücklich noch einmal betonen muss: Das Tragen einer Maske ist keine Lüge, es ist ein angepasstes Zerrbild der eigenen Person das man in der Gesellschaft spielt. Nur allzu oft habe ich schon gelesen oder gehört: Autisten können nicht Lügen. Ist das wirklich so? Vorab gesagt: Wenn es so wäre, dürfte ich keine Autismusdiagnose haben. Ich kann nämlich Lügen. Was mich vielmehr beschäftigt hat war die Frage: Wieso sehen Außenstehende das so und wie kommt es zu diesem Eindruck?

Ein Ansatzpunkt für mich ist die Problematik des Small Talks. Autisten sind darin nun wahrlich schlecht weil sie inhaltlich wenig Sinn darin sehen. Und auch weil sie keinen Sinn dafür finden Fragen zu stellen deren Antwort einen eigentlich gar nicht interessiert. Für mich fällt unter Small Talk auch der Bereich Schmeichelei. Mal Hand aufs Herz: Wenn sie jemandem sagen wie gut er doch wieder aussieht oder wie gut ihm oder ihr ein gewisses Kleidungsstück steht: Meinen sie das wirklich ernst? Und warum sagen sie es? Der Mensch schmeichelt um einen gewissen Effekt zu erreichen. Und hierfür, mir kann keiner erzählen dass es anders ist, sind alle Mittel recht. Eben auch das Mittel der klitzekleinen und schon unbemerkt eingesetzten Lüge. Achten Sie mal darauf, wie oft sie ganz unbewusst und nebenbei nicht immer genau das sagen was sie denken. Und achten Sie auch einmal darauf warum sie das tun. Ein Experiment das, wenn man es konsequent ausführt und ehrlich zu sich selber ist, einem sicher das eine oder andere Mal auch die Augen öffnen kann. Autisten nun neigen dazu zum einen sehr direkt zu sein oder zumindest als direkt empfunden zu werden. Warum ist das so? Nun: Fragen Sie einen Autisten wie ihm ihr neues Kleid gefällt. Er wird ihnen sehr wahrscheinlich ziemlich genau seine Meinung dazu sagen. Und eben nicht das was sie evtl. hören möchten. Eben diese, oft als Unfreundlichkeit empfundene, Direktheit trägt sicher dazu bei, dass Autisten unterstellt wird sie könnten nicht lügen. Immerhin ist es ja eine Kleinigkeit dem anderen zu schmeicheln und genau das zu sagen was er hören möchte, oder? Ich denke genau diese kleinen und unbemerkten Hilfslügen sind es in denen ein Autist keinen Sinn sieht. Also warum sollte er dann die Wahrheit verschweigen?

Darauf aufbauend habe ich noch einen zweiten Ansatzpunkt. Geht man nämlich nach dem Ziel das man mit einer Lüge erreichen will sieht es wahrscheinlich zwischen Autisten und Nichtautisten nicht so unterschiedlich aus. Hat ein Autist einen Grund zu lügen und ist er fest davon überzeugt, dass diese Lüge notwendig ist und für ihn einen Sinn macht, so wird er in meinen Augen auch diese Lüge vollziehen. Der Grund nicht zu lügen liegt, und da spreche ich wieder aus meiner persönlichen Sicht, schlichtweg darin, dass man keinen Sinn darin sieht. Wo Nichtautisten noch einen Sinn sehen und einen gewissen Zweck verfolgen ist für einen Autisten eine Lüge unnötig und vor allem auch unsinnig. Insoweit unterscheiden sich Autisten von allen anderen Menschen nur darin, dass sie in der Beurteilung und Abschätzung ob eine Lüge notwendig ist anders entscheiden wie andere Menschen. Das Lügen an sich jedoch ist ihnen genauso wenig fremd wie allen anderen auch. Ich könnte auch schreiben: Lügen ist menschlich!

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20 Antworten zu Wenn Masken fallen

  1. Geralt schreibt:

    Ich sehe das nicht als „Maske tragen“ … sondern eher als einen „Tauscheranzug anziehen“ an.

    Bevor ich in die nt-dominierte Menschenwelt „abtauche“ muss ich meine „Tauchausrüstung“ kontrollieren / vorbereiten.

    Wie steht es mit dem Luftgemisch aus ? (Welches Gemsich werde ich heute brauchen)
    Wie steht es um den Tankinhalt ?
    Funktioniert die Ausrüstung ( Druckaufbau) ?
    Werde ich heute „tauchen“ ? War ich schon mal dort ? Welchen Druck werde ich ausgesetzt ?
    Wie tief will ich tauchen ? Wie sieht es mit dem Rückweg aus ?

    Die „(Menschen-)Fische“ merken meistens nicht, dass ich ( im Gedanken) noch so eine sperrige Ausrüstung mit mir trage, um mit ihnen die Zeit „unter Wasser“ zu verbringen.
    Sie würden es nicht verstehen, warum ich regelmässig aus dem „(Gesellschafts-)Wasser“ auftauchen muss, weil mein Luftvorrat zu Ende geht.
    Und warum ich regelmässig meine Zeit auf dem Land ( ausserhalb des Wassers ) verbringen muss, um mich von den „Tauchgängen“ zu erholen …

    Gruss Geralt

  2. S. Ricklefs schreibt:

    Zwei Super Texte, der Beitrag von Quergedachtes als auch der Kommentar von Geralt.
    Natürlich kenne ich auch alles Beschriebene.
    Gut, ich habe mit den Jahren gelernt, daß es bei ziemlich Vielen gut ankommt sogar, wenn ich „ins Fettnäpfchen trete“, denn sie begriffen irgendwann, daß sie Verlaß finden in dem, was ich Ihnen sagte, auch wenn sie es nicht positiv empfanden. So begannen Einige, genau mich zu suchen u. zu fragen, wenn es ihnen um ernste Angelegenheiten ging, um sie selbst auch.
    Dieses kann man auf jeden Bereich anwenden.
    Wenn Eltern nein sagen und nicht so viel „Rumeiern“, lernen die Kinder Verläßlichkeit und Vertrauen und gewinnen dadurch an Halt, was man auf den ersten Blick gar nicht herausfinden würde.
    So erlebe ich das mit Nicht-Autisten ebenfalls. Sie wissen bald, mit wem sie es zu tun haben und empfinden es nicht mehr als Autismus und Behinderung.
    Einen weiteren Punkt habe ich entdeckt.
    Die Nicht-Autisten stoßen sich erst an uns, aber dann entdecken sie, daß wir etwas haben, was sie nicht haben. „Kindlichkeit“, das Herz eines Kindes, wenn wir uns nicht verbiegen.
    Nun müßte man genau hinschauen, wie ein Kind ist.
    Ich glaube, ich erwähnte das bereits in einem anderen Beitrag.
    Viele Nicht-Autisten fingen an auch freier zu werden und so wie sie sind, wenn sie öfter mit mir zusammen kamen.
    Meist ist es so, daß viele Autisten bei Fremden anstoßen, aber genau an dem Punkt habe ich mich gefragt, ob nicht auch andere Nicht-Autisten anstoßen können bei Fremden, die sie gar nicht beurteilen können. Und ja, sie können.
    Dennoch würde man nicht sagen, der oder der andere liegt falsch, sondern jeder beurteilt nach seinem Ermessen. So kann man auch nicht sagen, der Nicht-Autist oder Autist liegt falsch.. Man kann nie allen gerecht werden, dazu sind die Menschen zu verschieden.
    So wie es Nicht-Autisten schwer haben sie selbst zu sein, haben wir es zwar umso schwerer, aber genau da denke ich sollte man ansetzen dringend zu lernen man selbst zu sein und sich nicht mehr anzupassen. Ich mache es so: Dort wo ich niemanden verletze, passe ich mich nicht an, sondern bleibe jetzt ich selbst.
    Wie bei Nicht-Autisten stoße ich hier an und dort nicht.
    Uns allen fehlt eines: Das Wissen bedingungslos geliebt zu werden.
    Beide Seiten sind geprägt und erzogen von Generation zu Generation mit Verhaltensregeln.
    Wenn es die Nicht-Autisten krank macht und uns umso eher, ist es wirklich dringend notwendig zu lernen zu sein wie man ist.
    Das geht aber meist nur, wenn man weiß, daß man ok ist, wie man ist und nicht mehr angewiesen auf Andere,. Man muß also den Halt in sich selbst finden – in sich selbst ist so eine Sache, aber eben zu sich selbst stehen, genau so wie Gott einen gemacht hat, drücke ich es mal so aus.
    Immer wieder werden wir auf Menschen stoßen, die uns nicht mögen und auf Menschen die mit der Zeit uns zu schätzen wissen und denen wir dann viel geben können und sie beginnen uns zu lieben.
    Diese Erfahrung werden wir aber nie machen, wenn wir nicht beginnen wir selbst zu sein, ob Autist oder Nichtautist. So auch Mann u. Frau. Wenn sie sich kennenlernen, zeigen sie immer, wie sie meinen, daß der Partner sie gut finden könnte und nach Jahren heißt es, Du bist nicht mehr der/die Du mal warst. Diese Problem haben wir autisten doch meist niht. Wir können auch schleimen, aber der Charakter ist einnfach da und unumstößlich und das merkt der Andere recht schnell . Wie gut, somit entfallen die Enttäuschungen nach Jahren, weil sie sofort stattfinden, wenn wir nicht gewollt werden. Und wir interessieren uns dafür ja auch nicht gleich für Jeden.
    Also ich sehe immer mehr Vorteile in meinem Autismus.
    Der Autist hat somit gesehen einen großen „angeborenen“ Vorteil: er ist Autist🙂
    Viele Menschen bleiben uns erspart, weil sie nicht so sind wie es sein soll und sich verbiegen und uns was vormachen!
    Die Nicht-Autisten müssen es müsahm durch schlechte Erfahrung herausfinden, wer Freund oder Feind ist, da sie sich belügen!
    Also, ich bin froh ein Autist zu sein und habe gelernt, daß ich andere bereichern kann, da sie ein Beispiel haben, sie selbst sein zu können.
    Und die Anderen, die mich nicht mögen, ja, da passe ich eben nicht hin und die nicht zu mir.
    Kleines Beispiel:
    Ich ziehe nicht mal mehr schicke Kleidung an, wenn ich irgendwo eingeladen werde, zwar ordentlich und nicht alltäglich, aber genau meinem Stil entsprechend, ob es dort hin paßt oder nicht. Ich bin eben kein Anderer, wie sie….0815 Kleidung zu dem entsprechendem Anlaß, wie sie jeder in dieser Gesellschaft zu tragen hat. Ich passe mich an, ich ziehe mich ordentlich an, aber nie mehr über mein Ich-sein hinaus. Wer schreibt uns vor, was richtig und was falsch ist? Unser Innerstes sollte es tun und nicht die Gesellschaft.
    Dadurch daß wir so getrimmt wurden im Anpassen, ob Nicht-Autist oder Autist, fällt es uns nur schwer umzudenken dabei.
    Auch bei den Anläßen merkt man recht schnell, wer Freund oder Feind ist. Wem es um Äußerlichkeiten geht oder um innere Werte.
    Seitdem weiß ich, ich würde nie mehr einen Mann mit Anzug aussuchen als Partner für’s Leben, der eigentlich einen Anzug haßt! Dann weiß ich nämlich, wie weit der innerlich ist..
    Anpassen wo notwendig, um nicht zu veletzen und zu schaden, aber niemals um der Norm zu entsprechen. Das tue ich nicht mehr und das habe ich auch meinen Kindern beigebracht.
    Soziale Regeln auch nur solange, wie sie uns nicht verletzen und nicht umgekehrt!
    Lügen, ja könnte ich auch, aber ich sehe nicht den Sinn darin und lasse es, denn ich bin ich!
    Ich kann mit Streit umgehen, den es gibt, wenn ich die Wahrheit sage, weil ich Rückrat habe.
    Oh bitte, Autisten bleibt so, wie Ihr seid und seht, welch Bereicherung wir für Nicht-Autisten sind, denen wir Beispiel sein können und somit ein Spiegel für sie sind. Genau dadurch, daß wir es schwerer haben so zu sein wie sie, ist es für uns leichter ihnen diese Hilfe zu geben. Das muß nur mal überlegt werden.
    Es kann nicht umsonst sein, daß Autisten geboren wurden in diese Welt hinein und je länger, je mehr. Warum beim Asperger die Intelligenz sich entwickelt und der Asperger innerlich ein Kind bleibt. Das ist keine Behinderung wie die Welt sagt und nur behindert im „norm“alen Bereich mit Anderen so zu sein, wie sie, es ist so wie ein Mensch sein soll vom Wesen und Charakter, das ein Kind hat! Deshalb auch nicht „heilbar“!!! Es ist gut und richtig, daß es uns (be) HINDERT zu sein, wie sie sind!
    Vor vielen Jahren war es einer von 150, heute sind es bereits – oh man vergessen, aber eine erstaunlich hohe Zahl, 100te von…
    Wiiliam Stilman hatte die Zahl glaube ich mal niedergeschrieben, d. h. wie sie wuchs in den letzten Jahren niedergeschrieben.
    Das kann nicht umsonst sein.
    Ich bin fest davon überzeugt, daß viele Nicht-autisten auch nicht sein wollen, wie sie sind und daß wir mit genau denen zusammen treffen, damit sie aus ihrer Anpassung heraus finden können. Egal, ob am Arbeitsplatz oder im Kindergarten, Zuhause, wo auch immer..
    Alle brauchen diese Liebe, sie selbst sein zu können und ein Autist ist von Natur aus so und hat es schwer die Maske aufzusetzen – er soll es nicht! Sondern durch sein wahres Gesicht, automatisch den Nicht-Autisten helfen, ebenfalls deren Maske fallen lassen zu können, so sehe ich das.
    LG

  3. Anja schreibt:

    Ich bin immer wieder froh und dankbar für diese Möglichkeit des Austauschs unter Aspies. Ein sehr schöner Text mit ebenso wertvollen Kommentaren! Ihr seid klasse!

  4. S. Ricklefs schreibt:

    Ich möchte etwas mir Wichtiges hinzufügen:
    Ich schreibe immer von Autisten und Nicht-Autisten, darum geht es ja auch, damit wir einander besser verstehen lernen.
    Aber wenn ich meine Kommentare so lese, könnte leicht der Eindruck entstehen, daß ich eine nicht wertfreie Trennung vollziehe.
    Das möchte ich ausschließen mit diesem Zusatz.
    Ich sehe eine Trennung, über die schreiben wir, aber ich glaube sie liegt nur darin, wer es schwerer hat oder nicht oder wie ein Autist vom Wesentlichen her ist und der Nicht-Autist folglich nicht. Und genau dieses kann man nämlich auch nicht verallgemeinern.
    Es mögen ebenso viele Nicht-Autisten da sein, die anders sind als die anderen und Rückrat haben und noch nicht so verbogen sind usw., wie es Autisten gibt, die vielleicht schon genug verbogen wurden.
    Das ist mir sehr wichtig, um eine eventuelle hervorgerufene Spaltung wieder zusammenzuführen.
    Im Grunde, denke ich, sind wir alle Menschen mit den gleichen Problemen, ob Autist oder Nicht-Autist, wir haben den selben Ursprung, nur daß wir innerhalb des Menschseins und unserer Verschiedenartigkeit da eben auch nochmal eine weitere Verschiedenartigkeit besitzen, die wir nutzen sollten, um uns gegenseitig zu helfen.
    So komme ich darauf, wenn ich schreibe, daß ich froh bin ein Autist zu sein.. etc.
    Ich will mich keinesfalls im negativen Sinne abgrenzen von Nicht-Autisten damit, sondern nur den Autisten damit sagen, daß wir lernen sollen unsere (Be)Hinderung als etwas zu betrachten, das den Nicht-Autisten helfen könnte auch freier zu werden, weil sie ebenfalls doch in Zwänge gepresst sind.
    Andere Beschreibungen über Autisten u. Nicht-Autisten nehme ich nur, um den Autismus besser zu erklären für die Nicht-Autisten.
    Ich hoffe, daß ich es deutlich machen konnte, wie ich es meine.
    Wir sitzen alle im selben Boot und unsere erklärten Unterschiede sollen der Hilfe dienen im
    Miteinander besser rudern zu können.🙂 Lieben Gruß

  5. zentao schreibt:

    Ich bin zwar kein Autist und doch hörte ich oft ähnliche Worte und durfte nicht so sein wie ich es gefühlt habe, auch ich habe mich in meinem Leben eingerichtet und das muss doch jeder tun. Wir sind Wesen die sich in einem neuen Leben inkarnieren und nicht immer bekommen wir das gewünschte. So ein Leben heisst Lebenslanges Lernen und sich verändern.
    Dein Betrag und beide Kommentare zeigen mir eine Welt die ich so nicht kenne, ich habe wieder etwas gelernt
    Liebe Grüsse zentao

  6. tageshauscaos schreibt:

    Hallo Quergedachtes, also bei mir ist es tatsächlich so, das meine Terra verzweifelt versucht mir das Lügen bei zu bringen, weil es ja manchmal echte vorteile bringen würde wenn man das kann. Aber ich kann es tatsächlich nicht, auch wenn ich es noch so sehr wollte, weil mich die wahrheit (in meinem Fall) sogar in Gefahr bringen würde. Trotzdem erzähle ich die wahrheit so, sehr ich mir auch vornehme zu lügen , es funktioniert einfach nicht. Ich kann mir sätze dafür penibel auswendig lernen aber in der jeweiligen Situation bringe ich selbst diese auswendig gelernten Sätze nicht über meine Lippen. Es geht nicht .. wirklich nicht …..
    es kann sein das das bei anderen Autisten/inen aanders ist bei mir ist es auf jeden fall so.
    Liebe Grüße
    Tageshauscaos

    • S. Ricklefs schreibt:

      Wenn ich versucht habe zu lügen, mußte ich immer lachen und daran bemerkten die anderen es.
      Und wenn ich es schaffte nicht zu lachen, dann merkten sie es an meinem Verhalten.
      Freue Dich, daß es einfach nicht klappt, eine Lüge häuft immer eine andere und am Ende kommt nichts Gutes dabei heraus.
      Menschen belügen ist einfach Schei…, wir wollen ja auch nicht belogen werden.
      Ich kann z. Bsp. sehr gut damit umgehen, wenn jemand einen Fehler gemacht hat. Den kann ich verzeihen, aber wenn mich jemand belügt, dann kann ich zwar nachvollziehen, daß der vielleicht aus Angst log und ebenfalls verzeihen, ja aber nicht mehr vertrauen.
      Wir schulden uns Ehrlichkeit und ich glaube die Menschen, die nicht boshaft lügen, haben eben nur erlebt, daß sie verstoßen werden aufgrund von Fehlern. Wenn es mehr bedingungslose Liebe gäbe, glaube ich, würde auch das Lügen aufhören, was meist, wie gesagt, auf Angst beruht.
      Also ist es bei Autisten – denke ich – also auch unnötig zu lügen, weil sie ja eh ein Herz wie ein Kind haben, streiten, verzeihen und weiterlieben.. und deshalb gelingt es wohl auch nicht🙂

    • dumdidum schreibt:

      Das “Geheimnis” guten Lügens ist es nicht die Unwahrheit zu sagen (das verlangt in der Tat einiges an Übung), sondern für sich die Realität so zu verdrehen, dass das Gesagte der eigenen Realität entspricht, aber praktisch jeder nicht äußerst quer denkende Mensch nicht auf diese Interpretationsvariante käme.

      Ein (reales – ich habe es wirklich so gelesen) Beispiel: Bill Clinton wurde von einem Journalisten gefragt, ob er Sex mit Monika Lewinski hatte. Dies verneinte er. Dies konnte er deswegen so glaubhaft tun, weil in “seiner Realität” ein Blowjob (den er mit ihr hatte) eben keinen Sex darstellt.

      Eine gute Möglichkeit zur Realitätsverdrehung ist das Übertrieben-wörtlich-nehmen der Frage (in gewisser Hinsicht hat dies Bill Clinton im obigen Beispiel auch gemacht), woran Aspies ja angeblich besonders gut sind.

      Ein Beispiel aus dem täglichen Leben (A-priori-Warnung: Mundhygiene ist wichtig; das Beispiel ist nur illustratorisch): “Hast du schon die Zähne geputzt?” – “Ja, habe ich” (das war zwar gestern, aber die Frage war nicht, ob ich die Zähne *heute* schon geputzt habe). Eine fortgeschrittenere Realitätsverzerrung ist folgende: Zähneputzen ist eine Tätigkeit, durch die die Zähne sauberer werden. Demnach ist auch das Trinken eines Glas Wasser oder das Kauen eines zuckerfreien Kaugummis Zähneputzen (wenn auch zweifellos weniger effektiv als das Benutzen einer Zahnbürste). Demnach kann man die Frage bejahen, wenn man eine dieser Tätigkeiten getan hat.

      Eine andere Variante (den Trick hat mir Bekannter als Lebenshilfe beigebracht, weil ich gelegentlich zu ehrlich bin) des Lügens ist es zwar die Wahrheit zu sagen, aber eben nur Teile der Wahrheit – man hält Informationen vor, die zur Einordnung essentiell sind (aber danach wurde nicht gefragt – warum also sagen?).

      Beispiel (absolut nicht zum Nachahmen empfohlen): man hat aus der Kasse Geld gestohlen. Kollege fragt: “Weißt du, wo das Geld aus der Kasse ist?”. Eigene Antwort: “Ich habe keine Ahnung.” (dass das Geld zwischendurch im eigenen Portmonee war, braucht man nicht zu erwähnen; man hat es schließlich längst ausgegeben, daher ist es absolut wahrheitsgemäß keine Ahnung zu haben, wo sich das Geld nun befindet).

      Mit zynischen Grüßen
      dumdidum

  7. Anita schreibt:

    Die „Maske“ oder der „Schutzanzug“ ist oftmals unabdingbar, um das „draußen“ leben zu können.

    Zum Lügen,

    danke Aleksander, dass Du es so differenziert beschrieben hast.

    Ich muss allerdings noch folgendes bemerken. wenn eine Lüge da ist (so gut sie auch in dem Moment begründet ist) so beschäftigt sie einen doch immerzu. Da man weiß, dass man gelogen hat.

    So fühle ich und so verstehe ich auch meinen Ältesten. Denn sonst würde er nach bekannt werden einer Lüge nicht immer und immer wieder darauf zurückkommen und versuchen es zu erklären.

    Außerdem kann ich bei meinen Kinder eine Lüge fühlen. Meine Kinder wirken dann nicht echt bzw. wahrhaftig.

    Es fehlt etwas, was die Lüge glaubwürdig macht.

  8. SabineP schreibt:

    Hallo Aleksander,
    ein schöner Beitrag, da hast Du wieder mal Worte gefunden, die passen haargenau, vielen Dank dafür. Besonders der Begriff „Geist“ hat mich inspiriert, noch einmal neu meine Gedanken für mich aufzuschreiben, diesmal aus einer ganz anderen Perspektive. Ich schreibe auch sehr viel.

    Zum Thema Lügen: ja, das kann ich auch, aber nicht, ohne dabei erwischt zu werden. Wenn mir das passiert ist, kann ich damit zu Jesus ins Gebet gehen. Trotzdem quält mich das danach lange Zeit, besonders wenn ich mir selbst nicht erklären kann, warum das passiert ist.

    Manchmal kommt es vor, dass ich mir die Wahrheit selbst nicht glauben kann. Das „wirkt“ auch wie Lüge, obwohl es Wahrheit ist.
    Viele Grüße
    Sabine

    • S. Ricklefs schreibt:

      Hallo Sabine🙂
      wenn Gott Dir im Gewissen zeigt, daß Du was falsch gemacht hast, dann tut er es, damit Du frei werden kannst, wenn Du es ihm im Gebet bringst, das weißt Du bestimmt.
      Dann aber ist es vergeben, ob Du es fühlst oder nicht, weil es Gottes Wort sagt und der lügt nicht🙂 (Schönes Wortspiel)
      Wenn es immer wieder hochkommt und Dich belastet, das kenne ich auch, habe aber folgendes gelernt: dann weise es ab!
      Traue nicht darauf, ob Du es fühlst oder nicht, wenn Gott es sagt, dann ist es so und es ist die andere Seite, die es Dir wieder vorhalten will. Du brauchst Dich im GLAUBEN nicht darauf einlassen und kannst Dich dagegenstellen.
      Die andere Seite will Dich damit lähmen.. dann hast Du keine Freude nämlich und ohne Freude hast Du keine Kraft!! Und ohne Kraft, was sind wir dann schon als Menschen und erstrecht als Christen, die anderen helfen sollen völlig unbrauchbar. Sieh das mal so und es wird Dir bestimmt helfen.
      Immer im GLAUBEN Gottes Wort anwenden, das bringen uns die Kirchen meist nicht bei und schon ist sein Wort, welches eine lebendige Kraft ist, wirkungslos im Menschen.
      Du weißt doch, daß uns jemand zerstören will… und Gott uns frei machen davon. Dazu brauchen wir den Glauben an seine Erlösungstat, ohne den NICHTS möglich ist, soviel wir dann auch beten würden. beten heißt bitten, aber dann müssen wir es auch empfangen und das tun wir dann im Glauben! Und dann geschieht es!
      LG Sabine

      • quergedachtes schreibt:

        Hallo,

        das weicht nun langsam aber schon vom Thema Autismus ab. Bitte nutzt doch den Kontakt den ich zwischen Euch geknüpft habe🙂

        Liebe Grüße

        Aleksander

        • SabineP schreibt:

          Hallo Aleksander,
          ich bitte um Entschuldigung, wenn ich etwas falsches geschrieben habe.
          Viele Grüße
          Sabine

        • quergedachtes schreibt:

          Hallo,

          nein das war auf die Antwort der anderen Sabine auf Deinen Kommentar bezogen. Die wich mir dann doch ein wenig zu sehr vom Thema Autismus in Richtung Glauben ab. Ich bin froh wenn meine Leser sich hier zu Wort melden🙂

          Grüße

          Aleksander

        • S. Ricklefs schreibt:

          Ja, tun wir auch schon🙂
          Ich sag ja, es ist eine Gradwanderung…
          Es ist wie bei Autismus und nicht Autismus, es ist soooo schwer festzustellen, was ok ist und was nicht, wie bei Autisten und Nicht-Autisten, weil es für den Christen soo normal ist. Ich versuche ja schon nicht so zu schreiben, daß… Schwer, schwer, echt!
          Aber es ist gut, daß Du es sagst, was Du nicht wünschst.
          Du brauchst auch wirklich nicht moderieren, was Dir nicht gefällt, dann fällt mir auch der Druck weg, nicht zu wissen, was darf ich schreiben und was nicht.
          Dann kann ich einfach schreiben und Du moderierst es einfach nicht, was Du für daneben hälst, einfach ohne Worte.
          Da bin ich Dir nicht böse.
          Hmm, vielleicht sollte ich einfach mal einen eigenen Blog starten, wo ich Autismus und Gott kombinieren kann… denke ich gerade und ich habe das Gefühl, daß es Dir auch gar nicht so unrecht wäre.. – was jetzt keine Kritik sein soll, sondern einfach nur, was mir gerade in die Gedanken kommt.
          Dann wäre allen geholfen.
          Lieben Gruß
          S. Ricklefs

        • quergedachtes schreibt:

          Hallo Sabine,

          es sollte einfach nicht zu sehr vom Thema Autismus abweichen🙂

          Grüße

          Aleksander

  9. S. Ricklefs schreibt:

    1990 war 1 von 10000, 2000 war 1 von 500 und 2007 1 von 150 Kindern autistisch.
    Ich habe es wiedergefunden, was ich einem obigen Kommentar erwähnte und kann genauere Zahlen also geben.
    Hier der Link, falls jemand Interesse hat an dem Video, da sind die Zahlen drin:

    „Autismus und die Verbundenheit mit Gott“ von William Stillman

  10. SabineP schreibt:

    Danke

  11. Sabi schreibt:

    Hallo Quergedachtes.
    Vielen Dank für deinen Beitrag.
    Ich gehoere allerdings auch in die Kategorie des nicht Lügen Könnens.
    Für mich gibt das keinen Sinn,vorher schweig ich.
    Ehrlichkeit ist für mich sehr wichtig,leider findet man die nur selten.
    Oder zumindest das ich unter Ehrlichkeit verstehe.

    VG Sabine

  12. Conny schreibt:

    Hallo Quergedachtes
    Ich bin auf deinen Beitrag gestoßen weil ich gerade einen riesen Streit wegen meinem autistischen Sohn hatte und ich einfach das Thema Autisten und Lügen eingegeben habe. Mir persönlich hat er schon etwas geholfen.
    Mein Sohn kann schon bewusst Lügen, aber er kann diese nicht aufrechterhalten. Wenn er ertappt wird grinst er immer oder versucht es abzuschwächen. Er kann es auch nicht vertragen wenn ich dann böse auf ihn bin, er entschuldigt sich dann immer sehr schnell.
    Wenn er aber glaubt im Recht zu sein und ich ihn evtl. falsch verstanden habe, dann wird er richtig böse. Spätestens dann weiß ich das er die Wahrheit sagt, auch wenn er es eben etwas anders sieht wie ich. Er kann auch super schmeicheln. Auch wenn es oft definitiv nicht stimmt, aber eben einfach nur lieb gemeint ist. Auch den Small Talk geht bis zu einem Gewissen Punkt relativ gut, besonders natürlich wenn es seinem Interesse entspricht, aber er kann es auch so schon ganz gut.
    Da er erst 13 ist geht es mit dem „verbiegen“ in der Öffentlichkeit noch nicht so gut, aber bis jetzt ist er selten schlecht angekommen.
    Ich muss allerdings dazu sagen das ich nur erwarte das er bestimmtes Sozialverhalten lernt, das ihm selber schadet. Ich bin nicht der Ansicht das er sich der Allgemeinheit komplett anpassen muss, denn auch Nichtautisten sind sehr unterschiedlich und bei etlichen muss ich selber sagen: Zum Glück ist mein Sohn wie er ist.

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