Der Blutrausch der Sensenmänner und –frauen

In den vergangenen Wochen ist so einiges zerbrochen. Darunter auch mein Glaube daran, dass Autisten an einem Strang ziehen wenn es um Autismus geht. Wir ziehen tatsächlich an einem Strang (namens Autismus), aber in vollkommen unterschiedliche Richtungen. Schlimmer noch: Es gibt immer mehr „Aktivisten“ die Verbindungen kappen weil sie pauschal auf Menschen, Vereinen und Organisationen rumhacken die mit Autismus zu tun haben. Mir kommt es tatsächlich vor wie ein Blutrausch in dem auf alle und jeden eingedroschen wird der auch nur ansatzweise etwas Falsches über Autismus sagt. Anstelle das man auf die Personen zugeht, sie darauf hinweist und Alternativen  bzw. Lösungen aufzeigt wird erst mal verbal draufgehauen. Und dann wundern sich die Autisten dass genau diese Menschen keine Lust haben mit ihnen zu reden? Wenn man etwas, und nicht nur seine Faust, bewegen möchte tut man tunlichst gut daran dem Gesprächspartner nicht vor dem eigentlichen Gespräch ordentlich ins Gesicht zu schlagen.

Um ein aktuelles Beispiel zu bringen: Neuerdings gibt es einen „Satireaccount“, betrieben von Autisten, auf Twitter zum Thema Autismus.

Generell nichts Schlimmes, man sollte auch denken das der eine oder andere Autist darüber schmunzeln kann wenn Organisationen mal der Spiegel vorgehalten wird. Man darf dabei aber nicht zu weit gehen und jegliches Maß verlieren. Um nicht zu sagen: Blind alle niederzumähen die auch nur im Entferntesten bei Autisten unbeliebt sein könnten.

Beispiel:

„Liebe Mütter, wir wünschen Euch viel Freude am heutigen Ehrentag und genug Energie, um Euren #Autisten zu ertragen.“

Ich finde es unerträglich, dass hier pauschal allen Müttern von autistischen Kindern ins Gesicht geschlagen wird. Zum einen muss man auch als Autist anerkennen, dass es eben nicht immer leicht ist einen autistischen Menschen in der Familie zu haben. Und auch hier müssen Eltern das Recht haben dürfen sich mal über Probleme zu beklagen. Und das heißt, das ist die andere Seite, nicht das wenn sich eine Mutter mal beklagt dass sie das autistische Kind generell als Last empfindet die man ertragen muss. Oder anders gesagt: Autisten dürfen sich ja auch beschweren das sie in manchen Situationen Nichtautisten nur schwer ertragen können. Warum dürfen Nichtautisten das dann nicht? Und vor allem: Mal dran gedacht wie es ankommt wenn man einer Mutter die ihr autistisches Kind liebt Energie gewünscht wird ihr Kind zu ERTRAGEN? Hallo?

Und noch ein Beispiel:

Der Account retweetet folgendes:

„XYZ danke für die folgt. Entschuldigung, dass ich nicht lesen Deutsch, aber ich bin sicher, dass Sie gute Sachen tweet!

Darauf wird dann seitens des Satireaccounts folgendes geantwortet:

„uns als Interessenvertretung der Autistisch Behinderten kann man problemlos vertrauen! Danke :)“

Habt ihr mal dran gedacht, dass der Adressat das nicht versteht weil er kein Deutsch kann? Und somit nicht versteht das ihr nicht die Organisation seid für die ihr Euch ausgebt und das es sich um einen Satireaccount handeln soll? Kurzum: Hier hört Satire auf und fängt bewusste Verarschung an. Muss das sein?

Das letzte Beispiel zeigt das auch Nachtreten wohl noch Salonfähig ist und unter den Deckmantel der Satire fallen soll:

„.@AutismusForumCH Warum entfolgt Ihr Uns? Länderübergreifende Kooperation ist essentiell zum Kampf gegen die #Autismus Seuche!“

Damit unterstellt ihr einem Schweizer Verein das er Autismus als Seuche ansieht die es zu bekämpfen gilt. Ein Verein der versucht ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Autisten vieles alltägliches eben nicht so leicht fällt wie einem Nichtautisten. Und das man es anerkennen sollte wenn ein Autist Hürden überwindet. Aber nein, Ihr tretet diesen Menschen lieber ins Gesicht und unterstellt ihnen das sie Autismus als Seuche sehen. Menschen die autistische Kinder haben. Geht’s noch?

Für so viel blinde Wut und falschen Aktionismus habe ich kein Verständnis. Und ich nehme mir das Recht heraus das auch offen zu sagen. Was passiert wenn man als Autist so etwas nicht gut heißt ist kurz beschrieben:

Man wird zum „Opfer“. Denn: Wer nicht dafür ist => ist automatisch dagegen. Das äußert sich dann schleichend aber stetig darin, dass mein Engagement hinten rum schlecht geredet wird. Das mir Profilierungssucht unterstellt wird, oder einfach nur das anderen abgeraten wird meinen Blog zu lesen. Mit letzterem kann ich leben, alles andere ist hinterhältig. Vor allem wenn es von Menschen kommt die nicht den Mut haben mit ihrem echten Namen zu dem zu stehen was sie schreiben und sagen.  Aber selbst im Schutze der Anonymität trauen sie es sich nicht das offen zu sagen, warum sonst läuft das alles schön im Verborgenen, auf privaten Kanälen, per DN und in nicht öffentlichen Kommunikationsplattformen? Aber damit muss ich wohl leben, wenn ich versuche etwas Positives zu bewegen und eben nicht in den Grundtenor des Hasses und der Wut einstimme. Ich setze auf einen offenen Dialog und nicht auf Angriff. Ich setze auch auf Information und Alternativen, darauf das man mit Aufklärung und Gesprächen etwas verändern kann. Wenn ich deshalb zum „Feind“ von autistischen Aktivisten werde muss ich wohl damit leben. Schade dass Ihr nicht merkt dass Ihr genau die Klischees und Bilder von Autisten bedient und verstärkt gegen die Ihr eigentlich kämpft.

Den Teilnehmern der Anti MMS Demo in Hannover wurden unter anderem unterstellt von der Pharmaindustrie oder Psiram bezahlt worden zu sein. In diesem Fall wurde das zu Recht noch unter „Das zeigt klar wie verblendet und fanatisch diese Menschen sind“ verbucht.

Auf meine Kritik dem Twitteraccount gegenüber kam folgende Reaktion einer Autistin:

„Hast du kürzlich einen zu tiefen Schluck aus dem Kessel mit dem Lobbytrank genommen?“

Merkt Ihr was?

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15 Antworten zu Der Blutrausch der Sensenmänner und –frauen

  1. Maria Sah schreibt:

    Es ist nur allzu menschlich
    – nur die eigene Situation zu sehen
    – von den wenigen einem selbst bekannten Fällen auf alle zu schliessen
    – auf eigene oder fremde Vereinfachungen hereinzufallen
    – Vereinfachungen nicht als solche erkennen zu können

    Da diese Missetaten nicht nur von einer Seite begangen werden ist es kein Wunder wenn sich daraus vielfältige Konflikte ergeben, auch und gerade rund um vielseitige Phänomene wie dem Autismus.
    Manche der „Täter“ sind dennoch offen für Argumente, andere jedoch verschliessen sich komplett und beharren auf ihrem Standpunkt.

    Mit dem Unwort „Autismus-Seuche“ ist das meines Erachtens nicht anders. Wer auch immer diesen Begriff erfunden hat, vereinfacht so einiges rund um den Autismus allzu sehr. Die Nachahmer ihrerseits entlarven dies nicht und verwenden es entsprechend weiter. Die sachliche Diskussion wird auf diese Weise erschwert wenn nicht gar verunmöglicht.

  2. Anita schreibt:

    Ich bin schockiert.

    Schockiert, wie einige sich herausnehmen, „für Alle“ zu sprechen.

    Dies habe ich eigentlich so nur bei eine, Verein erlebt und meide diesen.

    Kritik, in klarer gemäßigter Form ist in Ordnung. Fördert sie ja Diskussion und hoffentlich ein Annähern von Punkten.

    Aber die Zitate, die Du erwähntest, verstehe ich nicht satirisch. Vielleicht bin ich ja zu dumm dazu. Das bin ich dann allerdings gerne!

    Ich ertrage weder meine Kinder noch die Gesellschaft, sondern lebe darin und versuche mich zu arrangieren.

    Ich versuche Aufklärung zu betreiben, wie es mit meinen beschränkten Möglichkeiten eben geht.

    Da ich nicht weiter vernetzt bin, kenne ich diese Twitter-Satire nicht. Und ich möchte es ehrlicherweise auch nicht.

    Die Blogs, der Autisten, denen ich folge, zeichnen sich gerade dadurch aus, dass sie gemäßigt sind. Und zwar in alle Richtungen!

    Und mit „Augen“Maß sollte hier auch gedacht, geschrieben und gesprochen werden. Selbst bei der MMS-Debatte (und ich bin ein Gegner vom MMS) kann man nur darüber etwas erreichen, wenn man die Form wahrt!

    Es tut mir leid, dass Du Aleksander hier angegriffen wirst. Ich verstehe es nicht. Wie gesagt, ich bin auf dieser Ebene wohl wirklich einfach dumm.

    Ich möchte Dir gerne Mut zusprechen, Deine Arbeit fortzusetzen! Denn ich empfinde Deine Arbeit als wertvoll. Deine Argumentation als klar und gemäßigt. Und es ist Aufklärungsarbeit ohne Dogma.

    Einem Dogma fällt mir übrigens schwer, zu folgen; denn ein Dogma setzt voraus, dass jemand die einzig wahre Wahrheit gefunden hat (und sei es eine Organisation). Aber eine einzig wahre Wahrheit gibt es nicht.

    Lebenshintergründe, Erfahrungshorizonte, Sensibilitäten und Lernfähigkeiten sind bei jedem einzelnen Individuum unterschiedlich. Und somit dann auch das, was dieses Individuum für sich entscheidet.😉💡

    Liebe Grüße
    Anita

  3. Jojo schreibt:

    ich habe ab dem Absatz Mit den Schweizer Organisationen aufgehört zu lesen, da für mich nicht verständlich ist wer hier ein Unternehmen betreibt beziehungsweise eine Organisation und wer hier beleidigt.
    eventuell wäre es schön dieses noch einmal dargelegt zu bekommen – ganz abgesehen davon empfinde ich persönlich die ersten beiden Beispiele mitnichten als schlimm; ich habe da mittlerweile einen gewissen Galgenhumor entwickelt bin ich auch tatsächlich aktiv leben kann (den das ist ja meistens die Krux bei so etwas: nicht darüber zu verbittern). einzig und allein das Wort SEUCHE deutet tatsächlich auf einen sehr aggressiven und mitnichten rein satirisch angedachten Charakter hin – das allerdings dann sehr deutlich.

    bevor ich weitere Stellungnahmen treffe wäre ich sehr froh darum aufgeklärt zu werden bzgl meiner Unklarheit;dann kann ich mir die Energie des ewigen Herumdenkens etwas sparen. vielen Dank🙂

    • quergedachtes schreibt:

      Also der Satireaccount wird von Autisten betrieben und tut dies unter dem Namen von „Autismus Deutschland“.
      Der Schweizer Verein ist „Autismus Forum Schweiz“ der sich in der Schweiz für die Information und Aufklärung rund um Autismus einsetzt.

      • Jojo schreibt:

        Vielen Dank soweit! – Und die Schweizer haben den Sartireaccount entfolgt, verstehe, verstehe.

        Allerdings verstehe ich nicht so recht, inwiefern die Aussage „AutismusSeuche“ des Accounts den Schweizern unterstellt Autismus ebenfalls als Seuche anzusehen (dann wäre ich ja per se auch dumm, lahm, zu nix zu gebrauchen, hässlich und so viel wert wie ein vertrockenetes Brot, oder würde mich zumindest dafür halten).

        Pardon, ich möchte deinen Text nicht auseinandernehmen oder diskutieren (ich erlebe dies recht häufig im Zusammensein mit meinen autistischen Freunden, da wird korrigiert bis der Arzt kommt (RW)), ich möchte nur verstehen wie die Konstellation hier ist.

        Das Wort „Seuche“ stößt mir zwar, wie ich schrieb, unschön auf, aber auch ich bin manchmal so stark ironisch, dass ich mich als Kretin bezeichne – allerdings nur um ironisch anzumerken, dass eigtl die Gesellschaft der Kretin ist (auch wenn ich es scheue das Wort „Gesellschaft“ in diesem Zusammenhang zu nutzen, da pauschalisierend).

        Ich komme allerdings selbst zu den Schluss, dass dieser Account, bzw desser Humor oder Aussage(n) ‚für den Arsch‘ sind, da sie, wie andere fanatische Bewegungen in Köpfen von Menschen, ab einem gewissen Punkt hart wie Stein werden (meint unflexibel und nicht fähig sich selbst zu reflektieren oder gar über sich zu scherzen). Das erkennt man an der Lobby-Aussage, bzw. ja Lobby-Beleidigung.

        Fazit: Unter dem Deckmantel der Satire Hass schüren. Analog dazu kommen mir spontan braune Züge in den Sinn, aber ich will damit nun hier keinen Zusammenhang stellen, aber meine Assoziation trotzdem mal aussprechen.

        Ich versuche mich nicht allzusehr davon berühren zu lassen, denn mich persönlich schockiert in jedem Lebensbereich das „nicht einordnen und einschätzen Können“ am allermeisten – sei es der Lärm im Haus oder der Hass anderer Menschen. Daher verzweifle ich gerade ein wenig (?!) an der Menschheit. Es ist schwer… Mein Galgenhumor kippt nämlich leider bisweilen eher dahin ein Galgen zu werden.

        Danke für den Artikel!

  4. spiffpp schreibt:

    Schade, daß Du diese Erfahrungen gerade machen mußt. Eins will ich dazu nur sagen: denke nicht, daß diese Lästermäuler Aktivisten sind. Lästermäuler sind in der Regel die, die den Arsch nicht hochbekommen. Deshalb haben sie ja soviel Zeit die Aktiven zu beschimpfen.

  5. Anita schreibt:

    Also, ich habe dann doch mal geschaut und Kommentare dort gelesen. Ist ja offen möglich.

    Mir fällt es schwer die Satire vom Zynismus zu trennen, der dort herrscht.

    Außerdem haben sich wohl dort Gruppen/Menschen angeschlossen, die eigentlich nichts anderes wollen, als helfen. (Und auch nicht verstanden haben, dass dies dort Satire bzw. Zynismus ist.)

    Das das nicht immer funktioniert, dass weiß ich nur zu gut. Das Aufklärung und eben NICHT Zynismus wichtig ist, dass weiß ich ebenso. Diese Institutionen und Gruppen und Menschen, sind nicht alle schlecht und sind noch in der Lernphase. Etwas, was uns unser ganzes Leben beschäftigt, können diese gar nicht in Gänze erfassen. Man muss beachten, dass diese alle in gängigen Rastern denken. Dies ist schade, aber änderbar. Nur nicht so!

    Ich kann weder die NT-Welt auf Autistischgerecht trimmen, noch die/den Autisten gesellschaftsfähig machen, bis er zerbricht.

    Drauf schauen, wo die Helfer versagen, JA.
    Dies sachlich erklären, da Autisten ja über Verstand verfügen, JA.

    Aber grundsätzlich alles niedermachen, NEIN.

    Des Sarkasmus bediene ich mich auch, aber ich kennzeichne ihn. Denn was ich persönlich als Sarkasmus bezeichne, kann für einen anderen eine Beleidigung sein. Und für mich gängige Redewendungen, sind für einen anderen „böhmische Dörfer“ (RW).

    Dass wir hier von Menschen sprechen, die dort schreiben, die gerade in der MMS Debatte soviel Häme ertragen mussten, ist mir bewusst. Und ist als Hintergrundwissen wichtig.

    • Kiezkicker schreibt:

      „Außerdem haben sich wohl dort Gruppen/Menschen angeschlossen, die eigentlich nichts anderes wollen, als helfen. (Und auch nicht verstanden haben, dass dies dort Satire bzw. Zynismus ist.)“

      Bitte mach nicht pauschal diese Schlussfolgerung. Einige folgen diesem Account sicherlich nicht, weil sie ihm zustimmen, oder weil sie dessen Hintergrund nicht verstehen oder einordnen können, sondern aus anderen Gründen.
      Mir wurde dieser Account per Retweet in meine Timeline gespühlt, nachdem dieser zwei Tweets abgesetzt hatte, noch keinen Follower hatte und auch nur zwei Personen folgte. Ich war somit dessen erster Follower, weil die ersten zwei Tweets, die es zu dem Zeitpunkt gab (das sage ich bewusst so, weil ich nicht nachgesehen habe, ob die ersten beiden jetzt noch die gleichen sind) – naja – wirklich durchaus satirische Züge besassen und es vielversprechend aussah. Es hätte ein durchaus netter Account werden können, der mit autistischen Klischees spielt und Vorurteile überspitzt darstellt.

      Die Weiterverfolgung dieses von mir vermuteten Zieles wurde leider in weiteren Tweets dann nicht nur nicht mehr verfolgt, sondern geradezu kontakariert.
      Nichtsdestotrotz folge ich diesem Account weiterhin, nun aber unter einer anderen Primesse.
      Aber wie schon oben geschrieben: Bitte versteh das nicht als supporten, zustimmen oder es nicht verstehen.

      • Anita schreibt:

        Die Verallgemeinerung liegt mir eigentlich fern, 😉
        Alles gut.

        Mir sind nur einige aufgefallen, die es nicht erkannt zu haben scheinen. Und das finde ich schade. Deshalb habe ich es angemerkt. Auch unterstelle ich ja denen, de dort schreiben nicht reine Böswilligkeit.😉 Auch das liegt mir fern. Dazu leisten viele von denen sehr gute und wichtige Arbeit.

  6. Sapiensstellar schreibt:

    Ich kann dir leider nicht so recht folgen:
    Zum ersten Beispiel:
    „Liebe Mütter, wir wünschen Euch viel Freude am heutigen Ehrentag und genug Energie, um Euren #Autisten zu ertragen.“
    Natürlich ist diese pauschale Aussage unfair allen Müttern gegenüber, die für ihr autistisches Kind alles tun, damit es jenem gut geht. Es gibt aber auch nicht wenige Mütter, die alles tun, damit das autistische Kind so ist, wie sie es haben wollen. Es gibt unzählige „Therapien“, in welche Mütter ihr autistisches Kind schicken, damit es dort kranktherapiert wird. Die selben Mütter sagen auch von sich aus, dass ihr Kind eine Last ist und sie es nicht (mehr) ertragen können. Die selben Mütter posten Videos ihres autistischen Kindes auf Youtube und betiteln jene mit unwürdigen, verachtenden Aussagen. Jene Mütter stellen privateste Dinge des Kindes in der ganzen Welt zur Schau und diskreditieren es auf unmenschlichste Art und Weise darin.
    Zu jenen würde ich auch in vollkommen zynischer Weise sagen, dass ich ihnen genug Energie wünsche, damit sie ihren Autisten auch weiterhin noch ertragen können.

    Zum zweiten Beispiel:
    Eine auf Deutsch gefasste Antwort an einen, der kein Deutsch lesen kann, kann der Adressat so und so nicht lesen. Daher wird der Adressat auch nichts von der Antwort verstehen und sich sicher auch gar keine Gedanken darum machen, ob es sich um die echte Organisation handelt oder nicht. Daher ist es in so einem Fall egal, ob und welche Antwort folgte oder nicht.

    Zum dritten Beispiel:
    Deine Interpretation dieser Aussage ist ziemlich vorschnell und meiner Ansicht nach völlig falsch. Dort steht ja in keinem Wort, dass AutismusForumCH Autismus als Seuche ansehen würde, sondern das ist nur Deine eigene Interpretation des Gesagten. Die Aussage „zum Kampf gegen die #Autismus Seuche!“ würde ich, da sie ja offenbar selbst von Autisten innerhalb eines „Satireaccount“ stammt, eben als Satire (Ironie) interpretieren und nicht wortwörtlich nehmen. Vermutlich meint der Autor der Aussage damit, dass manche NTs Autismus wohl als „Seuche“ ansehen und will dagegen mit dieser Ironie anspielen, dass Autismus eben alles andere als eine Seuche darstellt.

    Allgemein stelle ich immer wieder fest, dass so manch Autisten in den Aussagen anderer Autisten genauso, wie es NT nahezu immer tun, Dinge hineininterpretieren, die nie erwähnt wurden. Ebenso scheinen sich manch Autisten auch schnell von den neutralen wortwörtlich gemeinten Aussagen anderer Autisten sehr schnell angegriffen zu fühlen, so wie man es eigentlich nur von NT oder von Menschen mit einer schizophrennahen Persönlichkeitsstörung (schizoid, schizotyp) erwarten würden.

    Ein Beispiel:
    Ich schlage einem anderen Autisten vor, eine bestimmte Sache in gewissen Punkten zu ändern, und bringe Beispiele und argumentative Begründungen dafür an, warum ich eine Änderung als sinnvoll erachte.
    Die Reaktion des Autisten darauf ist, dass er mir unterstellt, ich sei ihm aggressiv und angriffig gegenüber.

    Nach meiner Auffassung stellt ein argumentativ begründeter Vorschlag weder einen Angriff, noch eine Bedrängung des anderen dar. Schon gar nicht ist ein Vorschlag aggressiv, da damit ja niemand genötigt und/oder zu einer Sache/Handlung gezwungen wird. Ein Vorschlag ist eben nur eine reine Empfehlung. Ein Angriff hingegen ist eine Nötigung oder Erpressung.

    Bei solchen Autisten frage ich mich daher ganz ehrlich, ob diese wirklich Autisten sind, wenn sie sich in jenem Punkt eben vollkommen wie Nicht-Autisten verhalten.

    Letztendlich bedauere ich es sehr, wenn durch solche Missinterpretationen wahre Autisten gegeneinander ankämpfen und sich gegenseitig aus Gemeinschaften werfen und verbannen, weil jene nicht in der Lage dazu sind, sich selbst mal einzugestehen, etwas missinterpretiert resp. einen Fehler gemacht zu haben.

    Ich weiß nicht warum, aber nicht wenige Autisten reagieren rational, wenn man sie begründet und sachlich auf ihre eigenen Fehler/Missinterpretationen hinweist. Viele davon stellen dann einfach auf stur und ignorieren einfach den anderen. Mit Vernunft kommt man bei jenen dann auch nicht mehr weit, wie auch, wenn die eben jede Argumentation und jeden Beweis einfach ignorieren.

    Einst dachte ich mal, Autisten seien rational denkende Menschen, die eben zusammen an einem Strick in gemeinsamer Sache ziehen und am besten nachvollziehen können, wie sich andere Autisten fühlen und mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen haben.
    Heute ist mein Bild davon längst verblasst, nachdem ich eben mit vielen Autisten (oder jenen, die sich nur als solche ausgeben) aufgrund von Missinterpretationen jener ungewollt in Feindschaft oder Verbannung geriet und vergeblich mich darum bemühte, die Sache rational zu klären, da jene eben einen auf „Ignore“ und stur machen, so dass jegliche Kommunikation unmöglich ist.

    Solch ein Verhalten, wie es jene Autisten (oder jene, die sich nur als solche ausgeben) aufzeigen, sind häufig die Ursache von Kriegen in der Welt. Denn ohne Kommunikation miteinander, wird man auch keine Probleme (Meinungsverschiedenheiten, Missverständnisse, Vorurteile, etc.) miteinander aus der Welt schaffen können.

    Fazit: Für mich macht es keinen Unterschied mehr, ob jemand Autist ist oder nicht. Ich begegne jedem nur noch als Mensch. Und Autisten, die sich vollkommen (auch innerhalb einer offenen ungezwungenen Kommunikation/Diskussion) wie Nicht-Autisten verhalten, erkenne ich persönlich nicht mehr als Autisten an, egal ob ich mich damit bei anderen Autisten, die mich nicht mal ansatzweise kennen, unbeliebt machen sollte.

    • Anita schreibt:

      Zu Punkt eins => Autisten oder welche die sich als Autisten ausgeben.

      Jeder einzelne Autist ist für sich genommen anders.
      Hat für sich persönlich spezielle Fähigkeiten.
      Hat gelernt Worte zu lesen und fasst diese nach seinem Erfahrungshintergrund wortwörtlich auf.

      zu Punkt zwei => Autisten „sollten“ rationale Begründungen als solche erkennen

      Tja, da spielt wieder der Erfahrungshintergrund mit rein.
      Manch „rationale Begründung“ hat ein einzelner Autist vielleicht schon einigen verschiedenen Personen oder Institutionen zu hören bekommen. Und durch die Vielzahl von Begründungen die der rationalen Erklärung zu Grunde liegen, bildet sich eine Abwehrhaltung.

      Zitat: „Ein Vorschlag ist eben nur eine reine Empfehlung. Ein Angriff hingegen ist eine Nötigung oder Erpressung.“

      Wenn also bereits mehrfach Vorschläge gemacht wurden (von anderen Menschen), und die Vorschläge in Nötigung und Erpressung endeten; dann ist eine Abwehrhaltung wahrscheinlich. Wie gesagt, der Erfahrungshintergrund jedes einzelnen Menschen macht hier die Schlussfolgerung.💡

      Nehmen wir einfach mal meinen Ältesten. Der wurde erst mit 13 diagnostiziert. Hat tiefe traumatische Mobbingerfahrungen durchlaufen und ist depressiv.

      Er hat einige Vorschläge in abgewandelter Form schon mehrfach zu hören bekommen. Und hat als aller erstes Angst vor Veränderung und Angst dass es wieder nicht klappt in seinem Kopf abgelegt. Nun kommt jemand neues, schlägt rational begründet wieder etwas ähnliches vor. Dann reagiert mein Sohn mit Abwehrhaltung und Ignoranz. Weil er es einfach nicht mehr ertragen kann. Denn die Ergebnisse aus seinem Kopf (zu den vergleichbaren Vorschlägen) sind a) wiedersprüchlich und b) selten bis gar nicht erfolgreich gewesen. Er interpretiert also die widersprüchlichen Aussagen aus vorangegangenen Situationen und „mauert sich ein“, damit keine weitere Verletzung mehr dazu kommen kann. Ich nenne dieses Schutz der eigenen Person.

      Ich hoffe, es ist verständlich geworden, warum auch Autisten durchaus interpretieren.

  7. Dario schreibt:

    Deine Kritik und deinen Ärger kann ich nachvollziehen, aber hast du wirklich geglaubt, dass alle Autisten dieser Welt jemals gemeinsam „an einem Strang“ ziehen würden, wenn es um das Eintreten für autistische Interessen geht?

    Ich halte diesen Glauben ehrlich gesagt für naiv, denn Autisten sind eben extrem unterschiedliche Menschen – mit ebenso unterschiedlichen Vorstellungen, was „autistische Interessen“ überhaupt sind und wie diese am besten umgesetzt werden sollten. Letzendlich kann jeder einzelne von uns nur für sich selber sprechen, alles andere wäre vermessen. Wenn sich Gleichgesinnte finden, mit denen man gemeinsam kämpfen kann, dann umso besser; aber eine große, vereinheitlichte Autistenszene wird es niemals geben. Muss es vielleicht auch gar nicht, denn ich kenne auch keine andere Randgruppe bzw. Minderheit, die stets einheitlich und geschlossen auftrittt. Warum sollte das ausgerechnet bei Autisten der Fall sein?

    • quergedachtes schreibt:

      Deine Kritik und deinen Ärger kann ich nachvollziehen, aber hast du wirklich geglaubt, dass alle Autisten dieser Welt jemals gemeinsam “an einem Strang” ziehen würden, wenn es um das Eintreten für autistische Interessen geht?

      Nein. Aber ich hatte die Hoffnung das zumindest die (aktive) deutsche Blogger- und Twitterszene sich einigermaßen einig ist.

  8. Angehörige einer Minderheit od. unterdrückten Personengruppe setzten sich immer heftiger Kritik aus, wenn sie ihre ‚ Unterdrücker‘ nicht nur verdammen, sondern versuchen beide Seiten zu sehen und um Verständigung kämpfen. Auch in meinen Augen ist das der erste Schritt zu gleichberechtigtem Miteinander. Was nicht heißt, dass man nicht beherzt für sein Recht eintreten soll. Ob Frauen im Beruf, Migranten, die sich integrieren, Behinderte , die Teilhabe nicht nur fordern, sondern leben wollen.
    Immer bleibt ein ‚ radikaler ‚ Teil der jeweiligen Gruppe, die ‚ Verrat ‚ schreit.
    Auch NTs müssen sich gegenseitig ertragen…..und tun es doch oft nicht, weil sie einseitig und unbewusst miteinander umgehen.
    Die satirischen Beiträge deuten auf große Verletztheit und Unreife hin.
    Lass dich nicht beirren!

    Liebe Grüße, LW

  9. reginewinkelmann schreibt:

    Bin ich froh, dass ich manchmal nicht alles mit bekomme. Mich machen die extremen Personen mit ihren extremen,teilweise radikalen und gnadenlosen Urteilen nachdenklich und besorgt.

    Ich hoffe du lässt dich nicht mundtod machen.
    Und nicht zu sehr verunsichern

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