Wenn Autisten ins Gas sollen und Twitter das nicht juckt

Eigentlich fehlen mir die Worte. Ich blogge trotzdem, was ich heute früh erlebt habe ist unter aller Sau (bitte verzeiht diese Ausdrucksweise) und macht mich wütend.

Alles fing heute früh mit einem Hinweis auf einen Tweet an:

Ein Tweet in dem gefordert wird "Autisten ins Gas"

Der Tweet spricht sicher für sich und kann in meinen Augen auch weder als Scherz oder unüberlegter Streich abgetan werden. Hier wird öffentlich gefordert das Autisten vergast gehören. Ich finde es schlimm das solche Aussagen mittlerweile anscheinend Salonfähig geworden sind und es als harmlos angesehen wird das Minderheiten, Religionen, Menschen mit einer Behinderung oder einfach nur andersdenkende schlicht vergast gehören. Das hatten wir schon einmal und aus Geschichte sollte man lernen.

Also auf zum Twitterformular um den Account und den Tweet zu melden. Was hier schon auffällt: Was Twitter alles wissen möchte damit man sowas melden kann ist schon sehr umfangreich. Alleine das schreckt schon einige User ab so eine Meldung abzugeben. Aber ich will dass sowas sanktioniert wird und habe die Meldung dann auch abgeschickt.

Was kam als Reaktion? Ein netter und automatischer Hinweis von Twitter:

„Vielen Dank für Ihre Meldung. Meldungen über Belästigungen werden vom Twitter Trust & Safety Team nur geprüft, wenn:   1) Sie unmittelbar betroffen sind ODER 2) Sie rechtlich dazu autorisiert sind, die Belästigung im Namen der belästigten Person zu melden.    Mit dieser Richtlinie soll sichergestellt werden, dass wir in direktem Kontakt mit der Person stehen, die Missbrauch oder Belästigung erfahren hat. Auf diese Weise haben wir die Möglichkeit, gegebenenfalls zusätzliche Informationen und Kontext anzufordern. Nach den von Ihnen vorgelegten Informationen erfüllt Ihre Meldung keines der oben genannten Kriterien und wurde daher nicht geprüft.“

Ok, ich hatte tatsächlich vergessen anzugeben das ich selbst Autist und daher unmittelbar von dem verbalen Dünnschiss betroffen bin. Aber ist das in so einem Fall wirklich notwendig?

Weiter heißt es:

„Wenn Sie denken, dass Sie dazu berechtigt sind, im Namen der Person zu handeln, die Missbrauch oder Belästigung erfahren hat, erstellen Sie über das Formular für missbräuchliche Nutzer eine neue Support-Anfrage und geben Sie diese Antwort in Ihrer Meldung an.“

Wenn ich also denke dass ich berechtigt bin für mich als Autist zu handeln soll ich nochmal eine Meldung abschicken? Auf die dann wieder die gleiche automatische Antwort kommt? Was für ein Blödsinn ist das denn? Zum einen kann das jeder denken (und wird er dann mehr beachtet?), zum anderen: Muss man berechtigt dazu sein sich für andere Menschen einzusetzen? Und wie kann man das in den Augen von Twitter sein?

Aber weiter in der Email von Twitter:

Wenn Sie glauben, dass die von Ihnen gemeldeten Inhalte oder Verhaltensweisen gemäß Ihrer lokalen Rechtsprechung strafbar sind, antworten Sie auf diese E-Mail mit zusätzlichen Informationen zu den Gesetzen, gegen die sie möglicherweise verstoßen. Nur so können wir mit der Prüfung des Sachverhalts beginnen.“

Eigentlich müsste ich nun dankbar dafür sein das ich, als offentsichtlich nicht persönlich von diesem Hetztweet betroffener und auch nicht zum Protest berechtigter Mensch, doch noch etwas ausrichten kann. Ich soll also auf Gesetze und §en hinweisen das dieser Tweet in Deutschland womöglich strafbar ist? Bin ich Jurist? Habe ich Ahnung vom komplexen Rechtssystem in diesem Lande? Anscheinend billigt man bei Twitter nur juristisch erfahrenen und belesenen Menschen das Recht zu sich über absolut untragbare Inhalte zu beschweren. Nun gut, wozu hat man denn Twitter, ich fragte einfach meine Follower nach entsprechenden Hinweisen. Twitter macht es sich hier recht einfach: Sie können hier jede Anfrage praktisch ablehnen wenn falsche Paragrafen aufgeführt werden. Es wird sich wegen § 130 StGB (Volksverhetzung) beschwert? Sehen wir anders, Account und Tweet bleiben. Ende der Bearbeitung. Ich frage mich: Beschäftigt Twitter für jedes Land mindestens einen Juristen der entscheiden kann ob eine Beschwerde und die angeführten Paragrafen wirklich berechtigt sind? Oder liegt es am Sachbearbeiter zu entscheiden: „Jo klingt gut: Accountban“ bzw. „Nay der soll sich mal nicht so aufregen“?

Aktuell steht noch eine Reaktion seitens Twitter aus, der Tweet wurde vom User gelöscht, der Account besteht weiterhin. Der Vorfall ist damit sicher noch nicht beendet.

Ich kann aber zwei Dinge jetzt schon mit Sicherheit sagen:

Sich bei Twitter gegen Hetze und nazionalsozialistisch geprägtes Gedankengut zu wehren ist fast unmöglich. Jedem der sich beschweren möchte werden unzählige Steine in den Weg gelegt. Ich finde das ist ein unerträglicher Zustand in den heutigen Zeiten. Zumal ein Eingreifen seitens Twitter leicht wäre.

Die andere Erkenntnis ist folgende: Mit ein bisschen gesundem Menschenverstand bei der Ticketbearbeitung hätte sich das Problem innerhalb weniger Minuten lösen lassen können. Es muss eigentlich jedem Menschen klar sein: Die Aussage das Menschen vergast werden sollen ist ein NoGo! Euthanasie ist ein unbeschreibliches Verbrechen, das Gedankengut dahinter grausam. Der Kampf gegen bürokratische Windmühlen ist übrigens mindestens genauso verletzend und demütigend wie die Aussage „ Autisten ins Gas“ ansich.

Twitteruser: Wehrt Euch!

Twitter: Handel endlich!

Update 22 Stunden nach Veröffentlichung:

Der Account ist mittlerweile gelöscht. Das ist aber wohl eher einem Aufruf zum Spamblock seitens der Community zu verdanken. Von Twitter bisher keine Reaktion. Weder von offiziellen Twitteraccounts noch per Email.

Was ist noch passiert?

Mittlerweile versuchen einige User Aufmerksamkeit zu bekommen und trollen sich recht platt durch Twitter. Da hilft nur eines: Ignorieren. Menschen die sowas anscheinend brauchen gibt es immer wieder. Ich sage da nur eines: Holt Euch ein richtiges Leben!

Ich bekam neben dem wirklich überwältigenden Zuspruch – vielen Dank an alle Unterstützer-  auch andere Reaktionen. Die einen fanden die Sache lustig, andere spielten das Geschehen als Getrolle ab. Natürlich kann man irgendwie alles als Getrolle sehen, was man dabei über übersieht ist die Wirkung nach Außen. Es ist Getrolle „Autisten ins Gas“ zu schreiben und man soll es ignorieren? Ist es dann auch ok zur Vergasung von Angehörigen anderer Staaten, Religionen, Menschen mit Behinderung oder einfach andersdenkenden aufzufordern? Und wenn es bei einem ok ist (ist ja „nur“ Getrolle“) wie sieht es bei vielen Stimmen aus? Alles harmlos? Ich denke nicht.

Einige fragten mich: Was hast Du erwartet. Es war klar das Twitter nicht reagiert. Da bleibt mir zu sagen: Ja traurig aber wahr. Aber ich konnte und wollte nicht schweigen.

Was mich direkt zur nächsten Hürde beim Melden von Verstößen bei Twitter bringt:

Meldet man einen Verstoß und gibt an die betreffende Person/Gruppe zu vertreten wird man, natürlich automatisiert, von Twitter aufgefordert folgende Dokumente hochzuladen:

vielen Dank, dass Sie uns darauf aufmerksam gemacht haben. Um Ihre Meldung bearbeiten zu können, benötigen wir einen Nachweis darüber, dass Sie dazu berechtigt sind, diese Person zu vertreten. Wählen Sie eine der folgenden Optionen aus und klicken Sie dann auf den unten stehenden Link, um das erforderliche Dokument bzw. die erforderlichen Dokumente hochzuladen. Wenn Sie darüber hinaus glauben, dass diese Inhalte laut Ihrer lokalen Rechtsprechung strafbar sind, antworten Sie auf diese E-Mail mit diesen Informationen.

Option 1: ein Dokument über Ihre Befugnis, diese Person zu vertreten (z. B. Vertretungsbefugnis, Vollmacht usw.), eine Kopie eines gültigen Lichtbildausweises (z. B. Führerschein, Personalausweis) und eine Kopie Ihrer Visitenkarte ODER

Option 2: eine Kopie eines gültigen Lichtbildausweises der Person (z. B. Führerschein, Personalausweis),

Wieder eine Hürde bei der viele überlegen werden: Muss ich mir das antun? Und wieder eine Hürde die Täter schützt und Opfer belastet.

Nicht zu reden von der Tatsache das man so Zivilcourage sehr effektiv ausbremsen kann. Muss ich wirklich eine Vollmacht haben um Hilfe für jemand anderen anzufordern? Muss ich amtliche Dokumente hochladen um mich beschweren zu dürfen? Und wer schützt Gruppen vor Angriffen? Letztendlich bedeutet das ja: Wenn eine einzelne Person belästigt und bedroht wird ist diese alleine mit diesem Problem. Wenn Gruppen von Menschen belästigt und bedroht werden ist gar keine Hilfe seitens Twitter vorgesehen. Wer hat denn in seinem Personalausweis stehen das er Autist ist? Oder gar eine Vollmacht für Autisten zu sprechen? Hier wird auf Kosten der Menschenwürde (Artikel 1 GG) an Personal gespart und der Arbeitsaufwand für die Abuseabteilung künstlich klein gehalten.

Ich stelle fest: Twitter ist in Deutschland tätig und hat in Deutschland eine Niederlassung. Solange keine Nippel oder andere nackte Haut getwittert werden scheint es egal zu sein ob deutsche User gegen deutsches Recht verstoßen oder nicht. Das die Meinungsfreiheit eben dort aufhört wo die Rechte anderer anfangen interessiert Twitter anscheinend kaum.

Ich bleibe dabei: Wehrt Euch! Engagiert Euch für einen besseren Userschutz und ein schnelleres Durchgreifen von Twitter bei solchen Aussagen wie „Autisten ins Gas“ oder dem öffentlichen Zeigen von Hakenkreuzen in Profilen. Profile können nämlich auch nicht gemeldet werden! Bitte erhebt Eure Stimme, Schweigen ist tatenloses Zusehen!

TWITTER: Schütz endlich Deine User mit denen Du Dein Geld verdienst!

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48 Antworten zu Wenn Autisten ins Gas sollen und Twitter das nicht juckt

    • Ihre Akelheit schreibt:

      Vom Umgang mit Trollen und anderen Höhlenbewohnern: Der Tweet ist ebenso dämlich und ignorant wie verletztend. Soziale Medien funktionieren über Vernetzung der teilnehmenden Individuen. Das vorausgeschickt.
      1. Hat man die Möglichkeit, den Verantwortlichen dieses Tweets persönlich zu konfrontieren? Wahrscheinlich nicht.
      2. Sieht sich das Unternehmen in der Pflicht, die Inhalte zu kontrollieren? Wahrscheinlich nicht. Gründe dafür wurden ausgiebig besprochen. Die absurde Liste der Meldevoraussetzungen spricht ebenfalls dafür. Soziale Medien und Verantwortung des Einzelnen stehen nicht gerade auf der Agenda der üblichen Verdächtigen. Bis auf Shitstürme fürchten sie wenig.
      3. Was bleibt? Kommunikative Vereinnahmung der Trollhöhle. Die Redefreiheit gilt schliesslich nicht nur für Höhlenbewohner. Man muss ihnen also die Decke, unter der sie sich häuslich eingenistet haben, wegziehen (und sie sich als Kälteschutz umlegen, um im Bild zu bleiben). Je mehr Leute die Trollhöhle entern, desto besser. Das wirkt schneller als einen Giganten anzuzwitschern.

  1. susanna14 schreibt:

    Im Prinzip sind die Leute von Twitter doch total dumm, wenn sie Menschen auffordern, die entsprechenden Gesetze zu nennen, anstatt dass sie selbst in die Gesetzbücher schauen. Du bist doch freundlich zu ihnen, wenn du sie warnst, dass sie möglicherweise gegen Gesetze verstoßen. Sie haben doch das Problem, wenn ein gelernter Jurist das herausfindet und Volksverhetzung feststellt. (Auf Amerikanisch wäre das, glaube ich, „hate speech“.)

  2. Anita schreibt:

    Dumme Frage nebenbei,
    kann man diesen Tweet bzw. den User nicht einfach der Polizei melden?

    Wenn die Polizei bzw. die Staatsanwaltschaft bei Twitter aufgrund dieses Vorganges meldet, dann sollte doch eine Reaktion möglich sein, oder?

    • quergedachtes schreibt:

      Der Tweet wurde ja mittlerweile gelöscht. Die Frage ist ob und wie die Polizei reagiert😦

      • Anita schreibt:

        Das wäre m it einer Email abzuklären. Sollte der User Deutscher sein, dann sollte man das Wissen um Volksverhetzung voraussetzen und die Polizei sollte hier im öffentlichen Interesse ermitteln.

        Denn Volksverhetzung ist ja öffentliches Interesse.

        Zumindest sollte man aber von der Polizei entsprechende Hinweise bekommen können (per Mail, also schiftlich), wie man hier generell verfahren soll.💡😉

        • Britta schreibt:

          Genau, eigentlich sollte man sowas meiner Meinung nach der Polizei melden. Habe auf FB schon Fälle gesehen, die für solche Aussagen angeklagt worden sind. Nichts anderes haben sie verdient.
          Vielleicht beim nächsten Mal gar nicht erst an Twitter herantreten, wo dann möglicherweise Spuren verwischt werden, sondern direkt zur Polizei.

  3. jackobli schreibt:

    Twitterer sind nicht bessere Menschen als die auf anderen Socialmedia-Kanälen (FB etc.).

    Twitter ist ein US-Unternehmen und daher dem «Freedom of Speach» (1. Zusatzartikel zur Verfassung) verpflichtet.

    Vermutlich werden pro Tag mehrere tausend «Meldungen» von Benutzern zu Tweets abgesetzt. Da muss man wohl die Messlatte etwas hoch setzen für Meldungen. 99% der Meldungen werden wohl auch eher strafrechtlich nicht relevant sein (einfach, weil man jemanden oder seine Meinung nicht mag).

    Wenn es übel ist, behaupte ich, ich sei betroffen und ganz sicher blockiere/mute ich entsprechende Benutzer.

  4. Tante ju schreibt:

    Vorweg: Der Tweet ist geschmacklos und dumm und für Betroffene sicher eine tiefe Beleidigung.

    Aber: Das Recht auf freie Meinungsäußerung sollte ein sehr hohes Gut sein, inklusive der damit verbundenen Seiteneffekte. Jeder soll das Recht haben, sich nach Belieben lächerlich zu machen oder seine Dummheit preiszugeben. Verbot von schwachsinnigen oder bösen Aussagen (die keine direkte Handlungsaufforderung oder direkte Bedrohung oder Beleidigung sind), löst weder die Ursache noch beseitigt es die Dummheit. Es macht sie nur unsichtbar, und damit gefährlich. Und es ist Zensur und Zensur findet nicht statt (behauptet das Grundgesetz). Aus guten Gründen.

    Ich mache mir auch erstmal keine Sorgen über irgendwelches krudes Gedankengut (welches seit 70 Jahren mit dem Begriff Nazi verbunden wird, aber auch vor denen schon existierte) als solches. Ich fange erst an, mir Gedanken zu machen, wenn die Gesellschaft nicht mehr reagiert. Wenn also plötzlich irgendwelche Demos stattfinden sollten, bei denen die Gegendemo nicht mehr größer ist als die eigentliche Demo. Denn das würde bedeuten, daß die für die freie Meinungsbildung notwendigen kontroversen Positionen nicht mehr da sind, sondern alle „auf Linie“ sind.

    Auch wenn das Thema dieses Tweets in eine andere Richtung ging, würde ich auch sagen, rein rechtlich ist da so pauschal nix zu holen. Ich sehe das in einer Linie mit „Alle Soldaten sind Mörder“ oder „ACAB“, bei denen das Bundesverfassungsgericht entsprechende Beschwerden negativ beschied.

    Ob Twitter jetzt die Geschmackspolizei spielen möchte, weiß ich nicht. Ist deren Unternehmenspolitik. Als amerikanisches Unternehmen würde ich vermuten, sie halten die partielle Meinungsfreiheit sehr hoch (so lange es nicht gegen die Partei des CEO, die Firma als solches und ein paar andere Dinge geht. Nippel sind wahrscheinlich auch böse.).

    Zurück zum Tweet würde ich sagen, das ist noch nichtmal eine Position. Das ist eine dumme Äußerung eines pubertierenden Kindes, welches provozieren wollte und es auch wohl geschafft hat, ohne selber zu wissen, was es da schreibt. Vermutlich gibt es im Verwandten-/Bekanntenkreis eine/n Autisten/in, mit individuell gefühlt mehr Zuwendung.

    • quergedachtes schreibt:

      „Ich mache mir auch erstmal keine Sorgen über irgendwelches krudes Gedankengut (welches seit 70 Jahren mit dem Begriff Nazi verbunden wird, aber auch vor denen schon existierte) als solches. Ich fange erst an, mir Gedanken zu machen, wenn die Gesellschaft nicht mehr reagiert.“

      Nun das tue ich hiermit. Ich reagiere und schweige nicht. Bezüglich des Tweets gibt es da ein Sprichwort: Dummheit schützt vor Strafe nicht.

      • Anita schreibt:

        Ebenso schützt weder Unwissenheit noch jugendliches Alter.

        Wenn der Verdacht, dass es sich um ein Kind handelt, gegeben wäre, so sollten die Eltern hier in die elterliche Pflicht genommen werden.

        Dies werden sie schließlich auch, wenn das Kind Worte wie zB „Amok“ im Konjunktiv benutzt. Also hätte, könnte würde. und da werden zB Schule oder Jugendamt oder Polizei oder oder oder sehr schnell sehr nervös.

        Warum sollte man also volskverhetzende Inhalte so lapidar abtun dürfen?? *grübel*

        • Tante ju schreibt:

          Ich habe meine Zweifel, daß dieses Volksverhetzung ist. Und ob Eltern zuständig sind oder der Autor die 3*6 schon hinter sich hat, weiß ich auch nicht.

          Aber ich weiß, daß der schnelle Ruf nach „da muß doch wer was machen“ ganz stark nach Verantwortung abschieben riecht. Öffentliche Meinung sind wir alle. Dazu müssen wir sie äußern und uns damit auseinandersetzen. So, wie es dieser Blog-Artikel ja tut. Man kann sie nicht in Amtsstuben delegieren.

      • Tante ju schreibt:

        „Nun das tue ich hiermit. Ich reagiere und schweige nicht. Bezüglich des Tweets gibt es da ein Sprichwort: Dummheit schützt vor Strafe nicht“

        Ja und das ist auch gut so. Aber der Ruf nach Twitters Verantwortung oder sogar Justitia geht hier zu weit. Das öffentlich machen, die Auseinandesetzung damit, das sind die Dinge die wichtig sind und Position zu beziehen.

    • Forscher schreibt:

      Bitte nicht damit anfangen, dass Wiederbetätigung bloß dumme Bubenstreiche sind. Nicht bei 5 % NPD und 10 % AfD und generell erstarkender Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz. Je früher auch ein junger Mensch Klarheit erhält, dass das nicht Dummheit ist, sondern ein zutiefst verabscheuungswürdiges Verhalten, desto besser.

      • Tante ju schreibt:

        Lass mal die Prozente raus, denn die berücksichtigen die größte Partei, die der Nichtwähler, nämlich nicht und sollten nur im Kontext gesehen werden.

        Du bist also der Meinung, daß „draufhauen“, „bestrafen“, oder „verbieten“ jungen Menschen klar macht, daß etwas anderes ist als „von den alten Säcken unterdrücktes“? Wenn wir die Geschichte nehmen, dann aber richtig. Denn mit solchem Verhalten stellst Du die Wirrköpfe auf eine Stufe z.B. mit Luther, der auch „verbotenes“ aussprach. Und ich denke, es bedarf keiner Diskussion, daß es da massive Unterschiede gibt.

        • Forscher schreibt:

          Im speziellen Fall der Wiederbetätigung folge ich der Argumentation der Justiz, dass wir aufgrund unserer Geschichte eine besonderere Verantwortung haben, dass so etwas nie wieder vorkommt. Deswegen bin ich nicht für freie Meinungsäußerung, wenn sie die Menschenwürde verletzt.

  5. Pingback: Wenn Autisten ins Gas sollen und Twitter das nicht juckt | Lesbar und Texterei von Texthase Online

  6. Anita schreibt:

    @ Tante Ju

    weißt Du, wenn dann gleiches Recht für alle gelten würde, dann wäre es gut.

    Aber ehrlich, ich musste für meien Sohn, der sich im Konjunktiv eben über das og. Wort (nach einer Provokation eben über sein Verhalten im Sportunterricht) ausdrückte, zum Direx und er bekam TROTZ Konjunktiv einen Verweis an der Schule.

    So, und warum muss dies nun hier so und dort anders behandelt werden?

    • Tante ju schreibt:

      Weil Menschen nunmal subjektiv sind. Immer. Manchmal freut man sich darüber, viel öfter ärgert man sich darüber. Aber es ist nunmal so.

      Vielleicht hätte dieser Tweet bei einem Schüler an der Schule Deines Sohnes auch für einen Verweis oder sogar noch mehr gereicht? Wäre in meinen Augen auch durchaus gerechtfertigt gewesen. Aber wahrscheinlich gibt es genug Schulen, in denen die Bemerkung Deines Sohnes gar keine Konsequenzen gehabt hätte.

      Aber Du willst Doch einen Verweis vom Direx nicht mit der Keule des Strafgesetzes gleichsetzen, oder?

      • Anita schreibt:

        Da der Direx damals nur davon abgerückt ist, die Polkizei in Kenntnis zu setzen,
        weil wir den Konjunktiv erklären und beweisen konnten, sehe ich da durchaus einen Zusammenhang.

        Und in dem Tweet kann ich keinen Konjunktiv erkennen.

        Vielmehr erkenne ich, dass diese Sprüche irgendwann ungefiltert auf Schulhöfen landen könnten und jugendlichen Autisten „um die Ohren geschlagen“ werden.

        So wie es auch immer wieder vorkommt, dass diese mit Erde oder Steinen beschmissen werden, weil sie so „anders“ sind.

        Fällt unter die Rubrik „!geht gar nicht / NoGo“💡

  7. Mirko schreibt:

    Die Meinungsfreiheit hat in den USA einen viel, viel höheren Stellenwert als bei uns (Bill of Rights, erster Zusatz zur Verfassung, usw.). Was in allen möglichen Ländern Volksverhetzung oder sogar Anstiftung zu Straftaten und dergleichen ist, ist in den USA Freedom of Speech.

    Und das sind nun mal alles amerikanische Unternehmen mit anderer Sozialisation und die posaunen Ihre Weltauffassung hinaus in die Welt. Und wenn sich da ein kleiner Deutscher über eine Aussage stört, da lachen die nur drüber: „Hey, der Typ hat’s doch nur geschrieben, nicht gemacht, wo ist das Problem?“

    • quergedachtes schreibt:

      Die Meinungsfreiheit hört dort aber auch ganz schnell bei nackter Haut auf, gell?

    • icke schreibt:

      Twitter mag ein Unternehmen aus den USA sein, dennoch agieren sie zielgerichtet im Raum der EU bzw. Deutschlands und müssen sich somit zwingend an hiesige Regeln halten. Sie machen das dann auch noch so gezielt, dass es explizit Seiten für Deutschland gibt, wie z.B. blog.de.twitter.com

      Neben dem in Berlin geplanten Standort gibt es noch welche in Irland und UK. Ganz so US amerikanisch ist der Laden dann doch nicht mehr, so dass diese Ausrede mit „Freedom od speech“ bzw. dem, was einige hierzulande darunter verstehen wollen, nicht mehr zieht…

      Dies ist am Ende dann sogar per internationaler Verträge (USA/D, USA/EU, o.ä.) geregelt.

  8. dubberle schreibt:

    Mam sollte in solch einem Fall vermutlich besser Anzeige erstatten. Selbst wenn der Account durch Twitter gelöscht würde, brächte das nix: unter neuem Account ginge es fröhlich weiter. Es geht ja schließlich nicht um den Account, sondern um den Autor dahinter.

  9. moonshine00 schreibt:

    Ich habe soetwas ähnliches auch schon erlebt. Nach ca. 20 Mails haben die MICH dann gebannt… jetzt komme ich nicht mehr in meinem Account rein.
    Die Meisten denken, die können im Internet einfach mal das sagen, was sie solle. Ja sie machen sich dadurch strafbar (ich habe im Politik Unterricht gut aufgepasst, Rechte interessieren mich sehr) Twitter wird wohl kaum einen Juristen da sitzen haben der nach sieht, ich denke sowieso, dass es denen ziemlich egal ist und sie die Situationen nicht mal überprüfen

  10. zentao schreibt:

    Dummheit stirbt nicht aus, es gibt zu viele dumme Menschen um sich darüber aufzuregen.
    Dass Du Dich aufregst, das verstehe ich sehr gut..

  11. lena schreibt:

    Ich weiss nicht wer damit angefangen hat, aber einige zeigen nach. Sollte es zur Polizei gehen, wurde ich dir die Screenshots zur Verfügung stellen, die ich bis dahin gemacht hatte,

  12. anderssein2000 schreibt:

    ok, ich bin ein Besserwisser, aber Vergasung ist keine Euthanasie, sondern schlicht und ergreifend Mord, Euthanasie ist noch eine andere Hausnummer (RW).
    Trotzdem: danke für diesen Artikel. Auch ich kann sehr gut verstehen, dass Du Dich über derartigen Müll aufregst. Leider ist es so, dass in den verschiedenen Netzwerken ein anderes Niveau gepflegt wird und -nach meiner Auffassung- ein zum Teil unterirdisches Wissen und Bewusstsein vorherrscht. Der Verfasser, sowie wahrscheinlich auch der der prüft, ob etwas gegen die Grundsätze verstößt, ist sich wahrscheinlich noch nicht einmal bewusst, dass da ein Phrase benutzt wird, die millionenfaches Leid beinhaltet und die ein sehr großes geschichtliches Gewicht hat.

  13. MM schreibt:

    Gut, dass der Tweet und wohl auch der Account gelöscht wurde. Dass so was natürlich nicht geht ist klar und zwar egal, welches Alter jemand hat.

    Trotzdem auch ein kritische Worte: Da der Account wohl gelöscht wurde, bedeutet es genau, dass solche Äußerungen eben gerade nicht „salonfähig“ geworden sind. „Salonfähig“ bedeutet, dass etwas der Etikette und der Ethik einer Gesellschaft entspricht. Das tun solche Äußerungen nicht, was sich recht einfach überprüfen lässt.

  14. Johannes Lewke schreibt:

    Mindestens so gefährlich wie ein solcher Tweet ist auch die große Masse, die solchen Leuten hinterherläuft und fröhlich mit einstimmt. So können sich dann immer gefährlichere Aussagen entwickeln. Ich bin auf jeden Fall für eine strafrechtliche Verfolgung, sofern das noch möglich ist.

  15. Leider ist es so, da Twitter ein amerikanisches Unternehmen ist, dass die freie meinungsäußerung stärker schützt, als es gut ist, dass dieser User sicher nicht gelöscht wird, deswegen ein Tipp: Wenn Du so etwas siehtst, druck es aus und geb es zur örtlichen Polizei – die gehen dem dann nach…. Du hast im übrigen geschrieben dass Menschen, die solche Äußerungen von sich geben aus der Geschichte lernen sollten, aber dazu ein leider trauriges, aber treffendes Zitat: “ „Die Geschichte lehrt die Menschen, daß die Geschichte die Menschen nichts lehrt.“

    Mahatma Gandhi

    Das einzige was hilft ist diese Menschen bei der polizei zu melden oder sich die Mühe zu machen und zu versuchen ihnen näher zu bringen warum diese Aussagen falsch un gefährlich sind, was aber leider nur in den wenigsten Fällen etwas hilft…

    LG Sabrina

    PS: Danke, dass Du nicht weg schaust🙂

  16. irgendwiejuna schreibt:

    Danke!!!!

  17. piri ulbrich schreibt:

    Da kräuseln sich bei mir sämtliche Nackenhaare wenn ich sowas lese. Was passiert dann mit geistig behinderten Menschen, die weder lesen, rechnen, schreiben, laufen, reden, hören etc. pp. können!

  18. Julia Seeliger schreibt:

    Die Sprache von Krautchan ist, zugegeben, gewöhnungsbedürftig, aber der Faschismus ist leider anderswo – und so lange solche Tweets als Beleg für Menschenfeindlichkeit zitiert werden (vgl. Julia Schramm auf BR), könnt ihr euch mit Scheindebatten befassen, die nichts bewirken. Herzlichen Glückwunsch.

    Gerade als Autist*in sollte man Krautchan kennen, kann ich dir sagen.

    • quergedachtes schreibt:

      Ich verstehe nicht so ganz was Du mir/den Lesern sagen möchtest. Warum muss ich als Autist Krautchan kennen?
      Es geht hier nicht um Scheindebatten, es geht darum das Twitter es einem extrem schwer macht sich zu Wehr zu setzen.
      Ich kann und will nicht das ganze Internet nach autisten- oder menschenfeindlichen Bemerkungen absuchen, aber wenn ich welche sehe möchte ich nicht schweigen. Natürlich ist die Chance etwas zu bewegen eher gering, aber versuchen sollte man es, oder?

      • Julia Seeliger schreibt:

        Die Antwort ist einfach: Die Gewalt ist in der Welt, leider sehen viele weg. Viele Deutsche wollen nicht erinnert werden, dass sie die Juden (und andere) ins Gas geschickt haben, auch bei anderen Themen wie Pädokriminalität wird gerne weg gesehen. Nun einen Trolltweet als Beleg für Menschenfeindlichkeit zu nehmen, halte ich für einen Ausdruck dieses Wegsehen-Wollens – ein Reflex. Reflex ist jedoch das Gegenteil von Denken.

        Zum Autistenthema: Ich glaube, dass es viele Arschbürger, wie sie sich dort nennen, bei Krautchan gibt und dass dieses Bilderbrett, so wie es sich thematisch und in seinen Nutzern formiert hat, sehr aufschlussreich ist.

        Die Sprache ist, wie gesagt, gewöhnungsbedürftig. Trollerei tut weh. Du bist drauf „reingefallen“, ich denke nicht, dass Autistenfeindlichkeit sich in solchen Tweets äußert, da solltest du noch einmal für fünf Cent mehr nachdenken – und in Zukunft nicht deinen Reflexen, sondern deiner Reflexion folgen.

        • quergedachtes schreibt:

          Bleibt die Frage ob Trollerei alles darf. Ich denke nicht.
          Dazu kommt, und auch das hängt mit Trollerei zusammen, ein Effekt den man nicht unterschätzen sollte:
          Es ist also Trollerei wenn jemand schreibt „Autisten ins Gas“. Und weil es Trollerei ist soll man wegschauen bzw genau das ignorieren. Nebenbei wird aber genau sowas, unter dem Deckmantel der Trollerei, cool. Und „Cooles“ verbreitet sich. Schauen wir also künftig weg wenn „Menchen mit Behinderung vergast werden sollen“ weil es Trollerei ist? Sind Hakenkreuze auf einmal ein Grund wegzuschauen weil sie online nur Trollerei sind?
          Kurzum: Wenn man dabei untätig zusieht wie solche Parolen ungestraft verbreitet werden fördert man nur eines: Das es in Zukunft als normal empfunden wird wenn man fordert das jemand vergast werden soll. Und dann haben wir die großen Probleme die Du ansprichst und bei denen man dann nicht mehr wegschauen sollte.
          Dir mag es als Kleinigkeit erscheinen worum es mir hier geht. Aber wegsehen will ich sicher nicht. Und bloß weil ich im Kleinen und eben dort wo es mir auffällt etwas bewegen möchte bedeutet das nicht das ich größere Probleme nicht sehe oder sie verharmlose.

  19. Sean Steinfeger schreibt:

    Man kann sich auch in die Hose machen – soviel Text für einen kleinen Tweet. Mir scheint, der Author hat einfach zuviel Zeit in seinem Leben und dieser Eintrag dient nur der Selbstprofilierung.

  20. icke schreibt:

    „Option 1: ein Dokument über Ihre Befugnis, diese Person zu vertreten (z. B. Vertretungsbefugnis, Vollmacht usw.), eine Kopie eines gültigen Lichtbildausweises (z. B. Führerschein, Personalausweis) und eine Kopie Ihrer Visitenkarte ODER

    Option 2: eine Kopie eines gültigen Lichtbildausweises der Person (z. B. Führerschein, Personalausweis),…“

    Im Internet heißt das dann wohl: LOL

    Twitter ruft in dem Moment dazu auf, gegen das Personalausweisgesetz zu verstoßen und diverse Gerichtsentscheidungen zu ignorieren. Denn seit 2011 (+/- 1 Jahr) darf man seinen Ausweis weder als Pfand hinterlegen, noch diesen „optoelektronisch erfassen“ (=kopieren). Es gibt nur wenige Ausnahmen, z.B. Banken, TK-Anbieter, etc. Zum Teil reicht es auch, teilgeschwärzte Kopien zu schicken, wobei hier auch schon Widerstand besteht.

    Für Faule:
    https://www.lawblog.de/index.php/archives/2013/12/03/ausweise-duerfen-nicht-kopiert-werden/
    http://www.bfdi.bund.de/SharedDocs/Publikationen/AusweiskopieAuskunftsersuchen.html?nn=408908

  21. Pingback: Emotionen die mir die Sprache verschlagen | Quergedachtes | Ein Blog über Autismus

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