Botschaft zum Thema ABA

Ich stehe als Person schon länger klar zu meiner Meinung. Von mir wird es auch zu schwierigen, weil brisanten, Themen eine klare Positionierung geben. Wer mich auf ABA angesprochen hat bekam auch eine klare Stellungnahme dazu was ich von dieser „Therapie“ halte. Bisher übte ich die Kritik allerdings eher aus Sicht eines Autisten und was ich als Mensch davon halte. Seitdem ich Inklusionsbotschafter bin finde ich es jedoch auch notwendig mal die Seite Menschenrechte und UN-BRK genauer zu beleuchten. Nicht das mir das vorher egal gewesen wäre. Nein ich legte meinen Schwerpunkt nur auf die Erklärung aus der Innensicht und versuchte so ein Bewusstsein dafür zu schaffen wie problematisch ABA ist. Mit diesem Blogpost und der damit verbundenen Botschaft möchte ich meine Meinung nun um eine Facette erweitern. Ich bedanke mich ganz herzlich beim Vorstand von Autismus Mittelfranken auf deren sehr ausführliche und eindrücklich geschriebene Stellungnahme zum Thema ABA ich gerne verweise.

Als Inklusionsbotschafter ist es meine Aufgabe die Umsetzung der UN-BRK zu fördern und mich dafür einzusetzen. Zum Einstieg möchte ich gerne Artikel 1 der UN-BRK zitieren:

Zweck

Zweck dieses Übereinkommens ist es, den vollen und gleichberechtigten Genuss aller Menschenrechte und Grundfreiheiten durch alle Menschen mit Behinderungen zu fördern, zu schützen und zu gewährleisten und die Achtung der ihnen innewohnenden Würde zu fördern.

Zu den Menschen mit Behinderungen zählen Menschen, die langfristige körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, welche sie in Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können.

 

 

Bei Menschenrechten und Grundfreiheiten fallen mir zum Beispiel Artikel 1 und 2 des Grundgesetzes ein.  Wenn ich mir die zahlreichen Videobeispiele von ABA Sitzungen anschaue frage ich mich schon ob hier

  1. die Würde der autistischen Kinder gewahrt bleibt wenn man bis zu 40 Stunden mit Ihnen im Befehlston immer wiederkehrend „erwünschte“ Handlungen konditioniert. Stellen Sie sich vor, dass sie von nahen Bezugspersonen ständig z.B. mit „Zeig Boden!“ traktiert werden. Finden sie das würdevoll und angemessen?
  2. Ob sich autistische Kinder die mit ABA konditioniert werden wirklich ihre Persönlichkeit frei entfalten können. Immerhin werden ihnen, von außen als unangemessen angesehene, Verhaltensweisen wie Stimming abtrainiert. Ungeachtet dessen, dass genau dieses Stimming –als Beispiel- eine natürliche und selbstgewählte Methode des Autisten ist sich zu regulieren. Eine Persönlichkeit kann sich nicht frei entfalten, wenn mittels Konditionierung Verhaltensweisen und Persönlichkeitsmerkmale fremdbestimmt antrainiert werden. Gleiches gilt für die „therapeutische“ Löschung von unangemessen empfundenen Persönlichkeitsteilen.
  3. Ob innerhalb einer ABA „Therapie“ die körperliche Unversehrtheit garantiert werden kann. Zum einen birgt das „Löschen“ von Stimming oder anderen regulierenden Verhaltensweisen die große Gefahr, dass es verstärkt zu Meltdowns und Shutdowns beim Autisten kommt. Diese können durchaus, bedingt durch Panik- und Fluchtreaktionen, auch selbstgefährdend sein. Aber nicht nur die körperliche Unversehrtheit steht auf dem Spiel, das gilt auch für die psychische Unversehrtheit. Ob der äußerlichen „Erfolge“ von ABA wird konsequent übersehen, dass die Autisten bedingt durch die Fremdprägung und Konditionierung verstärkt psychische Krankheitsbilder wie Depressionen entwickeln können. Dies liegt an dem Widerspruch zwischen an- bzw abtrainiertem Verhalten und den Bedürfnissen denen Autisten durch diese Konditionierung nicht mehr nachgehen können. Sie werden quasi dazu gezwungen sich ständig zu verbiegen und nicht so leben zu können wie sie es bräuchten.

 

Artikel 3 der UN-BRK greift obige Punkte teilweise auch noch einmal auf:

 

Allgemeine Grundsätze

Die Grundsätze dieses Übereinkommens sind:

a) die Achtung der dem Menschen innewohnenden Würde, seiner individuellen Autonomie, einschließlich der Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen, sowie seiner Unabhängigkeit;

b) die Nichtdiskriminierung;

c) die volle und wirksame Teilhabe an der Gesellschaft und Einbeziehung in die Gesellschaft;

d) die Achtung vor der Unterschiedlichkeit von Menschen mit Behinderungen und die Akzeptanz dieser Menschen als Teil der menschlichen Vielfalt und der Menschheit;

e) die Chancengleichheit;

f) die Zugänglichkeit;

g) die Gleichberechtigung von Mann und Frau;

h) die Achtung vor den sich entwickelnden Fähigkeiten von Kindern mit Behinderungen und die Achtung ihres Rechts auf Wahrung ihrer Identität.

 

Wer mittels ABA in das Leben eines Autisten eingreift, verstößt meiner Meinung nach massiv gegen die Punkte a, d und h. Autistische Kinder und Erwachsene können aufgrund der fremdbestimmten Konditionierung weder die Unterschiedlichkeit ausleben noch die sich ihnen bietenden Fähigkeiten oder ihre eigentliche Identität bewahren. Auch ist die Freiheit eigene Entscheidungen zu treffen nachhaltig eingeschränkt da gewisse Entscheidungen von außen entweder hinzukonditioniert oder gelöscht werden.

Artikel 17 greift nochmal die Unversehrtheit auf und schließt ausdrücklich die seelische Unversehrtheit mit ein:

 

Schutz der Unversehrtheit der Person Jeder Mensch mit Behinderungen hat gleichberechtigt mit anderen das Recht auf Achtung seiner körperlichen und seelischen Unversehrtheit.

 

Wie man sehen kann: ABA ist im Lichte der UN-BRK betrachtet durchaus relevant und zu diskutieren. Außerhalb der UN-BRK kommen meiner Meinung nach noch folgende Kritikpunkte hinzu:

  1. Therapien gehören in die Hände von ausgebildeten Fachpersonen. ABA wird vorwiegend aber durch die Eltern oder vorwiegend studentische Co-Therapeuten praktiziert.
  2. Gerade bei einer derart eingreifenden Therapieform wie ABA ist es zu beanstanden, dass nahestehende und weitestgehend ungeschulte Personen diese durchführen. Eine Trennung von Wünschen der Therapieausführenden und den Bedürfnissen des therapierten ist nicht sicher gewährleistet.
  3. Gerade im heimischen Umfeld und bei nahestehenden Vertrauenspersonen wie den Eltern oder Geschwistern sollte Therapiefreiheit herrschen. Ein autistischer Mensch hat bei einer Therapie in seinem Zuhause keine Chance sich dieser zu entziehen oder auszuweichen. Das Vertrauensverhältnis zu eben diesen Personen kann durch eine Durchführung einer Therapie nach ABA nachhaltig gestört werden.
  4. Beim Vorgang der „Löschung“ werden Eltern dazu aufgefordert „unerwünschtes Verhalten“ durch konsequentes Ignorieren des Kindes zu korrigieren. Man könnte hier -bösartig gesagt- davon ausgehen, dass Autismus bzw durch ihn ausgelöstes „unerwünschtes Verhalten“ durch eine Kühlschrankmutter die ihr Kind ignoriert und schreien und weinen lässt korrigiert werden könnte. Früher sagte man noch, dass genau solches Kühlschrankmutterverhalten Autismus verursacht. Der durch die ABA Methode erzwungene Entzug von Nähe, Liebe und Zuneigung als Mittel innerhalb einer „Therapie“ ist keine Lösung und treibt letztendlich einen weiteren Keil in die vertrauensvolle Verbindung zwischen Mutter und Kind und nimmt einem autisitschen Kind einen weiteren Sicherheitsfaktor im Alltag.

Schaut man sich Artikel 4 der UN-BRK an findet man folgendes:

 

Allgemeine Verpflichtungen

 

(1) Die Vertragsstaaten verpflichten sich, die volle Verwirklichung aller Menschenrechte und Grundfreiheiten für alle Menschen mit Behinderungen ohne jede Diskriminierung aufgrund von Behinderung zu gewährleisten und zu fördern. Zu diesem Zweck verpflichten sich die Vertragsstaaten,

a) alle geeigneten Gesetzgebungs-, Verwaltungs- und sonstigen Maßnahmen zur Umsetzung der in diesem Übereinkommen anerkannten Rechte zu treffen;

b) alle geeigneten Maßnahmen einschließlich gesetzgeberischer Maßnahmen zur Änderung oder Aufhebung bestehender Gesetze, Verordnungen, Gepflogenheiten und Praktiken zu treffen, die eine Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen darstellen;

c) den Schutz und die Förderung der Menschenrechte von Menschen mit Behinderungen in allen politischen Konzepten und allen Programmen zu berücksichtigen;

d) Handlungen oder Praktiken, die mit diesem Übereinkommen unvereinbar sind, zu unterlassen und dafür zu sorgen, dass die staatlichen Behörden und öffentlichen Einrichtungen im Einklang mit diesem Übereinkommen handeln;

 

Ich persönlich sehe hier die Deutsche Bundesregierung in der Verpflichtung für folgendes zu sorgen:

  1. Nach Artikel 4, Absatz 1, Punkt b) dringend zu prüfen, ob ABA in Zukunft nicht mehr durch öffentliche Organe und Stellen finanziert und damit unterstützt wird.
  2. Nach Punkt d) ebenfalls zu prüfen, ob ABA als Therapieform sowohl mit den Grundrechten wie auch mit der UN-BRK als unvereinbar anzusehen ist und daraufhin möglicherweise nicht mehr in Deutschland durchgeführt werden darf.

Ich wünsche mir, dass noch viele Verbände, Organisationen und Autisten aufstehen und klar Stellung zu ABA beziehen. Ich möchte dazu beitragen ein Zeichen zu setzen, dass ABA die Würde von autistischen Menschen verletzt und nicht dem Wohle der therapierten Autisten dient. Eine Therapie kann nicht dazu gemacht sein Menschen fremdbestimmt auf Norm zu biegen. Sie muss Menschen in ihrem Alltag unterstützen und Hilfestellungen anbieten.

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14 Antworten zu Botschaft zum Thema ABA

  1. Anita schreibt:

    Danke🙂

  2. Pivo schreibt:

    Hallo,

    danke für die ausführliche und interessante Darstellung deiner Sichtweise. Allerdings, und das habe ich hier an dieser Stelle bereits öfters angemerkt und dies finde ich an der Stellungnahme von Autismus-Mittelfranken auch gefährlich ist die Einseitigkeit dieser Sichtweise. Denn dann muss grundsätzlich jegliche Therapieform, die mit Minderjährigen durchgeführt wird, vor dem genannten Hintergrund der UN – BRK und dem Grundgesetz geprüft werden. Und jegliche Form der Therapie wäre dann genau genommen ein Eingriff in die Persönlichkeit.
    Ich möchte gerne nochmals darauf hinweisen, dass die Methodik von ABA nichts anders als Verhaltenstherapie ist. Diese Methodik, so wie es autismus-mittelfranken tut, derart zu verteufeln, wird der Sache nicht gerecht. Denn niemand wird anzweifeln wollen, dass JEDER Mensch in der unseren Gesellschaft bestimmte Fähigkeiten braucht, um teilnehmen zu können oder auch nur mitteilen zu können „ich will nicht teilnehmen!“ Das geht ohne Kommunikationsmöglichkeiten nicht. Wenn also in der Stellungnahme TEACCH oder auch Gebärden oder PECS genannt werden als Alternativen (allesamt gute Methoden, die funktionieren), wird dabei aus den Augen verloren, dass auch diese Dinge den Kindern mit einer Autismus-Spektrum-Störung beigebracht werden muss, die Bildkarten zu nutzen. Jetzt wäre meine Frage an die Menschen, die hinter der Stellungnahme aus Mittelfranken stehen, wie dies getan wird. Und da ist man dann relativ schnell nahe bei verhaltenstherapeutischen Maßnahmen. Und die funktionieren mit Verstärkung.

    Natürlich gibt es (wie auch an anderer Stelle von mir bereits zugegeben) Videos, die ABA oder ähnliches sehr schlecht darstehen lässt. Aber nimmt man nur die Methodik, dann gibt es ebenso viele Beispiele dafür, dass Kinder und Jugendliche dadurch gelernt haben, an der Gesellschaft (die nunmal im Moment ist, wie sie ist) Teilhabe zu bekommen und Fähigkeiten gelernt haben, um mit Menschen ohne ASS zu kommunizieren und zu interagieren. Natürlich ist es wünschenswert, dass Schule, Arbeitswelt etc. sich auf Menschen mit ASS einstellt. Aber es ist auch notwendig für Menschen mit ASS, sich auf diese Gesellschaft einstellen zu können. Und hier kann eine verhaltenstherapeutische Unterstützung durchaus hilfreich sein und wird auch von Familien und Menschen mit ASS als dementsprechend empfunden. Ich möchte klarstellen, dass ich einen drillartige Therapie mit 40 Stunden in der Woche und Lernprogrammen und sichtbaren Verstärkern etc. für den falschen Weg halte. Auch sind wissenschaftliche Untersuchungen in Frage zu stellen, da ja nur diese Art der Therapie intensiv wissenschaftlich untersucht wurde.

    Ich gebe gerne zu, dass er Vertreter aus der ABA Ecke gibt, die sehr wenig flexibel und wenig offen für Alternativen ihr konzept als Allheilmittel darstellen. Unfug aus meiner Sicht. Ebenso Unfug ist es aber, die Wirkmechanismen von ABA zu verteufeln. Was spricht dagegen, im Alltag jeden Blickkontakt mit einem Lächeln und einer Bemerkung zu verstärken? Was spricht dagegen, jeden Kommunikationsversuch eines Kindes mit sofortiger Antwort zu verstärken, immer und immer wieder?

    Also, ich wünsche mit an dieser Stelle ein wenig mehr Augenmaß und weniger Scharz und Weiß! Denn dann steht man selber nicht anders da, als die Gegenseite!

    LG
    Pivo

    • quergedachtes schreibt:

      Hallo,

      „danke für die ausführliche und interessante Darstellung deiner Sichtweise. Allerdings, und das habe ich hier an dieser Stelle bereits öfters angemerkt und dies finde ich an der Stellungnahme von Autismus-Mittelfranken auch gefährlich ist die Einseitigkeit dieser Sichtweise. Denn dann muss grundsätzlich jegliche Therapieform, die mit Minderjährigen durchgeführt wird, vor dem genannten Hintergrund der UN – BRK und dem Grundgesetz geprüft werden. Und jegliche Form der Therapie wäre dann genau genommen ein Eingriff in die Persönlichkeit.“

      So einseitig ist die Sichtweise nicht. Sie ist persönlich und damit subjektiv, aber nicht einseitig. Ich finde nicht das man jede Therapie prüfen muss. Andere Therapien (z.B. TEACCH) unterstützen die autistischen Kinder und geben ihnen so die Chance besser mit er Umwelt zurecht zu kommen. ABA ist ein Eingriff in die Persönlichkeit weil es von außen unerwünschte Verhaltensweisen löscht. Und das mittels Konditionierung. Andere Therapieformen gehen hier konstruktiver vor: Sie suchen nach den Ursachen für eben dieses Verhalten das bei ABA nur abgestellt wird und versuchen dort anzusetzen. Dafür braucht man allerdings ein Verständnis von Autismus und den Abläufen wie es zu solchem als unerwünscht angesehenen Verhalten kommt. ABA beeinflusst wie gesagt nur was von Außen erwünscht oder eben nicht erwünscht ist.

      „Ich möchte gerne nochmals darauf hinweisen, dass die Methodik von ABA nichts anders als Verhaltenstherapie ist. Diese Methodik, so wie es autismus-mittelfranken tut, derart zu verteufeln, wird der Sache nicht gerecht. Denn niemand wird anzweifeln wollen, dass JEDER Mensch in der unseren Gesellschaft bestimmte Fähigkeiten braucht, um teilnehmen zu können oder auch nur mitteilen zu können “ich will nicht teilnehmen!” Das geht ohne Kommunikationsmöglichkeiten nicht. Wenn also in der Stellungnahme TEACCH oder auch Gebärden oder PECS genannt werden als Alternativen (allesamt gute Methoden, die funktionieren), wird dabei aus den Augen verloren, dass auch diese Dinge den Kindern mit einer Autismus-Spektrum-Störung beigebracht werden muss, die Bildkarten zu nutzen. Jetzt wäre meine Frage an die Menschen, die hinter der Stellungnahme aus Mittelfranken stehen, wie dies getan wird. Und da ist man dann relativ schnell nahe bei verhaltenstherapeutischen Maßnahmen. Und die funktionieren mit Verstärkung. “

      Verhaltenstherapie ist nicht gleich Verhaltenstherapie. Und damit kann man ABA, bloß weil es zu den VT gehört, nicht automatisch als harmlos deklarieren. Verteufeln würde übrigens bedeuten, dass ABA bewusst und um jeden Preis schlecht dargestellt wird. Sachliche Argumentation verteufelt nichts.
      Du vergisst oder ignorierst bewusst die „Löschung“ bei ABA. ABA verstärkt oder belohnt nicht nur, es bestraft und löscht auch. Und es ist ein Unterschied ob ich einem Autisten eine Kommunikationsmöglichkeit gebe oder ob ich sie ihm aufdränge. Wie der Vorstand von Autismus mittelfranken das meint must Du sie fragen nicht mich.

      „Natürlich gibt es (wie auch an anderer Stelle von mir bereits zugegeben) Videos, die ABA oder ähnliches sehr schlecht darstehen lässt. Aber nimmt man nur die Methodik, dann gibt es ebenso viele Beispiele dafür, dass Kinder und Jugendliche dadurch gelernt haben, an der Gesellschaft (die nunmal im Moment ist, wie sie ist) Teilhabe zu bekommen und Fähigkeiten gelernt haben, um mit Menschen ohne ASS zu kommunizieren und zu interagieren.“

      Damit implizierst du bewusste Propaganda gegen ABA. Ich habe Filme gesehen die auf einer Veranstaltung liefen die ABA promoten sollte. Toll fand ich sie nicht. Für die negativen Beispiele sorgen die ganzen Therapeuten und „Co Therapeuten“ schon selbst.
      Um welchen Preis haben die Autisten das gelernt? ABA bricht Menschen und manipuliert sie mittels Konditionierung. Autisten lernen so wie sie sich zu verhalten haben. Nach außen ein prima „Erfolg“. Aber wie sieht es in den Autisten aus? Das fragt keiner der ABA promotet. Sie ignorieren dabei aber ihre eigene Persönlichkeit um sich eben so zu verhalten wie sie es antrainiert bekommen haben. ABA ist und bleibt hochgradig manipulativ.

      “ Natürlich ist es wünschenswert, dass Schule, Arbeitswelt etc. sich auf Menschen mit ASS einstellt. Aber es ist auch notwendig für Menschen mit ASS, sich auf diese Gesellschaft einstellen zu können. Und hier kann eine verhaltenstherapeutische Unterstützung durchaus hilfreich sein und wird auch von Familien und Menschen mit ASS als dementsprechend empfunden. Ich möchte klarstellen, dass ich einen drillartige Therapie mit 40 Stunden in der Woche und Lernprogrammen und sichtbaren Verstärkern etc. für den falschen Weg halte. Auch sind wissenschaftliche Untersuchungen in Frage zu stellen, da ja nur diese Art der Therapie intensiv wissenschaftlich untersucht wurde.“

      Ja verhaltenstherapeutische Unterstützung kann da hilfreich sein. Wenn sie unterstützt. Und wie schon erwähnt: Bloß weil eine VT hilfreich sein kann muss das nicht auch jede leisten können. Es ist sinnvoll autistischen Menschen die nichtautistische Welt zu erklären, sie auf „nichtautistisch“ umzuerziehen macht aber keinen Sinn.

      „Ich gebe gerne zu, dass er Vertreter aus der ABA Ecke gibt, die sehr wenig flexibel und wenig offen für Alternativen ihr konzept als Allheilmittel darstellen. Unfug aus meiner Sicht. Ebenso Unfug ist es aber, die Wirkmechanismen von ABA zu verteufeln. Was spricht dagegen, im Alltag jeden Blickkontakt mit einem Lächeln und einer Bemerkung zu verstärken? Was spricht dagegen, jeden Kommunikationsversuch eines Kindes mit sofortiger Antwort zu verstärken, immer und immer wieder?“

      Es spricht nichts gegen eine Verstärkung für Augenkontakt wenn er denn mal FREIWILLIG hergestellt wird. Aber es spricht etwas gegen eine Konditionierung die gezielt Augenkontakt erzwingt und antrainiert.

      Grüße

      Aleksander

    • Anita schreibt:

      Hallo Pivo,

      da ABA in der Hauptsache von Eltern angewandt werden soll; Immer; kommt niemals Ruhe auf und im Zweifel ist die Vertrauensbasis Eltern-Kind auf ewig zerstört.

      Wenn Eltern dann tatsächlich mal „inkonsequent“ sein sollten (weil sie merken, dass an dem Tag halt überhaupt gar nichts geht), und ihrem Kind etwas zugestehen, dann haben sie lt. der ABA-Philosophie bereits alles FALSCH gemacht, was man falsch machen kann.

      Bei Teacch und PECS wird langsam mit dem Kind zusammen gelernt. Wenn das Kind zumacht, dann wird nicht mit Drill weitergemacht; sondern in Ruhe geschaut und beim nächsten Mal neu geschaut.

      Und einer Verweigerung wird auch nicht „Löschung“ begegnet.

      Die Begrifflichkeiten und auch die Anwendung von ABA bieten großen Raum für Missbrauch! Unter einem „schönen“ Label.

      Das ist meine ganz persönliche Meinung.

      Auch finde ich es mehr als nur unbehaglich, dass es mittlerweile Ämter gibt, die quasi ABA oder deren Ableger vorschreiben, bzw. den Eltern, die es nicht machen wollen, Kindswohlgefährdung unterstellen!

      Das hat ein Geschmäckle.

    • mellissandra schreibt:

      dagegen spricht schlicht und einfach das viele autisten den blickkontakt nicht mögen BASTA da ändert auch ein lächeln nix drann

  3. Darkwolf schreibt:

    1.Studien die,die angebliche „Wirksamkeit“ von ABA anpreisen sind nicht seriös,da die Einteilung
    in Test- und Kontrolgruppe nicht zufällig erfolgte und immer am gewechselt wurde vermuten lässt,
    dass die durchführenden befangen gehandelt haben.
    2.Ist ABA wie erwähnt ein Verstoß gegen die im Text aufgeführten Rechte/Vereinbarungen.
    3.Sind schon genug durch solche „Therapien“ Traumatisiert worden,was die Schadhaftigkeit solch
    Maßnahmen endgültig unter Beweis stellt.
    Die Exzistenz der jeweiligen Konventionen lautderen ABA als Entwürdigende Maßnahme Anzusehen ist,ist gegeben,aber ob sie eingehalten werden ist eine
    andere Geschichte.
    Je mehr von solch schändlichen Konditionierungsmaßnahmen (leider nicht nur ABA sondern auch MMS und diverse andere „Wundermittel“ die nichts weiter sind als teure Mißhandlungsrechtfertigungen) auftauchen,desto mehr verliere ich Glauben daran,dass solche Vereinbarungen auch enigehalten werden und nicht dazu da sind nur um uns zu beschwichtigen,da diese die Politiker sich eh nicht mehr dran halten.

  4. Dario schreibt:

    Im „Guardian“ erschien heute ganz aktuell ein Artikel, der sich sehr ausführlich mit ABA auseinandersetzt:

    http://www.theguardian.com/society/2015/mar/20/autism-does-aba-therapy-open-societys-doors-to-children-or-impose-conformity

    Besonders erstaunlich: Der Artikel zitiert auch einen heute 40-jährigen Autisten, der als Kind mit ABA behandelt wurde und behauptet, es hätte ihm gut getan:

    „Ian, 40, (name has been changed at interviewee’s request) received treatment from the original UCLA Young Autism Project between the ages of three and seven. When he received his diagnosis of autism and began treatment, he was not speaking and engaged in self-stimulatory behavior. ABA practitioners traditionally target ´socially significant` behaviors such as eye contact, hand flapping, eating, toileting, self-injury, and self-control. `I got praise if I did something they wanted me to do, but they would snap or yell if I did something they didn’t want me to do,´ said Ian. `From my perspective as a child, that was just part of life and I had to comply with it.´ Ian describes his experience as positive overall because he feels it helped him connect better with other people. He currently works as a customer service representative and is writing a book of humorous quotations. He says he still has difficulty quickly shifting his attention from one task to the next, but says he has no other characteristics of autism. `If I had a child with autism, I would put them in the same therapy´, he said.“

    Es ist das erste Mal, dass ich von einem erwachsenen Autisten eine solche positive Einschätzung zu ABA höre. Die Frage ist, wie reagiert man am besten auf so etwas? Wie kann man belegen, dass es dabei um eine absolute Außenseitermeinung unter Autisten handelt? Im Grunde liefert der Artikel das Gegenargument gleich mit, in dem er den Autismus-Aktivisten Paddy-Joe Moran zitiert:

    „Paddy-Joe Moran, 20, autistic author of two books and administrator of online advice service ASK-PERGERS, feels that ABA doesn’t take into account that some behaviors are profoundly difficult for people with autism for very important reasons. `It seems to deal with the surface element, as in ‘we will teach your kids to be able to make eye contact’, and not actually look at it with the view of ‘it is uncomfortable and painful for your child to make eye contact with other people, so let’s just let them get on with their education and childhood without making them do this.’ There will always be people who feel ABA has worked for them, and I am not going to call them out and call them liars. But I do feel that as an autistic individual I am fundamentally opposed to the principles of ABA therapy,´ wrote Moran via email.“

  5. Anika schreibt:

    Es gab in einer FB Gruppe, leider weiss ich nicht mehr wo, die Aussage, dass es angeblich einige Autisten gäbe, die sich klar pro ABA äussern und dass man in einer demokratischen Gesellschaft jede Meinung akzeptieren muss. Ebenfalls Temple Grandin und Tony Attwoods, der in Australien mit einem ABA Institut zusammenarbeitet befürworten ABA. Ausführungen und Stellungnahmen von Autisten pro ABA konnte ich keine im Netz finden.
    Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass die bei uns durchgeführten ABA Therapien nicht mehr nach dem alten System Nach Loovas durchgeführt würden, sondern modifiziert seien. Somit wird suggeriert, dass alles ja nicht so schlimm und damit förderlich für die Kinder sei.
    Ich persönlich teile die Stellungnahme von Querdenker und die Ausführungen von Autismus Mittelfranken. Und das nicht nur, weil wir live erleben durften, was eine derartige „Modifikation“ für Kind und Eltern bedeutet. Meine Haltung gegenüber ABA war bekannt. Und obwohl ich kein Neuling auf dem Gebiet Autismus und Therapien bin, hat man es vesucht anzuwenden. Dass wir abgebrochen haben wurde dann im Entwicklungsprotokoll so dargestellt, dass unser Sohn nicht therapierbar im Sinne der Massnahmen des Therapiezentrums sei.
    Es ist also so, dass selbst wenn man meint sich auszukennen odtmals nicht erkennbar ist, wo ABA drinsteckt.
    Verwirrend ist auch, dass es mittlerweile so viele Begriffe zu diesem Thema gibt, dass selbst Eltern, die hier aufgeklärt werden, es einfach nicht erkennen können. Und das ist das schlimme.
    Um hier nur mal ein paar zu nenne: BET, VET, KIT. Wer weiss, was es noch alles gibt.

    • Anita schreibt:

      Das „neueste“ mir bekannte ist Auja.

      Da wird das Coaching dann per skype durchgeführt. Ich will gar nicht wirklich wissen, wie das umsetzbar sein soll!!!

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