In einem Land vor unserer Zeit

Was ich gestern gehört und heute früh selbst gefunden habe ist nicht mehr schön. So unschön das man glauben könnte ich lebe hier in einem Land vor unserer Zeit. Und damit meine ich nicht einen süßen Animationsfilm für Kinder sondern eher  Zustände die mich an die graue Vorzeit erinnern.

Ich fange mal mit den Berichten aus der Praxis an:

Autisten sind gefährlich! Glaubt Ihr nicht? In einer Regelschule in Hessen scheint man das so zu sehen. Dort darf ein autistisches Kind in den Pausen nicht mit den anderen Kindern spielen. Ausnahme: Wenn der Schulbegleiter dabei ist. Die Begründung ist einfach: Das Kind ist gefährlich. Das wurde übrigens auch den anderen Kindern kommuniziert damit sie gar nicht erst auf die Idee kommen den kleinen Autisten zum Spielen zu animieren. Weiterlesen

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Autismus: Ein Kammerspiel

Für einen „Im Dialog mit…“ eignet sich das nachfolgende Gespräch leider nicht. Ich habe mich daher entschlossen ein kleines Kammerspiel (bitte nicht zu wörtlich nehmen) daraus zu machen. Seinen Ursprung hat es zum einen in einem Werbespot „I am Autism“ von Autism Speaks. Er erzeugt Angst und zeichnet ein dunkles Bild von Autismus. Für alle die kein Englisch verstehen habe ich hinter jedem Teil eine deutsche Übersetzung eingefügt. Die Erwiderung stammt von mir. Es ist die Sicht wie ich Autismus empfinde und sehe. Letztendlich stehen hier zwei Sichtweisen gegenüber. Es gibt in diesem Kammerspiel keinen Gewinner und keinen Verlierer. Am Ende steht die Neutralität. Ohne Angst, aber auch ohne Superheld mit Superkräften.

Aber kommen wir nun zum Platz des Geschehens. Wir befinden uns in einer gemütlichen Wirtschaft in der viele Menschen sitzen und sich unterhalten. Die Tür geht auf, und ein dunkel gekleideter eher kleiner Mann tritt herein. Er wendet sich an die Gäste und fängt mit dunkler aber klarer Stimme an zu sprechen:

I am autism. I’m visible in your children, but if I can help it, I am invisible to you until it’s too late. I know where you live.

Ich bin Autismus. Ich bin sichtbar in Euren Kindern, aber wenn es möglich ist bleibe ich solange für Euch unsichtbar bis es zu spät ist. Ich weiß wo Ihr wohnt

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Das Geschäft mit der Angst

Ich habe Angst. Angst vor Unwissenheit und davor von anderen dazu missbraucht zu werden ein schlechtes Gewissen zu erzeugen und damit Geld zu machen.

Aber ich fange wohl besser am Anfang der Geschichte an.

Seit vielen Jahren  ist es in Mode das reiche und prominente Menschen sich in „Charity“ üben. Es wird Geld gesammelt. Für die dritte Welt, für kranke Kinder, für eine bessere Welt und ja auch für Autismus. Nicht dass man mich falsch versteht:  Sich für Menschen einzusetzen denen es nicht gut geht ist eine gute Sache. Aber eben auch nur solange es den Menschen zu Gute kommt. Weiterlesen

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Im Dialog mit: Edith Vogt-Hörler

Den ersten “Dialog” führe ich mit Edith Vogt-Hörler. Den Ursprung hat dieser Dialog im Autismus Forum Schweiz. In der Reihe “Im Dialog mit” geht es mir nicht darum etwas als Falsch oder Richtig zu deklarieren. Es geht um den Dialog und den Austausch von Sichtweisen und darum das verschiedene Facetten und Sichtweisen zusammenfinden und ein erweitertes Bild entsteht. Es bleibt dem Leser überlassen wie dieses Bild am Ende des Dialogs aussieht.

Nun aber zum ersten Dialog:

Edith Vogt-Hörler:

Neuropsychologische Aspekte der Autismus-Spektrum-Störung (ASS) Weiterlesen

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Das alltägliche Hellsehen und mein Angebot an Medienschaffende

Heute ist mal wieder so ein Tag an dem ich mich frage: Kann ich hellsehen? Oder ist es mal wieder nur der ganz normale Wahnsinn in den Medien?

Was ist passiert? Heute früh noch habe ich zwei meiner Blogposts zum Thema Autismus und Medien getweetet.

Zum einen „Weil es immer noch und immer wieder aktuell ist: Autismus im Teufelskreis der Sprache“.

Und zum anderen: „Einige Gründe, die gar keine sind, warum #Autismus immer wieder zusammen mit Gewalt in den Medien auftaucht: Autismus: Das Medienbild und die Wirklichkeit

Keine zwei Stunden später entdecke ich dann folgendes auf Focusonline:

EDIT: Es gibt noch einen Artikel zu dem Vorfall beim Focus: Bluttat erschüttert die USA (erschienen 25.05.2014, 9 Uhr 12)

Hass gegen Frauen. (erschienen 25.05.2014 10 Uhr 24)

Man beachte die Uhrzeit der Veröffentlichungen!
Der zuerst veröffentlichte Artikel kommt ohne Autismus aus. Eine Stunde später schlägt man dann mit der Autismuskeule um sich. Tut das Not? Oder zeigt sich hier vielmehr eine gewisse Sensationslust und Gier nach Klicks?

Konnte ich hellsehen? Nein. Autismus verleiht einem keine übernatürlichen Fähigkeiten. (also schreibt bitte nicht darüber liebe Medien). Was bleibt ist die Erkenntnis, dass es mal wieder der ganz normale und alltägliche Wahnsinn der Medien ist der uns da entgegenschlägt. Muss das sein? Nein!

Überlegt doch bitte mal was Ihr damit anrichtet wenn Ihr solche Verknüpfungen zwischen Autismus und Gewalttaten publiziert:

Autisten werden sich noch mehr verstecken. Aus Angst das man bei der Erwähnung von Autismus sofort mit einem gefühlskalten Gewalttäter assoziiert wird.

Autistische Kinder werden noch mehr in den Schulen gemobbt.

Eltern autistischer Kinder haben es noch schwerer für die Inklusion Ihrer Kinder zu kämpfen weil andere Eltern Angst vor autistischen Mitschülern haben.

Liebe Medien: Bitte informiert Euch! Ich möchte nicht dass Ihr Autismus schönredet oder nur und ausschließlich positiv über Autismus und Autisten berichtet. Das wäre nun genauso falsch. Aber überlegt bitte dreimal bevor Ihr eine Behinderung derart in einem Zusammenhang mit einer Gewalttat betont.

EDIT: Was dabei rauskommt kann man prima in den Kommentaren zum Focusartikel nachlesen:

Natürlich wird wieder auf der NRA herumgehackt. Dabei hat Kalifornien ein strenges Waffengesetz. Aber ein reiches Bübchen bekommt für genug Geld überall was er will. Vielleicht sollte man mal eher die Gefährlichkeit von total egoistischen und gefühlskalten Autisten untersuchen, die ja bislang als nicht gemeingefährlich gelten.

Es gehörte bisher zum vermeintlichen Wissens-Kanon über das Thema Autismus, dass Autisten (zumal Asperger-Autisten) NICHT zu Gewalt und Kriminalität neigen. Nach diesem Fall erinnert man sich an den Amokläufer Adam Lanza, von dem es auch hieß, er sei Autist gewesen. Muss man hier vielleicht mit alten Überzeugungen von der vermeintlichen Ungefährlichkeit von Autisten aufräumen?

Und damit Ihr Euch informieren könnt weise ich mal dezent auf meinen Job hin:

Ich informiere, berate und bilde Menschen weiter wenn es um das Thema Autismus geht. Und das als Autist. Das kostet natürlich Geld, schließlich bekomme ich meine Brötchen nicht geschenkt bloß weil ich Autist bin, aber eines kann ich Euch garantieren:

Bisher habe ich noch keinen meiner Teilnehmer verletzt oder getötet. Im Gegenteil: Ich schenke ihnen etwas: Das gute Gefühl nach meinen Seminaren oder Vorträgen definitiv mehr über Autismus zu wissen.

Aleksander Knauerhase

P.S.: Ich hasse übrigens auch keine Frauen. Im Gegenteil: Ich liebe meine Frau, und das seit 17 Jahren.

P.P.S.: Das ich meine Sache gut mache konnte man übrigens erst kürzlich in einem Artikel der dpa nachlesen ;)

P.P.P.S: Nun gibt es übrigens keine Ausrede mehr Mist über Autismus zu schreiben, das ist Euch klar, oder?

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Der Blutrausch der Sensenmänner und –frauen

In den vergangenen Wochen ist so einiges zerbrochen. Darunter auch mein Glaube daran, dass Autisten an einem Strang ziehen wenn es um Autismus geht. Wir ziehen tatsächlich an einem Strang (namens Autismus), aber in vollkommen unterschiedliche Richtungen. Schlimmer noch: Es gibt immer mehr „Aktivisten“ die Verbindungen kappen weil sie pauschal auf Menschen, Vereinen und Organisationen rumhacken die mit Autismus zu tun haben. Mir kommt es tatsächlich vor wie ein Blutrausch in dem auf alle und jeden eingedroschen wird der auch nur ansatzweise etwas Falsches über Autismus sagt. Anstelle das man auf die Personen zugeht, sie darauf hinweist und Alternativen  bzw. Lösungen aufzeigt wird erst mal verbal draufgehauen. Und dann wundern sich die Autisten dass genau diese Menschen keine Lust haben mit ihnen zu reden? Wenn man etwas, und nicht nur seine Faust, bewegen möchte tut man tunlichst gut daran dem Gesprächspartner nicht vor dem eigentlichen Gespräch ordentlich ins Gesicht zu schlagen. Weiterlesen

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Quergedachtes wird 100

Nicht in Jahren – aber im Umfang. Dies ist mein 100. Blogpost im quergedachten und wenn ich ehrlich bin: Ich hätte nie gedacht das ich einmal so viel in einem Blog schreibe. Zeit für mich mal wieder ein wenig nachzudenken und aus dem Nähkästchen hinter dem Blog zu plaudern.

Inaktiv?

Im Blog selbst ist es ruhiger geworden. Ich kann die Schlagzahl die ich einmal vorgelegt habe nicht auf Dauer halten. Ein Blogpost die Woche klingt nach nicht viel. Ich möchte aber auch nicht nur um des Schreibens Willen und der Klicks im Blog Texte auf Teufel komm raus schreiben. Es geht aber aufwärts. Ich habe wieder einige Themen die ich im Blog bringen möchte und so kommen dann nach und nach auch wieder Texte über neue Sichtweisen und Aspekte zum Autismus. Mir ist die Qualität wichtig, Klicks und Bekanntheit schmeicheln zwar dem Ego….bewegen aber nichts in der Welt. Weiterlesen

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