Warum ich Blau heute nicht mag

Heute ist der Welt Autismus Tag. Kein blauer sondern hoffentlich ein bunter Tag. Weltweit wird am 02. April mit der Initiative „Light it up Blue!“ für Aufmerksamkeit für das Thema Autismus geworben. An sich eine gute Idee, wenn da nicht ein großer Haken wäre: Blau ist nicht die Farbe von Autismus sondern von Autism Speaks. Wer also mit blauem Licht, Ballons oder Aktionen in Blau auf Autismus aufmerksam macht verbindet in den Köpfen der Menschen Autismus mit der Farbe Blau. Und somit ist es nur noch ein kurzer Schritt, gerade wenn man nach Autismus sucht, zu Autism Speaks. Jeder der heute blau für Autismus wirbt macht kostenlose Werbung für Autism Speaks. Und die arbeiten, das habe ich im Blog schon einige Male erwähnt, gegen Autisten. Sie demütigen uns, stellen Autismus als teuflisch dar und bekämpfen ihn. Sie setzen sich nicht für Autisten ein, sie sammeln Geld für Gentests. Sie sehen Autismus als Leid und Belastung. Wollt Ihr da wirklich Werbung für machen?

Als Inklusionsbotschafter sage ich: Autismus ist nicht blau. Autism Speaks ist blau. Autismus ist ein Spektrum und bunt wie das Licht.

Meine Arbeit als Inklusionsbotschafter dreht sich um den Aspekt Autismus. Und hier kommt Ihr ins Spiel:

Was kann ich im Rahmen meines Stipendiums als Inklusionsbotschafter für Euch tun?

Was wünscht Ihr Euch?

Wo soll ich mich einsetzen?

Was soll ich bewegen?

Ich bin der festen Überzeugung, dass ich als Botschafter nur dann arbeiten kann, wenn ich von Euch eine Botschaft mitbekomme, die ich verbreiten und vertreten kann.

Gebt mir eine Aufgabe und einen Auftrag, aber erwartet bitte keine Wunder. Ich werde tun was ich kann.

Für die Autisten, für Inklusion und für ein besseres Zusammenleben. Und nicht nur am Welt Autismus Tag.

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25 Antworten zu Warum ich Blau heute nicht mag

  1. Hannah schreibt:

    Hm. Ich bin kein Autist, habe nie mit Autismus zu tun gehabt, kenne keinen Autisten. Das erste und letzte Mal davon gehört habe ich, als ich „Rain Main“ gesehen habe. Trotzdem lese ich deinen Blog gerne, weil ich es interessant und auch wichtig finde, mehr darüber zu erfahren. Zumal aus der Sichtweise von jemandem, der sich wirklich damit auskennt, weil er es selbst hat.

    Nun weiß ich nicht, wie du dir deine Botschafterrolle vorstellst, aber als quasi Außenstehender denke ich, dass es vor allem um Informationsvermittlung geht, dass Leute wie ich informiert sind/werden. Denn ein gutes Zusammenleben und Inklusion kann nur funktionieren, wenn für alle alles mehr oder weniger normal ist. Und damit einem etwas normal vorkommt, muss man es kennen, muss man darüber Bescheid wissen und im besten Fall auch damit in Kontakt gekommen sein – ob das jetzt Autismus, das Down-Syndrom oder irgendwas ganz anderes ist.

    LG Hannah🙂

    • quergedachtes schreibt:

      Hallo Hannah,

      danke für Deinem Kommentar. Zum Inklusionsbotschafter:
      Ich bin einer von mehreren Inklusionsbotschaftern die im Rahmen eines von der Aktion Mensch geförderten Projektes ein kleines Stipendium für ihr Engagement bekommen.
      Mein persönliches Projekt sind die Gesprächsrunden über Autismus.
      Aber ich denke ich kann und möchte auch noch mehr erreichen. Daher die Frage was sich meine Leser wünschen. Wo kann ich etwas für die Inklusion von Autisten tun? Was kann ich machen damit es ein besseres Verstehen und Zusammenleben gibt? Wo sind die Sorgen und Probleme bei denen ich helfen kann?

      Das ist es was mich umtreibt und wo ich etwas bewegen möchte.

      Grüße

      Aleksander

  2. zentao schreibt:

    Ich finde es auch falsch, Menschen auf eine Farbe zu reduzieren. Autisten sind ganz tolle und teilweise geniale Menschen, es ist keine Krankheit, es ist eine Lebensform, die wir anderen so noch nicht richtig verstehen.

    lg zentao

    • Nils schreibt:

      Ich bin auf die Gegenkampange „Walk in Red“ http://walkinred.weebly.com/ gestoßen. Ich frage mich allerdings, wieso jetzt ausgerechnet rot. Wobei mit blau habe ich mich das auch schon gefragt. Finde du hast recht, dass es falsch ist Menschen auf eine Farbe zu reduzieren.

  3. Ella schreibt:

    Danke für den Beitrag, Aleksander!
    Was Deine Rolle als Inklusionsbotschafter angeht, sprachen wir ja schon mal darüber: Inklusion per Anpassung auf Kosten der Persönlichkeit von Kinder mit Autismus, sprich per ABA, darf auf keinen Fall der Weg sein. Wenn Du hilfst, das zu transportieren (und das tust Du ja bereits), ist das ein ganz wichtiger Beitrag, denke ich.🙂

    Hier der Link zu einem kunterbunten Beitrag zum WAT🙂
    http://ellasblog.de/zum-weltautismustag-2015-3/

    • quergedachtes schreibt:

      Danke für den bunten Beitrag🙂

      Der Einsatz gegen ABA hat durch das engere befassen mit der UN BRK nochmal eine andere Dimension angenommen. Gegen das Verbiegen von Menschen vorzugehen steht auf jeden Fall auf meiner Agenda🙂

  4. Pingback: zum Weltautismustag 2015 - Ellas Blog

  5. laviolaine schreibt:

    Ich empfinde es als sehr wichtig zu vermitteln, dass Autisten auch Gefühle haben und keine Roboter sind, die nichts interessiert, was das Gegenüber betrifft. Ich nehme z.B. sehr wohl war, wenn es meinem Gegenüber schlecht geht, doch was dann oft als Desinteresse vom anderen wahrgenommen wird, ist meine andere Art damit umzugehen. Ich werfe mich dem jenigen eben nicht um den Hals und tätschel die Schulter – nein, ich lasse die Person zunächst in Ruhe und suche dann später das Gespräch, um herauszufinden, was denn die Ursache für den Zustand ist.
    Oder die Autisten die selbst Kinder haben (für viele NAs auch noch immer ein seltsamer Gedanke).
    Es ist wichtig zu zeigen, dass wir nicht exakt so sind, wie das Bild das Medien nur all zu gern von uns erschaffen.
    Es gibt mehr als nur Inselbegabung und/oder Schaukeln.

  6. Pingback: Weltautismustag 2015 – Was bedeutet Autismus für mich? | Echt anders

  7. Pingback: Welt-Autismus-Tag 2015 | Aspies Bielefeld

  8. Pingback: Judas | Aspergiller – Aspergill & Asperger

  9. susanna14 schreibt:

    Hat dies auf susanna14 rebloggt.

  10. Anita schreibt:

    Wichtig ist auch, dass Nachteilsausgleiche endlich als wirklicher

    Ausgleich von Nachteilen

    gesehen werden; und nicht als „Bevorzugungen“.

    Mir ist in den letzten Wochen sehr stark aufgefallen, dass die NTA’s kurz vor den Prüfungen an den Schulen zurückgefahren oder gar nicht mehr genehmigt werden!
    Mit zum Teil mehr als kruden Behauptungen (NTA’s gibt es an den Uni’s nicht usw. usf.), was natürlich absoluter Quatsch ist. Denn das Hochschulrahmengesetz gibt mehr Möglichkeiten für NTA’s als die Schulen sich überhaupt vorstellen können!!

    Und auch Autismusbeauftragte müssen mehr Kontakt zu Autisten erhalten. Damit endlich diese unsäglichen Diskussionen mit jenen aufhören, dass das Kind nicht „so viel“ Unterstützung benötigt, sondern besser auf einer Förderschule aufgehoben wäre oder alternativ in einer Klinik und dann Einrichtung. Und zwar immer dann, wenn Hilfen gekürzt/gestrichen und NTA’s nicht bewilligt wurden.

    Mittlerweile beschleicht mich das ungute Gefühl, dass da System hinter steckt. Anders ist zB die Aussage nicht zu erklären, dass man zwar NTA’s bewilligt bekommt aber nicht einfordern darf.

    • quergedachtes schreibt:

      Hallo Anita,

      lieben Dank für den Hinweis. Ich werde mich in den Gesprächsrunden speziell an Schulen mal dem Thema annehmen, weitere Infos einholen und versuchen da was zu bewegen.

      Grüße

      Aleksander

  11. Pingback: Markierungen 04/03/2015 - Snippets

  12. Sturmfrau schreibt:

    Danke für den Beitrag! Mir war gar nicht klar, dass es eine Organisation wie „Autism Speaks“ gibt. Ich selbst habe immer wieder mit Depressionen zu kämpfen und kann nachvollziehen, wenn Du schreibst, Du möchtest dieses Blau nicht als Dein Etikett tragen. Denn wenn man selbst betroffen ist, dann macht es einen sehr wütend, als Person mit Makel, im Mangelzustand, als wandelnder Fehler betrachtet zu werden. Was uns allen als Menschen helfen würde, ist Akzeptanz. Letztlich sind wir alle anders. Mir geht beispielsweise gewaltig auf den Geist, wie in den Medien der Begriff Autismus verwendet wird. Mein Mann hat eine milde Form von Asperger und fühlt sich jedes Mal getroffen, wenn der Begriff verwendet wird, um sozial unfähige Eigenbrötler zu beschreiben, die sich nur um sich selbst kümmern. Das wäre so ein Vorurteil, mit dem ein Botschafter aufräumen könnte. Aber ich nehme an, das tust Du ohnehin schon, oder?

    Nichtautisten bräuchten die Bereitschaft, sich auf das einzulassen, was sie als verschieden von sich selbst empfinden. Mir selbst fällt das nicht so schwer, weil ich meinen Mann nunmal liebe. Wenn er mir schildert, wie er Dinge erlebt und warum manches für ihn schwer ist, warum ihm bestimmte Dinge wichtig sind und er anderes gar nicht wahrnimmt, dann begreife ich ihn besser. Ich verstehe, dass hinter seinem Verhalten weder kaltes Desinteresse noch böse Absicht steht. Ich begreife, dass manche Dinge ihn schmerzen, die ich selbst als belanglos empfinde. Ich erlebe von ihm dasselbe Bemühen um ein Begreifen meiner depressiven Phasen. Also wäre es ein guter Schritt, wieder und wieder zu schildern, wie ein Autist ganz persönlich und individuell seine Welt erlebt. Ich weiß, das ist nicht immer einfach mit Worten auszudrücken. Und es kann auch nicht der Job der Autisten sein, sich und ihre Gefühls- und Wahrnehmungswelt zu rechtfertigen. Nur leider habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass sich „Normalos“ meist nicht von selbst über die Grenzen wagen und auf Andersartiges einlassen. Wenn dann noch Vorurteile dazukommen, dann ist das Bild „des“ Autisten in Stein gemeißelt.

    • quergedachtes schreibt:

      Hallo,

      ja gegen dieses Vorurteil versuche ich aktiv anzugehen.
      Zu beschreiben wie ich Autismus empfinde und was er für mich bedeutet: Das ist und war der Auslöser und Motor für diesen Blog und mein Buch.
      Es ist vielleicht nicht der Job der Autisten sich zu rechtfertigen (sehe ich auch so), aber es ist eine Aufgabe sowas zu beschreiben. Und die Nichtautisten brauchen diese Innensicht.

      Grüße

      Aleksander

  13. Nils schreibt:

    Ich stelle immer wieder fest. Wenn es um Inklusion geht ist viel ideologisch vermint, gerade wenn es um Autismus geht. Wurde von einer Lokalzeitung aus meiner Heimatstadt zum WAT interviewt. Finde bis auf so ein paar Schönheitsfehler bin ich mit den Artikel zufrieden. Im Grunde genommen gut gelungen. Ich verlinke ihn hier mal http://www.nw.de/lokal/bielefeld/mitte/mitte/20421473_Autismus-Anders-und-doch-ganz-normal.html

    • quergedachtes schreibt:

      Hallo Nils,

      ein schöner Artikel. Ich freue mich sehr das Du der Öffentlichkeit einen Einblick in Dein Leben gewährt hast.
      Ich versuche daran zu arbeiten, dass mehr praktisch gesehen und umgesetzt wird und Inklusion für Autisten nicht nur eine Ideologie bleibt.
      Vielleicht treffen wir uns ja mal bei einer meiner Gesprächsrunden, in Bielefeld wird es sicher eine geben. Ich weiß leider nur noch nicht wann.

      Grüße

      Aleksander

  14. sapiensstellar schreibt:

    Hi,
    sorry für meinen letzten Post. Das war nur ein Test, ob ich hier überhaupt was schreiben kann.
    Wollte vermeiden, dass ich ewig viel schreibe und am Ende alles beim Absenden weg ist. Bitte um Verständnis dafür!

    Zum Thema:
    Blau ist für mich von Kindheit an eine Farbe, die ich überhaupt nicht mag. Blau ist für mich „böse“, „unschön“, „unnatürlich“. Ich habe eine innere Abneigung gegen Blau seit ich denken kann.

    Warum soll Autismus nun ganz speziell „Blau“ sein???

    Jeder, der sagt Autismus sei ohne Wenn und Aber ‚XY,‘ hat keinerlei Ahnung von Autismus; in keinster Weise!
    Autismus ist nicht blau, denn für mich ist Autismus „Grün“, grün wie die Natur.
    Das Leben ist für mich Rot-Gelb, so wie die Sonne am Horizont und fast alle Blüten auf der Erde.

    Jeder der sagt, Autismus sei blau, sagt damit, dass ich kein Autist sei, da ich blau nicht mag und selbst auch nicht blau bin,
    Jeder der sagt, Autisten seien blau, diffamiert sie auf unsägliche weise damit, Autisten zu unterstellen allgemein betrunken zu sein. (Wer sprichwörtlich „blau“ ist, ist betrunken.)

    Autismus ist eben nicht blau, nicht grün, nicht gelb und auch nicht ultraviolett, sondern genauso bunt, wie es alles Nicht-Autisten sind. Denn nicht nur der Mensch an sich, sondern das ganze Leben auf Erden ist bunt, bunter als nichts anderes uns bekanntes ist, denn die Vielfalt der Natur ist für uns grenzenlos bunt!

    Und selbst wenn ich selber Blau nicht mag, bleiben mir in der Natur noch 99% aller Dinge übrig, die nicht blau sind und die ich daher mag!
    Wenn etwas oder jemand blau ist, dann Autism Speaks und der Mensch in synthetisch-blauen Uniformen.

    Ich bin lieber Grün.🙂

    LG
    Stellar

  15. sapiensstellar schreibt:

    PS: Um Missvertsändnisse zu vermeiden: Für mich mein Autismus Grün, da meine Lieblingsfarbe von Kindheit an Grün ist und alles Grüne in der Natur mag und leide, wenn Menschen Pflanzen/Bäume gefühlslos verstümmeln oder töten. Pflanzen sind meine besten stillen Freunde.
    Zudem ist Grün die Farbe meiner Lieblingszahl ‚3‘ seit ich denken kann.

    Für mich ist Autismis Grün, weil mein Leben als Autist für mich Grün ist. Aber andere Menschen, Aurtisten und Nicht-Autisten haben andere bedeutende Farben in ihrem Leben, wodurch alles in der Summe eben bunt ist.

    Und letztendlich ist das Bunte am schönsten, die Natur ist und wird immer bunt sein.
    Bunt ist nicht nur natürlich, sondern Bunt ist Leben!

  16. Da ich persönlich einiges darüber schreiben könnte, aber nicht unbedingt öffentlich, möchte ich einfach nur viel mehr Aufklärung in Kitas, Schulen und überall dort, wo Kinder und Jugendliche betreut werden. Erzieher, Lehrer usw. brauchen viel mehr Wissen über Autismus und zwar dringend. Vor allem Schulen, sie sollen und wollen Inklusion, aber können diese kaum real umsetzen. Immer wieder kommt es zu Konflikten und zu Frustration von Seiten der Betroffenen, der Schüler, Lehrer usw. Es ist einfach nur traurig und zum Verzweifeln. Theoretisch passiert schon was, aber praktisch wird nichts richtig umgesetzt. Alle sind dann überfordert und wer leidet dann zum Schluß wieder darunter ? Klar, das Kind, das sich nicht verstanden fühlt. Ich wünsche mir so sehr Schulen, an denen Inklusion nicht nur ein Wort ist.

  17. Monika schreibt:

    Ja, den Gedanken von meiner Vorschreiberin @ nadjasgedankenalbum schließe ich mich voll und ganz an, weil ich es auch so erlebe- und selber als NT/Schulbegleiter darum ringe, besser zu verstehen und vermitteln zu können, „richtig umzusetzen“……
    Das ist sehr sehr schwer……

    viele Grüße von Monika

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