Über Liebe und Leid

Gestern war der internationale Tag der Menschen mit einer Behinderung. Wie alle anderen Tage die sich nicht mit Sonnenschein, Freude oder auch einfach nur Katzen befassen ging dieser erst einmal ziemlich unter. Solange bis ich einen Tweet von Raul Krauthausen in meiner Timeline vorfand der folgendes Bild zeigte:

Ich liebe meine Behinderung, wenn..... Eine Aktion von Leidmedien.de

Ich liebe meine Behinderung, wenn….. Eine Aktion von Leidmedien.de

Zeit für ein Bekenntnis. Und genau das brachte mich zum Nachdenken. Darf man seine Behinderung in bestimmten Situationen lieben? Warum eigentlich nicht? Ich musste auch nicht lange nachdenken um eine Situation zu finden für die ich meine Behinderung liebe:

Ich liebe meine Behinderung, wenn … ich schöne Dinge wahrnehme die andere nicht bemerken. #Autismus

Ich wollte damit ein kleines Zeichen setzen dass Behinderungen, in meinem Fall Autismus, eben nicht immer mit negativen Sichtweisen belegt sein müssen. In der Gesellschaft ist das „Leiden der Behinderten“ ja allgegenwärtig und Menschen mit einer Behinderung dürfen anscheinend keinen Spaß am Leben haben.

Die Reaktionen die ich auf meinen Tweet bekommen habe erschreckten mich und kamen von unerwarteter Seite: Von anderen Menschen mit einer Behinderung.

Hier einige der Reaktionen:

Aber ,Du kannst gern Deine Behinderung lieben .Es gibt sogar Wannebies.dh ,Behinderungsimmitatoren. für mich ein Graus!

Warum aber liebst Du Deine Behinderung?

Meine Antwort darauf:

weil #Autismus eben nicht nur Nachteile hat oder negativ ist!

Reaktion:

Es waren hier andere Behinderungen gemeint, Rollifahrer, Blinde usw

Eine weitere Reaktion:

Autismus .Es gibt sogar kontaktscheue Menschen, die suchen die Diagnose als Autist

Ich höre hier mal auf zu zitieren, ich denke an dem Punkt muss man sich wirklich fragen was hier schief läuft.

Fassen wir mal zusammen: Ich schreibe das es Situationen gibt in denen ich meine Behinderung mag. Das scheint in einigen Augen –trauriger weise Menschen mit einer Behinderung – schon ein Affront zu sein. Wenn man Behindert ist darf es keine Situationen im Leben geben in der man seine Behinderung auch mal mag. Oder anders gesagt: Wer etwas positives in seiner Behinderung sieht und nicht zu 100% leidet der ist entweder nicht behindert und imitiert das Ganze nur… Behinderter zweiter Klasse also.

Wenn es nur das wäre. Ich sprach ja bewusst meinen Autismus an. Und damit eine seelische Behinderung. Anscheinend sind wir dann innerhalb der Gruppe der Menschen mit einer Behinderung noch ein Sonderfall. Wir dürfen „glücklich“ sein, denn im Kern ging es ja wohl um Rollifahrer und Blinde. Provokant gefragt: Sind wir, weil nicht körperlich behindert, nun Menschen dritter Klasse? Seelisch Behinderte sind wohl die „Spinner“ die sich ihre Behinderung nur einbilden? Schließlich reicht es ja kontaktscheu zu sein um gerne eine Autismusdiagnose zu haben. Oder dürfen wir sogar  glücklich sein weil wir sowieso nicht mit unserem „Intellekt“ mit der „normalen“ Menschheit mitkommen?

Oder anders gefragt: Wenn es um „andere“ Behinderte geht: Dürfen diese Menschen sich nicht auch am Leben freuen?

Ich weiß dass diese Aussagen sehr provokant sind. Aber ich denke eben auch dass man manchmal provokant hinterfragen muss was einem so entgegenschlägt. Alleine schon um zu zeigen wie absurd so manche Argumentation ist.

Um meine Intention deutlich zu machen:

Ich habe eine anerkannte seelische Behinderung. Und eine körperliche dazu. Und trotzdem gibt es in meinem Leben Situationen in denen ich die Auswirkungen meiner Behinderung auch positiv sehe und eben nicht leide. Das heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass mein Leben immer „Sonnenschein“ ist. Ich sehe mein Leben eben realistisch: Es gibt Scheißtage, ohne Frage. Aber muss ich deswegen immer gleich öffentlich leiden? Nein! Ich trage lieber meine positiven Erlebnisse nach außen!

Was habe ich nun aus dem gestrigen Tag gelernt? Wie soll man Menschen mit einer Behinderung inkludieren, wenn sie untereinander schon in verschiedenen Gedanken“klassen“ leben und sich teilweise selbst gegeneinander exkludieren? Und warum darf man nicht auch Spaß am Leben haben als Mensch mit einer Behinderung?

Wie seht ihr das? Ich freue mich auf eure Kommentare und Sichtweisen!

Dieser Beitrag wurde unter Autismus Quergedacht, Inklusion, Reaktionen eines Autisten abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

15 Antworten zu Über Liebe und Leid

  1. Sara J. schreibt:

    Toller Beitrag von Dir!
    Ich denke, dass jede Behinderung ihre Nachteile mit sich bringt, jedoch auch eine Chance bietet auf eine andere Sicht auf die Welt in der wir alle gemeinsam existieren. Was nun jeder einzelne bereit ist daraus zu machen, bleibt ihm überlassen!
    Ich selbst, auch diagnostizierte Autistin lebe und liebe mein Leben, denn es ist mein ganz eigener, persönlicher Weg und ich lebe mit meiner Behinderung, nicht gegen sie. Genau diese Akzeptanz macht mir eine positive Sichtweise im Hinblick auf meine Andersartigkeit möglich!

  2. Thomas Kummer schreibt:

    Hallo

    Bleiben wir doch einigermassen provokant .. vielleicht sollten wir eine neue Behinderung schaffen: Leute_die_es_nicht_schaffen_wollen_auch_nur_einen_glücklichen_Tag_zu_verleben.

    Ich habe und lebe mit schweren Depressionen, von dem her bin ich über jeden Tag glücklich, an dem sie mich zufrieden und links liegen lassen. Da werde ich mir mein Leben nicht noch damit erschweren, Menschen in verschiedene Klassen zu unterteilen, den, wenn man damit anfängt, stellt man schnell fest, dass jeder Mensch eine Klasse für sich ist und das meine ich im besten aller Sinne …

    Menschen, die sich ihr Leben und ihre Lebenszeit damit verschwenden wollen, sollen es ruhig machen, aber, ich persönlich, lasse es nicht zu, dass sie mein Leben mit solchen Ansichten zum Schlechten hin manipulieren.

    Vielleicht wollen sie, dass sich die anderen schlecht fühlen, weil es ihnen auch nicht so besonders toll geht .. huch ..was für ein Gedanke …

    Aber lassen wir das … mein Leben ist schon für den Arsch genug … wie gesagt, da nehme ich gerne jeden Freudenstrahl mit mir …

    Auch Behinderte haben das Recht sich über alles und wirklich alles zu freuen .. Ende …. Punkt .. Aus.

  3. maedel schreibt:

    Ich liebe meine Behinderung,…

    … weil ich Dinge wahrnehme, die andere nicht sehen, nicht so schmecken, nicht so fühlen.

    … weil ich teilweise die Welt noch mit kindlichen Augen sehen kann. Erwachsen sein ist nicht immer als positiv zu sehen.

    … weil ich Eigenschaften habe, die nicht durchweg als schlecht anzusehen sind, sondern je nach Blinkwinkel auch als Stärken gewerten werden könnten. Zumindest für mich.

    Ich sehe es genauso wie du. Nicht alles ist schlecht, aber eben ist auch nicht alles Sonnenschein. Es ist oft auch eine Sache des Blickwinkels (http://innerwelt.wordpress.com/2013/10/06/defizit-eine-sache-des-blickwinkels/)😀

    Autismus ist der seelischen Behinderung zugeordnet, weil Autisten aus den verschiedensten Gründen an einer Teilhabe in den verschiedensten Lebensbereichen „gehindert“ sind.
    (https://innerwelt.wordpress.com/2013/04/21/bin-ich-behindert/)
    Ließt man jetzt das was da steht und nicht das was manche lesen wollen, dann sieht man, das es nicht alle Bereiche umfassen muss.

    P.S. um das geschriebene hier zu verstehen, müsst ihr die Links nicht lesen, aber der Vollständigkeit halber setzte ich sie mal hier rein.

  4. C. Frangel schreibt:

    Leidmedien als Initiator der Kampagne definiert(e) die Zielgruppe. Fragt dort doch mal, ich fände es interessant, wer angesprochen wird bzw. gemeint war und ob man die Anfeindungen voraussah.

    Im Sinne des Inklusionsgedankens wüsste ich nicht, warum irgendjemand nicht mitmachen dürfen soll. Gleichberechtigung und Inklusion gelten m.E. immer in beide Richtungen. Warum Behinderte sich gegenseitig ausschließen wollen, das ist mir ein Rätsel (obwohl menschlich) und reduziert „Inklusion“ auf wertloses politisches Gedöns ohne Sinn und Wirkung. Es zeigt: Auch Intelligenz und politisches Interesse sind unterschiedlich unter uns Menschen verteilt.

    Die Anfeindungen von Behinderten untereinander sind wirklich reine Exklusion, Aleksander, durch Diskriminierung von Nichtbehinderten oder vermeintlich „Weniger-Leidenden“. Sie schreien heraus: Ich leide fürchterlich, ich finde es ungerecht, ich kann es nicht akzeptieren. Ich bemitleide mich selbst, weil ich schlimm dran bin, schlimmer als andere. „Ich, ich, ich.“ Jetzt könnte man trefflich ins Philosophieren kommen.😉 Jedenfalls: Das ist kein Boden für Inklusion.

    Die Kampagne von Leidmedien ist provokant. Man hat sich entschieden, starke und umstrittene Begriffe einzusetzen: Liebe und Behinderung. Aber auch das kleine Wörtchen „wenn“, das bedeutet „unter bestimmten Umständen“. Jeder darf seine Freiheit nutzen und die Anregung zum UN-Welttag aufgreifen, mit einem Augenzwinkern mitmachen, um etwas Positives an den Besonderheiten des Lebens mit Handicap aufzuspüren. Jeder hat auch die Möglichkeit, sich dagegen zu entscheiden. Beide Entscheidungen sind gleichermaßen frei. Sogar aufregen darf man sich, Gleichgesinnte suchen und online „herumtrollen“, solange es nicht überhand nimmt, also kein Admin kommen muss, um wegen der Netiquette zu sperren. Die Freiheit hört auf, wo die des anderen anfängt.

    Es ist eigentlich wirklich gut und wichtig, über die Begriffe Liebe und Behinderung zu diskutieren, um die Gesellschaft weiterzubringen. Und zwar von Integration in Richtung Inklusion und zum nächsten Schritt hin zur Diversity. Es gilt dabei die verschiedenen Stärken der Individuen auf diesem Planeten, zu erkennen und auszuschöpfen. Wir sollten sie ganz selbstverständlich genießen und natürlich auch nutzen. Gläubige Christen würden sogar sagen, die angeborenen Eigenschaften der Menschen sind gottgegeben. Leider stehen wir noch ganz am Anfang der Treppe.

    Man soll Ideale haben, und dieses Ideal ist so alt wie die Menschheit: Dass alle Menschen sich gegenseitig lieben. Was also ist schlecht an der Kampagne von Leidmedien? Vielleicht ist es gerade die richtige Debatte zum richtigen Zeitpunkt. Und verbitterte A…löcher gibt es überall. Mach Dir nichts draus und kämpf nicht gegen die Anfeindungen sondern streite für Deine Ziele.

  5. unicorn1963 schreibt:

    Ich könnte mir denken, dass manche Menschen vieleicht durch das was sie im Leben erleben so geprägt worden sind, das sie leider nur noch zum größten Teil das Negative sehen! Sicherlich gibt es vieles im Leben ob nun mit oder ohne Behinderung, was ein Behindert, wenn alle Menschen aber mal genauer hinschauen würden, dann würden sie auch die Dinge sehen, wie z.B. das was manche trotz ihrer Behinderung erreichen. Sie erreichen es durch viel Anstrengung, das wiederrum zeugt von viel Kraft die in ihnen steckt, sicherlich ist das anstrengend, aber als etwas Negatives würde ich das nun nicht einstufen, was diese Menschen erreichen, eher ist es doch etwas was Bewunderung verdient ! Man sollte viel mehr auf die besonderen Eigenschaften bei den Menschen schauen, bei Autisten fällt mir da gleich die Klare oft sehr direkte Art etwas zu sagen ein, sie reden nicht erst über mehrere Umwege. Und jeder Einzelne hat gute und schlechte Tage, deshalb sollte man jeden der guten Tage in vollen zügen genießen!

  6. Mueller7de schreibt:

    Der war als selbsterannter Philosoph unterwegs, wenn ich mich nicht irre.
    Ich verwahre mich dagegen, dass kein Blinder seine Behinderung zumindest zeitweise lieben darf. Der Zitierte hat keine interessanten Argumente. Er hatte wohl eher einen schlechten Abend.

  7. spiffpp schreibt:

    Hm… ich muß sagen, daß ich mit dem Bild von Raul gar nichts anfangen konnte. Das liegt daran, was der Begriff Behinderung für mich bedeutet. Unter Behinderung verstehe ich nicht meinen Autismus sondern die Ausgrenzung anderer Menschen, die ich täglich erfahre. Denn mein Autismus behindert mich nicht, es sind andere Menschen, die mich behindern. Um es mal plakativer aufzuzeigen: in einer Welt voller Rollstuhlfahrer hätten die Gehenden ein Problem.
    Kann ich also meine Behinderung lieben? Kann ich es lieben, wenn ich mal wieder einen Gegenüber habe, der so unflexibel in seinem Denken ist, daß ich darunter zu leiden habe? Kann ich es lieben, wenn meine Unfähigkeit, mich gegenüber gewissen sozialen Regeln konform zu verhalten, dazu führt, daß ein Mensch mich als aufmüpfig interpretiert und angreift? Nein, nein und nein. Es gibt nichts an der Ausgrenzung die ich durch andere erfahre, daß ich liebe.

    Die Reaktionen, die Du bekommen hast, sind auf jeden Fall sehr spannend. Ich fühle mich dadurch in meiner Sicht bestärkt, daß Behinderung eine soziale Konstruktion ist. Denn die anderen Behinderten auf Twitter, die Dir negative Tweets geschickt haben, beteiligen sich an der Ausgrenzung von Behinderten und werden somit Teil Deiner Behinderung im sozialen Sinne. Es ist Schade zu sehen, daß einige Kleingeister sich wohl genötigt sehen, noch eine Hierarchie des Leides zu entwerfen. Die Mißstände in der Bewilligungspraxis der (Sozial-)Ämter z.B. könnte man natürliche am besten als geeinte Gruppe von Behinderten angehen. Aber bis zu einer solchen Einigung ist es wohl noch ein weiter Weg.

    Ich bevorzuge von der Bedeutung her übrigens den Begriff „gesellschaftlich marginalisierte Gruppen“ dem der Behinderung. „Gesellschaftlich marginalisierte Gruppen“ läßt Platz für alle Gruppen von Menschen, die aufgrund ihrer Seltenheit oder Abweichung vom gesellschaftlichen Mainstream ausgegrenzt werden, z.B. auch Transmenschen, Menschen mit Migrationshintergrund, etc… Außerdem läßt der Begriff nicht so viel Platz für Penisvergleiche. Eine Marginalisierung ist sehr individuell und bietet nicht so viel Raum für „Ich werde aber mehr marginalisiert als wie Du“.

    >> Wie soll man Menschen mit einer Behinderung inkludieren, wenn sie untereinander schon in verschiedenen Gedanken“klassen“ leben und sich teilweise selbst gegeneinander exkludieren?
    Ich denke, daß da persönliche Verletzungen oft eine Rolle spielen und ich glaube nicht, daß es da eine generalisierte Herangehensweise geben kann. Es gibt einfach Menschen mit Behinderung, die ihren Frieden damit gemacht haben. Die kann man in eine Behindertenrechtsbewegung einbinden und es gibt Menschen mit Behinderung, die auf Grund ihrer Erfahrungen aus dem Gleichgewicht geraten sind. Solche Menschen sind einfach grundsätzlich nicht so gut für Politik und Repräsentation geeignet. Ihre persönliche Verletztheit taucht dann schnell in einer Diskussion auf und richtet da eher Schaden an als zu Lösungen zu führen.

    • Andrea schreibt:

      Also ich empfinde meinen Autismus als Behinderung, die nicht von Außen kommt. Es kann schließlich niemand etwas dafür, dass ich Gestik und Mimik nicht gut verstehe, dass ich mir keine Gesichter merken kann und dass mich zu viele Reize stressen. Es schmerzt mich, dass ich meinen Freunden nicht zeigen kann, wie sehr ich sie mag und dass ich aufgrund meiner mangelnden Filter im Gehirn schneller an meine Grenze kommen. Insofern ist Autismus eine Behinderung und nicht nur eine Hinderung von Außen.

      • Anita schreibt:

        Aber wenn Du mit Deiner Behinderung „Frieden“ schließen kannst,
        die guten Momente wieder wahrnehmen kannst,
        aus dem Wissen um die Behinderung mit Dir selber achtsamer umgehst,
        Deine Umwelt um die Behinderung weißt (also Deine nahen Freunde),

        dann

        kann doch die Möglichkeit bestehen, dass es Dir leichter fällt mit Deiner Behinderung zu leben.

        Es ist ein jahrelanger Prozess, der nur über viele Gespräche und viel Akzeptanz durch das Außen erreicht werden kann.

        Vielleicht ist mit „Lieben“ auch gemeint, dass man sich selber mit allem, was man hat, lieben / akzeptieren lernt.

      • spiffpp schreibt:

        Hallo Andrea, die Dinge, die Du aufzählst sind Dinge, die erst zu Tage treten, wenn Du mit anderen Menschen interagierst. Das sind keine Makel, die in der Selbst zu finden, das sind Probleme, die erst entstehen, wenn andere Menschen ins Spiel kommen. Wie ist es denn, wenn Du in einem Raum voller Autisten sitzt, hast Du diese Probleme dann auch?
        Meine Freunde wissen meine Art von Zuneigung sehr zu schätzen. Die bekommt man von mir zwar nicht so oft, aber wenn dann dafür umso mehr. Mangelnde Filter kenne ich in gewissen Situationen auch als Herausforderung, in anderen aber wiederum sind sie ein Geschenk.

        „Insofern ist Autismus eine Behinderung und nicht nur eine Hinderung von Außen.“
        Ich habe mir große Mühe gegeben, meine Äußerungen klar als meine Meinung zu kennzeichnen und nicht als allgemein gültige Wahrheiten darzustellen und ich würde mich freuen, wenn Du mir den gleichen Respekt entgegenbringen würdest.

  8. discovering nature schreibt:

    Meiner Meinung nach sollte man unterscheiden zwischen „Behinderung lieben“ und „das Leben lieben/genießen“ (mit Behinderung).
    Ich glaube, das macht einen Unterschied.
    Ich bin weder blind, noch autistisch, noch sitze ich im Rollstuhl. Also vielleicht kann ich mir kein richtiges Urteil erlauben. Aber ich könnte mir vorstellen, dass man manchen „Behinderungen“ mehr Positives abgewinnen kann als anderen. Aber dass es allen Menschen in etwa gleich schwer oder leicht fällt ihr Leben genießen zu können.
    Was meint ihr?

  9. Anita schreibt:

    als Antwort auf die plakative Aussage

    „Ich liebe meine Behinderung ……………. wenn

    fällt mir nur

    …………….. die Umwelt mich akzeptieren lernt

    ein.

    Akzeptieren im Sinne von ……….
    ich lasse zu, dass ein Mensch anders denkt als ich, sich anders bewegt als ich, andere Voraussetzungen für sein Leben benötigt als ich.

    Das ich in guten Momenten in der Lage bin, Grenzen der Behinderung „gefühlt“ zu überwinden.

    Und ich bin mir sicher, dass es möglich ist, in fast allen Behinderungsbildern, seine Grenzen niedriger zu stecken, wenn man solche Akzeptanz erfahren darf.

    Ein Rollstuhlfahrer wird deswegen zwar keine Treppen laufen, ein Blinder nicht sehen, ein Gehörloser nicht hören, ein Autist nicht alle Reizüberflutungen ertragen können ……….

    aber es wird ihm leichter fallen, gewisse Dinge „ertragen“ zu können, weil die eigentliche Behinderung nicht mehr so stark ins Gewicht fällt!

    Der Weg dorthin ist noch sehr weit. Aber ich denke nach wie vor, dass es ein lohnender Weg ist.

  10. Katharina Opolka schreibt:

    Nun, ich denke, ein „Problem“ bei Autismus ist, dass er so vielfältig ist und es eben nicht nur die negativen Eigenschaften gibt. Manche Autisten lehnen den Begriff „Behinderung“ ja sogar ab.
    Bevor ich meine Diagnose bekam, dachte ich auch immer, eine Behinderung ist etwas sehr negatives und ich weigere mich auch zu glauben, selbst „behindert“ zu sein. Eben weil ich auch die Vorteile des Autismus sehe. Im Grunde ist Autismus für mich nur dann eine Behinderung, wenn die Gesellschaft und andere Menschen mir Steine in den Weg legen. Dann werde ich behindert und ja, ich habe große Probleme in der Kommunikation, was ich auch als störend empfinde. Aber es gibt eben auch viele Vorteile, z.B. mein gutes Sehvermögen und meine Talente. Vielleicht ist es bei anderen Behinderungen ja wirklich so, dass es nichts positives an der Behinderung ansich gibt. Was soll auch positiv daran sein, in einen Rollstuhl gefesselt zu sein? Vielleicht sind solche Leute deshalb dann wütend, wenn sie hören, dass jemand an seiner Behinderung etwas positives sieht…
    Da stellt sich aber dann auch die Frage, ob Autismus eine Behinderung ist oder doch etwas anderes. Eins haben aber wohl alle gemeinsam, niemand wünscht sich, aus irgendeinem Grund benachteiligt oder gar ausgelacht zu werden. Ob nun im Rollstuhl oder sonstwas. Der Rollstuhlfahrer hat aber immerhin den „Vorteil“, dass so gut wie jeder Depp sofort kapiert, dass der wahrscheinlich nicht laufen kann. Man sieht es ihm an. Wir Autisten führen da net einen wesentlich längeren Kampf und bleiben meist doch ungehört, werden im schlimmsten Fall noch beschimpft, wir würden uns an der Diagnose aufgeilen und uns eh nur alles einbilden. Es soll sogar Leute geben, die regelrecht hoffen, eine positive Diagnose zu bekommen, weil sie sich dann für super begabt und was besonderes halten. Solche Leute kann ich auch nicht verstehen und auf die wäre ich auch sauer
    Aber ich würde niemals auf die Idee kommen, einem Rollstuhlfahrer vorzuwerfen, er würde ja nur so tun, als könne er nicht laufen und dass er sich nur nicht genug anstrenge. Und WIR müssen uns sowas gefallen lassen? VonLeuten., die in Selbstmitleid versinken und meinen, sie wären berechtigt zu urteilen, ob jede „Behinderung“ nur als negativ zu erachten ist? So ein kindisches Verhalten kann man wirklich nur bemitleiden. Wohl jeder Autist weiß, welche gravierenden Probleme unser „Anderssein“ mit sich bringt. Wir können uns jetzt alle im Keller verstecken oder wir können einfach unser Leben leben, so gut es eben geht und darauf hoffen, dass diese Gesellschaft irgendwann einmal damit klar kommt, dass es nunmal Individuen gibt, mit anderen Bedürfnissen als andere. So lange wir aber in einer Welt leben, in der behinderte Menschen andere behinderte Menschen runtermachen, sehe ich schwarz für eine bessere Zukunft.

  11. Traumspruch schreibt:

    Da habe ich mir auch mal meine Gedanken dazu gemacht. Menschen gehen mit unterschiedlichen Dingen halt unterschiedlich um – und Behinderte sind halt auch nur Menschen. Apropos Liebe… Lest doch bitte einfach selbst auf meinem Blog. Dem A. ein Dankeschön für immer wieder neue Denkanstöße hier in seinem Blog.

  12. Dorena schreibt:

    Gehörlose sagen von sich, dass sie nicht behindert,sondern eine kulturell – sprachliche Minderheit sind.
    Ich selber habe es leider auch vor Jahren mal erleben müssen, dass die einen, Rollifahrer, die anderen ausgrenzten (mich, da schwerhörig) . Schade und weh getan hat es auch.
    Ich selber kann nicht unbedingt behaupten, ich liebe meine Behinderung.
    Ich habe aber gelernt, damit zu leben. Und ich schätze daran, dass sie mir erlaubt,unwichtige
    Geräusche, Worte, oder Ereignisse auszublenden. Ich schätze es auch, dass ich ohne Hörgerät in grosser Stille bin,das tut mir oft gut. Ich möchte darin aber (noch)nicht ständig leben.
    Von daher bin ich froh, dass ich mit der Technik/Hörgerät noch immer ganz viel hören kann und
    ich höre dann vielleicht auch aufmerksamer, gezielter zu.
    Ansonsten sind Menschen mit Behinderung zunächst einmal als Menschen weder besser noch schlechter als andere………..bezogen auf Charakter und so……..nur eben anders.
    Auch da gibt es viele, die Hervorragendes zu leisten vermögen, weil sie es wollen und weil sie es können und andere, die die sprichwörtlichen schwarzen Schafe der Familie abgeben.
    Als Beispiel für die dennoch so gängige Sichtweise darüber, dass Behinderte ja leiden müssen…..erzähle ich kurz ein Erlebnis vor 30 Jahren, das mir manches vor Augen führte über das zweierlei Mass, mit dem oft gemessen wird.
    Bei Gesunden, wenn man da einen trifft, der einen auf blau macht,also sturzbetrunken ist,
    geht man schweigend oder lästernd drüber weg. Trifft man Menschen mit Behinderung in der Öffentlichkeit sturzbetrunken an, gibt es zweierlei Reaktionsmöglichkeiten :
    entweder man sagt, ach lasst ihn mal, der Arme hat ja sonst nicht viel vom Leben
    oder man sagt,oh schiete, die Blinden/Gehörlosen/Behinderten……können ja nix anders, nur saufen und leben dann auch noch von unsern Steuergeldern…….man sollte sie………..
    (wie 1933)…….

    Und das, obwohl es hier genauso viele oder wenige schwarze Schafe gibt wie sonst auch.
    Aber bei Behinderten wird häufig schnell ein pauschalisiertes Urteil gefällt……..übrigens passiert es vermutlich Migranten auch……..
    Dieses wissend, habe ich mich stets bemüht, mir solches öffentliches Danebenbenehmen zu
    verkneifen, damit ich nicht Wasser auf die Mühlen derer giesse, die es ja schon immer gewusst haben wollten, dass Behinderte sich nicht benehmen können und daher gefälligst zuhause zu bleiben haben…………ist jetzt überspitzt ausgedrückt.
    Das fiel mir ein zu diesem Bild…..“ich liebe meine Behinderung,wenn….“
    Grüssele und schönen Advent Euch allen ! Dorena

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