De Kees is gesse

Ich habe die Bundestagung für mich mittlerweile abgebrochen. Nicht weil sie uninteressant ist sondern weil ich einfach am Ende mit meiner Kraft bin. Das waren sehr anstrengende Tage und ich habe gemerkt dass ich den Ausführungen nicht mehr wirklich folgen kann. Der Bericht vom heutigen dritten Tag wird also nicht so ganz ausführlich.

Hier geht’s zum Tag 1 und zu Tag 2

Ich greife mal vorweg: der zweite Vortrag von Prof. Dr. André Zimpel „Achtung Andersdenkende! Neuropsychologische Potenziale des Autismusspektrums als soziale Bereicherung“ war ein guter Gegenpol zum ersten Vortrag den Frau PD Dr. Kamp-Becker hielt. Zumindest der Anfang den ich noch mitbekommen habe. Kurz zusammengefasst vertritt er die Meinung, dass eine valide Diagnose Autismus, wenn sie aufgrund von organischen Merkmalen wie Genbesonderheiten erreicht wird, nicht anstrebenswert sein kann. In Ländern in denen ein Pränataltest zu Trisomie21 obligatorisch ist hat man mittlerweile das Gefühl, dass eine Facette verschwunden ist. Beruhend auf einer Abtreibungsquote von mehr als 90%. Eine nicht so valide Diagnose Autismus rettet also Leben. Recht hat er.

Der erste Vortrag den ich punktgenau erreicht habe ging über die Fragestellung „Autismus-Spektrum-Störung: Eine valide Diagnose?

Anfangs definierte Frau Kamp-Becker die Worte Diagnose und valide. Das war auch nötig, ansonsten hätte man noch bösere Gedanken bekommen können. Dazu später.

Die Referentin stellt folgendes fest:

Autismus ist in den letzten Jahren bekannter geworden. Man würde überall darüber lesen können. Autisten würden weniger übersehen. Das führt zu einer Explosion von Menschen die eine Abklärung auf Autismus haben wollen was wiederum die bestehenden Kontingente überlastet. Dazu kommt das ca 50% der Menschen die mit einer Diagnose in ihr Institut kommen letztendlich keine Autisten seien. Bei verdachtsfällen liegt die Quote der Nichtautisten zwischen 50 und 70%. Autismus ist, in den Augen von Kamp-Becker zu einer Modediagnose verkommen. Eine Studie und eine Umfrage unter ihren Studenten hat ergeben, dass Autismus zumeist positiv belegt ist. Eine Verbindung mit geistiger Behinderung besteht kaum. Das würde aber wiederum dem Autismus nicht gerecht werden, das Bild weicht erheblich (in Richtung Positiv) von der Realität ab. Dabei warnt die Referentin ausdrücklich vor Internetseiten die genau dieses falsche Bild vermitteln.

Autismus hat, wiederum in den Augen der Referentin, eine große Chance auf Inklusion im Bildungswesen. Das würde ausgenutzt und führe dazu, dass Menschen mit Behinderung die schwerer behindert sind und die Hilfe also dringender benötigten das Nachsehen haben.

Die neue Definition von Autismus im DSM V wird gelobt. Grund: Er enthält nun nicht mehr einzelne Diagnosen sondern unterteilt in Schweregrade. Was die Referentin dabei übersieht: Wer stellt denn fest wie schwer der Autismus ist? Und ist er bei jemandem der schwer betroffen ist aber trotzdem auf Kosten der eigenen Kraft gut kompensiert nun Schweregrad 1 oder 3? Wie soll man das bemessen? Glaubt man dem Autisten? Oder vermutet man dann auch dass die Validität der Einteilung in Schweregrade unterlaufen wird? Fragen die definitiv nicht angesprochen worden sind. Wahrscheinlich wäre es so einigen am Liebsten es gäbe nur noch die „schweren Autisten“. Der Rest ist eben schräg aber nicht autistisch. Schwerer Autist bedeutet dann, so könnte man den Eindruck gewinnen, jemand der zu Nichts fähig ist.

Es folgte ein Teil über objektive Merkmale. Die Referentin würde es begrüßen wenn es eben solche gäbe. Zum Beispiel einen gefundenen Genmarker an dem man klar sagen kann: Autist oder nicht. Dabei erwähnte sie, dass die Heritabilität von Autismus zwischen 70 und 90% liegt. Da frage ich mich wiederum: Warum wird das nicht längst anerkannt. Es ist vererbbar, man hat es von Geburt an.

Eine andere Möglichkeit wäre ein Nachweis im MRT. Problem hierbei für die Referentin: Man kann eben nur zwischen Krank und Gesund unterscheiden. Und Autisten sind nun einmal nicht gesund. Aber ob das was man dann sieht Autismus ist kann man nicht sagen.

Die Referentin forderte dann die Förderung der Abgrenzung zwischen Autismus und Normal. Sie brachte dabei einen, in meinen Augen dummen, Witz: Drücke man Männern einen Autismusfragebogen in die Hand würden die den CutOff wert doch sowieso übersteigen. HA HA. Sie wollte wohl damit ausdrücken das solche Methoden sehr invalide sind weil „normale“ Männer auch zu Autisten gemacht würden.

Weiterhin nahm sie dann verschiedene Merkmale die man bei Autisten als herausstechend bezeichnet auseinander. Spezialinteressen würden als typisch für Autisten gesehen werden, seien aber auch außerhalb des Spektrums zu finden und „normal“. Sage ich ja schon immer. Und ich habe keinen Dr. Titel.

Als nächstes kam dann die Emotionserkennung dran. Bei Autisten sind nur 30% der Testteilnehmer unterdurchschnittlich schlecht. Einige waren sogar besser als der Durchschnitt aller. Die varianz ist hier zu hoch. Man könne das also nicht als valides Merkmal ansehen.

Danach wurde die Theory of Mind angesprochen. Jungen generell würden hier nicht über Emotionen reden was man dann als Autismus interpretiert. Bei Mädchen ist das anders, allerdings reden autistische Mädchen weniger über Emotionen als nichtautistische. Schlussfolgerung: ToM taugt nicht zwangsläufig als valides Merkmal weil es eben normal ist wie es ist.

Die ToM zweifel ich ja schon länger an. Für mich war das also auch nichts Neues. Aber schön das die Experten nun auch auf den Trichter kommen das ToM nicht unbedingt taugt um Autisten defizitär zu definieren.

Thema Spielprobleme: Da geistig behinderte Menschen und Kinder mit sozialen Störungen die auch haben: Kein valides Merkmal für Autismus.

Rituale sind in der Kindheit normal und treten auch bei Zwangsstörungen und emotionalen Störungen auf.

Sensorische Auffälligkeiten bei Autismus bezeichnet Kamp-Becker als Klischee. Sie sind eher an ein niedriges Funktionsniveau gebunden.

Ergebnis der Referentin: Subtypen von Autismus sind untereinander nicht abgrenzbar. Umso wichtiger sei die Abgrenzung zur „Normalität“.

Zur Validität der Autismusdiagnosen: Sie ist erheblich niedriger bei kleinen Kindern, sehr später Diagnostik und entweder sehr hoher oder sehr niedriger Intelligenz.

Generell ist die Validität zwischen dem 3ten und 5ten Lebensjahr am höchsten. Davor und danach sinkt sie erheblich.

Sie sprach dann noch über die Auswirkungen falsch positiver und falsch negativer Diagnosen. Auffällig: Falsch negative Diagnosen würden eine frühe Förderung verhindern. Das stimmt. Sie brachte als Beispiel allerdings ABA.

Was nehme ich aus dem Vortrag mit? Ich sollte meine Diagnose zurückgeben. Ich bin hochbegabt und erst mit 35 diagnostiziert worden. Die Validität meiner Diagnose ist also statistisch gesehen extrem niedrig. Alles was bisher als Merkmal für Autismus angesehen wurde ist nicht mehr valide da auch andere Störungen diese aufweisen und zeigen können. Anstelle das man von Modellen wie die ToM abgeht weil sie eben defizitorientiert sind geht man nun von weg weil sie keine valide eindeutige Trennung zwischen Autismus und Normal ermöglichen. Fachleuten wäre es am liebsten man könnte mit einem Test, also etwas eindeutigem und nachweisbaren, Autismus nachweisen. Das würde viele Probleme lösen und die Validität der Diagnosen, wie bei Trisomie 21, auf 100% heben. Folgen davon? Egal: Hauptsache Valide und gut abgegrenzt.

Ich habe wie gesagt die Tagung nun abgebrochen denn eines wurde mir klar:

De Kees is gesse … ich muss ihn nur noch verdauen

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31 Antworten zu De Kees is gesse

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  3. Forscher schreibt:

    „Sensorische Auffälligkeiten bei Autismus bezeichnet Kamp-Becker als Klischee“

    In welcher Welt lebt die Frau??

  4. mellissandra schreibt:

    Hat dies auf melli´s kleines nähkästchen rebloggt und kommentierte:
    und hier habe ich nur noch einen impuls…in die schreibtischkante beißen…und das nächste blog verlinken: http://blog.realitaetsfilter.com/wir-sind-autismus/

  5. Anita schreibt:

    Ich vermisse bei Frau Kamp-Becker nun aber, wie sie Autismus einwandfrei diagnostizieren möchte.

    Und wenn die Diagnose zwischen 0-3 und ab 5 Jahren nicht mehr valide ist, warum hat mein damals 3, 5jähriger seine Diagnose nicht erhalten und damit keinen Kiga-Platz, nein wir mussten warten bis 4,5 Jahren. ADHS hätte man allerdings früher diagnostizieren können.🙄 Und dann wurden uns direkte Medikamente „angeboten“ auf die er allerdings kontra reagierte.

    Nach der Meinung von Frau Kamp-Becker hätte keines meiner Kinder eine Diagnose erhalten. Dafür aber wären die Schul“karrieren“ viel schwieriger.

    Und davon ab, Störungen mit den Kennziffern F 90, F 91 und F 92 sind so dicht dran am Autismus, aber fallen unter Krankenkassenleistung.
    Bei Störungen nach F 84 und folgenden allerdings gibt es keine validen psychiatrischen und von Krankenkassen anerkannte Therapien (deshalb boomen die ATZ’s) und dementsprechend ist es weniger wirtschaftlich.
    Ein Schelm, wer böses dabei denkt!!💡

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  8. susanna14 schreibt:

    Ich teile deine Zweifel an einer organischen, etwa genetischen Definition von Autismus, die im schlimmsten Fall dazu führen könnte, dass autistische Kinder automatisch abgetrieben würden.

    Mir geht es so, dass ich nach diesem Text kaum noch das Gefühl habe, zu wissen, was Autismus eigentlich ist. (Wobei ich es vorher auch nicht so genau wusste.) Das, wovon ich vorher dachte, dass es die zentrale Definition ausmacht (fehlendes Erkennen von Definitionen, keine Theory of Mind), ist anscheinend nicht typisch für Autismus. Vielleicht ist die Grenze zur Normalität tatsächlich fließend, was an und für sich gar nicht so schlimm wäre, wenn es nicht um Gelder für Förderung etc. ginge.

    • Forscher schreibt:

      „fehlendes Erkennen von Definitionen“ ist ein netter Freudscher :))

      Mir geht es genauso. Das passt auch zu dem, was ein Neurobiologe provokant im Aspieforum schrieb, als „individuelle Charakterausgeprägung in der negativen Extremform“, ob anders zwangsläufig negativ sein muss, sei dahingestellt.

      • Anita schreibt:

        Oh mann, erinnert mich stark an ein Familienmitglied, die Asperger Autismus als „Charaktereigenschaft die man in den Griff bekommen muss“ definierte.

        Und gleichzeitig den Overload bis zum Meltdown in Kauf nahm und überhaupt nicht realisierte, dass sie mit ihrem Verhalten daran schuld hatte. An den Folgen arbeiten wir seit einem Jahr und haben sie immer noch nicht im Griff!

      • susanna14 schreibt:

        Ich meinte „Erkennen von Emotionen“.🙂

    • susanna14 schreibt:

      Und ja, von wegen Freudscher Versprecher: Während ich das las, dachte ich die ganze Zeit darüber nach, was denn nun eigentlich die Definition von Autismus ist. Ein valider Test müsste dann feststellen können, ob jemand dieser Definition entspricht. Mit der Frage, ob Autismus eine organische oder gar genetische Ursache hat, hat das nichts zu tun.

      (Fürchte, dass ich hier zu rational bin.)

    • gedankenkarrussel schreibt:

      Es ist sicher immer schwierig, weil eben die Dinge auch bei anderen Krankheitsbildern auftreten können. Andererseits macht es eben jemanden nicht zum Autisten, dass er ein Spezialinteresse hat oder ein Problem mit dem Erkennen von Emotionen (wobei bei letzterem ja wiederum die Frage ist, wie er sie erkennt – intuitiv oder antrainitert…) Im ICD10 oder DSM stehen ja diverse Punkte, die erfüllt sein müssen. Ein Stück weit würde ich hier sagen „die Masse/ Kombi macht’s“. Das ist natürlich ein auch irgendwo wieder subjektiv, weil es schlussendlich eine Einschätzung des Gesamtbilds durch den Diagnostiker erfordert. Aber eine andere Möglichkeit haben wir momentan eben nicht. Und bzgl. der Frage, ob die Existenz eines Gentest wünschenswert ist, bin ich ebenso gespalten wie manch anderer. Aber vermutlich wird man keinen finden, weil es wahrscheinlich nicht „DAS Autismusgen“ gibt, sondern eher mehrere und/ oder Dispositionen. Nur leider würde wohl letztes für manche schon zum Abtreiben ausreichen – eine auffällige Nackenfalte reicht teilweise ja auch und ist nur ein Marker…

      Ich habe es aufgegeben, mich von Leuten verunsichern zu lassen, die der Meinung sind, dass ihre Auslegung der Diagnostikkriterien die einzig richtige ist. Ich weiß, wie ich bin, und dass mein Sein und meine Probleme sich mit Autismus ziemlich gut erklären lassen. Wenn Dr. Dose und Dr. Kamp-Becker der Ansicht sind, ich sei keine Autistin, sei ihnen das unbenommen – ich halte es halt eher mit Tebartz-van Elst und Attwood.
      Problematisch wird es halt, wenn gewisse Leute zu viel Einfluss bekommen… und z.B. die Diagnostikkriterien dem „wissenschaftlichen Stand“ anpassen wollen, wobei sie nur die Hälfte der Forschung berücksichtigen… (Letzteres ist eine Überlegung/ Spekulation und keine Tatsachenbehauptung – ich sage hiermit also ausdrücklich nicht, dass sie das vorhaben oder tun, denn das weiß ich nicht. Nur zur Sicherheit, bevor jemand Aleksander oder mich verklagen will…)

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  11. Majulen schreibt:

    Das hört sich furchtbar an. Ich bin ganz neu in dem Thema, aber ich habe beim Lesen im Netz schon die ganze Zeit das Gefühl, dass es neue Diagnosekriterien bräuchte, damit die „Schein“-Autisten eindeutiger diagnostiziert werden können. Wahrscheinlich kommt die Welt einfach mit „Behinderten“ und „Kranken“ klar, aber nicht mit „Normalen“, die anders sind.

    • Anita schreibt:

      Wenn man denn dann mal wüsste was „Norm“al eigentlich ist.

      Bis zur Diagnose dachte ich ja, mein Sohn bzw. wir wären normal. Haben nur andere Ansichten und tun bei gewissen Dingen nur, was uns gut tut.
      Weit gefehlt.
      Alleine, dass wir definiert haben, was uns nicht gut tut, führte uns in die Elternberatung, zum Psychiater, zur Diagnostik.

      Aber selbst mit Diagnose kam und kommen die „Norm“alos nicht mit uns klar.

      Weil eine „unsichtbare“ Behinderung ist in den Augen vieler „Norm“alos keine Behinderung. Man muss sich nur mehr anpassen!

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  13. Dario schreibt:

    „Sensorische Auffälligkeiten bei Autismus bezeichnet Kamp-Becker als Klischee.“

    Das überrascht mich, denn das hat Frau Kamp-Becker vor einigen Jahren noch ganz anders gesehen, als sie Asperger-Autisten u.a. mit diesen Worten beschrieb:

    „Häufig sind sensorische Empfindlichkeiten im Bereich der autitiven Wahrnehmung (z.B. Lärm, insbesondere durch Menschen hervorgerufen) oder sensibile Wahrnehmung bei bestimmten haptischen Qualitäten (z.B. keine Wolle auf der Haut), beim Geschmack oder olifaktorischen Reizen (bestimmten Gerüchen).Häufig sind gleichzeitig aber auch Unempfindlichkeiten in Bezug auf bestimmte Wahrnehmungsbereiche (z.B. gegenüber eigenen Körpergerüchen oder Temperatur oder Schmerz).“
    Quelle: Remschmidt H, Kamp-Becker I (2006): „Asperger-Syndrom“, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2006

    Wie passen diese beiden gegensätzlichen Standpunkte denn zusammen, widerspricht sich Frau Kamp-Becker da nicht selbst?

  14. Anita schreibt:

    Bzgl. Frau Kamp-Becker habe ich hier noch einen interessanten Artikel gefunden, den diese sich wohl besser mal durchlesen würde.

    http://factsaboutklinefelter.com/2014/10/28/4-kapitel-verstecken-und-suchen/?blogsub=confirming#subscribe-blog

    Zitat: „2011 stellten Forscher fest, dass Sinnesprobleme bei Autisten allgegenwärtig sind. Umso überraschender ist es, dass bisher sehr wenig darüber geforscht wurde. “

    da scheint Frau Kamp-Becker wohl etwas nicht mitbekommen oder fehlinterpretiert zu haben.

  15. Pingback: Die weiten Welten des Autismus | Quergedachtes | Ein Blog über Autismus

  16. Pingback: Das Problem mit Autismus Deutschland - Melas Asperger- und ADS-Blog

  17. Angela Middlecamp-Sommer schreibt:

    Guten morgen! Genau diese Überlegungen treiben mich morgens früh aus dem Bett. Ich frage mich allen Ernstes, ob Deutschland hier den Anschluß an die wissenschaftliche Erforschung zum Thema Autismus verpaßt. Ich war auch in Dresden bei der Tagung und es fiel mir auch sehr schwer durchzuhalten. Dazu kommt dieses komische Spannungsfeld: gibt es den Autismus mit den besonderen Wahrnehmungsphänomenen überhaupt? Und warum schaut mich ein Facharzt der Psychiatrie komisch an, wenn ich davon erzähle, daß mein Sohn höchstens ein `feines Lächeln` erkennt oder zB beim Autofahren zu mir sagt: `mach doch das Fenster zu, ich muß nicht jedes einzelne Auto hören`. Er kanns ja nicht wie ich als Geräuschkulisse `Straßenlärm` anscheinend wahrnehmen, erstaunlich: jedes e i n z e l n e Auto. Ich weiß nicht wie das ist mit der Mimikerkennung oder wie man einzelne Autos heraushört. Anderes Beispiel: Wir laufen im Hauptbahnhof und ein Mann telefoniert mit dem Handy während er geht. Mein Sohn geht schnell vorbei und sagt zu mir: `Der braucht mir nicht so ins Ohr schreien`. Ich war einfach erstaunt darüber, wie anders seine Wahrnehmung bzw. Verarbeitung ist im Vergleich zu meiner. Ich nehme an, daß meine Wahrnehmung im Alltag einfach `angepaßter` ist und Vieles mir erträglicher scheint als ihm.
    Eines meiner Lieblingsartikel ist : Rethinking autism. sensory and movement disorder in autism,
    Hier setzt auch Prof. Zimpel an. Mit der für mich wie eine Kampfansage klingende Ansage von Frau Kamp-Becker bei der Schlußveranstaltung der Bundestagung: `Ich hasse autistische Züge` kann ich wenig anfangen. Ich bin fast jeden Tag damit konfrontiert und überlege, wie mein Sohn möglichst normal an der Gesellschaft teilhaben kann. Dafür gibt es doch den Begriff `Eingliederungshilfe`, oder habe ich was falsch verstanden.` Für den Asperger gibt es weniger (sozialrechtlich). Wer beurteilt bitte das Ausmaß der Beeinträchtigung und dessen Auswirkung auf eine Teilahabe, wenn die Wahrnehmungsverarbeitung gar nicht berücksichtigt wird?
    Stellt man nicht die Wahrnehmung als `verrückt` dar, wenn sie nicht `normal` ist.
    Bin ich sozialrechtlich `ungeschickt`, wenn ich den Facharzt darauf hinweise, daß er 84.0 (Kanner!)
    nach etlichen Clearingsgesprächen dem Kostenträger mitgeteilt hat? Uups, dann einfach mit 84.5 austauscht, Jacke wie Hose oder was? Deswegen wird auch vollkommen schmerzfrei frühkindlicher Autsmus einem Erwachsenen diagnostiziert, vielleicht auch noch High-functioning, gleichzeitig ein Atypischer und auch noch ein Asperger (kein Einzelfall!). Der `Wildwuchs` ist doch hier eher in einer solch ungenauen Diagnostik zu sehen und ich denke man darf hier zurecht mehr Qualitätsstandards einfordern. auch die Berücksichtigung weltweiter Forschungsergebnisse bitte und nicht die Verbreitung persönlicher Ansichten zum Thema Autismus.

    • Anita schreibt:

      Auch Asperger erhalten Eingliederungshilfe. Im Rahmen der Jugendhilfe über das Jugendamt § 35a SBG VIII

      F84.0 dagegen ist Sozialamt.

      Was genau benötigst Du denn an Hilfen für Dein Kind?

      • Angela Middlecamp-Sommer schreibt:

        Hi Anita,
        leider konnte ich gar nicht auf diese Frage direkt antworten, weil sie mich erschreckt, ich weiß das klingt komisch. Ich habe mir viel Gedanken gemacht und an vielen Stellen beschrieben, was es so braucht. Irgendwie hocke ich dann doch wieder alleine da mit diesem vorwurfsvollen; Überfürsorglichkeit. Momentane Situation: Mein Vater ist in einem kritischen Zustand. Mein Sohn macht dann Nichts Anderes als an Opa denken.
        Krisenmanagement! Nebenbei laufen hier noch Anträge auf ambulant betreutes Wohnen,für hier zu Hause wo er nach 3 Jahren Wohngruppe und Metzler Verfahren G e m e t z e l gerne ist. Mit seiner Katze, seinen Freunden und seiner Familie.
        Diesen Spagat ihm aufmerksam zu zuhören und gleichzeitig schauen was so ansteht da draußen im Leben ist für mich sauschwer. Der Schlafrhythmus ist katastrophal, Sertralin nimmt er schon gerne, ich weiß nicht ob das das richtige ist.
        Er müßte von anderen Personen als mir an gewisse Dinge herangeführt werden.
        Natürlich macht er diesen Schritt auf andere zu nur bedingt. Er wendet sich schon an seine Freunde oder auch an mich, Etwaige Leistungserbringer erwarten, daß er sich selber meldet.Eigentlich wäre es ganz einfach: jemand der sich Zeit nimmt und mit ihm redet.
        Da von ihm eher nur schwach wahrnehmbare Signale ausgehen, entsteht dann wiederum die Theorie: der hängt an Ihrem Rockzipfel. Aber eigentlich hören und gucken die gar nicht richtig auf seine Signale. Er ist ja nicht apathisch und antwortet präzise auf Fragen!
        Das ist mein Dilemna, da hat sich der Kas bissen, was ja auch zu diesem Blog paßt.
        freu mich auf weitere Beiträge!

        • Anita schreibt:

          Das hört sich so an, als ob Ihr bereits Jugendhilfe nach § 27 (Hilfe zur Erziehung) „genossen“ habt.

          Wie sieht es mit einem Erziehungsbeistand über die Eingliederungshilfe aus? Schon mal drüber nachgedacht? Falls er schon 18 sein sollte. Und ansonsten braucht Ihr einen verständigen Arzt und Therapeuten, dem es gelingt, die „richtigen“ Fragen zu stellen.

          Und schön kleinschrittig! Gerade, wenn bereits so viel probiert wurde und immer alle in der Erwartungsfalle landen, ist es an der Zeit, mal in Ruhe und ganz genau zu schauen, was wirklich notwendig ist (kein Angriff auf Dich😉 ).

          Wie sieht es mit Schulabschluss aus?

          Und ansonsten wäre es wirklich wichtig, mit Deinem Sohn Handlungsstrategien zu finden, mit denen er sich abschotten kann ohne „aus der Welt“ zu sein.😉

        • Angela Middlecamp-Sommer schreibt:

          Danke für Deine Hilfe! Ich melde mich nochmal, weil ich jetzt auch noch meine Tochter im Krankenhaus habe!

  18. Gardiners-Seychellenfrosch schreibt:

    Ich glaub ich fall endgültig vom Glauben ab, dass nicht alles böse ist und werde paranoid. Ist ja unglaublich was Autismus D da treibt. Da ist man als Neu-Asperger-Diagnostzierter auf der Suche nach Hilfe bekommt, Autismus D empfohlen und liest dann solche krassen Dinge. Da weiss man ja gar nicht wo man noch aufrichtige Hilfe bekommt.
    Leider wohne ich nicht mehr in Dresden sonst, hätte ich meine Unterstützung zugesagt. Für eine Demo gegen den Quark den Autismus D-Leute verzapfen bin ich jederzeit zu haben. Bin sozial immun und hab keine Angst vor Beschimpfung durch Autismus D-Fans. Wahrscheinlich muss mal jemand mit dem Zaunpfahl winken, damit die merken dass sie Stuss labern.

    Die Zweifler an der Existenz von sensorischer Überempfindlichkeit lade ich ein meinen Nachbarn, Exmann und den BM zu besuchen. Sie alle sind entweder sensorisch überempfindlich oder kennen jmd. der es ist. Mein Exmann meint er könne das Gras wachsen hören und ihm ist das Ticken einer Wanduhr so unangenehm, dass er keine besitzt. Der BM wollte mal einen Sportlehrer einstellen,der aber gesagt hat die Turnhallenakustik ist zu unangenehm für ihn. not quite like beethoven mag das Geräusch von Billigbesteck nicht. Mein Sohn heult, wenn der Stabmixer läuft und neuerdings bei meiner Elektro-Zahnbürste, er ist ein guter Sensor dafür ob ein Elektrogerät bald kaputtgeht.
    Lieber Gott bitte lass die Zahnbürste nicht fast kaputt sein sondern nur nervige Geräusche machen.
    Die sensorisch Überempfindlichen sorgen doch dafür dass es AGs gibt die z.B. für gute Akustik in Gebäuden sorgen was allen nützt. Die nächste Autsmusabulanz ist in einem alten Gebäude,da hallt es in einigen Räumen furchtbar. Es fehlen aber öff. Gelder, um die Räume zu sanieren, da senorische Überempfindlichkeiten ja bloss Einbildung sind. Spenden auftreiben dauert halt, da Autismus ja als Modediagnose verschrieen ist.

    @Diagnosekriterien: Denke auch das Gesamtbild ist entscheidend. Mein ToM-wert war recht gut, der Augenminik und Gesichtertest auch und dieser Test wo man einen Film gucken muss und auf einem Bogen ankreuzen welche Antwort der Innerwelt der handelnden Figuren am nächsten kommt- der Test soll prüfen wie gut man sich in andere reinversetzen kann. Laut Test soll ich mich gut in andere reinversetzen kann, meine Mem und andere die mich real-life kennen, sagen, nee das stimmt nicht. Ich bin nur gut drin trainiert Filmhandlungen zu beobachten, naja wenn du als Kind den Text nicht richtig verstehst, das war laaaange bevor es UT gab, guckste dir halt die Handlung gründlich an. RL funktioniert das nicht so gut, da ein Film ja speziell geschnitten ist.
    Nur rein nach den Testergebnissen hätte ich keine Diagnose gekriegt, obwohl ich deutlich spüre dass die NTs ein Problem mit mir haben, was ich nicht mit Trainung und guter Willenskraft wegkriege. Meine frühe Kindheit weist aber genug Autismusmerkmale auf, bei Kindern ist das Maß an Training noch nicht so hoch.

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