Einschläge von allen Seiten

Im Moment scheint es mir so, als wäre es Mode von allen Seiten auf das Thema Autismus einzuprügeln. Man bekommt – gefühlt – gar keine Atempause mehr zwischen den medialen und öffentlichen Einschlägen.

Zwar schon älter aber irgendwie jetzt auf meinem Radar erschienen ist ein dpa Artikel der u.a. bei T-Online  veröffentlicht wurde.

Ich möchte gar nicht auf die ganzen, fast schon gewohnten, Fehlinformationen darin eingehen. Was mich jedoch wütend macht ist folgende Aussage von Frau  Kamp-Becker:

Und man muss hier tatsächlich von „leiden“ sprechen, da ist sich Inge Kamp-Becker von der Universität Marburg sicher. „Denn auch wenn vor allem im Internet vielfach eine Sichtweise propagiert wird, die Autismus als eine neue Form des Daseins beschreibt und die Symptome von autistischen Störungen ins Positive umformuliert, so bestehen in der Regel doch starke Schwierigkeiten, an der Gesellschaft teilzunehmen und sich zu integrieren.

Im bösen Internet gibt es also tatsächlich Autisten – ich wette vielen spricht man noch eine Diagnose ab – die etwas Positives an ihrem Autismus finden und das so beschreiben? Was sollen diese Grabenkämpfe seitens Diagnostikern gegenüber Autisten die sich zu Wort melden? Sind wir hinterher vielleicht auch noch dran schuld, wenn die Gesellschaft Autismus als „nicht so schlimm“ ansieht? Wie können wir nur, wir haben zu leiden und Autismus ist nun einmal eine ganz schlimme Behinderung. Was hier wieder vergessen wird: Auch wenn ich etwas Positives in meinem Autismus sehe und das auch kommuniziere…bedeutet das nicht, dass ich nicht auch Schwierigkeiten habe an der Gesellschaft und dem alltäglichen Leben teilzunehmen. Ich mal nur nicht alles und ausschließlich schwarz. Ein ganz persönlicher Grund dafür: Eltern die Angst vor Autismus zu nehmen und zu zeigen dass eine Diagnose weder ein Weltuntergang ist noch die Zukunft vom Kind zerstört wird. Sie wird nur anders als geplant.

Anscheinend fürchten aber so manche Fachärzte ihre Exklusivität bei der Thematik Autismus. Warum sonst sollte man Autisten dafür angreifen dass sie über ihr Leben als Autist schreiben?

Weiter ging es Anfang der Woche mit einem Artikel im Wiesbadener Kurier

Titelt die Printausgabe noch wie folgt:

„Ich habe keine Angst vor meinem Sohn“

SICHERUNGSVERFAHREN Oleg griff seinen Vater mit dem Messer an / Ist er damit auch für die Allgemeinheit gefährlich?“

wurde der textidentische Inhalt schon am Tag vorher online so betitelt:

„Prozess in Wiesbaden: Autist Oleg attackierte seinen Vater mit dem Messer – Ist er damit für die Allgemeinheit gefährlich?“

Was fällt auf? Print benutzt Tatsachen im Titel. Der Vater sagt das er keine Angst vor seinem Sohn hat der ihn mit einem Messer attackiert hat. Vor Gericht muss nun beschlossen werden ob der junge Mann für die Allgemeinheit gefährlich ist. Traurige Geschichte, aber hier wird ein neutral gestalteter Titel veröffentlicht.
Online hingegen fällt die Aussage des Vaters weg, aus dem jungen Mann wird ein Autist und daraus entsteht die Frage nach der Gefährlichkeit für die Allgemeinheit.
Wieder einmal wird ein kausaler Zusammenhang zwischen Autismus und einer „Gefährlichkeit für die Allgemeinheit“ bewusst betont und hervorgehoben. Dass es auch anders geht zeigte ja die Printausgabe.
Warum also dieser Ausrutscher? Hatte der CvD Print vielleicht etwas mehr Fingerspitzengefühl bei der Titelsuche? Und wer verantwortet den unsäglichen Onlinetitel?
Beide Artikel schließen leider mit einem traurigen Absatz:

Oleg kann zum Entschlüsseln seiner Person und seines Verhaltens wenig beisteuern.
Nichts, was Außenstehenden seine Welt erklären könnte. Wie will man ihm gerecht werden? War die Tat der „Ausrutscher“ eines Autisten? Oder Ausdruck von Gefährlichkeit?

 

Zeigt dieser Absatz doch klar was hier schief läuft:

Man versteht Autismus und Autisten nicht. Es ist aber anscheinend Aufgabe des Autisten möglichst verständlich und normgerecht zu kommunizieren was in ihm vorgeht.

Das eine Messerattacke, unbeachtet der Hintergründe, zum Ausrutscher wird wenn ein Autist beteiligt ist stimmt mich nachdenklich. Bin ich vielleicht doch eine Gefahr für die Allgemeinheit ohne dass ich es weiß? Oder darf ich mir als Autist so alles erlauben weil ich der „arme behinderte Autist“ bin?

Was bleibt ist der fade Beigeschmack dass Autismus eben doch eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen könnte.

Den größten Einschlag jedoch hinterließ heute früh die aktuelle Ausgabe des Spiegel (35/2014). Was im Inhaltsverzeichnis noch als „Psychiatrie Wird Autismus zur Modediagnose?“ auftaucht entpuppt sich dann auf Seite 102 als:

„Flattern, quieken, zucken“

Ich weiß nicht mehr was ich als erstes fühlte. War es pures Erstaunen über einen so nicht erwarteten journalistischen Fehlgriff? War es Empörung darüber das Autismus und Autisten nun auf ein bestimmtes Verhalten –Stimming- reduziert werden? Oder war es schon die Trauer darüber, dass man anscheinend Vokabular aus dem Tierreich benutzt wenn man über Autismus und Autisten redet? Flattern verbindet man ja doch eher mit gefiederten Flugtieren und quieken mit mehr oder weniger großen rosa bis schwarz gefärbten Vierbeinern. Kurzum ich empfinde diesen Titel im wahrsten Sinne des Wortes als unmenschlich.

EDIT: Wie unglücklich dieser Titel geworden ist sieht man weiter hinten im Artikel. Dort wird Jim Sinclair vom Autism Network International zitiert:

Gewiss, Autisten fielen durch mancherlei auffälliges Verhalten auf: „Wir flattern, schnippen, schaukeln, klatschen, hüpfen, krümmen und scheuern uns, wir quieken, summen, schreien, zischen und zucken“, unglücklich aber seien sie deshalb noch lange nicht.

Ich frage mich: Wenn man flattern, quieken und zucken aus dem Zitat als Titel nimmt, warum nicht schaukeln, klatschen, hüpfen? Zu fröhlich besetzt für einen Artikel über Autismus? Wie man wieder sieht: Aus einem Zitat kann man zwei ganz unterschiedlich gefärbte Aussagen extrahieren. Die eine ist düster, belastend und leidend, die andere hingegen schon fröhlicher, Lebenszugewandter und dynamischer.

Aber auch im Artikel finden sich Stellen die ich als bedenklich bezeichnen würde:

 „Wie eine Seuche geht der Autismus um in Amerika.“

In Zeiten in denen Husten und Fieber schon an Ebola denken lassen (der nachfolgende Artikel im Heft geht darüber) und ganze Seuchenschutztrupps ausrücken ist es natürlich ok von einer Seuche zu sprechen. Ist es das? Ich finde nicht. Immerhin benutzt man das Wort Seuche im Zusammenhang mit hochansteckenden Infektionskrankheiten. Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung. Ich entschuldige mich aber trotzdem bei all denen die ich, ganz ungewollt und unbewusst, mit Autismus angesteckt habe. Und ich werde mich wohl ein Leben lang fragen müssen: Wo habe ich mir Autismus geholt? War es im Ausland? Auf einer Gaststättentoilette? Oder war es der komische Junge in der Schule der immer so rumgehustet hat?

Was früher noch als „seltenes Kuriosum“ in der Arztausbildung bezeichnet wurde betrifft, glaubt man dem Spiegel, nun

„Eines von 88 Kindern, so mahnte vor zwei Jahren das US-Seuchenkontrollzentrum, leide unter dem unheimlichen Syndrom.“

Was ist an Autismus so unheimlich? Und will man hier wieder Ängste schüren? Immerhin ist etwas das einem unheimlich ist auch gleichzeitig etwas das einen bedrohen könnte.

Woher dieser „Sprech“ kommen könnte erfahren wir schon im nächsten Absatz:

„Autism Speaks“, die einflussreichste der vielen Autismus-Lobbygruppen, verweist auf eine besonders gründliche Erhebung aus Südkorea. Dort wurde jedem 38. Kind das Leiden attestiert.

Ok, wenn Autism Speaks das sagt…muss was dran sein. Besonders wenn es eine besonders gründliche Erhebung ist! Kein Wort davon, dass Autism Speaks genetisch forscht und Autismus via vorgeburtlicher Früherkennung ausrotten möchte. Wenn Autismus nicht so weit verbreitet wäre müsste man das ja nicht, gell? Über Autism Speaks habe ich auch schon gebloggt.

Angesichts dieser Zahlen kommt man zum Schluss:

Autismus ist ein rätselhaftes, ein verstörendes Phänomen.

Es folgen zahlreiche „Symptome“ von Autismus die man kurz unter auffälligem und unerwünschtem Verhalten zusammenfassen kann. So wird es zumindest oftmals in der Literatur beschrieben und auch von Menschen beschrieben die mit Autisten in Kontakt gekommen sind (und sich hoffentlich nicht an dieser Seuche angesteckt haben!).

Weiter geht es mit dem Thema fehlender Augenkontakt und in Zusammenhang damit auch mit folgendem:

Gerade die emotionale Taubheit ihrer Kinder macht Autismus für die Eltern so unerträglich. Was ist schwieriger, als Liebe zu geben, die nicht erwidert wird?

Ich sage nur eines: emotionale Taubheit ist als Erkenntnis das Resultat mangelnder Empathie Autisten gegenüber. Ich könnte auch schlichtweg sagen: Falsch beobachtet und nicht in die bekannte Norm passend also gehen wir mal davon aus das es so ist und hinterfragen das nicht. Vielen Dank liebe Gesellschaft!

Der zweite Satz tut mir weh. Sagt er jedoch eines aus: Man kann sein autistisches Kind nicht lieben weil es einen selbst, zumindest offenkundig nicht, liebt?  Wie traurig ist das denn? Ich frage mich da wirklich wer hier emotional Taub bzw. blind ist. Und warum wie Liebe auf genormten Kommunikationswegen vorausgesetzt? Ist nicht gerade Liebe etwas das seinen Weg findet und das man fühlen kann und sollte?

Was sagt mir all das hier? Autismus ist auf der einen Seite anscheinend ein prima „Leser“bringer. Warum sonst sollte man in der Onlineausgabe Autismus extra in den Titel hieven? Autisten die sich zu Wort melden scheinen für einige Diagnostiker und Fachärzte langsam bedrohlich zu sein. Vielleicht weil sie merken, dass die Innensicht eben nur von Autisten kommen kann und den Vertretern der Außensicht nur allzu oft den Spiegel vorhält? Nicht zuletzt ist Autismus anscheinend eine so rätselhafte, unheimliche und verstörende Seuche dass einem Redakteur vom Spiegel die Worte fehlen und er zu Lauten greifen muss um seinem Autismusartikel einen Titel zu geben:

Flattern, quieken, zucken

All das hinterlässt in mir eine Traurigkeit und die Gewissheit darüber, dass die Gesellschaft wieder einmal mehr Autismus mit „Gefährdung für die Allgemeinheit“ , „Seuche“ und „Bedrohung“ verbinden wird. Dabei bin ich doch nur eines: Ein Mensch.

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39 Antworten zu Einschläge von allen Seiten

  1. Anita schreibt:

    Ich habe jetzt mal einige Fragen an die Redakteure,

    Wann werden Sie endlich vernünftig arbeiten?
    Sich von vielen Seiten einem Thema nähern? Sich umfassend informieren?
    Nicht alleine einer „Stellvertreter-Partei“ (Autism Spekas) Glauben schenken, sondern sich mit verschiedenen Organisationen auseinandersetzen?
    Sich mit verschiedenen Autisten und deren Eltern auseinandersetzen und diese befragen?

    Und wann wird die Behinderung mal ebenso „uninteressant“ wie die nationale Herkunft, alleine die Lebensumstände und die Lebenserfahrungen können zu Straftaten führen und nicht die Nationalität oder irgendeine Behinderung!

    Und „Fach“Kräfte, die anzweifeln, dass Autisten ihr Leben AUCH lebenswert finden, empfinde ich persönlich als schlimm!

  2. KiezkickerDe schreibt:

    Ich quick jetzt mal um die Wette und flatter davon.
    Es war echt besser, den Artikel gestern nicht gelesen zu haben, die Ausschnitte reichten schon wieder. Was für ein elendiger, grottiger – tschuldige – Scheißartikel. Man man man.

  3. Lovey Wymann, www.Schreib-Lounge.ch schreibt:

    Als Neurotypische kann ich nur staunend feststellen: Keine Ahnung, wo ich mich damit angesteckt habe! Und nein, ich kann nicht immer erklären, aus welchen Gründen ich was getan habe. Und ich versuche nachzurechnen, wieso es so viele Gewaltverbrechen in unserer Statistik gibt, wenn es doch nur so wenig Autisten gibt? Und am liebsten nähme ich den Autor von Quergedachtes in den Arm (wenn er das denn zulassen könnte / möchte), weil ich seinen Schmerz sehr wohl spüren kann …

  4. Atari-Frosch schreibt:

    Bezüglich Oleg denke ich, daß die Schizophrenie, die auch im Artikel erwähnt wird, viel eher was mit dem Messerangriff zu tun haben dürfte als der Autismus. Aber natürlich kann ich mir da keine Ferndiagnose erlauben.

    Für den Spiegel war das wohl ein leicht verspätetes Sommerloch-Thema – irgendwie muß man die Seiten ja vollkriegen, ohne aufwendig recherchieren zu müssen …:-/

    • quergedachtes schreibt:

      Ich dachte auch spontan an die paranoide Schizophrenie. Der Ablauf der im Artikel geschildert wird ist aber auch für Autismus bis zu einem gewissen Grad schlüssig. Ich finde der Vater analysiert das schon recht gut.
      Was bleibt sind die ziemlich bürokratischen bzw. juristischen Folgen😦 Und die Gewissheit, dass Autisten immer noch viel zu schlecht verstanden werden. Auch von Gutachtern und anderen Fachleuten.

  5. Leonie schreibt:

    Wer würde schon auf einen Titel „schaukeln, klatschen, hüpfen“ klicken? Du weißt es: fast niemand!
    Only bad news are good news, das alte geflügelte Wort stimmt nach wie vor – ganz egal, wovon ein Beitrag handelt. Je verstörender, unheimlicher, beängstigender etwas ist, desto eher wollen wir wissen, was da wem wo warum droht… und klicken hin. Das ist urmenschliches Verhalten, das niemand wegbekommen wird.

    „Oleg kann zum Entschlüsseln seiner Person und seines Verhaltens wenig beisteuern.
    Nichts, was Außenstehenden seine Welt erklären könnte. Wie will man ihm gerecht werden? War die Tat der „Ausrutscher“ eines Autisten? Oder Ausdruck von Gefährlichkeit?“

    Dazu schreibst du:

    „Man versteht Autismus und Autisten nicht. Es ist aber anscheinend Aufgabe des Autisten möglichst verständlich und normgerecht zu kommunizieren was in ihm vorgeht.“

    Ich wiederum verstehe deine Reaktion nicht! Wenn jemand eine andere Person mit dem Messer angreift, ist das durchaus etwas Gefährliches. Wenn man dann – wegen Autismus, Schizophrenie oder was auch immer – nicht mal mittels Kommunikation heraus finden kann, ob es sich um eine Beziehungstat oder einen Angriff aus überbordender, potenziell gegen jeden gerichtete Aggression gehandelt hat, dann ist die Frage doch sehr BERECHTIGT, wie man damit umgehen soll! Und „unheimlich und verstörend“ ist so ein Verhalten auf jeden Fall!

    Die anderen Kritikpunkte teile ich. Seuche ist echt Blödsinn und dass die Ärzte um ihre Deutungshoheit bangen, halte ich auch für wahrscheinlich.

    • quergedachtes schreibt:

      Ich bezog mich mit dem angesprochenen Zitat weniger auf die Tat (ja das ist gefährlich) sondern auf folgenden Teil

      „Oleg kann zum Entschlüsseln seiner Person und seines Verhaltens wenig beisteuern. Nichts, was Außenstehenden seine Welt erklären könnte.“

      Der zeigt in meinen Augen schon das man Autismus und auch Autisten noch lange nicht versteht und darauf wartet das sie sich selbst erklären😦

      • Leonie schreibt:

        Wie soll man denn aber, „Autisten verstehen“, wenn die Kommunikation mit ihm/ihr nicht möglich ist, wie in diesem Fall?
        Glücklicherweise gibt es Autisten, die sich erklären, indem sie bloggen. Aber offenbar können oder wollen das nicht alle, da Autismus wohl ein weites Spektrum bezeichnet und auch Menschen umfasst, die halt nicht kommunizieren können.

        Du formulierst da einen Vorwurf, der ins Leere geht. Vermutlich „wartet“ da niemand, sondern die Kommunikation funktioniert oder eben nicht. Es gibt da keine Schuldfrage zu beantworten, denn niemand trägt daran irgend eine Schuld.

        Der von dir beanstandete Satz beschreibt einfach einen FAKT.

        • quergedachtes schreibt:

          Da muss ich Dir widersprechen. Schon Paul Watzlawick stellte fest: „Man kann nicht nicht kommunizieren!“. Der Mensch kommuniziert immer. So auch Autisten.
          Was ich aufzeigen möchte ist folgendes: Bloß weil jemand nicht offensichtlich auf erwarteten Kommunikationswegen kommuniziert (Verbale Kommunikation oder Schrift wird von der Gesellschaft erwartet) heißt das nicht das er sich nicht mitteilt. Andere Kanäle werden dabei aber oft übersehen. Hier gilt es sich anderen Wegen zu öffnen und achtsam zu sein.

          Genau aufgrund dieser von Nichtautisten empfundenen „Nicht“kommunikation sind viele Stereotypen und Vorurteile entstanden. So eben auch das Autisten in ihrer eigenen Welt leben (und diese dann Außenstehenden nicht erklären können).
          Was fehlt ist nicht der Autist der sich durch Kommunikation erklären kann sondern die Menschen die sich auf die andere Art der Kommunikation einlassen.
          So hart es klingen mag: Das ist ein großes Defizit der heutigen Gesellschaft. Alles was abseits von Schrift und Sprache abläuft wird nicht mehr wahrgenommen.

        • Anita schreibt:

          Zitat Leonie: „Wie soll man denn aber, “Autisten verstehen”, wenn die Kommunikation mit ihm/ihr nicht möglich ist, wie in diesem Fall?“

          Als Mutter von 4 Kindern kann ich Dir sagen, dass Kommunikation auch mit nicht sprechenden Menschen möglich ist.

          Man braucht Zeit.
          Man lernt mit der Zeit.
          Man muss sich auf das Gegenüber einlassen.

          So handelt man bei Baby`s!!💡

          Meine Jungs haben ganz lange nicht wirklich (normgerecht) kommuniziert.
          Aber verstehen konnte ich sie durchaus.

          Und obwohl meine Kinder der Wort- und Schriftsprache mächtig sind, gibt es die Momente der Überforderung, wo es eben nicht mehr geht. Wo sie sprachlos werden.

          Und ich kann sie trotzdem verstehen! Ich muss mich nur auf sie einlassen.

          Und DAS können auch Therapeuten oder ‚Ärzte; so sie denn wollen!

          Aber dazu müssen Schranken in den Köpfen fallen und es muss eine Beziehung aufgebaut werden. Schnell ist dieses NICHT möglich. Es muss Vertrauen aufgebaut werden. Auf beiden Seiten! Und der Therapierende / Betreuende / Untersuchende MUSS sden Willen und die Geduld und die Zeit sich einfach nehmen, verstehen lernen zu wollen!

    • spiffpp schreibt:

      Ich finde Du machst es Dir etwas leicht, wenn Du einfach mit dem bestehenden, für NTs konstruierten System und seinen Begrenzungen argumentierst.

      „Ich wiederum verstehe deine Reaktion nicht! Wenn jemand eine andere Person mit dem Messer angreift, ist das durchaus etwas Gefährliches. Wenn man dann – wegen Autismus, Schizophrenie oder was auch immer – nicht mal mittels Kommunikation heraus finden kann, ob es sich um eine Beziehungstat oder einen Angriff aus überbordender, potenziell gegen jeden gerichtete Aggression gehandelt hat, dann ist die Frage doch sehr BERECHTIGT, wie man damit umgehen soll! Und “unheimlich und verstörend” ist so ein Verhalten auf jeden Fall!“

      Ich behaupte einfach mal, daß ich mir einen Zugang zu dem Jungen erarbeiten könnte. Ich kann das natürlich nicht mit 100%iger Sicherheit beschwören, aber ich bin bisher noch nie auf einen Autisten getroffen, mit dem ich nicht kommunizieren konnte. Und da greift dann Querdenkers sonstige Kritik auf jeden Fall. In der Medizin und Pflege gibt’s ja ’ne klare Hierarchie. Schwestern, Pfleger, Sozialarbeiter, etc… sind auf einer Ebene. Und dann gibt’s die Chefebene und da sitzen Ärzte. Während man als Betroffener bei der unteren Ebene oft auf ein offenes Ohr trifft oder in der Lage ist ein Gespräch auf Augenhöhe zu führen, so behandeln Ärzte in der Regel alles, was nicht selbst Arzt ist, total von oben herab.

      „Oleg kann zum Entschlüsseln seiner Person und seines Verhaltens wenig beisteuern.
      Nichts, was Außenstehenden seine Welt erklären könnte. Wie will man ihm gerecht werden? War die Tat der „Ausrutscher“ eines Autisten? Oder Ausdruck von Gefährlichkeit?“

      Wie will man ihm gerecht werden? Ganz einfach, man schaltet einen erwachsenen Autisten zwischen, der übersetzt. Wollte man dem Jungen gerecht werden, wäre das überhaupt kein Problem. Nur wird sowas mit der deutschen Bürokratie und Ärzteschaft in naher Zukunft völlig undenkbar sein. Den man möchte ja keine individuellen Lösungen für individuelle Menschen sondern ein „One size fits all“.

  6. Denn auch wenn vor allem im Internet vielfach eine Sichtweise propagiert wird, die Autismus als eine neue Form des Daseins beschreibt und die Symptome von autistischen Störungen ins Positive umformuliert, so bestehen in der Regel doch starke Schwierigkeiten, an der Gesellschaft teilzunehmen und sich zu integrieren.

    Ich finde an diesem Satz nichts Kritikwürdiges. Es ist auch meine Beobachtung, dass sich vor allem solche Autisten besonders laut zu Wort melden, die am wenigsten betroffen sind. Ich sehe da fast nur stark verzerrte und kenntnislose (Selbst)Darstellungen.

    Was sollen diese Grabenkämpfe seitens Diagnostikern gegenüber Autisten die sich zu Wort melden?

    Wegen dieser Kritik von „Grabenkämpfen“ zu sprechen, ist wohl reichlich übertrieben. Inge Kamp-Becker ist auch nicht bloß Diagnostikerin, sondern durchaus an der Forschung beteiligt und eine Koryphäe ihres Fachs. Zusammen mit Helmut Remscheidt hat sie das m.E. beste deutschsprachige Buch über das Asperger-Syndrom geschrieben.

    – ich wette vielen spricht man noch eine Diagnose ab –

    Du solltest etwas enger am Text bleiben. Deine Spekulationen führen zu nichts. Allerdings hättest du sicher recht damit, dass diese Diagnose – die ja tatsächlich auch eine Modediagnose ist – in manchen Fällen nicht gut begründet ist.

    Sind wir hinterher vielleicht auch noch dran schuld, wenn die Gesellschaft Autismus als „nicht so schlimm“ ansieht?

    Bleib mal am Text.

    Was hier wieder vergessen wird: Auch wenn ich etwas Positives in meinem Autismus sehe und das auch kommuniziere… bedeutet das nicht, dass ich nicht auch Schwierigkeiten habe an der Gesellschaft und dem alltäglichen Leben teilzunehmen.

    Du tust gerade so, als würde der Artikel von dir handeln.

    Ich mal nur nicht alles und ausschließlich schwarz.

    Nochmal: der Artikel handelt nicht von dir. Deine Deutung des Artikels ist allerdings eine ziemliche Schwarzweißmalerei.

    Ein ganz persönlicher Grund dafür: Eltern die Angst vor Autismus zu nehmen und zu zeigen dass eine Diagnose weder ein Weltuntergang ist noch die Zukunft vom Kind zerstört wird. Sie wird nur anders als geplant.

    Wieder einmal beziehst du den Artikelauf dich persönlich.

    Anscheinend fürchten aber so manche Fachärzte ihre Exklusivität bei der Thematik Autismus. Warum sonst sollte man Autisten dafür angreifen dass sie über ihr Leben als Autist schreiben?

    Du meinst sicher: fürchten um ihre Exklusivität. Du fühst dich persönlich angegriffen und greifst im Gegenzug sofort an, und zwar auf durchaus persönliche Weise. Alles nur wegen dieser einen Formulierung von ganz oben. Du steigerst dich da echt in was rein.

    Zum Wiesbadener Kurier:
    Hier wird etwas Wichtiges nur ein einziges Mal erwähnt:
    Oleg ist Autist, er leidet zudem unter paranoider Schizophrenie.

    In der Überschrift un dim Fazit wird degegen nur der Autismus erwähnt. DAS finde ich kritikwürdig.

    Wieder einmal wird ein kausaler Zusammenhang zwischen Autismus und einer „Gefährlichkeit für die Allgemeinheit“ bewusst betont und hervorgehoben.

    Nein, es geht hier NUR um die Person Oleg. Das ist eigentlich völlig klar formuliert, und im ganzen Artikel werden keine Schlussfolgerungen auf den Autismus allgemein gezogen.

    Mit einer Ausnahme: War die Tat der „Ausrutscher“ eines Autisten? – Das ist sprachlich tatsächlich mehrdeutig und könnte als Verallgemeinerung verstanden werden.

    Es ist aber anscheinend Aufgabe des Autisten möglichst verständlich und normgerecht zu kommunizieren was in ihm vorgeht.

    Das steht da nicht.

    Was bleibt ist der fade Beigeschmack dass Autismus eben doch eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen könnte.

    Deine Interpretation.

    Deine Kritik am Spiegelartikel erscheint mir berechtigt. Leider habe ich keinen Zugriff auf den ganzen Artikel.

    Immerhin benutzt man das Wort Seuche im Zusammenhang mit hochansteckenden Infektionskrankheiten. Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung.

    Da hast du wohl recht. Allerdings könnte es im übertragen Sinn gemeint sein: Schlecht fundierte Modediagnosen verbreiten sich wie eine Seuche.

    • spiffpp schreibt:

      Ich finde Deine Kritik zum Teil berechtigt und finde es auch gut, daß Du sie so deutlich formulierst. Allerdings scheinst Du zu dem Fazit zu kommen, daß der Querdenker sich da völlig unberechtigt in etwas hereinsteigert. Wenn es das letzte Jahr mit seinen vielen Autistenschmähartikeln und den „Autisten sind Massenmörder“-Rufen nicht gegeben hätte, würde ich vielleicht mitgehen. Wenn man sich aber mit dem Thema schon etwas länger und eingehender beschäftigt, dann kann ich Querdenkers Reaktion völlig verstehen. Ich gehe da ebenfalls mit, daß es im Moment mal wieder heftig ist, vor allem läßt sich aber auch eine inhaltliche Eskalation feststellen.
      Und die empfinde ich als durchaus besorgniserregend. Ich werde jeden Falls keinen Chip für Euch tragen.

      • “Autisten sind Massenmörder”-Rufe? Ist da was an mir vorbegerauscht?

        Könntest du mal Beispiele für diese Autistenschmähartikel verlinken?

        • quergedachtes schreibt:

          Da wirst Du in meinem Blog so einige Beispiele finden.
          https://quergedachtes.wordpress.com/2012/12/15/autismus-das-medienbild-und-die-wirklichkeit/
          oder
          https://quergedachtes.wordpress.com/2012/12/18/autismus-und-die-medialen-nachwehen/

          Der Dezember 2012 hat einigen Schaden angerichtet und Spuren hinterlassen.

        • Leider verlinkst du kaum Originalartikel.
          Am meisten Anstoß hat offenbar dieser Artikel erregt:
          http://www.webcitation.org/6CxwM67lv
          Vor allem diese Textstellen:
          Eines dieser Puzzleteile ist das über den psychischen Zustand des Täters. Dabei fällt immer wieder ein medizinischer Begriff: Asperger-Syndrom.
          (…)
          Sollte Adam Lanza tatsächlich an einer Form von Autismus gelitten haben, ist das noch lange keine Erklärung für seine grausamen Taten. Gleichwohl gab es bereits Amokläufer, bei denen auch Asberger-Autismus diagnostiziert worden war. Frederik B., der Vierfachmörder von Eislingen, leidet laut psychiatrischem Gutachten an einer schizoiden Persönlichkeitsstörung und hat Asperger-Syndrom. Der vierfache Frauenmörder und Serienvergewaltiger Heinrich Pommerenke, der bis zu seinem Tod 2008 als einer der schlimmsten Verbrecher der Republik galt, war einem Psychiater zufolge Asperger-Autist. Ein Arzt diagnostizierte auch beim rassistischen Heckenschützen von Malmö das Asperger-Syndrom.

          Darin ein bewusste Schmähung von Autisten oder eine Gleichsetzung mit Massenmördern zu sehen, halte ich für ziemlich übertrieben. Abgesehen davon kann ich nicht erkennen, dass es in dieser Richtung einen medialen Trend gibt. Es gibt ja auch massenhaft (!) Artikel über die besonderen Fähigkeiten von Autisten (Stichwort SAP-Mitarbeiter).

          Der Artikel enthält auch die für populärwissenschaftliche Aufbereitungen typischen Pauschalisierungen und Übertreibungen:

          Asperger-Syndrom: Blind für die Emotionen anderer Menschen

          Menschen mit Asperger-Syndrom erkennen zudem Emotionen anderer nur schwer. Wenn sie jemanden sehen, können sie kaum unterscheiden, ob er vor Wut schäumt oder aus Freude lacht. Witze verstehen sie nicht, Ironie oder Metaphern ebensowenig.

          Allerdings habe ich so etwas schon von Asperger-Autisten selbst gehört.

          Ein Interview mit Reiner Haller wird kritisiert.
          http://diepresse.com/home/panorama/welt/1324453

          Nun ja – soll man dieses Interview nun zensieren, bloß weil ein Gerichtspsychiater sich inkompetent äußert? Auch über andere psychische Erkrankungen liest man irreführende Informationen. Hird nur ein winziges Detail kritisiert, und auch hier kann ich keine Schmähung erkennen.

          Dann werden ein paar Fetzen aus dem Radio aufgegriffen:

          Heute früh hörte ich im Radio im Nachrichtenblock über den Täter folgendes (nicht wörtlich!):
          Der Täter….persönlichkeitsgestört…wahrscheinlich autistisch…sozial isoliert….

          Soll über psychische Erkrankungen über Täter nicht mehr berichtet werden dürfen? Ist es so entsetztlich, wenn da Perönlichkeits- und Entwicklungsstörungen vermischt werden? Journalisten sind keine Fachleute, mit solchen Fehlerchen sollte man leben können. Übrigens ist es gar nicht so leicht, Entwicklungsstörungen von den Persönlichkeitsstörungen abzugerenzen, war auch nicht immer so strikt getrennt wie heute und durchaus heute noch umstritten.

        • Was ist an dem Artikel schlimm?

          Wie würdest du über diese Studie berichten?
          http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1359178914000305

        • quergedachtes schreibt:

          Das ist ganz einfach und lässt sich schon durch die „Highlights“ beantworten:


          Among all the 239 eligible killers, 28.03% (N = 67) had definite, highly probable or possible ASD.

          Among all the 239 eligible killers, 21.34% (N = 51) had had a definite or suspected head injury.

          Out of the 106 killers with ASD and/or head injury 55% (N = 58) had experienced psychosocial stressors.

          Erst redet man von „highly propable“ und „possible“ beim Autismus und dann von „suspected“ bei Kopfverletzungen.
          Was folgt ist dann die Aussage das 55% der Killer mit Autismus und oder Kopfverletzung psychosozialen Stress hatten.

          Man macht also aus „wahrscheinlich“ und „vermutet“ schon im dritten Punkt Tatsachen. Das ist in meinen Augen nicht wissenschaftlich. Und damit erspare ich mir den Rest der Studie.

          Kann ich auch, die Studie wurde schon fachgerecht auseinandergenommen:

          http://www.carta.info/72850/autismus-und-massenmord-der-konstruierte-zusammenhang/

        • Folgenes würde ich auf jeden Fall einräumen: Die Überschriften von Artikeln sind oft ein Ärgernis. Meines Wissens werden die auch sehr oft nicht von den Autoren gemacht (eigentlich aus gutem Grund). Das ist aber ein grundsätzliches Problem und betrifft nicht nur Artikel über Autismus.

        • Zu dem T-Online-Artikel: Hier wird eigentlich ziemlich wortgetreu die Pressemitteilung der Autoren ins Deutsche übersetzt (http://www.gla.ac.uk/news/headline_330922_en.html). Selbst die Überschrift entspricht in etwa dem Original. Die Studie wird nicht kritisert, aber es wird auch nichts hinzuerfunden oder aufgebauscht. In der Pressemitteilung wird überdies explizit davor gewarnt, Autismus und Massenmord in einen dirkten Zusammenhang zu bringen.

          Das ist ganz einfach und lässt sich schon durch die “Highlights” beantworten

          Ich vermute mal, diese Highlights sind nicht auf dem Mist der Autoren gewachsen. Im Artikel selbst findet sich keine Entsprechung der von dir kritiserten Umwandlung von Vermutungen in Tatsachen.

          Die mangelhafte Evidenz wird im Artikel ausgiebig diskutiert:

          In both the peer reviewed and non-peer-reviewed literature, detailed clinical accounts of diagnostic assessments using standardized tools were rare. (…)

          Because the great majority of case reports came from non-peer-reviewed sources, such as books and databases such as Murderpedia and the Radford University Database on Serial Killers, our findings are clearly limited. The problems with the quality of the literature are compounded by the differing reporting strategies across the world, and the fact that serial killing, in particular, may go unrecognized. We can, therefore, make no accurate estimations regarding the prevalence of serial/mass killing, and it is challenging to see patterns across population that allow us to draw conclusions regarding etiology. There may also have been bias involved in the selection of cases, due to the lack of rigorous sources available. We did not use a risk of bias tool because one does not exist for case studies. To limit this bias, the lead author discussed the inclusion of papers with all the other authors. Lastly, due to the large scale of this literature search it is possible that some names may have been missed.

          Despite these limitations, we are able to say that probably more than 10% of serial/mass killers have ASD and a similar proportion have had a head injury. Because accounts of systematic examination for these factors are relatively uncommon in reports on serial/mass killings, these figures are very likely to be an underestimate. Yet, both are considerably higher than would be found in the general population.

          There is a need for more rigorous research/an international database so that reviews like this one can have a stronger foundation on which to report.

          Ebenso wird auf den begrenzten Fokus der Studie hingewiesen:
          Although various neurodevelopmental factors could be implicated in the etiology of serial/mass killing, most research and speculation has centered around the role of ASD (…) and head injury (…) and we have, therefore, decided to focus on these two factors in our review in addition to investigating the role of psychosocial factors.

          Es führt zu weit, Melas Artikel hier zu kommentieren, aber ihr unsachlicher Stil ist mir schon einige Male augefallen. Nur eins von diversen Beispielen:
          Glaubt man der Studie, macht die Kombination Autismus, Kopfverletzung plus psychosoziale Stressoren den perfekten Amokläufer und Serienmörder.

          Sie schweift auch ständig ab:
          Ganze zehn Individuen haben es in diese Kategorie geschafft [= Kombination Autismus, Kopfverletzung & psychosoziale Stressoren], was die Wissenschaftler dann auch noch mit einem hippen Venn-Diagramm illustrierten.

          Diese Überschneidung ist ja für die Fragestellung Studie kaum relevant. Weitere Nebelkerzen:
          Um Serienmörder und Massenmörder – sprich Amokläufer – in einen Topf zu werfen, ignoriert das Team um Allely erst einmal, dass das Phänomen Serienmörder relativ gut erforscht ist und sich diese Forschung nicht rein auf Post-mortem-Diagnosen anhand von Tagebüchern und Berichten des Umfelds stützt, sondern, dass mehr Serienkiller als Amokläufer ihre Taten überlebten und über Jahre und Jahrzehnte hinweg erforscht werden konnten.

          Serien- und Massenmörder gemeinsam zu untersuchen ist vollkommen unproblematisch. Es ist auch nicht richtig, dass man bei Massenmördern „rein auf Post-mortem-Diagnosen“ angewiesen wäre oder dass die Ursachen für Serienmorde „gut erforscht“ seien. Das wird in der Studie alles ausgiebig diskutiert.

          Mela empört sich über Ferndiagnosen, scheut sich aber nicht, selbst aus der Ferne festzustellen, dass bei Lanza und Elliot eine Asperger-Diagnose nicht in Frage kommt.

          Für unsere Diskussion ist das aber eh nicht relevant. Es steht hier der Vorwurf im Raum, die Medien würden uns mit Aussagen wie „Autisten sind Massenmörder“ traktieren. Das ist offenbar nicht der Fall. Ich hab allerdings den Eindruck, dass hier jede Berichterstattung über Autismus in negativen Zusammenhängen unerwünscht ist. Dass man solche negativen Aspekte gar nicht diskutieren möchte.

        • Ich seh grad, der Satz aus den Highlights findet sich doch im Text. Das ist zwar eine sprachliche Nachlässigkeit, es ist im Zusammenhang aber klar was gemeint ist. Es wird halt dieser Teilsatz wiederaufgegriffen: 106 were found to have evidence of ASD and/or head injury. Hatte es glatt überlesen.

    • Mueller8de schreibt:

      Dein Kommentar ist eine Zumutung.-
      Dich möchte ich nicht kennenlernen.
      Den Querdenker schon.

  7. Formatierungsfehler:

    So sollte es sein:

    Du meinst sicher: fürchten um ihre Exklusivität. Du fühst dich persönlich angegriffen und greifst im Gegenzug sofort an, und zwar auf durchaus persönliche Weise. Alles nur wegen dieser einen Formulierung von ganz oben. Du steigerst dich da echt in was rein.

    Zum Wiesbadener Kurier:
    Hier wird etwas Wichtiges nur ein einziges Mal erwähnt:
    Oleg ist Autist, er leidet zudem unter paranoider Schizophrenie.

    In der Überschrift un dim Fazit wird degegen nur der Autismus erwähnt. DAS finde ich kritikwürdig.

  8. Da bin ich doch wieder froh diese Artikel nicht gelesen zu haben, denn alleine die Auszüge dieser texte machen mich wieder wütend. Manchmal muss ich mich wirklich für andere NT´s schämen und kann auch nicht begreifen, dass es immer noch Journalisten gibt, die nicht bereit sind zu recherchieren, sich zu informieren. Ich möchte dann manchmal gar kein NT sein…

    • quergedachtes schreibt:

      Ich habe kürzlich erst zwei Journalisten kennengelernt die sehr nett waren, viel wissen wollten und durchaus lange und gründlich recherchieren. Und mit solchen Menschen arbeite ich dann auch sehr gerne zusammen🙂

  9. Mueller8de schreibt:

    Ich versuche noch immer, den Artikel in zugänglicher Form zu bekommen. Üblicherweise irrst Du Dich aber nicht. Ich weiß auch, dass Du viel nachdenkst, bevor Du schreibst und dass Du blitzgescheit bist und jederzeit über die persönliche Betroffenheit weit hinaus schauen kannst.
    Solche Fleischhauers gibt es immer wieder: Ab aufs hohe Roß und voran, egal, wer da gerade niedergeritten wird und egal mit welcher Vorgehensweise. Hauptsache „ich“ (=Fleischh.) habe recht und sehe dabei auch noch gut aus.
    Im Prinzip macht er das gleiche wie die meisten „Fachkräfte“: Er betrachtet Objekte, anstatt mit Subjekten in Austausch zu treten.
    Du bist wirklich an der Front, was diese Diskussionen angeht. Ein beinharter Job, wie es scheint.
    #respektfürquergedachtes

  10. Johannes Lewke schreibt:

    Ich frage mich, wie die Medien regelmäßig an Informationen über eine vermeintliche Autismusdiagnose von solchen Leuten kommen. Es muss entweder frei erfunden sein oder es hat ein Arzt seine Schweigepflicht verletzt.

  11. Anita schreibt:

    Die Frage, die Querdenker hier aufwirft:

    Was bleibt in den Köpfen der anderen Leser hängen?
    Sind es die Schlagworte oder der kausale Zusammenhang?

    Ich bitte Dich, versetze Dich mal in den Norm-Leser einer Zeitung hinein. Der bestenfalls noch Kinder an einer Schule hat, wo ein Autist integriert /inkludiert wird.
    Wieviele dieser Norm-Leser werden hier adäquat lesen und nicht verallgemeinern??
    Wie werden sie reagieren, wenn der Autist in der Schule dann merkwürdig reagiert oder gar in einen Overload, Meltdowan oder Shutdowan läuft?
    Was werden sie ihren Kindern sagen?
    Wie werden sie gegenüber der Schulleitung argumentieren?

    An einer Schule fällt es am schnellsten auf und hat die schlimmsten Auswirkungen für das autistische Kind.

    Später am Arbeitsplatz ist es immer noch schwierig, aber die Masse der beteiligten Menschen ist geringer!💡

    Und Autismus ist KEINE Modediagnose! Es mag nur so wirken, da heute aufgrund erhöhten Wissens vernünftiger diagnostiziert wird.

    UND die Möglichkeiten für „anders“ tickende Menschen sich in der Gesellschaft einzubringen sind sehr stark minimiert worden. Das verdanken wir unserer neuen Arbeitswelt und der auf Wirtschaftlichkeit getrimmten Schulen.

  12. Pingback: Trau, Schau, wem | Quergedachtes | Ein Blog über Autismus

  13. Anita schreibt:

    @ Stefan Fleischhauer

    Zitat: „Folgenes würde ich auf jeden Fall einräumen: Die Überschriften von Artikeln sind oft ein Ärgernis. Meines Wissens werden die auch sehr oft nicht von den Autoren gemacht (eigentlich aus gutem Grund). Das ist aber ein grundsätzliches Problem und betrifft nicht nur Artikel über Autismus.“

    Nun ja, vielleicht gibst Du Dir nun noch die Mühe und liest mein Post und beantwortest mir die folgenden Fragen

    Zitat Anita:
    „Wieviele dieser Norm-Leser werden hier adäquat lesen und nicht verallgemeinern??
    Wie werden sie reagieren, wenn der Autist in der Schule dann merkwürdig reagiert oder gar in einen Overload, Meltdown oder Shutdown läuft?
    Was werden sie ihren Kindern sagen?
    Wie werden sie gegenüber der Schulleitung argumentieren?“

    Und ein grundsätzliches Problem gehört behoben. Denn grundsätzlich kann ich vernünftige Arbeit von Journalisten erwarten. Außerdem ist mir bei der Studie auch nicht bekannt, nach welchen Faktroen die 239 Probanden ausgewählt worden sind.

    Der Faktor „psychosozialer Stress“ der durch diese Artikel erst ausgelöst wird, wird hier mitnichten beachtet!!

    • Wie der „normale“ Leser reagiert, kann ich dir nicht sagen. Ich bin aber durchaus der Meinung, dass man Medien für unsensible Berichterstattung kritisieren sollte. Das betrifft sicher auch die Berichterstattung über Autismus im Zusammenhang mit Amokläufen. Ich habe Querdenker in einigen Punkten auch zugestimmt. Man muss der Presse allerdings auch zugestehen, dass sie über Autismus auch in unerfreuliche Zusammenhängen berichtet. Bei Selbstmorden gibt es eine Art Selbstverpflichtung, nicht detailliert zu berichten (was allerdings oft nicht eingehalten wird). Man könnte eine solche Selbstverpflichtung vielleicht auch für Amokläufe diskutieren.

      Was mich stört, ist das verzerrte Bild, dass hier vermittelt wird: Dass die Presse quasi eine Autisten-Hetze betreibt. Dass man selbst Fachleuten, die ungeheuer viel für Autisten getan haben, Konkurrenzdenken oder Denken in „Grabenkämpfen“ unterstellt. Die Wichtigtuerei mancher (meist gering) Betroffener. Dieser enorm emotionsgeladene Aktionismus, der auf jedes – gern auch falsch verstandene – Detail mit wutschnaubender Empörung reagiert. Die Feindlichkeit gegenüber wissenschaftlicher Freiheit, gegenüber Expertenwissen, gegenüber Versuchen, Autisten „Normverhalten“ beizubringen, gegen alles und jedes, was nicht den eigene Moralvorstellungen entspricht.

      Und ein grundsätzliches Problem gehört behoben.
      Das ist ja nun wirklich ein weites Feld. Ich fürchte, dieses Problem lässt sich nicht so einfach beheben. Vor allem nicht, wenn man selbst sehr aggressiv auftritt.

      Außerdem ist mir bei der Studie auch nicht bekannt, nach welchen Faktoren die 239 Probanden ausgewählt worden sind.

      Our searches of both peer reviewed literature and other sources found information on 404 killers. Of these, 21 were removed as no further information could be obtained other than how many they had killed. A further 82 were excluded because they were apprehended before 1985, and 62 were removed as they had killed fewer than three people. This left 239 eligible killers.

      Our searches of both peer reviewed literature and other sources – das wird im Text noch detaillierter beschrieben.

  14. Anita schreibt:

    Zitat: „Wie der “normale” Leser reagiert, kann ich dir nicht sagen. “

    Als Mutter von 4 autistischen Kindern kann ich Dir sagen, wie die Reaktionen ausfallen.

    – Lehrer gehen offen auf die Eltern zu und sprechen von der falschen Schulwahl
    – Autismusbeauftragte kommen sehr schnell mit dem Argument, dass ein Klinikaufenthalt oder eine Wohngruppe (schön separiert) das Beste für den jeweiligen Autisten sei
    – Eltern sprechen offen an, dass es doch gefährlich wäre, ihre Kinder mit einem Autisten gemeinsam zu beschulen!!
    – Rektoren werden gebeten, den Autisten aus der Schule zu entfernen
    – Kinder werden manipuliert, den Autisten auszugrenzen

    DAS ist es, was nach solchen Artikeln in Schulen geschieht!

    Die „Grabenkämpfe“ der „Fach“-Leute (und ja einige gehören tatsächlich nur in Fächer) sind massiv. Zum Teil werden fundierte Diagnosen einfach ignoriert oder negiert. Ein Autist hat nach Schema seine Schwächen zu haben und entsprechend zu reagieren.

    JA es gibt die Vernünftigen. Die Lernbereitschaft behalten, obwohl sie eine Professur inne haben, weil sie merken, dass bisher gelehrte Bild nicht vollständig ist.
    ABER es gibt eben auch jene, die beratungsresistent sind.

    Zu einem vernünftigen Bild in der Presse gehört meines Erachtens, dass beide Seiten berücksichtigt werden.

    Und da ich bereits seit 4 Jahren zwangsweise im Bereich Schule befinde, viele „Fach“-Leute kennenlernen „durfte (musste), von Ämtern nach solchen Artikeln über die Sinnhaftigkeit der Hilfen angesprochen wurde (nein, sie wurde angezweifelt) usw. usf., denke ich durchaus, dass ich mir hier eine Meinung bilden darf.

    Ich steh halt an der „Front“ und muss argumentieren, selbst wenn meine Kinder aufgrund von Sozialstress mal nicht adäquat reagiert haben.

    Und darüber, ob Autismus oder Hirnverletzungen jemanden zu einem Massenmörder macht, fehlt die Vergleichszahl, wieviele Autisten und Hirnverletzte es gibt, die trotz psychosozialen Stresses eben NICHT zu Massenmördern wurden!!! Wie hoch der Prozentsatz also auf das Gesamtaufkommen dieser Gruppen ist. Wenn man sich im Promillebereich bewegt, dann sollte man es halt auch sagen.

    UND man sollte direkt dazu sagen, dass die derzeitige Versorgung, Unterstützung und Bereitschaft zur Hilfe immer noch zu gering ist, um es eben NICHT zu psychosozialen Stress kommen zu lassen.

    Ich weiß nicht, ob Du Kontakt zu Eltern von autistischen Kindern hast.
    Ich weiß nicht, ob Du weißt, welchen Behördenmarathon man zu bewältigen hat, damit man überhaupt IRGENDEINE Hilfe genehmigt zu bekommen.
    Ich weiß nicht, ob Du weißt, wieviele Autisten aus den Schulen ausgeschult werden und in der Depression landen!
    Ich weiß nicht, ob Dir bekannt ist, wie lange man alleine auf einen ersten Arzttermin warten muss, bis dann die eigentliche Diagnostik überhaupt beginnen kann.

    Die letzte Frage möchte ich Dir gerne schon jetzt beantworten. Die Wartezeit liegt bei 6 – 12 Monaten und oft trift man dann leider auf „Fach“-Leute und beginnt von vorne. Nach diesem Erstgespräch kommt dann wieder eine Wartezeit von min. 6 Wochen, bis die Testung beginnt. Die eigentliche Testung erstreckt sich oft über 6 Monate. Bis dann Hilfen einsetzen, kann es nochmals 12 – 18 Monate dauern!!!

    Und in diesem Zeitraum stehen die Eltern einfach nur alleine da. Nehmen zT an dubiosen Forschungen teil. Versuchen die merkwürdigsten Therapien, die sie selber zahlen (nachdem der Verdacht ausgesprochen wurde) UND kämpfen mit Ängsten und Vorurteilen!

    Erwachsene Autisten, und NICHT nur die „schwach“ Betroffenen, wehren sich zu recht. Um die nachfolgenden Generationen zu schützen.

    Ich gebe zu, dass die Wahl der wörtlichen Mittel nicht immer gut durchdacht ist. Aber die Kritik muss geäußert werden. Sonst ändert sich nie etwas.

    • Amokläufe ziehen meist eine emotional aufgeladene Diskussion nach sich – deshalb hatte ich ja erwähnt, dass man über Selbstverpflichtung der Medien zu einer zurückhaltenden Berichterstattung nachdenken könnte. Aber wenn man das möchte, sollte man nicht selbst in einen hysterischen Ton verfallen, denn dadurch macht man sich unglaubwürdig. Abgesehen davon wird man kaum jemandem verbieten können, im Zusammenhang mit Gewaltverbrechen über Autismus zu berichten und zu forschen. Man kann eigentlich nur Sensibilität anmahnen.

      Ich weiß nicht, von welchen „Fachleuten“ du redest, ich bezog mich mich auf die überzogene Kritik an Inge Kamp-Becker. Dass es im Bereich Autismus – insbesondere im Fall des Asperger-Syndroms – wenig professionelle Anlaufstellen und viel Unkenntnis gibt, ist mir bewusst.

      die Vergleichszahl, wieviele Autisten und Hirnverletzte es gibt, die trotz psychosozialen Stresses eben NICHT zu Massenmördern wurden!!! Wie hoch der Prozentsatz also auf das Gesamtaufkommen dieser Gruppen ist. Wenn man sich im Promillebereich bewegt, dann sollte man es halt auch sagen.

      Promillebereich ist ja noch weit übertrieben, und das wird in der Studie auch ganz gut dargelegt. Massenmorde eind eben so extrem selten, dass es überhaupt nicht möglich ist, Vorhersagen in der von dir vorgegebenen Richtung zu machen. Die Studie macht eine andere Aussage: Es gibt Hinweise darauf, dass der Anteil von ASD und Kopfverletzungen bei Massen-/Serienmördern deutlich höher ist als in der Normalbevölkerung – wobei die Hinweise im Einzelnen so schwach belegt sind, dass für eine gesicherte Erkenntnis Nachfolgestudien mit besseren Werkzeugen nötig sind. Durch die Menge der Hinweise ergibt sich jedoch der Eindruck, dass sich solche weitere Untersuchungen lohnen würden. – So in etwa würde ich die Aussage der Studie zusammenfassen.

      JA es gibt die Vernünftigen. Die Lernbereitschaft behalten, obwohl sie eine Professur inne haben, weil sie merken, dass bisher gelehrte Bild nicht vollständig ist.

      Da würde mich einmal interessieren, inwieweit das „gelehrte Bild“ unvollständig ist und auf welche Professoren oder Lehren du dich beziehst. Welche neuen Erkenntnisse müssen in die Lehrbücher aufgenommen werden?

      Ich weiß nicht, ob Du (…)

      Ich hab da auch nur Einblicke aus dem privaten Umfeld, wobei ich das nicht aus Elternperspektive sehe. Ich weiß aber, dass die Kompetenz der Anlaufstellen stark streut und man letztlich von Einzelpersonen abhängig ist. Das bedeutet für mich aber nicht, grundsätzlich alles anzuzweifeln, was mit „Fachlichkeit“ zu tun hat. Ohne seriöse Forschung wäre es kaum möglich, sinnvoll über Autismus zu reden, allein die Definition bzw. die Diagnosekriterien sind doch das Ergebnis einer Fachdiskussion.

      Erwachsene Autisten, und NICHT nur die “schwach” Betroffenen, wehren sich zu recht.

      Was meinst du mit „erwachsenen“ Autisten? Viele Autisten sind gar nicht in der Lage, sich zu wehren. Das dürfte für so gut wie alle Kanner-Autisten zutreffen, aber auch viele Asperger-Autisten, die nicht in der Lage sind, sich zu vernetzen und politisch zu handeln. Viele, die sich in den Blogs äußern, benutzen zwar inflationär das Wort Autismus, reden aber eher über milde Formen des Asperger-Autismus, oft in Verbindung mit AD(H)S und Hochsensibilität. Mir fehlt da oft der Blick aufs Ganze. Ich sehe dabei auch die Gefahr, dass man durch den verengten Blick auf Dauer Sympathien verliert.

      • quergedachtes schreibt:

        „Aber wenn man das möchte, sollte man nicht selbst in einen hysterischen Ton verfallen, denn dadurch macht man sich unglaubwürdig. Abgesehen davon wird man kaum jemandem verbieten können, im Zusammenhang mit Gewaltverbrechen über Autismus zu berichten und zu forschen. Man kann eigentlich nur Sensibilität anmahnen.“

        „Viele, die sich in den Blogs äußern, benutzen zwar inflationär das Wort Autismus, reden aber eher über milde Formen des Asperger-Autismus, oft in Verbindung mit AD(H)S und Hochsensibilität. Mir fehlt da oft der Blick aufs Ganze. Ich sehe dabei auch die Gefahr, dass man durch den verengten Blick auf Dauer Sympathien verliert.“

        Ich merke Du hast weder diesen Blog noch mein Anliegen richtig verstanden. Schade, denn wenn Du meinen Blog und die Autismuscommunity kennen würdest, hättest Du bemerkt das gerade ich nicht von der Kategorie „draufhauen“ bin. Gerade hier im Blog wird Autismus als Ganzes beschrieben und ich versuche die einzelnen Aspekte den Lesern näher zu bringen. Mir geht es nicht nur um die Thematik sondern auch darum Menschen zusammen zu bringen.
        Anita hat Dir, so ist mein Eindruck, schon sehr gut beschrieben was diverse Medienberichte in der Praxis so anrichten können. Und ich sehe kein Problem darin zum Beispiel den WK zu fragen warum er in der Printversion eine vernünftige und in der Onlineversion eine eher unpassende Überschrift bringt. Es geht her nicht darum negative Berichterstattungen zu verbieten. Es geht darum, dass Autisten sich wehren wenn Autismus erwähnt wird ohne das es einen kausalen Zusammenhang zu diversen Taten gibt.
        Ich fasse mich kurz: Wenn Du mit meiner Meinung nicht einverstanden bist die ich hier im Blog vertrete: Es steht Dir frei den Blog nicht zu lesen.

      • Anita schreibt:

        Nur ganz kurz dazu, ob es Experten gibt, die bereit sind dazu zu lernen.

        Ich habe in Bonn einen Professor kennengelernt, der durch seine Arbeit mit erwachsenen Autisten aus allen Bereichen gelernt hat, die Stärken zu betonen und nicht ausschließlich an den Schwächen rumzumäkeln.

        Der sich in der Kinder- und Jugendpsychiatrie nicht auskennt. Der das Leiden nicht in den Vordergrund stellt. Denn das „Leiden“ kommt zwar in den Vordergrund um überhaupt eine Diagnose zu erhalten, ist aber nicht ausschließlich und immer da.

        Das „Leiden“ tritt dann auf, wenn man so überhaupt gar keine Chance hat, dem psychosozialen Stress auszuweichen.

        Zu dem,

        Zitat:“Viele Autisten sind gar nicht in der Lage, sich zu wehren. Das dürfte für so gut wie alle Kanner-Autisten zutreffen, aber auch viele Asperger-Autisten, die nicht in der Lage sind, sich zu vernetzen und politisch zu handeln.“

        dies liegt für mein Empfinden in hohem Maße daran, dass die Verständnisebene erst gar nicht gesucht wird und/oder Hilfen verweigert oder als nicht richtig befunden werden.

        Zitat: „Viele, die sich in den Blogs äußern, benutzen zwar inflationär das Wort Autismus, reden aber eher über milde Formen des Asperger-Autismus, oft in Verbindung mit AD(H)S und Hochsensibilität.“

        von Inflationär kann eigentlich keine Rede sein. Und wenn meine autistischen Kinder über den ihnen eigenen Autismus sprechen, dann ist es ihr hoch eigener Autismus.
        Denk daran, „Kennst Du einen Autisten, kennst Du genau einen Autisten“.

        Zitat: „Mir fehlt da oft der Blick aufs Ganze. Ich sehe dabei auch die Gefahr, dass man durch den verengten Blick auf Dauer Sympathien verliert.“

        Welche Sympathien?? Uns ist bis jetzt eher immer Skepsis, Abneigung, Vorurteile und Angst entgegen „geschlagen“. Gerade dann, wenn der Stress mal wieder in die Überforderung geführt hat. Auch die von Dir zitierten „milden Foirmen von Autismus“ betroffenen Autisten geraten in Overloads, Meltdowns und Shutdowns. DAS ist NICHT lustig!

        Zitat: „Ich hab da auch nur Einblicke aus dem privaten Umfeld, wobei ich das nicht aus Elternperspektive sehe.“

        Versuche doch mal, Dich gedanklich auf diese Ebene zu begeben und denke Dir nur eine ganze Woche (7/24), wo Du Dich dem „Kreuzfeuer“ stellst, dass Behörden, Schule, Ärzte, Therapeuten und die Kinder auf Dich „abschießen“. Bleibe dabei immer gelassen und ruhig und finde immer, jederzeit und ausschließlich die richtigen ruhigen Worte. Es ist ein Gedankenexperiment, aber ich schätze, Du solltest in der Lage sein, dieses durchzuführen.

        Und ansonsten möchte ich mich Aleksander hier vollumfänglich anschließen.

        Er ist jemand, der überlegt „seziert“ und recherchiert und eben NICHT draufhaut, sondern anmahnt.

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  17. blutigerlaie schreibt:

    Ich gestehe, ich habe die Kommentare nur überflogen, was hängengeblieben ist, bringt mich aber zum Schreiben: die „Fehlerchen“ der Journalisten und die Tatsache, daß bei den meisten (wie bei mir, s.o. mangels Zeit) nur Stichpunkte hängenbleiben, sorgen dafür, daß Vorurteile blühen. Ich habe ebenfalls autistische Kinder und kenne, wie Anita beschreibt, die Situation, mich immer wieder erklären zu müssen gegenüber aufgestachelten Eltern, bei Dingen, von denen ich weiß, man kann sie in Ruhe abwarten-
    vor Jahren einen Kommentar vom Autisten Paul Isaacs zum Thema Amoklauf gelesen, der war klasse, ich finde ihn leider nicht mehr. Er handelte differenziert davon, daß nicht der Autismus einen zur Gewalt treibt, aber die Gewalt, die man als nicht verstandener Autist u.U. erfährt und gegen die man hilflos ist, die man ansonsten nur stumm akzeptieren kann. Und ja, in dem Moment, wo der Autismus bekannt ist, sind in dem Moment wirklich NUR ide Autisten für eine Verständigung verantwortlich? Kann und will ich nicht akzeptieren… BTW, NTs, die jedes Fehlverhalten emotional und laut anklagen, dabei in Klischees und Verallgemeinerungen baden, Äpfel mit Birnen vergleichen, vom Jetzt auf alle Katastrophen schließen, nehmen einem durch ihren emotionalen Druck die letzte Möglichkeit zur Verständigung und helfen damit dem, was sie fürchten, erst richtig auf den Weg!
    Wünsche mir einen Zauberstab um wenigstens Verständigungsbereitschaft zu zaubern.

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