Die rote Linie

Jeder Mensch hat sie glaube ich. Die ultimative rote Linie bei der es für andere Menschen nicht ratsam ist das man diese überschreitet. Gestern wurde eine meiner roten Linien wenn schon nicht überschritten aber dennoch betreten. Wie es dazu kam möchte ich in diesem Blogpost beschreiben.

Wie ich schon an dieser Stelle  beschrieben habe, hat der Regionalverband Autismus Mittelfranken einen mutigen Vorstoß gewagt: Sie haben sich offen gegen ABA (Applied Behavior Analysis, Videobeispiel am Ende des Textes) ausgesprochen. Ich unterstütze dieses Vorhaben und bin damit in der autistischen Community bei Weitem nicht alleine. Was ist mittlerweile passiert? Ich hätte erwartet, dass man sachlich an den Verein herantritt und in ein Gespräch kommt das allen Seiten gerecht wird. Ich wurde enttäuscht. Ein kommerzieller Anbieter von ABA machte es sich vielmehr zum Ziel über den Verein, und was ich noch schlimmer finde, über die Autorin der Stellungnahme herzuziehen.

Hier ein paar Zitate:

„Mit dem gleichen Phänomen haben wir es zurzeit in Deutschland zu tun, wo eine kleine aber laute Gruppe von Menschen andere davon überzeugen möchte, dass es keine erdrückenden Nachweise dafür gebe, dass ABA der wirkungsvollste, hilfreichste und ethisch vertretbarste Ansatz bei der Autismus-Intervention sei.“

Schon hier kann man erkennen: Wer anderer Meinung ist, ist unerwünscht. Wo bleibt der Dialog? Wir sind im Übrigen keine kleine Gruppe von Menschen. Wir sind eine ganze Menge Autisten die sich zum Thema „Therapie für Autisten“ äußern. Vielleicht sollte man uns zuhören? Dann müssten wir auch nicht so „laut“ auftreten.

„Dabei suchen sie sich kleine ABA-Bestandteile heraus, formulieren diese um bzw. erläutern diese anders, als dies in wissenschaftlichen Zusammenhängen tatsächlich gelehrt wird. Anschließend ziehen sie unzutreffende Rückschlüsse auf der Grundlage der unzutreffenden Erläuterungen, die nur vordergründig sinnhaft erscheinen. Ein solches Vorgehen, bei dem ein auf wissenschaftlichen Nachweisen beruhender Unterrichtsansatz verunglimpft wird, ist beschämend; insbesondere dann, wenn dadurch einer besonderen Gruppe von Personen eine effektive Unterstützung verwehrt bleibt. „

ABA Bestandteile sind eben Teil von ABA. Und damit muss sich ABA als Ganzes eben auch der Kritik an diesen Bestandteilen aussetzen. Was die Rückschlüsse betrifft: Diese als unzutreffend zurückzuweisen ohne dies zu belegen ist unzureichend. Und warum darf man wissenschaftliche Nachweise nicht anzweifeln? Vor allem dann, wenn die Wissenschaft nur eines beschreibt: Die nach außen hin heraustretende Wirkung. Wie es Autisten dabei geht interessiert die besagte Wissenschaft übrigens wenig. Aber dazu später. Das man teilen der „besonderen Gruppe“, nämlich den Autisten, unterstellt sie würden anderen Autisten die Unterstützung verwehren ist eine Frechheit.

Hier ein paar weitere Formulierungen aus der „Stellungnahme zur Stellungnahme“ die zeigt wie herablassend und unwürdig autistische Kritiker vom System ABA gesehen und behandelt werden:

„Die meisten ABA-Gegner in Deutschland haben keinen Zugang zu den umfassenden Informationen und Forschungen, die für ABA sprechen“

„Sie haben auch nicht die Zeit oder ein Interesse, mit hunderttausenden Familien zu sprechen…“

„Stattdessen verunglimpfen sie lieber etwas, das sie nicht wirklich verstehen.“

„Anschließend stellen sie ihr sehr kleines gegenkulturelles Glaubenssystem als „repräsentativ“ dar, obwohl es das ganz gewiss nicht ist.“

„Oder sollten Sie sich lieber auf eine kleine Minderheit von uninformierten bzw. eher fehlinformierten Menschen verlassen, die sich wütend gegen etwas wenden, was neu oder besser ist als das, was sie selbst zur Verfügung hatten“

Das könnte ich noch beliebig lang weiterführen, besser macht es den zitierten Text nicht.

Eines wird deutlich: Man greift uns Autisten an. Man spricht uns die Fachkompetenz ab und stellt das was wir sagen als „Glaubenssystem“ dar.

Hier sollte sich jeder intelligente Mensch eines fragen: Welchen Beweggrund kann ein kommerzieller Anbieter von ABA Schulungen und Therapien haben so auf eine Kritik zu reagieren? Die Antwort überlasse ich dem geschätzten Leser meines Blogs.

Das war schon hart an der Grenze zur roten Linie, draufgetreten ist aber jemand anderes. Autismus Karlsruhe. Dort veröffentlichte man eine interne Einschätzung des wissenschaftlichen Beirates von Autismus Deutschland zu ABA und verknüpfte diese, wen wundert es, gleich mit der Werbung für die eigene ABA Ausbildung zum zertifizierten Verhaltenstechniker. Verbunden mit der Aufforderung eben diese Einschätzung an möglichst viele Menschen weiterzuleiten. So landete dann diese Email, mit dem Umweg über obigen kommerziellen Anbieter, direkt in einer öffentlichen Mailingliste zum Thema ABA. Anscheinend wird nach jedem Strohhalm gegriffen und jede Chance genutzt ABA positiv dastehen zu lassen.

Wo die Einschätzung des wissenschaftlichen Beirates nun sowieso öffentlich ist, kann ich auch öffentlich darüber schreiben. Dabei muss ich betonen: Der wissenschaftliche Beirat berät den Vorstand von Autismus Deutschland. Das heißt nicht, dass der Vorstand von Autismus Deutschland das dann so übernimmt. Das wird von Autismus Karlsruhe aber gerne so vermischt:

Zitat aus der mittlerweile öffentlichen Email:

„im Anhang finden Sie die Einschätzung des wissenschaftlichen Beirates des Bundesverbandes Autismus Deutschland e.V. bezüglich der “Stellungnahme gegen ABA“ des Autismus Mittelfranken e.V. Der Regionalverband Autismus Karlsruhe e.V. dankt dem wissenschaftlichen Beirat und dem Vorstand von Autismus Deutschland e.V. für die deutlichen Worte.“

 

Ich komme dann zur Einschätzung an sich. Diese hat es in sich und ist, in meinen Augen, ein klarer Angriff gegen Regionalverbände und Autisten die sich gegen ABA äußern.

„Einschätzung des wissenschaftlichen Beirates des Verbandes „Autismus Deutschland e. V.“ zur „Stellungnahme gegen ABA“ des Vereinvorstandes Regionalverband Autismus Mittelfranken e.V.

Der wissenschaftliche Beirat hat die im Internet veröffentlichte „Stellungnahme gegen ABA“ des Vereinvorstandes Regionalverband Autismus Mittelfranken e.V.zur Kenntnis genommen. Die darin enthaltene Darstellung von Autismus sowie der „ABA“ Therapie entsprechen nicht den vom wissenschaftlichen Beirat vertretenen, auf den gegenwärtigen Stand des Wissens abgestimmten Diagnostik- und Therapieansätzen und sind damit für Betroffene und ihre Angehörigen wenig hilfreich und sogar irreführend. Bei der Darstellung des Vereinvorstandes Regionalverband Autismus Mittelfranken e.V. handelt es sich um eine subjektive, polarisierende und fundamentalistisch anmutende Sichtweise eines zudem nicht korrekt beschriebenen Therapieansatzes. Diese Sichtweise lehnen wir aus wissenschaftlicher sowie vielfältiger klinischer Erfahrung klar ab. Eine kritische Auseinandersetzung mit verschiedenen derzeit angebotenen Methoden und Therapieprogrammen, die oft unter „ABA“ zusammengefasst werden, ist auch aus unserer Sicht wünschenswert. Die vorliegende Ablehnung, die mit Angst und Schuld auslösenden Begriffen und Zuschreibungen arbeitet, trägt jedoch nicht zu einer konstruktiven kritischen Auseinandersetzung bei. „

EDIT: Der wissenschaftliche Beirat kritisiert nicht nur die Darstellung von ABA durch Autismus Mitelfranken sondern auch die von Autismus. Denkt Euch euren Teil dazu…..

Für Betroffene und Angehörige wäre in meinen Augen eines hilfreich: Endlich die Worte von Autisten wahr und auch ernst zu nehmen. Anstelle dessen werden unsere Bedenken als „wenig hilfreich“ und „Irreführend“ betitelt. Es wird von Angst und Schuld auslösenden Zuschreibungen gesprochen. Ist das verwunderlich, wenn das was über ABA auf der letzten Bundestagung zu sehen war, bei Autisten Angst ausgelöst hat? Ich persönlich wurde durch die gezeigten Filme in einen Shutdown getrieben. Ist es wirklich nicht legitim diese Angst zu verbalisieren? Der Wissenschaftliche Beirat geht sogar so weit, dass er uns als Kritikern dieser Methode „Fundamentalismus“ unterstellt.

Da stellt sich mir ganz klar nur eine Frage: Wie fundamentalistisch muss man selbst sein, um eine Kritik und die Meinung von Menschen die von dem Thema betroffen sind, als fundamentalistisch und damit nicht Diskussionsoffen zu bezeichnen? Wann wird endlich auf unsere Stimmen gehört? Wann bezieht man uns in Diskussionen die Autisten und das Thema Autismus betreffen ein?

Damit komme ich noch einmal zu einem Punkt den ich schon weiter oben angesprochen hatte:

Die wissenschaftliche Evidenz zum Thema ABA.

Bei Evidenz, was nichts anderes als augenscheinlich bedeutet, spielt eines keine Rolle: Was hinter dem beobachteten evidenten Ereignis vorgeht und passiert. Ich bringe mal ein krasses Beispiel: Es ist durchaus evident, dass das Abtrennen des Kopfes vom Restkörper für einen Menschen tödlich ist. Ist es deshalb ethisch vertretbar? Genauso wird aber bei ABA argumentiert: Die Methode ist effizent. Man kann „unerwünschtes Verhalten“ wirksam abstellen. Keine Zweifel. Was wir Autisten dabei aber kritisieren ist die Art wie dies geschieht. Nämlich nicht das man nach den Gründen für dieses Verhalten sucht und dort ansetzt, sondern das man es schlichtweg „wegklickert“. Was also augenscheinlich wirksam und damit evident ist, muss gleichzeitig nicht auch ethisch vertretbar und menschlich sein. Oder gibt es wissenschaftlich anerkannte Veröffentlichungen die sich mit den Auswirkungen für und bei Autisten nach so einer Therapie befassen?

Die Kritikpunkte zu ABA sind übrigens nicht weit hergeholt oder stammen aus Unwissen. Ich konnte selbst bei der Bundestagung von Autismus Deutschland einer Session beiwohnen die sich um ABA drehte. Und ich war entsetzt welche Filme im Rahmen dieser Veranstaltung dort gezeigt wurden. Ist das etwa auch kein „echtes“ oder „richtiges“ ABA? Was mir dort präsentiert wurde und wie man schon fast komödienhaft (ich fand es nicht lustig!) ABA demonstrierte kann man hier nachlesen.

Benjamin Falk hat in seinem Blog Realitaetsfilter die gerne gemachte Verknüpfung von ABA mit Wissenschaft mal genauer untersucht und intensiv recherchiert:

http://blog.realitaetsfilter.com/2015/05/06/die-wissenschaft-von-aba/

Was bleibt und einem in jeder Reaktion entgegenschlägt: Die Meinungsäußerung von Autisten zu ABA wird nicht akzeptiert und diskreditiert. Man hat kein Interesse an der Innensicht. Und das bei einer Thematik von der gerade Autisten besonders betroffen sind. Anstelle das man auf die konkreten Kritikpunkte (Dressur, Abtrainieren von Symptomen und Stimming, Ignoranz den Ursachen gegenüber) eingeht wird ABA gelobt und die Kritiker verdammt.

Was bleibt?

Zum einen meine Meinung: So nicht liebe ABA Befürworter! Ich gebe Euch gerne eine Hausaufgabe: Sagt mir nur ein Beispiel bei dem ABA etwas erreichen kann was z.B. TEACCH nicht kann. Ich bin gespannt!

Des Weiteren Zweifel. Der wissenschaftliche Beirat verweist auf eine in Zukunft erscheinende Leitlinie.

Wir möchten auf die in naher Zukunft erscheinenden, völlig neu überarbeiteten und

aktualisierten Leitlinien der AWMF zur Diagnostik und Therapie von Autismus-Spektrum-Störungen verweisen. Eltern, Betroffenen und allen mit Autismus-Spektrum-Störungen befassten Fachleuten empfehlen wir, sich an diesen Leitlinien zu orientieren, die eine wissenschaftlich fundierte und durch langjährige klinische Erfahrung bewährte Darstellung der Diagnostik von Autismus-Spektrum-Störungen und deren Behandlungsmöglichkeiten enthalten und unter Einbezug aller Beteiligten (Wissenschaftler, Kliniker, Berufsverbände, Selbsthilfegruppen u.v.a.) erstellt werden.

Schaut man auf die Seiten der AWMF  findet man folgende Angaben:

Koordination: Prof. Dr. med. Dipl.-theol. Christine Freitag Prof. Dr. Dr. Kai Vogeley

Beide sind Mitglieder im wissenschaftlichen Beirat von Autismus Deutschland der, wie schon beschrieben, Kritik an ABA unter anderem als fundamentalistisch bezeichnet. Ich hoffe die Leitlinien sind nicht von ähnlichem Gedankengut gefärbt.

Zum anderen ein Appell an den Vorstand von Autismus Deutschland:

Beziehen Sie Stellung zum Thema ABA. Klar und deutlich. Stellen Sie sich hinter den Regionalverband der versucht etwas zu bewegen. Und lassen Sie nicht zu, dass eben diese Regionalverbände oder deren Vorstände als fundamentalistisch kritisiert werden! Und akzeptieren Sie vor allem nicht, dass andere Personenkreise interne Einschätzungen zu Werbezwecken nutzen und an kommerzielle Anbieter auch so weitergeben. Es darf nicht der kommerzielle Gewinn im Vordergrund stehen. Wichtig ist die Sache Autismus. Und dazu gehören wir Autisten nun mal untrennbar dazu.

EDIT: Ein Videobeispiel zu ABA

Vielen Dank an die Userin Anjali die bei Rehakids auf dieses Video hingewiesen hat.

Es geht um folgendes Video das vom oben genannten ABA Anbieter ins Netz gestellt wurde:

https://www.youtube.com/watch?v=P615UO1Sl30

Ich möchte nachfolgend einmal beschreiben was ich persönlich als Autist bei diesem Video sehe:

1) Das Kind darf nur mit dem Spielzeug spielen wenn es mit dem Vater spielt. Dem Wunsch alleine zu spielen wird mit Spielzeugentzug entgegnet.

2) Spielen mit dem Vater bedeutet in diesem Fall: Vom Vater körperlich umringt zu sein. Das Kind soll zwischen den Beinen des Vaters spielen und wird mit dem Spielzeug in den Händen des Vaters umfasst. Als Autist würde ich das als einengend empfinden und mich schon deshalb der Situation entziehen.

3) Das Kind soll mit Körperkontakt belohnt bzw. bestärkt werden wenn es zum Spielen nahe zum Vater kommt. Der Vater belohnt den „Lernerfolg“ des Kindes mit Handreiben der Brust, und Anfassen/Wischen im Gesicht. Auch hier wird wieder die Problematik des zu engen Körperkontaktes den viele Autisten haben nicht beachtet.

4) Das Kind kommuniziert deutlich, dass es alleine, aber mit dem Spielzeug spielen möchte. Das wird nicht akzeptiert. Das Spielen mit dem Spielzeug ist nur erlaubt wenn es zwischen den Beinen vom Vater sitzt.

5) Ich stelle mir eine Frage:  Nichtautistische Kinder dürfen alleine mit Spielzeug spielen ohne direkten Kontakt zu einem anderen Menschen zu haben. Warum müssen Autisten dann so etwas mitmachen? Ich verstehe es wirklich nicht.

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22 Antworten zu Die rote Linie

  1. Anita schreibt:

    Zitat aus der „Stellungnahme“ des wissenschaftlichen Beirates

    „Die darin enthaltene Darstellung von Autismus sowie der „ABA“ Therapie entsprechen nicht den vom wissenschaftlichen Beirat vertretenen, auf den gegenwärtigen Stand des Wissens abgestimmten Diagnostik- und Therapieansätzen und sind damit für Betroffene und ihre Angehörigen wenig hilfreich und sogar irreführend“

    Eine Frage an den wissenschaftlichen Beirat

    WIE sieht denn der gegenwärtige Wissensstand zu Diagnose- und Therapieansätzen aus???

    Steht da irgendwie überhaupt gar nicht!

    Dafür wird auf

    Zitat des wissenschaftlichen Beirates

    „Wir möchten auf die in naher Zukunft erscheinenden, völlig neu überarbeiteten und
    aktualisierten Leitlinien der AWMF zur Diagnostik und Therapie von Autismus-Spektrum-
    Störungen verweisen. “

    hingewiesen.🙄

    http://www.awmf.org/leitlinien/detail/anmeldung/1/ll/028-018.html

    Ich bin gespannt, ob und wann wir etwas darüber erfahren werden.

    Und in der Zusammenfassung der wird dass dann so beschrieben, über die Teilnehmer zur Erstellung der Leitlinien

    Zitat wissenschaftlicher Beirat

    “ unter Einbezug aller Beteiligten (Wissenschaftler, Kliniker, Berufsverbände,
    Selbsthilfegruppen u.v.a.) erstellt werden. “

    Wobei mir wieder auffällt, Autisten werden hier unter „viele andere“ geführt!!!

    Denn unter Selbsthilfegruppen kann ich vieles verstehen.

    Autisten hier explizit zu erwähnen ist wohl noch niemandem eingefallen!

    Ich bin über diese Machenschaften mittlerweile mehr als nur entsetzt! Und meine „rote Linie“ wurde nun eindeutig überschritten!

    • quergedachtes schreibt:

      Der Hinweis auf die Leitlinie ist schlichtweg einfach Eigenwerbung. Und wenn die Leitlinie so aussieht wie die Einschätzung des Beirates…kann Deutschland einpacken😦

      • Anita schreibt:

        Da ich NICHT glaube, dass die *Sarkasmus on* vereinzelten aber sehr lautstarken Stimmen *Sarkasmus off* hier auf einmal aus *Sarkasmus on* lauter Demut *Sarkasmus off* verstummen werden………………..

        muss Deutschland sich darauf gefasst machen, dass die Diskussion noch Lauter wird.

        Ich werde jedenfalls nicht den Mund halten.

        • quergedachtes schreibt:

          Definitiv. Wenn die von mir beschriebene rote Linie überschritten wird…wird es wirklich laut. Es werden immer mehr Autisten die ihren Mund nicht mehr halten.

  2. Aspergiller schreibt:

    „Die meisten ABA-Gegner in Deutschland haben keinen Zugang zu den umfassenden Informationen und Forschungen, die für ABA sprechen“
    Ich habe als Bibliothekar mit über zehn Jahren Berufserfahrung sicherlich mehr Möglichkeiten, Zugang zu Informationen über ABA zu finden, als die sich vorstellen können!

    • quergedachtes schreibt:

      Kann ich bestätigen. Habe Informationswissenschaften und Bibliothekswesen studiert🙂

      • Anita schreibt:

        Als sehr lesefreudiger Mensch, der mittlerweile sich auch mit den Suchtechniken des Internets hat anfreunden können………….

        ja, doch, man findet mehr, als manche Menschen sich so vorstellen können.
        Und ja, ich bin sogar in der Lage, sinnentnehmend zu lesen!😉

  3. semilocon schreibt:

    Hast du schön geschrieben😀

    Dass ABA evident ist, also augenscheinlich funktioniert, erinnert mich an die Eltern, die ihre Kinder prügeln. Das Kind verhält sich nach den Schlägen dann wie erwünscht, also funktioniert es ja und damit ist alles gut. Oder? Ich glaube nicht.

    Naja, dass überhaupt betont werden muss, wie ethisch vertretbar das alles ist, würde mich als Mutter eines autistischen Kindes ja schon stutzig machen. Sollte das nicht selbstverständlich sein?

  4. mellissandra schreibt:

    als ich das heute morgen auf der ABA-seite gesehen habe, ging ich erst mal suchen und fand nix über googel, dann hab ich immer noch optimistisch, wenn auch vielleicht naiv, gedacht, wenn das ja von „Autismus Deutschland“ werden die das doch bestimmt auf ihrer seite haben…nix is..aber ich habe etwas anderes gefunden, und zwar die beiden artikel

    http://w3.autismus.de/media/Fachgruppe/autismus-Heft78_Das_besondere_Thema_4.pdf
    http://w3.autismus.de/media/Fachgruppe/autismus-Heft78_Das_besondere_Thema_3.pdf
    ein paar zitate daraus:

    zitat: „ABA/VB bedient sich auch bei komplexeren Zielen, wie Kommunikationsanbahnung, aus unserer Sicht zu mechanistischer Methoden, die über die Verstärker orientierte Vorgehensweise die tiefergehende Bedeutung von Kommunikation, wie z.B. die Freude am gemeinsamen Tun (Konzept der gemeinsamen Aufmerksamkeit – engl.: joint attention) vernachlässigen. Im Sinne eines bedeutungsvollen Lernens ist es für ein Kind nicht wichtig, Blickkontakt zu üben („Schau mich an!“), sondern sich dem Gegenüber mit Interesse zuzuwenden“

    „Zeitgemäßes verhaltenstherapeutisches Vorgehen lässt sich nicht auf das operante Konditionieren reduzieren. „Die Vorstellung, einen Mensch mit Depressionen dadurch zu behandeln, dass man ihm jedes Mal ein Gummibärchen gibt, wenn er lächelt, erscheint zu Recht absurd. Erstaunlicherweise wird diese Absurdität bei der Behandlung von Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen oft übersehen“ (Guttmann 2014). “

    „Schließlich ist es den Autismus-Therapiezentren wichtig zu betonen, dass die Auswahl geeigneter Förderziele und -methoden in der Autismus-Therapie nicht allein von wissenschaftlichen Fragen der Wirksamkeit bzw. Machbarkeit bestimmt sein darf, sondern auch ethische Werte und Fragen des Menschenbildes in die Betrachtung einbezogen werden müssen.
    Ein rein medizinisches Menschenbild orientiert sich an der Normalität und formuliert klare Kriterien von „gesund“ und „nicht gesund“.
    Von Menschen mit Autismus wissen wir jedoch, dass Symptome wie Blickkontaktvermeidung, Stereotypien und Rituale, die als Teil der Störung oder Krankheit definiert sind, durchaus eine positive bzw. regulierende und damit adaptive Funktion haben können.
    Die Beantwortung der Frage, ob überhaupt und wie es dieses Verhalten durch gezielte Interventionen zu verändern gilt, bedarf einer anderen Annäherung als aus der rein medizinisch-wissenschaftlichen Sicht und muss unter der Einbeziehung der Perspektiven der Betroffenen erfolgen.“

  5. mellissandra schreibt:

    Hat dies auf melli´s kleines nähkästchen rebloggt und kommentierte:
    sehr empfehlenswerte lektüre, besonders auch die kommentare, das hat noch nie funktioniert, zu keinem thema, autisten als „nicht fachleute“, „unfähig zu recherche“, oder auch immer wieder gerne genommen „kleine aber laute Gruppe“ zu bezeichnen…. die werden dann nur NOCH LAUTER😛

  6. Pingback: Markierungen 05/03/2015 - Snippets

  7. Darkwolf schreibt:

    Die angebliche „Evidenz“ von ABA löst schnell in Luft auf,wenn man sich anguckt,wie diese
    Studien durchgefürt worden sind.
    Die Methodischen Fehler bei den Studien,die angeblich die Wirksamkeit bestätigen sollen,sind
    so schwerwiegend,dass sie keine Seriösität bestzen.
    Außerdem sind laut korrekt durchgeführten Studien ABA-Methoden die „Erfolgsraten“ wesntlich geringer (13% statt 47%).
    Quelle:http://autismus-kultur.de/autismus/eltern/heilt-aba-autismus.html
    Bin mal gespannt, was ABA-Anbieter dazu sagen.
    So viel zu „wissenschaftlichen Nachweisen“.

  8. susanna14 schreibt:

    Habe den Text von dem Knospe-Anbieter gelesen. Eigentlich wollte ich aufhören, als ich den Vergleich mit den Leugnern des von Menschen verursachten Klimawandels las. „Wir sind die Wissenschaftler – die anderen sind unwissenschaftlich und verbreiten falsche Behauptungen, die von Wissenschaftlern nicht geteilt werden.“ Ich habe einige Artikel gelesen von Klimaforschern, die sich bemühten, die Behauptungen von Leugnern zu widerlegen, und sie taten es sehr liebevoll und sorgfältig, indem sie jede einzelne Behauptung unter die Lupe nahmen, schrieben, inwiefern etwas an dieser Behauptung dran sein könnte, und warum sie trotzdem nicht widerlegt, dass es einen Klimawandel gibt und dass dieser von Menschen verursacht ist und gestoppt werden kann, wenn Menschen ihr Verhalten ändern. Der Text von Knospe liest sich anders. Er beschäftigt sich nicht ausführlich mit dem Text, den er kritisiert, sondern wiederholt wie eine Schallplatte: Wir sind Wissenschaftler, die sind es nicht. Ansonsten ist er nur manipulativ.

    Mich erinnert dies an eine Beobachtung, die ich in verschiedenen Zusammenhängen gemacht habe: Wenn jemand nicht weiß, wie er eine gerechtfertigte Kritik zurückweisen soll (eben weil sie gerechtfertigt ist), verwendet er spiegelbildlich die gleichen Vorwürfe gegen diejenigen, die ihn kritisieren. Aber es funktioniert eben nicht. Nicht der Text von Autismus Mittelfranken, sondern der von Knospe ist unwissenschaftlich und manipulativ. Man erkennt dies schon an Kleinigkeiten: Dem Text des Knospe-Anbieters fehlen die Fußnoten und Literaturangaben. Und das ist keine Pfennigfuchserei: Immerhin behauptet der Text von Knospe, er habe Zugang zu einer Unmenge englischsprachiger Fachliteratur. Warum sucht er nicht zwei oder drei Texte aus und teilt sie mit seinen Lesern und Leserinnen?

    • Jali schreibt:

      Ich habe mir den Text auch mal angesehen. Bei solchen Texten lohnt es sich immer sie auf ihren formalen Aufbau hin zu untersuchen.

      Der Knospe Text ist diesbezüglich sehr interessant, weil er sich schon formal diverser Sophismen (ein Fehlschluss als rhetorische Figur) bedient, die in einem wissenschaftlichen, auch einem populärwissenschaftlichen, schlicht nichts Dokument nichts zu suchen haben.

      Das augenfälligste ist wohl die ständige Berufung auf Autoritäten, ohne deren Autorität mich deren inhaltlichen Aussagen zu begründen. Diese Argumentform trägt den klangvollen Namen „Argumentum ad verecundiam“ (lat. „Beweis durch Ehrfurcht“), und geht in etwa so: „Prof. X ist ein anerkannter Wissenschaftler und vertritt Standpunkt Y. Also ist Y wahr“
      Der Text nennt nicht weniger als drei Namen von Ärzten, ohne auf deren Arbeiten zu verweisen. Der US Surgeon General wird im Text zwar erwähnt, aber nicht namentlich genannt; der Mann heißt Vivek Murthy, und hat einen Doktorgrad in Medizin und einen MBA in „Health Care Management“. Als praktizierender Arzt war er allerdings auf Frauenheilkunde spezialisiert. Im Bereich der Autismusforschung hat er laut seiner eigenen Vita überhaupt nie gearbeitet.

      Ein weiteres Beispiel im Text: „Die Behörden ließen sich nicht leicht überzeugen, denn niemand verteilt Geld, wenn keine klaren und stichhaltigen Nachweise über die Wirkung erbracht werden“

      Das ist natürlich offensichtlicher Unsinn: Ein wissenschaftlicher Nachweis für die Wirksamkeit der Homöopathie fehlt bislang ebenso, trotzdem werden derartige Behandlungsmethoden von den Kassen bezahlt. Die Behörden vertreten ja auch nicht die wissenschaftliche Weltsicht, sondern die Interessen der Bürger. Und wenn eine Mehrheit der Bürger will, dass der Staat für eine Leistung zahlt, wird er das tun; die Politiker, die dies entscheiden wollen ja gewählt werden.

      „Oder sollten Sie sich lieber auf eine kleine Minderheit von uninformierten bzw. eher
      fehlinformierten Menschen verlassen, die sich wütend gegen etwas wenden, was neu oder besser ist als das, was sie selbst zur Verfügung hatten?“

      Diese Form des Arguments heißt „Argumentum ad invidiam“ (lat. „Beweis durch Missgunst“) und gehört zu den Ad Hominem Argumenten.

      Ich glaube ich könnte noch seitenweise so weiter machen. Der „Knospe“-Text ist eine wahre Fundgrube an Beispielen für rhetorische Fehlschlüsse, die hier natürlich bewusst eingesetzt werden um die eigene Meinung zu vertreten. Das muss ja nicht unbedingt schlimm sein, nur die behauptete Objektivität gibt es da nirgendwo.

  9. susanna14 schreibt:

    Hat dies auf susanna14 rebloggt und kommentierte:
    Wieder einmal mache ich Werbung für einen Text von Quergedachtes – ein Blog über Autismus. Lest den Text, er ist sehr spannend. Ich interessiere mich für das Thema nicht als von Autismus betroffene, sondern als Pädagogin und als an Psychologie interessierter Mensch. Dressur scheint mir als Therapiemethode völlig ungeeignet, da sie ganz und gar an der Oberfläche bleibt, und mehr den Eltern als den Kindern nützt.
    Hier noch die Links zu den beiden im Text erwähnten Artikeln:
    Stellungnahme gegen ABA
    Stellungnahme zur Kritik an ABA

    Ich habe beide Texte gelesen. Eigentlich wollte ich den Text des Knospe-Anbieters weglegen, als ich den Vergleich mit den Leugnern des von Menschen verursachten Klimawandels las. „Wir sind die Wissenschaftler – die anderen sind unwissenschaftlich und verbreiten falsche Behauptungen, die von Wissenschaftlern nicht geteilt werden.“ Ich habe einige Artikel gelesen von Klimaforschern, die sich bemühten, die Behauptungen von Leugnern zu widerlegen, und sie taten es sehr liebevoll und sorgfältig, indem sie jede einzelne Behauptung unter die Lupe nahmen, schrieben, inwiefern etwas an dieser Behauptung dran sein könnte, und warum sie trotzdem nicht widerlegt, dass es einen Klimawandel gibt und dass dieser von Menschen verursacht ist und gestoppt werden kann, wenn Menschen ihr Verhalten ändern. Der Text von Knospe liest sich anders. Er beschäftigt sich nicht ausführlich mit dem Text, den er kritisiert, sondern wiederholt wie eine Schallplatte: Wir sind Wissenschaftler, die sind es nicht. Ansonsten ist er nur manipulativ.

    Mich erinnert dies an eine Beobachtung, die ich in verschiedenen Zusammenhängen gemacht habe: Wenn jemand nicht weiß, wie er eine gerechtfertigte Kritik zurückweisen soll (eben weil sie gerechtfertigt ist), verwendet er spiegelbildlich die gleichen Vorwürfe gegen diejenigen, die ihn kritisieren. Aber es funktioniert eben nicht. Nicht der Text von Autismus Mittelfranken, sondern der von Knospe ist unwissenschaftlich und manipulativ. Man erkennt dies schon an Kleinigkeiten: Dem Text des Knospe-Anbieters fehlen die Fußnoten und Literaturangaben. Und das ist keine Pfennigfuchserei: Immerhin behauptet der Text von Knospe, er habe Zugang zu einer Unmenge englischsprachiger Fachliteratur. Warum sucht er nicht zwei oder drei Texte aus und teilt sie mit seinen Lesern und Leserinnen?

  10. iris schreibt:

    OMG wenn ich mir alleine das video anschaue, was an die narzisstisch diktierte eigene kindheit erinnert, bekomme ich bauchweh,
    wie kann man nur…….
    ich wurde so erzogen, wenn ich nicht das tat, was von mir erwartet wurde, wurde ich ignoriert, was mir noch mit über 50 nachhängt…………….

    • quergedachtes schreibt:

      Das ist ein weiterer Kritikpunkt an ABA: Die sogenannte Löschung (z.B. von mit ABA falsch geprägtem Verhalten). Das Kind ignorieren bis es dieses Verhalten nicht mehr zeigt. Egal ob es schreit oder weint oder was es auch immer macht.
      Wie können Eltern das übers Herz bringen?

  11. soor schreibt:

    ich kann diese videos nicht ankucken, es hat mir schon gereicht das mir amerikanische autisten erzählt haben das die gerne mal die kinder hungern lassen damit sie mehr für essen tun😦

  12. Batschpeng schreibt:

    man gestehe mir lücken im wissen bitte zu, auch in der lektüre dieses langen blogposts, ich habe nicht genügend „RAM im kopf“ für den ganzen Post frei.

    grundlegende frage: aleksander, ist ABA tatsächlich von so vielen berhörden geduldet, ja sogar wird angewedet? ich vermute dies ist eine vorlaute darstellung. ist nur eine vermutung.

    persönlihce aussage: mich schmerzt beim zusahen das gezwungenwerdn des kleinen jungen. ich weiß, dass es hilfreich sein kann kinder und menschen durch eine solche konfrontationstherapie mit dem „nihctgefährlichsein“ einer sache (hier körperkontakt, enge, nähe) erlebt beizubringen(näherzubringen, aber einen menschen dann so zu konditionieren es NUR noch so zu tun lehen ich zutiefst ab. aber das tut wohl jeder, der die wirklich freie wahl hat.

    liebe grüße

    • quergedachtes schreibt:

      Hallo,

      ich habe weder behauptet das ABA von Behörden geduldet wird noch das diese es anwenden. Da musst Du etwas falsch verstanden haben.
      Es ist aber dennoch so: Es gibt Ämter die ABA bezahlen.

      Grüße

      Aleksander

  13. Pingback: Hilfeschrei | Quergedachtes | Ein Blog über Autismus

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